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Sunil Abraham: Moralische Komponente der „Open“ Debatte

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Sunil Abraham ist Direktor des indischen Centre for Internet & Soceity in Bangalore. Seine bisherige Forschung beschäftigte sich mit Open Data und Open Access Themen, Urheberrecht und Datenschutz. Nun hat er in einem Gespräch mit Tech Presidents David Eaves über seine Sicht auf die „Open“ Debatte gesprochen. Dabei bezieht er eine interessante Position. So liegt Abrahams Fokus nicht primär auf der Frage oder Unterscheidung zwischen Legal und Illegal, sondern er sieht die ‚Zuschreibung‘ eines Werkes als wichtiges Element.

Auf der ersten Achse wird zwischen den Rechten des Urhebers bzw. Freiheiten des Benutzers unterschieden und inwieweit Letzterer die Rechte des Urhebers achtet. Von links nach rechts wird es immer weniger restriktiv. In Verbindung mit der dritten Achse (Legal vs. Illegal) gibt es dann eine Trennung zwischen freier Verfügbarkeit eines Werkes und der Nichtanerkennung der Rechte des Urhebers durch den Benutzer. Als Beispiel wären hier Lawrence Lessig und Aaron Swartz zu nennen. Lessig setzt sich für offene Lizenzierungsmodelle, wie Creative Commons ein – ähnlich zu Aaron Swartz. Allerdings bleibt Lessig innerhalb des rechtlichen Rahmens während Swartz urheberrechtlich geschützte wissenschaftliche Artikel aus Protest frei zugänglich gemacht hat. Lessig respektiert die Rechte der Urheber, während Aaron Swartz – nach Sunil Abrahams Kategorisierung – seine eigene Freiheit über die Rechte des Urhebers gestellt hatte.

Schaut man sich allerdings die ‚Attribution Axis‘ an (Zuschreibung eines Werkes), sind Lessig und Swartz im selben Bereich, da beide es dem Benutzer ermöglichen das Werk dem Urheber zuzuschreiben. Gleiches gilt z.B. für Abraham auch bei investigativen Journalisten, die ein geheimes Regierungspapier veröffentlichen. Sie handeln zwar illegal, wenn man lediglich die rechtliche Perspektive betrachtet. Allerdings handeln sie aus moralischer Überzeugung und das Papier lässt sich eindeutig dem Urheber – der Regierung – zuordnen. Auch beim File-Sharing bleibt diese Zuschreibung des Werkes erhalten.

One of the most telling facts about unauthorized sharing online is that people preserve attribution — there’s no attempt to hide who made the song or film. That’s probably why survey after survey shows that sharing materials online increases their sales — something that would be unlikely if attribution were stripped from files.

Diese Möglichkeit der Zuschreibung eines Werkes wird natürlich am offensichtlichsten bei gefälschten Produkten oder z.B. Identitätsklau gebrochen. Daher fallen Yes Men und Anonymous in diese Kategorie – Die Yes Men geben sich als Konzern-Mitarbeiter aus und geben so augenscheinlich offizielle Pressemitteilungen. Anonymous wiederum übernimmt zwar als Kollektiv Verantwortung für eine Tat, allerdings ist der einzelne selten identifizierbar. Nach Abraham „spielen“ diese Akteure mit der ‚Attribution Axis‘ um auf etwas aufmerksam zu machen.

All the modern day regulation over IP is trying to pin an individual against their actions and then trying to attach responsibility so as to prosecute them. All that is circumvented when you play with the attribution layer. The more you move to the right the more radical you are. Because everywhere on the left you actually have to educate people about the law, which is currently unfair to the user, before you even introduce them to the alternatives. You aren’t even challenging the injustice in the law! On the right you are operating at a level that is liberated from identity and accountability. You are hacking identity.

So sieht Abraham hier auch eine Verbindung zum zivilen Ungehorsam: Obwohl man aus rechtlicher Perspektive etwas ‚illegales‘ macht, kann dies trotzdem moralisch vertretbar sein.

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