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Französisches Militär investiert in „Cybersicherheitspakt“ und baut Kapazitäten für Angriffe auf

Verteidigungsminister Le Drian bei einer Parade in der École polytechnique
Verteidigungsminister Le Drian bei einer Parade in der École polytechnique

Frankreich hat seine bereits länger geplante Aufrüstung gegen einen vermeintlichen „Cyberkrieg“ bekannt gegeben. Dies berichtet unter anderem die Tageszeitung Liberation. Eine entsprechende Ankündigung machte der Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in einer Rede in einem Ausbildungszentrum bei Rennes. Demnach will das Verteidigungsministerium rund eine Milliarde Euro für die Abwehr von „Cybersicherheit“ ausgeben. Die Rede ist von einem „Cybersicherheitspakt“ („Pacte Défense Cyber 2014-2016“), der einer „strategischen Verteidigung“ dienen soll. Gemeint ist der Schulterschluß der Armee mit der Software- und Rüstungsindustrie. Anstrengungen sollen vor allem in den Bereichen Forschung, Bildung und Aufklärung erfolgen.

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Laut dem Minister beobachte Frankreich ein „exponentielles Wachstum“ von digitalen Bedrohungen. So hätten sich Angriffe im letzten Jahr beinahe verdoppelt. Sie seien auch komplexer geworden. Le Drian sprach von einem „neuen Krieg“. Ausser dem Militär seien auch der Bankensektor oder das Eisenbahnwesen davon betroffen.

„Ich will schnelle Ergebnisse“, lässt sich der Minister zitieren. 2016 soll der „Cybersicherheitspakt“ dann evaluiert werden. Laut der Neuen Züricher Zeitung wollen die Militärs vor allem mit dem Rüstungskonzern Thales zusammenarbeiten, zu dessen Prioritäten die Entwicklung von Cloud-Diensten gehöre. Auch die Kooperation mit „ausgewählten Nato-Partnern“ soll intensiviert werden.

Allerdings geht es auch um Fähigkeiten zum Angriff. In der Bretagne würde demnach ein „Exzellenzpool“ aufgebaut, der entsprechende Ausrüstung und Software entwickelt. Die Rede ist von einem „Geheimdienst der Cyber-Interessen“ („renseignement d’intérêt cyber“) und einem „Cyberkommando“. Dadurch solle die internationale Zusammenarbeit von Geheimdiensten gestärkt werden. Die Ankündigung erfolgte in Gegenwart des Konzernchefs des Telekommunikationsunternehmens Orange. Letzte Woche gab der auf digitale Kommunikation spezialisierte Konzern bekannt, dass rund 800.000 Kundendaten gestohlen worden waren.

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4 Kommentare
  1. Und weiter geht das muntere Aufrüsten. Und was den Militärs sicherlich gefällt: Sie können hier richtig Krieg führen, ohne daß es jemand merkt- abgesehen vom Opfer.
    Ein paar Attacken hier, ein paar Viren dort. Fällt öffentlich gar nicht auf, hat aber enorme Wirkung. Kriegserklärungen braucht es sowieso schon lange nicht mehr, Kriege werden nun verdeckt geführt. Und zwar täglich, ohne Aufsehen.
    Ist schon praktisch, so ein Cyberkrieg. Wenn dann mal ein paar Hundert Zivilisten den Bach runtergehen, weil das örtliche Wasserwerk durch eine Cyberattacke verunreinigt wurde, merkt das doch kein Mensch außerhalb. Das läuft dann unter „technischer Defekt“.
    Die Entwicklung ist absolut bedenklich.

  2. Sieht das nur für mich so aus, oder ist „Cyber“ im Französischen noch viel lächerlicher und mehr fal am platz als im deutschen?

    “ Pacte Défense Cyber “
    „renseignement d’intérêt cyber“

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