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AT&T will ’sponsored data‘ und Netzneutralität über Bord werfen

Gestern kündigte das amerikanische Telekommunikationsunternehmen AT&T im Rahmen der Elektronikmesse CES den Service „Sponsored Data“ für Mobiltelefone an. Künftig können damit Unternehmen als Sponsoren für Webinhalte auftreten. Die Verbindungskosten, die AT&T KundInnen beim Aufrufen dieser Inhalte hätten, würden durch die Sponsoren übernommen werden. Das Unternehmen stellte im gleichen Atemzug klar, dass gesponsorte Inhalte bei der Datenübertragung nicht gegenüber anderen priorisiert werden sollen. Der AT&T CEO Randall Stephenson hatte schon im Mai 2013 die Vision eines von Unternehmen subventionierten Internetzuganges auf einer Investorenkonferenz an die Wand gemalt.


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Offiziell will AT&T damit Unternehmen Anreize für Werbeangebote schaffen. Es wäre jedoch naiv zu glauben, dass es dabei bleiben würde. Selbst wenn die Datenübertragung und die Geschwindigkeit der Pakete von diesem Service unangetastet bleibt, können Aussichten auf erheblich reduzierte Telefonrechnungen das Nutzungsverhalten der KundInnen massiv beeinflussen. Der Deal der Telekom mit Spotify ist ein Beispiel dafür, wie ein künstlicher Wettbewerbsvorteil durch den Wegfall von Verbindungskosten zu bestimmten Diensten erzeugt werden kann. Start-Ups und kleinere Unternehmen, die aus finanziellen Gründen keine „managed services“ werden können, werden durch diese Regelung benachteiligt. Die Grundidee hinter Netzneutralität wird verletzt.

The company that connects you to the internet should not be in a position to control what you do on the internet. AT&T’s announcement positions itself to do just that.

Die NGO Public Knowledge appellierte sofort an die amerikanische Federal Communications Commission (FCC), die VerbraucherInnen gegenüber Internet Service Provider AT&T zu verteidigen. Aktuell befindet sich die FCC in einem Verfahren um die rechtliche Grundlage für Netzneutralität gegen AT&Ts größten Mitbewerber Verizon, welches demnächst entschieden werden sollte. Verizon selbst scheint laut Quellen der New York Times an einem ähnlichen Service zu arbeiten. 

 

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12 Kommentare
  1. „Die Grundidee hinter Netzneutralität wird verletzt.“ Da hast du schon Recht, aber man muss ja auch nicht päpstlicher sein als der Papst. Ich hab die Primärquellen jetzt nicht studiert, aber wenn AT&T sogar betont, dass sie die Pakete nicht priorisiern, ist das doch schonmal besser als das, was die Telekom plant. Deiner Argumentation strikt zu folgen hieße auch, 0190er-Nummern und unterschiedlichen Tarifen für Festnetz und Mobilanschlüsse zu widersprechen. Man könnte argumentieren „Kino A bietet eine Gratisnummer zum Karten reservieren an, während Kino B eine Standardtarif-Nummer hat. Das ist ein unfairer Vorteil für Kino A und darum ein Verstoß gegen die (Telefon-)Netzneutralität“

  2. Die Überschrift ist ein wenig unglücklich gewählt.
    Man könnte denken AT&T wolle *sowohl* Sponsored Data *als auch* Netzneutralität über Bord werfen — was natürlich Quatsch ist, mich bis zum lesen des Artikels etwas verwirrt hat.

  3. Die monetäre Ungleichbehandlung IST eine Verletzung der Netzneutralität. Das hat auch nichts mit „päpstlicher als der Papst“ zu tun, sondern es geht um die vertikale und horizontale Gleichbehandlung von Daten beim Transfer. Das ist der Kern der Netzneutralität. Wer diese aushebelt, verletzt die Netzneutralität. So macht es die Telekom mit Spotify und ihren anderen „Managed Services“ und genauso plant es AT&T mit ihren „Sponsored Data“ nun.

  4. Bei Amazon gehört der kostenlose Download von Büchern seit Jahren zum Leistungsumfang beim Kindle, das hat niemanden gestört. Im Gegenteil.

    Jetzt redet ein amerikanischer Konzern von Plänen und alle regen sich auf.

    Was soll das ausgerechnet jetzt?
    Warum wird so getan als wäre hier etwas neu?

  5. Hallo zusammen, ich bin der Auffassung, dass es seit jeher diese Ungleichbehandlung gibt und das macht doch auch Sinn. Die einen Service Provider können sich eben eine 10Gbps Standleitung leisten und eine dementsprechend gute Netzanbindung, andere Services verwenden den privaten DSL Anschluss. Dazwischen liegt eine Spanne von mehreren Tausend Euro monatlich.
    Na und?

    Anderes Beispiel: Wer auf Google wirbt, ist auf Platz 1 der Trefferliste, obwohl er im objektiven Ranking auf Seite 134 auftauchen würde.
    Na und?

    1. Werbung erhöht die Kosten des beworbenen Produkts. Also bezahlen nur andere für den „billigen Anschluss“. Bei Milch kostet Werbung inzwischen in Deutschland mehr als der Milchbauer dafür bekommt. Werbung ist Abzocke für Dumme!

    2. Was hat denn die gebuchte Geschwindigkeit mit dem Inhalt zu tun?

      Als Analogie:
      Wenn ein Unternehmen 100 Telefon-Anschlüße hat dann geht AT&T es GAR NICHTS an, was für Sachen darüber geredet werden. Sonst käme nämlich AT&T auf die Idee der Sexhotline höhere Gebühren abzuverlangen wegen der Inhalte im Gegensatz zur Bosch-Kunden-Hotline, obwohl beide nur die Telefon-Anschlüße bei dem Anbieter gebucht haben und es diesen NIX angeht was durch die Leitung fließt.

  6. At&T will wohl genauso wie AOL den Bach runtergehen? AOL hatte auch damals so tolle „sponsored data“, wollten die Nutzer aber nicht, die wollten nur die dumme Leitung(aka Internet) und das hat sich dann ja auch durchgesetzt. Hoffentlich wird der Verantwortliche bei AT&T dafür gefeuert.

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