Generell

Studie über Bürgerproteste in Deutschland – sponsored by BP

Im August vergangenen Jahres bekam ich eine Anfrage des Institut für Demokratieforschung an der Universität Göttingen, die mich für ein „breit angelegten Forschungsprojekt zum Thema Engagement und Partizipation in Demokratie und Zivilgesellschaft“ zu den ACTA-Protesten interviewen wollten. Ich sagte damals zu, auch weil ich gerne mehr empirische Grundlagenforschung darüber hätte, wie sich gerade Öffentlichkeiten rasant durch das Netz verändern. Alleine schon, um meine eigene Filterblase auch manchmal mit der Realität abgleichen zu können und weil ich es spannend finde.
Mittlerweile ist die Forschung fertig und daraus ist eine Studie über Bürgerproteste in Deutschland entstanden. Die ich aber noch nicht gelesen habe, weil sie als Buch erscheint, was uns aber noch nicht zugeschickt wurde. Was ich aber bereits gelesen habe, ist, dass BP die Forschung finanziert hat. Was mir zumindest neu war.

Lobbycontrol thematisiert das Engagement von BP, die natürlich keine altruistische Motivation haben, sondern ein Interesse, solche Proteste besser zu verstehen, um bei der nächsten Krise besser vorbereitet zu sein: BP lässt Bürgerproteste untersuchen – was steckt dahinter?


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BP hatte also neben der Imagepflege durch die Forschungsförderung ein konkretes Eigeninteresse, mehr über die Protestbewegungen herauszufinden. Unserer Einschätzung nach muss man die Studie im Kontext einer breiten Diskussion innerhalb der Szene der Lobbyisten und Kommunikationsberater sehen. Dort wird spätestens seit Stuttgart 21 intensiv diskutiert, wie man strategisch am besten mit den neuen Bürgerprotesten umgehen soll.

Das Institut für Demokratieforschung hat mittlerweile in seinem Blog auf die Vorwürfe von Lobbycontrol geantwortet und weist alles von sich: Über die eigene Arbeit und Geldgeber von Grundlagenforschung.

Uns wurde vom selbst ernannten Kontrolleur vorgehalten, die Studienteilnehmer nicht korrekt über BP als Förderer informiert zu haben. Dazu: Es ist in der Sozialforschung nicht Usus, weil nicht sinnvoll, Gesprächsteilnehmer vorzuprägen und dadurch zu konditionieren. Längere Gespräche und Interviews, wie wir sie in diesem Fall durchgeführt haben, haben das Ziel, nicht nur klare Fakten herauszustreichen, sondern eben auch nach Motivationen und Eindrücken zu fragen, nach Befindlichkeiten und subtileren Strömungen zu schauen, kurz: sich Zeit zu nehmen für die individuell ganz verschiedenen Antriebe der Menschen. Wenn die Forschungsfrage von Anfang an offensiv erklärt wird, eröffnet sich für den Interviewer das Problem der sozialen Erwünschtheit. Dies bedeutet, dass die Annahme, der Gegenüber interessiere sich für dieses oder jenes, jede Antwort schon vorstrukturiert und lenkt. Dieser Forschungsansatz ist nur mit einem offenen methodischen Ansatz möglich. Mit einer Nennung von Hintergrund und Erkenntnisinteresse im Vorhinein hätten sich die Forschungsergebnisse erheblich verzerrt – und wären in der wissenschaftlichen Diskussion mit Recht kritisiert worden. Wer das nicht wahrhaben will, soll sich selbst einmal in die Niederungen der empirischen Sozialforschung begeben.

Ich gehe nicht soweit wie Fefe zu sagen, „Wenn so jemand bei euch anklopft, sagt ihm bitte nichts. Nur weil die freundlich und nett wirken, muss man noch nicht kooperieren.“ Weil ich in solchen Interviews nichts anderes sage als was ich auch über diese Themen blogge. Was bei ACTA eine Menge war. Und weil ich Grundlagenforschung darüber haben möchte, die von außen drauf blickt, was wir eigentlich machen.

Aber ich bin doch schon sehr darüber irritiert und werde zukünftig noch vorsichtiger sein, wenn ich solche Anfragen bekomme als ich es jetzt schon bin. Ich werde aber zukünftig explizit vorher danach fragen, wer das ganze Vorhaben mit finanziert. Und wenn dann dabei heraus kommt, dass ein Unternehmen wie BP oder eine Public Affairs / Public Relations Agentur da mit drin steckt, werde ich sicher nicht mitmachen. Und wenn man mir das nicht sagen möchte, weil ich ja sonst konditioniert wäre, mache ich das einfach nicht. So wie ich jetzt schon viele Anfragen absage.

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24 Kommentare
  1. Nachträglich zu informieren und ggf. einem Verwendungsverbot zu unterliegen wäre eine einfache und praktikable Lösung. Daß die Forscher ggf. Zeit vergeblich aufgewendet haben, wäre zu verschmerzen. IMHO

  2. Die Frage ist, ab welcher Stelle im Forschungsprozess der Auftraggeber einer Studie veröffentlicht wird – gegenüber den Befragten, der Öffentlichkeit, den Kooperationspartnern. Man könnte mit OpenScience argumentieren und sagen, dass von Anfang alles offengelegt werden soll: Forschungsansatz, Theorien und Modelle, Methodik, dann Daten und Publikationen. Für öffentlich-geförderte Wissenschaft wäre das sinnvoll.

    Bei privat-finanzierter oder privat-betriebener sozial- und politikwissenschaftlicher Forschung, wie sie im größeren Umfang von Unternehmen betrieben wird, gibt es vielleicht keine rechtliche Verpflichtung zur Offenheit. Aber für die Gesellschaft, auch für die Forschung, wäre es wichtig, wenn man den Forschungsprozess und die Ergebnisse stärker öffnen würde.

    Warum zum Beispiel giltst Du, Markus, als Experte für Bürgerbewegungen? Bei aller Prominenz, aber es gibt in Deutschland soviele Leute, die sich sehr intensiv und sehr lang mit ePartizipation und deren Folgen für gesellschaftliche Bewegungen beschäftigen. Ich find es ja nicht schlimm, dass sie Dich gefragt haben, auch wegen DigiGes sind sie an Dir nicht vorbeikommen, aber ich wüsste eigentlich schon gern, wie Sie die Expertenauswahl vorgenommen haben.

    Ob die Information, dass BP das ganze bezahlt hat, die Antworten verändert hätte, ist geschenkt – man kann ja das auch explizit abfragen. Also fehlende Transparenz methodisch zu begründen, ist eher schwach.

    Aus unserer Sicht kann es auf dieses Dilemma nur eine Antwort geben: man muß OpenScience sehr konsequent denken. Von Anfang an bis zur Veröffentlichung: Auftraggeber, Theorien, Modellbildung, Daten, Ergebnisse. Wir wollen das als ikosom probieren, aber wohin das führt, weiß natürlich jetzt noch kein Mensch.

    1. @Karsten:

      Warum zum Beispiel giltst Du, Markus, als Experte für Bürgerbewegungen? Bei aller Prominenz, aber es gibt in Deutschland soviele Leute, die sich sehr intensiv und sehr lang mit ePartizipation und deren Folgen für gesellschaftliche Bewegungen beschäftigen. Ich find es ja nicht schlimm, dass sie Dich gefragt haben, auch wegen DigiGes sind sie an Dir nicht vorbeikommen, aber ich wüsste eigentlich schon gern, wie Sie die Expertenauswahl vorgenommen haben.

      Ich bin ja nicht als Experte für Bürgerbewegungen befragt worden, sondern als Akteur der Anti-ACTA-Proteste. Sonst kann ich nichts dazu sagen, wen sie noch ausgewählt haben. Zu ACTA wollten sie noch Piraten besuchen.

  3. An sich finde ich es nicht tragisch solche Studien mitzumachen. Jeder sollte sich im Klaren sein, dass jede Studie einen gewissen Zweck hat und wenn sich ein Unternehmen eine „besere Zusammenarbeit“ oder ein „besseres Verstehen“ oder ein „wie weit kann ich gehen, ohne dass die Mehrheit bzw. die „Wichtigen“ der Öffentlichkeit sich darüber aufregen“ davon erhofft ist das sein gutes Recht, schließlich möchte jeder seine Interessen durchsetzen – und wie allgemein bekannt: WISSEN IST MACHT!
    Davon abgesehen würde ICH persönlich nur bei solchen Studien mitmachen, die entweder klare Ziele definieren, oder eine mir eine komplette Veröffentlichung der Studie (schriftlich) garantieren.
    Das Argument, dass Menschen durch das Wissen über das Ziel einer Studie beeinflusst würden ist meines Erachtens Unsinn (weshalb ich die BP Studie auch nicht unbedingt gut heißen würde – außer sie wird veröffentlicht), denn es ist üblich mitzuteilen WOFÜR (also mit welchem Ziel) eine Studie gemacht wird.
    Beispiel Radio: Ich habe bei einer Studie mitgemacht, die mit einer Tagesaufwandsentschädigung von 50€ honoriert wurde, bei dem nach dem Musikgeschmack gefragt wurde. Hierbei wurde ganz klar gesagt: Dies macht ein Radiosender, wir möchten aber nicht sagen welcher, da er sonst evtl. besser bewertet wird (wegen den 50€). Somit war klar: Die Studienteilnehmer sind für einen Radiosender tätig und „verbessern“ deren Musikstil.

    In der BP-Studie hätte gesagt werden können: „Wir sind für einen Ölkonzern tätig und möchten die Meinung der Bevölkerung wissen.“

    MfG
    Optimist

    1. „Das Argument, dass Menschen durch das Wissen über das Ziel einer Studie beeinflusst würden ist meines Erachtens Unsinn“

      …ist aber ein vielfach dokumentiertes Phänomen, gerade in den Sozialwissenschaften:
      http://en.wikipedia.org/wiki/Demand_characteristics

      Um gleichzeitig die Validität der Studie UND ethische Vertretbarkeit sicherzustellen, ist es m.M.n. am sinnvollsten wie von Painted Badger vorgeschlagen, nachträglich zu informieren und ein Verwendungsverbot anzubieten. Informed consent halt.

    2. Hallo Hannah,
      hast du meinen obigen Beitrag gelesen? Falls ja, warum wiederholst du alle Argumente die ich oben widerlegt habe?
      Falls du Gegenargumente hast, dann schreibe sie bitte zu meinem oder diesem Post, sie würden mich sehr interessieren!

      MfG
      Optimist

      Hallo Optimist,
      leider habe nicht viele Widerlegungen gesehen, deswegen zitiere ich jetzt Stück für Stück, damit ich nicht etwas wichtiges übersehe:

      An sich finde ich es nicht tragisch solche Studien mitzumachen. Jeder sollte sich im Klaren sein, dass jede Studie einen gewissen Zweck hat und wenn sich ein Unternehmen eine “besere Zusammenarbeit” oder ein “besseres Verstehen” oder ein “wie weit kann ich gehen, ohne dass die Mehrheit bzw. die “Wichtigen” der Öffentlichkeit sich darüber aufregen” davon erhofft ist das sein gutes Recht, schließlich möchte jeder seine Interessen durchsetzen – und wie allgemein bekannt: WISSEN IST MACHT!

      Nichts gegen zu sagen, jeder hat das Recht zu tun, was der Person lieber liegt. Halt in den gesetzlichen Grenzen und mit einer Einkalkulierung, dass die eigenen Taten zu Recht oder zu Unrecht in Kritik geraten können.

      Davon abgesehen würde ICH persönlich nur bei solchen Studien mitmachen, die entweder klare Ziele definieren, oder eine mir eine komplette Veröffentlichung der Studie (schriftlich) garantieren.

      Jede Person kann das tun, was sie will und bei den Studien mitmachen, bei denen sie will.

      Das Argument, dass Menschen durch das Wissen über das Ziel einer Studie beeinflusst würden ist meines Erachtens Unsinn[meine Hervorhebung] (weshalb ich die BP Studie auch nicht unbedingt gut heißen würde – außer sie wird veröffentlicht), denn es ist üblich mitzuteilen WOFÜR (also mit welchem Ziel) eine Studie gemacht wird.

      Das stimmt einfach nicht. Jegliche Mitteilung, inklusive der Art der Fragestellung, kann und führt zu einer Verzerrung, die bei jeder guten Studie berücksichtigt werden muss. Das Problem damit wurde sogar von Seiten LC erkannt. Hier nochmal das von mir schon zitierte Textausschnitt: »oder bestimmte Einschätzungen für sich zu behalten«. Bei dieser Art der Teilnahme wäre die Studie nicht nur nicht mehr repräsentative, sondern in höherem Masse verzehrt!
      Siehe auch den Kommentar von Reinhald

      Beispiel Radio: Ich habe bei einer Studie mitgemacht, die mit einer Tagesaufwandsentschädigung von 50€ honoriert wurde, bei dem nach dem Musikgeschmack gefragt wurde. Hierbei wurde ganz klar gesagt: Dies macht ein Radiosender, wir möchten aber nicht sagen welcher, da er sonst evtl. besser bewertet wird (wegen den 50€). Somit war klar: Die Studienteilnehmer sind für einen Radiosender tätig und “verbessern” deren Musikstil.

      Schönes Erlebnis, das nochmal die mögliche Verzerrung hervorhebt, die bei guten Studien zu vermeiden ist.

      In der BP-Studie hätte gesagt werden können: “Wir sind für einen Ölkonzern tätig und möchten die Meinung der Bevölkerung wissen.”

      Es ist KEINE BP-Studie, sondern eine Studie, die durch die Drittmittel finanziert wird, die von BP zur Verfügung gestellt wurden und die klares Ziel hatte: Erforschung der »Bürgerproteste in Deutschland«

      MfG
      HB

    1. @teekay, die Studie ist als PDF zum freien Download verfügbar, es gibt zudem einen Podcast und zudem einige online veröffentlichte Interviews mit den Autoren.

      Das Buch geht über die Studie hinaus und präsentiert auch die Ergebnisse der einzelnen Teilstudien in Artikelform. Vorwort und Methodenteil können auf der Rowohlt-Homepage heruntergeladen werden.

      P.S.: die „netzbewegte Zielgruppe“, die Sie annehmen, hätte dies mit Klicken auf die Links im Artikel auch herausgefunden.

  4. Ich finde die Aussage der Forscher etwas … forsch.
    Es stimmt sicherlich, dass man nicht immer die Forschungsfragen offenelgen kann. Aber offen zu legen dass BP die Studie finanziert hat ja nichts damit zu tun. Genau betrachtet müsste diese Information vor Beginn mitgeteilt werden. Die Grundvoraussetzung für ethische Forschung heißt nicht umsonst _informed_ consent.
    Oder zumindest nach der Befragung sollte diese Information offengelegt werden, als debrifing mit der expliziten Option die Verwendung der gemachten Aussagen aufgrund der neuen Informationen zu untersagen.

    1. Es ist doch schon erstaunlich, dass sich hier offenbar Leute aufspielen und Behauptungen aufstellen, die nicht das Buch gelesen haben. Hätten sie dies getan, wäre Ihnen bewusst, dass man bei der Gesellschaftsstudie genau so vorgegangen ist, wie es hier anempfohlen wird. Ich weiß von mir bekannten BI’lern, dass Ihnen nach den Interviews Einverständniserklärungen vorgelegt und auch die Herkunft der Drittmittel benannt wurde. Wenn man damit an diesem Punkt nicht einverstanden gewesen wäre, wären ihre Aussagen nicht verwendet.
      MfG
      Bob.

  5. Das ist ein Dilemma. Einerseits will man gute und unverzerrte Grundlagenforschung, anderseits will man alles über dieselbe wissen. Einerseits will man, dass die Forschung unabhängig ist, anderseits gibt es auch die Drittmittel, die öfters als Qualitätsmerkmal für ein Institut gelten (die Wirtschaft wird ja nicht in irgendwas investieren, dann muss es gut sein).
    Fakt ist — es gibt Drittmittel, die müssen nicht mal ein Problem darstellen, wenn die Methodik nachher veröffentlicht wird (in welcher Form auch immer).
    Was ist von dem zu halten, dass BP die Erforschung der Bürgerproteste durch die Drittmittel bei Göttinger Institut für Demokratieforschung? Nichts, man soll sich freuen, dass sie dafür Geld ausgegeben haben, mehr nicht. Vorausgesetzt: die Methodik und alles andere wird veröffentlicht, die Daten von Teilnehmern nicht weitergeleitet und die Forschung dadurch vorangetrieben. Es macht ja am Ende kein Unterschied für die Forschung wer das bezahlt hat, Hauptsache es wird auch in diesem Bereich geforscht. Für BP macht es auch kein Unterschied ob die es selber bezahlen, oder nachher sich das Buch kaufen um das zu erfahren, was sie wissen wollen (ja-ja, die Peanuts könnten sie auch anderswo ausgeben, aber wieso nicht auch dort). Dass sie Zwischenberichte erhalten haben, soll erstmals nichts schlechtes heißen, ich würde auch wissen wollen, wie weit die Forschung ist und wann ungefähr mit Ergebnissen zu rechnen sei.

    Hier komme ich zu der unsinniger Forderung man solle ja bitte schön vorher sagen wer die Umfrage finanziert, evtl. auch wie die Methodik aussieht, etc., damit man »beruhigt« bei der Studie mitmachen kann. Zu dieser Forderung, könnte ich nur eins sagen — Danke für wunderbare verzehrte Forschungsergebnisse! Aus meiner Sicht ist es nicht im Sinne der Forschung und dadurch auch der Gesellschaft, dass die Forschungsergebnisse verfälscht werden. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass manche ihre Einwände darüber stellen — »Wenn der Befragung auch ein Erkenntnisinteresse des Ölkonzerns zugrunde liegt, müssen die Befragten zu Beginn die Möglichkeit haben, eine Teilnahme aus diesem Grund abzulehnen oder bestimmte Einschätzungen für sich zu behalten«¹.
    Ich kann die Einwände gut verstehen, ja sogar teile ich einige von denen, aber wenn jemand sich entschieden hat bei der Studie mitzumachen, mit dem Wissen, dass die Ergebnisse später eh öffentlich sein werden und viele PR-BeraterInnen dafür höchstwahrscheinlich sehr dankbar sein werden, soll einfach mitmachen und so frei wie möglich reden.

    Ja, es gibt dieses Dilemma bei Umfragen — was wird vorher mitgeteilt und was nicht, um möglichst wenig zur Verzerrung beizutragen. Ich würde, sehr spekulativ, sagen, dass wenn alles, sowohl die Methodik und besonders die »Geldgebende« bei Kinsey schon vorher freigelegt sein würden, würde die Sexualforschung (inkl. der Revolution), wie wir sie kennen, nie geben!
    ■HB

    1. Hallo Hannah,
      hast du meinen obigen Beitrag gelesen? Falls ja, warum wiederholst du alle Argumente die ich oben widerlegt habe?
      Falls du Gegenargumente hast, dann schreibe sie bitte zu meinem oder diesem Post, sie würden mich sehr interessieren!

      MfG
      Optimist

    2. Eine Kleinigkeit die ich vergessen habe:
      Normalerweise wird (meines Wissens nach) bei Studien immer das Ziel angegeben.
      Beispiele:
      – Medizinstudie (Test von Medikamenten auf Nebenwirkungen – dabei darf man den Plazebo und Nozebo-Effekt nicht vergessen, diese werden entsprechend rausgerechnet)
      – das obige Beispiel der Radiostudie, eine Befragung zur Wahl (dabei wird ganz klar genannt, dass ein Meinungsbild zur Wahl gemacht werden soll)
      – Befragungen von NGOs: Hier melden sich die beauftragen Institute mit „Hier ist Institut XYZ, wir möchten im Auftag von WWF/RettetDieWahle/SeaShepherds/AmnestyInternational/usw. eine Umfrage durchführen.“

      Warum ist das bei BP nicht möglich? Und warum zum Teufel erlaubt BP nicht die komplette Herausgabe der Daten – z.B: Bezahlung???

      MfG
      Optimist

      1. Sorry, dass ich nochmal schreibe – mir ist aufgefallen, dass man mir ein Wort im Mund umdrehen kann:
        Klinikstudien finde ich persönlich nur dann gut, wenn sie auch der Öffentlichkeit präsentiert werden. Falls mir eine angeboten würde, die unter Verschluss gehalten werden kann, würde ich sie ablehnen.
        Das Prinzip der Veröffentlichung gil (für mich) im übrigen für jede Studie!

        MfG
        Optimist

  6. moin
    Markus Beckedahl bitte kannst du teilweise komb. Zeichensatz benutzen und nicht den Dreck den dein Mac dir ausgibt.

    DANKE

    jede twit umschreiben wegen FAIL Zeichen ist super nerfig.

    1. Was ist daran lustig? Das ist in privatrechtlichen Verträgen üblich. Du darfst ja Dritten auch keine Auskunft über Dein berufliches Salär geben oder musst verschweigen, wie teuer Du ein Haus kaufst.

  7. A) Freut euch doch dass den sozialen Bewegungen Aufmerksamkeit geschenkt wird, und dass die Unternehmen auch noch dafür bezahlen. Es handelte sich nicht um AUFTRAGSFORSCHUNG sondern um eine Forschungsförderung. Ich fände es aber ehrlichgesagt auch besser, wenn Forschung weniger auf Drittmittel angewiesen wäre, aber dann ist immer noch der Staat als Akteur dabei. (Ich hab schon erlebt dass sich Leute über Projekte die von der VW Stiftung finanziert werden aufgeregt haben, ohne zu bedenken dass diese unabhängig von VW ist).

    B) Das Göttinger Institut hat es doch nie verheimlicht dass Förderung von BP erhielt? Das wurde (nach eigener Aussage?) nach dem Interview mitgeteilt.

    C) jeder hatte im Rahmen des Informed Consent das Recht sich wieder aus der Umfrage herauszuziehen.

    Es ist aus methodologischer Sicht durchaus nachvollziehbar dass man bestimmte Informationen jedoch erst nach der Durchführung der Gruppendiskussionen etc. mitteilen kann.

    Im übrigen gibt es auch andere Forschungsmethoden (Ethnographie etc.), in denen das noch komplizierter werden kann.

    Die frage lautet nun: Haben die Göttinger gegen den Ethikkodex für Politologen oder Soziologen verstoßen?

    http://www.soziologie.de/index.php?id=19
    https://www.dvpw.de/wir/profil/ethikkodex.html

    wenn ja, konkret, wie?

    1. juxtaposed schrieb:

      B) Das Göttinger Institut hat es doch nie verheimlicht dass Förderung von BP erhielt? Das wurde (nach eigener Aussage?) nach dem Interview mitgeteilt.

      von der Institutswebseite:

      Auf Nachfrage wurde offen über den Förderer gesprochen …

      Wie ich das verstehe heisst das: nach dem Interview wurde nicht automatisch über die Finanzierung durch BP gesprochen, sondern nur wenn jemand explizit nachfragte.

      juxtaposed schrieb:

      C) jeder hatte im Rahmen des Informed Consent das Recht sich wieder aus der Umfrage herauszuziehen.

      Markus ging offensichtlich davon aus, dass er über das Projekt ausreichend informiert war, daher hat er auch nicht „nachgefragt“ und aufgrund der ihm zugrundeliegenden Information auch keine Veranlassung gesehen, sich herauszuziehen.

      Hierzu aus dem Ethikkodex:

      IB(3) Generell gilt für die Beteiligung an politikwissenschaftlichen Untersuchungen, dass diese freiwillig ist und auf der Grundlage einer möglichst ausführlichen Information über Ziele und Methoden des entsprechenden Forschungsvorhabens erfolgt.

      Weiterhin:

      Aus dem Ethikkodex:

      IA(3) Politikwissenschaftler/innen sollen in ihren Publikationen sämtliche Finanzierungsquellen ihrer Forschungen benennen. Sie gewährleisten, dass ihre Befunde nicht durch spezifische Interessen der Geldgeber verzerrt sind.

      und von der Institutswebseite hört man hierzu:

      3) Über die Summe, mit der BP unsere Grundlagenforschung unterstützt hat, dürfen wir leider keine Auskunft geben.

      Die Herausgeber.

  8. Interessant ist ebenfalls, was das Institut und BP von der Studie haben: Sichtbarkeit und ein paar ggf. ein paar Vorstellungsrunden in Fachausschüssen und vielleicht auch Ministerien? Das bleibt zu beobachten und wird wahrscheinlich nicht so sehr an die Große Glocke gehängt und höchst selbstgerecht verteidigt.
    Dort kann man die gesammelten Informationen so immerhin direkt zu den Entscheidungsträgern bringen. Daran haben sowohl das Institut als auch BP ein Interesse.

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