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Google: Nutzer von Gmail können keine Privatsphäre erwarten

In einer Stellungnahme zu einem laufenden Gerichtsverfahren haben Anwälte von Google erklärt, dass Nutzer die Emails an Googles Mailservice Gmail schicken, keine Privatsphäre zu erwarten hätten. Das berichtet Consumerwatchdog, denen die Stellungnahme von Google vorliegt.

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Oft wurde an dieser Stelle in den letzten Wochen über verschiedene Emailanbieter und Möglichkeit zur sicheren Kommunikation berichtet. Dabei wurde immer davor gewarnt einen Dienst der großen amerikanischen Konzerne wie Google, Yahoo oder Microsoft zu nutzen, wenn man seine Privatsphäre schützen möchte. Doch nun liefert sogar Google selbst die Aussage, dass Nutzer von Gmail keine Privatsphäre zu erwarten hätten:

Just as a sender of a letter to a business colleague cannot be surprised that the recipient’s assistant opens the letter, people who use web-based email today cannot be surprised if their emails are processed by the recipient’s [email provider] in the course of delivery. Indeed, ‘a person has no legitimate expectation of privacy in information he voluntarily turns over to third parties.


Abschließend gibt Google zusätzlich an, dass eine Einschränkung in der Verarbeitung der Daten, zu einer Kriminalisierung von Spamfiltern und Suchen führen könne und die Klage deshalb abgewiesen werden müsse:

Last, Plaintiffs’ claims should be rejected because they would lead to anomalous results with far-ranging consequences beyond the allegations in the Complaint. Plaintiffs’ theory–that any scanning of email content by ECS providers is illegal–would effectively criminalize routine practices that are an everyday aspect of using email. Indeed, Plaintiffs’ effort to carve out spam filtering and virus detection from their claims underscores the fact that their theory of liability would otherwise encompass these common services that email users depend on.

Diese Aussagen tätigten Googles Anwälte in einem Prozess in dem sich Google einer Sammelklage gegenübersieht. Die Kläger beschuldigen Google, die Privatsphäre seiner Nutzer zu schädigen, indem der Inhalt von Email zur Schaltung von personalisierter Werbung untersucht werde. Die Kläger fordern Google auf darzulegen, welche Informationen von Emails hierzu genutzt werden. Eine stark zensierte Fassung der Klage ist hier einsehbar.

Für John M. Simpson, Projektdirektor bei Consumerwatchdog, ist die Sache damit klar: Wer seine Privatsphäre schützen möchte, darf Gmail nicht nutzen.

Google has finally admitted they don’t respect privacy,[…]. People should take them at their word; if you care about your email correspondents’ privacy don’t use Gmail.

Dieser Aussage schließen wir uns an.

Update: Wie Sebastian Jabbusch in den Kommentaren richtig anmerkte, hat Consumerwatchdog in der Vergangenheit bereits mehrfach Kampagnen gegen Google gestartet. Unter anderem soll Microsoft Consumerwatchdog für einige dieser Kampagnen bezahlt haben.

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55 Kommentare
  1. Dummerweise dürfte es bei jedem kostenfreien Mailanbieter so sein. Ob er aus Deutschland, den USA oder sonstwo herkommt. Sie finanzieren sich durch Werbung und wollen diese natürlich so kundennah wie möglich gestalten.

    Wahrscheinlich ist allerdings auch, dass Google mit der NSA zusammenarbeitet und diese die Daten dann auch noch auswertet.

    Als Mitglied der Piratenpartei kann ich da nur raten, seine E-Mails zu verschlüsseln. Dann kann man auch bei GoogleMail bleiben.

    Piratige Grüße

    Thomas Matzka

      1. Nein!
        Ich arbeite bei einem kleinen Berliner Unternehmen. Wir bieten u.a. E-Mail an.

        Wir analysieren unsere Kundendaten/mails nicht! Nie. Unsere Server stehen auch in DE.
        Wir verkaufen aber auch keine Werbung, sondern eben u.a. Email.

        Deine Aussage trifft vermutlich auf alle *kostenfreien* Anbieter zu.

        Unsere Lösung (hosted Zimbra) ist so komfortabel wie gmail (Datenablage, Pushmail (Ordner!), Kalender & Aufgaben etc.) aber nicht kostenlos. Ein Konto kostet 5€/Monat inkl. MwSt. bei monatlicher Kündbarkeit.

        Man muss heute keinen eigenen Mailserver mehr betreiben, nur den richtigen Anbieter finden und nicht mit seinen Daten zahlen, sondern mit Geld.

        Gruß,
        Ben

    1. @Thomas Matzka

      Inwiefern schützt mich das Verschlüsseln meiner Mails vor der gewerblichen Auswertung und dem Ausspähen der i.d.R. unverschlüsselten Mails, die ich erhalte? Wie schützt mich das Verschlüsseln meiner Mails vor der gewerblichen Auswertung und dem Ausspähen der unvermeidlichen und automatisiert viel besser auswertbaren Metadaten (z.B. Kontakt-Adressen, oder die Tatsache, dass ich gern Mails verschlüssele)? Inwiefern qualifiziert einen die Mitgliedschaft in der Piratenpartei dazu, Ratschläge zur Wahrung der Privatsphäre abzugeben?

      Da sich Metadaten und derzeit mindestens 90% der unverschlüsselten Kommunikation einfach nicht vermeiden lassen, ist die Wiederherstellung der Privatsphäre von allen Unternehmen und Behörden einzufordern. Und solange die noch nicht wieder hergestellt ist, muss man selbst zumindest die Anbieter und Staaten zu meiden, von denen wir bereits wissen, dass eine Privatsphäre nicht existiert.

      Anarchische Grüße

      flxtr

  2. Hmm … Ich hab so ein bisschen das Gefühl, dass ihr hier eine Aussage überbewertet. Es geht bei der Klage meines Wissens darum, dass die automatische Prüfung von E-Mails nach SPAM als Verletzung der Privatsphäre gehandhabt werden soll. Das ist totaler Blödsinn, da ja kein Google Mitarbeiter „persönlich“ die E-Mail liest, sondern lediglich Algorithmen automatisch auswerten, ob sich bestimmte e-mails sehr oft wiederholen. Genau deshalb ist Gmail so spam-frei. Ich finde das gut.

    Algorithmen sind keine Verletzung der Privatsphäre. Und im übrigen haben alle anderen E-Mail Anbieter ebenfalls SPAM Schutz-Algorithmen, die mal besser, mal weniger gut arbeiten.

    1. “ da ja kein Google Mitarbeiter “persönlich” die E-Mail liest, sondern lediglich Algorithmen automatisch auswerten, ob sich bestimmte e-mails sehr oft“

      Nichts anderes macht auch der NSA, beim Spamfilter wird nach wörtern wie „Viagra“ usw gesucht, der NSA sucht andere keywörter. Alles was nicht verschlüsselt ist wird ausgewertet werden.

      1. ja und? Der Inhalt wird Google zugänglich gemacht, der komplett Inhalt. Ob dies nun für die Schaltung von Werbeanzeigen gescheit oder um Spam abzuwehren ist irrelevant.
        Die Nutzer von Gmail sollten das natürlich wissen. Sollten.

  3. Bitte prüft auch die Quellen euer Informationen. Es ist bekannt, dass Consumerwatchdog sehr intensiv mit Microsoft zusammenarbeitet. Microsoft arbeitet seit vielen Jahren an einer Internationalen Negativ-Kampagne gegen Google. Der Versuch die automatische Filterung von E-Mails als Verletzung der Privatsphäre darzustellen ist eines der Kernziele dieser Kampagne (obwohl Outlook.com dasselbe tut!!). In Deutschland arbeitet u.a. ICOMP von Burson Marsteller an der Verbreitung solcher Ideen.

    Ich fänd es schade, wenn sich Netzpolitik.org zum willfährigen Opfer von Lobbyisten-Kampagnen wird und dabei die BERECHTIGTEN Bedenken gegen Google mit schmierigen Kampagnen von Konkurrenten vermischt!

  4. Und im übrigen ist es tatsächlich so, dass wenn ich jemand Drittem eine E-Mail schreibe, muss ich davon ausgehen, dass MINDESTENS dieser Dritte den Inhalt dieser E-Mail erfährt.

    Auch in Deutschland gilt das Briefgeheimnis immer nur für den _Empfänger_ eines Briefes und nicht für den Absender. Der Empfänger ist aber, da hat Google recht, freiwillig bei Google und weiß, dass Google die Mails nach SPAM filtert.

    Fazit: Die Argumentation ist schon sehr weit hergeholt.

    1. Lol?! Google ist hier mal nun so was von nicht der Empfänger. Ansonsten könnte mit der gleichen Argumentation die Post alle Hardware Briefe aufmachen…

      „Ich mach mir meine Welt…“

      1. In gewisser Weise schon:
        Man könnte Google mit einer Art Prokura Empfänger oder Hausmeister vergleichen, der den Schlüssel zum Briefkasten hat und die zwischen den Postkarten befindlichen Werbeprospekte aussortiert.

      2. Bullshit!

        GoogleMail ist mit der Post zu vergleichen nicht mit irgend einem Hausmeister. Während die den Brief in Form von totem Holz durch die Gegen tragen, muss Google die e-mail speichern um sie vom Absender zum Empfänger zu bringen.

        Für den Nutzer macht Google damit das selbe wie die Post. Es transportiert eine Nachricht vom Absender zum Empfänger.

      3. „Für den Nutzer macht Google damit das selbe wie die Post. Es transportiert eine Nachricht vom Absender zum Empfänger.“

        Google ist hauptsächlich mit dem Briefkasten zu vergleichen der die Post speichert und auch mit dem erwähnten Hausmeister der die Werbung aussortiert.
        Google ist nur zu einem kleinen Teil mit der Post zu vergleichen, denn im Gegensatz zur Post, die zumindest im Inland den kompletten Transport von A nach B übernimmt, ist Google lediglich der Service, der den Brief entweder für den Absender wegschickt oder für den Adressaten empfängt und speichert.
        Auf dem Weg dazwischen sind unter Umständen VIELE VIELE Mail-Server (Provider) an dem Transport beteiligt, außer beide Parteien (Absender und Adressat) sind bei Gmail.


        Zitat von Wikipedia:
        „Zustellung einer E-Mail: beteiligte Server und Protokolle

        Beispiel eines Ablaufs:

        1. Client schickt SMTP-Anfrage an den Quell-Mailserver (a.org)
        2. Mailserver erfragt „Mail eXchanger record“ beim DNS-Server (ns.b.com)
        3. DNS-Server liefert MX-Record mit Prioritätsliste von Ziel-Mailservern (b.com)
        4. a.org sendet E-Mail nacheinander an alle b.com, bis einer die E-Mail annimmt
        5. Der Ziel-Mailserver speichert die E-Mail, bis der Nutzer „Bob“ seine E-Mails per POP3 abholt.“

        Wenn man das mit der Post vergleichen will, wäre das in etwa, als würde die ich einen Brief bei der Post aufgeben und Du in von UPS zugestellt bekommen. Und dazwischen haben etwa 5 andere Dienste, die Du überhaupt nicht kennst, den Brief in der Hand gehabt.

      4. Martin:
        „Ansonsten könnte mit der gleichen Argumentation die Post alle Hardware Briefe aufmachen…“

        nicht Briefe aufmachen -> unverschlüsselte E-Mail=Postkarte.

        Und wenn ich jemandem eine Postkarte schicke, MUSS ich damit rechnen, dass nicht nur der Postbote die liest, sondern auch z.B. die Person, die die Karte aus dem Briefkasten holt und dem Empfänger auf den Tisch legt…

    2. »Auch in Deutschland gilt das Briefgeheimnis immer nur für den _Empfänger_ eines Briefes und nicht für den Absender.«

      Und wie genau kommst Du zu der Ansicht das Briefgeheimnis wäre auf Emails anwendbar? Ich bin zwar auch der Meinung daß dem so sein sollte, aber mir ist nicht bekannt daß es tatsächlich so wäre.

  5. Zitat herrlich aus dem Kontext gerissen, muss man fast dem Bildblog Bescheid sagen.

    Der eigentliche Kontext war, dass es darum geht, dass Leute von extern eine Mail an einen Gmail-Nutzer schicken und die von automatisierter Software gelesen wird. Damit Werbung angezeigt werden kann.

    Natürlich erst nachdem es durch einen Spamfilter gelaufen ist, damit man weiss, ob die Mail böse ist.

    Wer jetzt also ernsthaft vertritt, dass der Mailprovider keine Werbung aus Mailcontent parsen darf, der darf auch keinen Spam filtern lassen vom Provider. Ich wünsche viel Spaß mit lokalen Spamfiltern.

  6. Die angeprangerte Verletzung der Privatsphäre besteht also im scannen der E-Mails für Werbezwecke oder durch Spam-Filter.

    Zumindest das scannen durch Spam-Filter ist aber eine Grundfunktion eines jeden Mail-Providers egal ob er GMX, Web.de, T-Mobile, Gmail, Hotmail oder wie auch immer heißt, die ich als Kunde als Dienstleistung voraussetze und die bei allen Providern standard ist.

    Warum soll dann also Mail-Provider X schlechter als Mail-Provider Y sein. Weil einer davon offenlegt, dass seine System die Mails scannen und die Anwälte blöde Formulierungen in laufenden (und ziemlich lächerlichen) Gerichtsverfahren wählen?

    1. Keine – soweit ich als durchaus bewanderter Computernutzer weiß, gibt es schlichtweg keinen Weg, einen Mailserver auf dem Heimrechner zu betreiben. Spam wird auch über Privatrechner verschickt, und diese werden bei der Spamkontrolle direkt als erstes rausgeschmissen.

      Und selbst wenn. Was bringt mir die Verlagerung meiner Korrespondenz auf den eigenen Cloudspace, wenn meine Kontakte größtenteils bei Gmail, Hotmail, GMX, web.de, T-online etc. sind?

      Und verschlüsselte Mails müssten, um wirklich sicher zu sein (!), NUR von mir und dem Empfänger geöffnet werden können. Keine Werbemöglichkeit, kein gar nichts, das Geld abwerfen würde, inklusive.

      Also müsste der Nutzer selbst dafür bezahlen – und für Emails bezahlen, ich mein, wo sind wir denn hier?!

      1. „Also müsste der Nutzer selbst dafür bezahlen – und für Emails bezahlen, ich mein, wo sind wir denn hier?!“

        Versteh‘ ich hier den Witz nicht? Ironie-Tags vergessen?

      2. Das Problem ist einfach in den Griff zu bekommen: Die anderen Leute kann man auf seinen EMailserver einladen. Dann erledigt sich der Spamverdacht bei der eigenen Korrespondenz. Ich habe meinen Server mit 3 Leuten angefangen. Inzwischen (6 Monate Betrieb) benutzen den mehr als 20 Leute zum Mailen.

  7. Und das ist doch genau die Krux an der Sache: wenn ich keine Sekretärin einstellen möchte, dann muss ich erwarten alles an Spam über mich ergießen zu lassen, was so unterwegs ist. Email wäre mit einer 100% Verschlüsselung doch gar nicht möglich, jeder darf mir eine Mail schicken. Aber der Algorithmus, welcher den Spam filtert, muss auch in die Mails einsehen. Und wer bitte schenkt mir eine solche Software, ohne Gegenleistung?
    Wir müssen uns immer wieder nur vor Auge halten: nichts ist kostenlos. Gmail ist ein super Service, und wenn ich bereit bin dafür entsprechend zu bezahlen, werde ich ihn nutzen. Wenn nicht, werde ich entweder monitär belastet oder verbringe mein Leben mit dem Studium der Informatik um mir selbst helfen zu können.

    Sehr spannendes Thema! Werde auch weiterhin Gmail benutzen.

    1. Es gibt eine große Auswahl von kostenloser Spamfilter-Software, die direkt auf dem Endgerät des Nutzers läuft, teilweise gleich eingebaut in wiederum kostenlose Emailsoftware – die Freie Software Bewegung macht es möglich. Allerdings ist die Verfügbarkeit dieser Software auf Plattformen, die Freie Software mehr oder weniger aus Ihren Marktplätzen ausschließen, in der Tat gering bis nicht vorhanden – wie etwa Apples i-Geräte oder auch Mobiltelefone mit Windows Phone. Hier ist man dann auf den Service der Emaildienstanbieter und die damit verbundene Verarbeitung der Mailinhalte angewiesen – ein Punkt, den man in eventuelle Kaufentscheidungen einbeziehen sollte.

    2. Dir wird niemand Spam schicken, wenn Du ihn wegen der Verschlüsselung eh nicht lesen kannst, ohne den Key zu haben. Mit 100%iger Verschüsselung wäre das Thema E-Mail vermutlich wesentlich angenehmer.

      Und doch, vieles ist kostenlos. Auch all die Software die brauchst um einen E-Mail-Server aufzusetzen und Spam zu filtern. Ich kann auch problemlos E-Mails an (zum Beispiel) gmail von meinem Server auf meinem Rechner schicken (mache ich aber nur zu Testzwecken). Die werden nicht automatisch gefiltert, wie hier schon behauptet wurde.

      1. Ich kann das übrigens auch alles.
        Aber wenn Du jetzt noch meiner 65-jährigen Tante erklärst wie sie auf ihrem Vaio Laptop einen Mailserver aufsetzen und Spamfilter konfigurieren muss, dann hast Du das Problem gelöst, an dem die großen Webmail-Dienste seit 2 Jahrzehnten erfolgreich arbeiten: Die Verbindung von Funktionalität und _Benutzerfreundlichkeit_.

  8. Wie ist das eigentlich beim Postfach auf dem eigenen Webspace? Dort ist keine Werbung, einen Spam-filter habe ich ebenfalls nicht aktiviert (nicht nötig weil absolut kein Spam kommt. Vermutlich wegen der unbekannten Domain). Das Postfach nutze ich auch nur für privatere Angelegenheiten.
    Ich denke aber, dass es die bequemste Lösung gegen Datenmissbrauch aus werbetechnischen Gründen ist.

  9. Hier geht es doch um die Frage, inwiefern Google versucht, diese von Empfängern akzeptierte und damit legale sowie legitime automatische Verarbeitung im Rahmen von Spam-Filterung, bei der man von einer Einwilligung des Nutzers ausgehen kann, weil er sich dessen als wesentliches Produktmerkmal bewusst ist, als Freibrief für jegliche Art von Verarbeitung für sich umzudeuten.

    (nur weil manche es noch nicht so gesehen haben)

    Am Ende des ersten Zitats steht in dem Satz für mich jedenfalls klipp und klar, dass Google aus der alleinigen Tatsache, dass der Assistent des Empfängers (Google) in die Nachricht hineinschauen kann, ableitet, dass man dadurch angeblich jeglichen Anspruch auf Privatsphäre oder Diskretion verwirkt.

    Nehmen wir mal eine Person, die einen Sekretär hat. Jemand schickt ihr einen Brief. Natürlich ist davon auszugehen, dass der Sekretär den flüchtig liest und vorsortiert, weil er von der Person dazu autorisiert ist. Für eine weitere Auswertung oder sogar Weitergabe von Inhalten gibt es aber keine Autorisierung.

    Nun schickt man dieser Person einen Brief und soll plötzlich sowohl als Sender als auch als Empfänger davon ausgehen müssen, dass der Sekretär die Briefe systematisch auswertet und aus den Informationen Empfehlungen an seine Familienmitglieder und Freunde ableitet, der eine ist Apotheker, der andere Polizist, noch einer Patentanwalt, ein anderer ist Gynäkologe und noch einer sitzt beim Nachrichtendienst…
    Nun ist der Sekretär aber keine Einzelperson, wie man schon vermuten kann, sondern von einer weltweit operierenden Firma bzw. Organisation angeheuert.

    Und weil er Briefe vorsortieren darf, soll das also nach der Auffassung von Google bedeuten, dass der Sekretär sowieso nach eigenem Ermessen irgendetwas an o.g. Stellen nach Auswertung weiterleitet und das auch völlig normal wäre, sonst hätten wir ja keinen Sekretär einstellen dürfen.

    Nein, ein Sender oder Empfänger hat von der bestimmungsgemäßen Ausführung auszugehen, so wie es zur vereinbarten Erfüllung einzelner Vertragsbestandteile bzw. Aufgaben erforderlich ist, nicht mehr und nicht weniger. Aus dem o.g. Zitat muss ich aber schließen, dass Google das ganz anders gesehen haben möchte.

    Es ist nach meiner Auffassung nicht weniger als der Versuch, einen gesellschaftlichen Konsens, welcher aus Logik, Grundrechten und Werten erwachsen ist, manipulativ auf den Kopf zu stellen, bis wir irgendwann nicht mehr merken, was daran nicht stimmt. Und wenn sie es nicht mit uns schaffen, dann wird schon eine neue Generation damit aufwachsen und wie selbstverständlich damit umzugehen wissen, so wie wir mit Strom, dem Internet….
    Manche merken einfach nicht, was da versucht wird, Leute werdet endlich wach, seht das als einen Appell, nicht als persönliche Kritik!

    Es wird nicht weniger versucht, als eine Opt-Out-Ideologie durchzusetzen, nach der einer Firma, Behörde oder sonst welcher Organisation alles erlaubt ist, dessen man nicht explizit widersprochen hat. Das ist der Trend, Facebook und Konsorten machen das genau so vor und Google möchten dem nicht nachstehen, ärgert sich aber möglicherweise insgeheim über die Aufgeklärtheit seiner Nutzer. Es ist ganz normal, dass man demjenigen etwas neidet, der noch ein bisschen mehr evil ist, wenn er denn einen ungerechtfertigten Vorteil daraus zieht. Das läuft in der Geschäftswelt andauernd so, bei Dumpinglöhnen, Leiharbeit usw. Man schielt immer auf den anderen, der es durch sein unfaires Verhalten leichter hat… Diese Abwärtsspirale gilt es zu erkennen und offen darzulegen!

    Und nur, weil Microsoft Google als Konkurrent nicht haben will, bedeutet das doch nicht, dass Google dadurch in irgendeiner Weise reingewaschen würde (wie es manche vllt. sehen).

    Piratige Grüße auch von meiner Seite!

    PS
    Ich finde daher den Artikel von netzpolitik.org nicht nur zutreffend, sondern ungemein wichtig. Auf dieses genaue Hinschauen kommt es nämlich an, wo man unterschwellig und manipulativ versucht, bei Leuten anzudocken, die sich nicht so mit der Materie auskennen. Und für solche Vorgänge habt Ihr ein echt gutes Gespür. Macht weiter so!

      1. Dann haben wir aber zwei verschiedene Artikel gelesen. Es geht eben nicht darum, wer nun konkret was macht. Im Einzelfall regeln das auch AGB, Kleingedrucktes usw. (oder eben nicht oder nur unbefriedigend).

        Dieser Artikel hier behandelt eine ganz andere Ebene. es geht nicht darum, wer nun wem seine Förmchen klaut, sondern es geht um nicht weniger als den gesamtgesellschaftlichen Impact, den solche Sprechweisen haben, wie eingans zitiert. Darauf bauen sich die Kritiken auf.

        Zur Lesekompetenz gehört eben auch, diese Metaebene zu verstehen, nicht böses Microsoft oder böses Google, das ist nicht das Thema hier, auch wenn du diesen Nebenschauplatz andauernd hier zu inszenieren versuchst.

        Das eigentlich Schlimme ist aber, dass du das alles sehr wohl verstehst und ich mich deshalb ernsthaft fragen muss, wessen Interessen du eigentlich vertrittst. Da habe ich wohl in ein Wespennest gestochen.

        MfG

  10. Ich wollte mal darauf hinweisen, daß „expectation of privacy“ ein feststehender juristischer Begriff ist, der in den USA eine ganze Mange von rechtlichen Verpflichtungen nach sich zieht – das einfach mit „kann man keine Privatsphäre erwarten“ zu übersetzen geht darüber hinweg, daß Google, Outlook.com und die ganzen anderen Web- und nicht-Web-Mail Provider schon aufgrund der Technik von Email das überhaupt nicht zusichern könnten, wenn sie keine End-To-End Verschlüsselung etablieren wollen.

  11. Das update ist ein wenig sagen wir mal unglücklich:
    „Es ist bekannt, dass Consumerwatchdog sehr intensiv mit Microsoft zusammenarbeitet.“
    Quelle?

    Des weiteren wäre mir neu, dass outlook emails scannt und Werbung anzeigt.

    Dann schließe ich mal ganz dezidiert daraus: Sebastian Jabbusch wird von Google bezahlt.

      1. Danke, Sebastian, dass Du das öffentlich machst. Ich hattte seit unserem Kontakt, als Du bei Burson Marstaller gearbeitet hast, das Gefühl, da fehlt noch was.
        Die Leser hier haben keine Ahnung, wie Corporate PR in manchen Fällen funktioniert.
        In diesem Fall ist Google-bashing abwegig, weil es sich um ein Argument von Juristen in einem Prozess handelt, die fallweise Argumentationsstrukturen testen. Das hat mit einer offiziellen Aussage von Google nichts zu tun. Ich finde das ziemlich schlimm, dass auch hier das Einordnungswissen fehlt.

      2. @ C.K., Zitat C.K.^:
        „In diesem Fall ist Google-bashing abwegig, weil es sich um ein Argument von Juristen in einem Prozess handelt, die fallweise Argumentationsstrukturen testen.“

        Na, testen sie nur, oder argumentieren sie vielleicht doch genau damit?

  12. …ein wichtiger Hinweis von dir, und so habe ich den Satz auch verstanden, aber wenn man genauer hinschaut, fällt etwas auf:

    „Indeed, ‘a person has no legitimate expectation of privacy in information he voluntarily turns over to third parties.“

    Damit wird ausgesagt, dass eine Person keinen („no“) Rechtsanspruch auf Privatheit von Informationen habe, die sie freiwillig über Dritte gehen lässt.

    Von der Aussagelogik her bedeutet das aber, dass man jeglichen Rechtsanspruch auf jedwede Privatheit an Informationen verlöre, allein der Tatsache geschuldet, dass er sie Dritten übergibt, sodass als Resultat Google auch keine Verantwortung mehr für die eigenen Taten übernehmen müsste. Das klingt doch absurd, oder nicht?

    Das ist ja der Witz an der Sache, den leider zu wenige verstehen. Und unsere Politiker bedienen sich tagtäglich solcher pauschalisierender Hülsen, ohne dass die Bevölkerung in ihrer Mehrheit irgend etwas davon merken würde.

    Mit dem juristischen Begriff hast du wohl Recht, aber er macht die Sache nicht im Ergebnis besser!

    Natürlich kann Google die allgemeine Privatheit nicht garantieren, aber Google ist für die Privatheit verantwortlich, die ihrer Verfügungsgewalt unterliegt, was sie aber beiseite wischen wollen.

    Der rhetorische Kniff besteht nun darin, dass man genau auf dieses Missverständnis abzielt. Ich hätte das klarer machen sollen.

    Um weiter ins Detail zu gehen: Es wird hier versucht, das amerikanische Verständnis von Verbraucherschutz im Sinne einer Vollkaskomentalität für sich auszunutzen. Dabei geht es nur noch um die naive Sicht, ob ein Anbieter etwas absolut gewährleisten kann oder nicht, was darüber hinwegtäuschen soll, dass in Wahrheit jeder erst mal für seinen eigenen Mist verantwortlich ist.

    Es geht also gerade darum, diese Verantwortung innerhalb der eigenen Verfügungsgewalt abzuschieben, mit der Ausrede, dass man – global gesehen – für nichts garantieren könne, so etwa in der Art: „Wenn also auf irgendwelchen Servern, Knoten oder Wegen irgendwer irgend etwas abschnorcheln kann, ja dannn kann man uns das schließlich auch nicht verübeln.“

    Man kann seine Verantwortung für das eigene Handeln nicht mit der Ausrede abweisen, dass man für andere involvierte Personen seine Hand nicht ins Feuer legen könne. Das kann man schließlich nie. Nach dieser Logik müsste plötzlich alles erlaubt sein, weil es immer jemanden geben kann, der die Suppe versalzen kann.

    Es geht also gar nicht darum, dass im Sinne eines naiven Verständnisses von Verbraucherschutz Google irgendetwas aktiv zusichern soll, sondern dass sie in ihrem verantwortungsbereich einfach unterlassen sollen, was unserer Privatsphäre schadet.

    Auch dein Postbote kann deine Postkarten lesen, vielleicht tut er es auch ganz selten mal, wenn er Zeit hat und das Motiv besonders schön ist. Aber wir haben einen Konsens darüber, dass er es lassen soll, was eine ganz andere Qualität hat, als wenn wir den nicht hätten, was dann bedeuten würde, dass der Postbote ungeniert dieses täte und all seinen Freunden und Bekannten erzählen würde, was da alles so in deiner Post drin steht.
    Und wenn Postboten plötzlich damit anfangen würden, dieses immer wieder und wieder zu tun, hätten wir aufgrund dieses Konsenses wenigstens eine öffentliche Empörung darüber, mit der Folge, dass irgendwer sich bemüht, diesen Missstand abzustellen.

    Wenn man aber jetzt sagt: „Ach, da wir eh für nichts garantieren können, ist uns das egal, soll jeder doch verschlüsseln“ ist das genau der Versuch, diesen Konsens abzuschaffen.

    Zum Glück sieht unser Rechtssystem vor, dass man nicht aktiv werden muss, um sich zu schützen, sondern dass der Arglose ein Abwehrrecht hat, nicht von anderen in seinen Rechten beschnitten zu werden.

    Schließlich möchte ich mir nicht beim Sonntagsspaziergang eine Tüte über den Kopf ziehen müssen, weil es leider Leute gibt, die anderen ins Gesicht spucken. Nein, hier schützt mich das Recht, nicht bespuckt zu werden!

    Und was gerade durch Friedrich und Co. mit der Verschlüsselungspropaganda versucht wird, ist genau dieses Rechtsverständnis auf den Kopf zu stellen. Das ist ein ganz gefährlicher Keim, den manche setzen, ob nun bewusst oder unbewusst.

    MfG

  13. Oh, verpostet, ich bezog mich zuletzt auf Philipp Lutz! Könnt ihr als Antwort unter seinen Beitrag zum juristischen Begriff schieben, danke!

  14. Sich bei Massen-E-Mail-Anbietern wie Googlemail, Outlook und Co. anzumelden ist schlecht. Für die einzelne Person mag es nicht viel Schaden anrichten, aber mindestens für seine Kommunikationspartner und gesamtgesellschaftlich. Wenn wenige Firmen die E-Mail-Kommunikation von vielen Menschen kontrollieren, und das heißt Meta- sowie Inhaltsdaten besitzen, dann existriert ein extremes Machtgefälle, was schlecht ist. Personen, die sich bei Googlemail & Co. registrieren, die wissen, welche Bedeutung dies hat, schädigen wissentlich die E-Mail-Kommunikation mit Kommunikationspartner und potenziellen Kommunikationspartnern, ergo: Allen.

    Gruß Joerger

  15. Dann müsst ihr auch Alternativen zu den Massen-eMail-Anbietern nennen. Nicht jeder kann und will auch einen eigenen Mailserver zu Hause aufsetzen.

    1. Darum geht es doch anscheint gar nicht. Mir scheint es eher das es Panikmache gegen den großen Feind Google ist.

      Das im Grunde jedes E-Mail-System von jedem anbieter automatisiert E-Mails scannt und auf spamm prüft wird wohl gerne unterschlagen.

      Die einzige Alternative „setze doch einfach deinen eigenen E-Mailserver auf“ ist wohl nicht wirklich eine gute Alternative was einen nicht tenisch versierten gut zu erklären ist.

      Und wenn es doch einer schafft wird man sich evtl. Wundern warum man auf einmal 1 korrekte E-Mail bekommt und 99 Spamm-Mails folgen. Und warum man bei anderen anbietern das nicht so extrem war.

      Naja dann müsste man ja nunmal erklären das diese Software haben und solche E-Mails ausfiltern. Und das man genau solche Software ja eben als Privatspährenverletzung angepriesen hatte.

      Aber das wäre halt alles zu objektiv. Lieber gegen Google hetzen.

      1. @David Raab: Les‘ es doch einfach nochmal:

        „a person has no legitimate expectation of privacy in information he voluntarily turns over to third parties.“

        Google ist kein *Mail*provider. Google ist evil, auch wenn sie ab und an nette Sachen machen.

  16. Das Lesen der Inhalte ist fürs Spam filtern nicht zwingend notwendig. Würde man endlich mal eine Verifizierung der Absender umsetzen und nicht jeden Dreck als Absender akzeptieren bräuchte man nicht den Inhalt lesen. Generell sollte man den Emailstandard mal weiterentwickeln, der entspricht an vielen Ecken nicht mehr den heutigen (Sicherheits) Anforderungen.

  17. Man lese sich hier mal in einem Mac-Forum die Kommentare an, nachdem einer darauf hinweist, dass man mit dem neuen iCloud-Design nur die Einladung der NSA annimmt… Ab Kommtar von ‚Bruny‘ geht es los…
    http://www.mactechnews.de/news/article/iCloud-Beta-Webseite-nun-im-Design-von-iOS-7-156439.html?comments=visible

    Ergebnis: mal wieder wird uns bestätigt, wie der poltiische Dreck erst möglich wird… Weil Konsumgewaschene ihre Verantwortung (Zivilcourage will man ja kaum mehr sagen…) nicht wahrnehmen und denen mittlerweile schier a l l e s egal ist. Hauptsache man ist noch dabei. 1, 2, 3, 4 – der Gleichschritt der neuen braunen Jugend, die ihren Habitus gegen Konsumware ausgetauscht hat.

    Ich bin ich am Verzweifeln, Leute…

    1. Ihr müsst euch nicht immer nur über die „Unwissenden“ amüsieren und aufregen, ihr müsst auch gute und benutzbare Alternativen aufzeigen.

      Vielleicht sich gar nicht mehr aktiv im Netz beteiligen bzw. gleich gar nicht mehr das Netz benutzen? Aber das will ja niemand.

      1. Gunnar: Wenn du mal die Kommentare ließt, auf die Petra verweist, dann wirst Du feststellen, dass die „Unwissenden“ keine Unwissenden sind, sondern „Uninteressierte“ und einfach keine Alternativen sehen wollen.

        Weil andere Dienste, die durchaus existieren und weitesgehend leicht benutzbar sind (s. prism-break.org), sehen nicht schick aus und haben keine coole TV-Werbung. Naja, und Mensch muss hier und da sein Hirn benutzen und etwas dazu lernen.

        Ich verstehe Petras Verzweifelung angesichts solch unendlich dummer, lemminghafter, Scheuklappen versehender Pseudoargumentation wie „kann man nichts machen“ oder „mal ein Schild und geh Demonstrieren“.

        Es geht nur noch um HABEN. iPhone haben, Fixie haben, American Apparell haben, Pebble haben, Fotos von Essen haben, FB-„Freunde“ und Follower haben, Geld haben… alles außer Hirn und Courage haben.

        Es IST zum Verzweifeln…

      2. Ja, ich verstehe es wohl. Aber ich kann die Mehrheit nicht ändern.

        Ich glaube es auch nicht das sich was ändern würde, wenn sich die Mehrheit ändern würde. Die führenden Politiker machen doch eh was sie wollen. Ein dummes Argument. Aber irgendwie kommt es mir wirklich so vor.

      3. … wenn es Haftstrafen für gebrochene Wahlversprechen oder Verbrechen am Gemeinwohl gäbe, käme kein Regierungspolitiker der letzten 30 Jahre mehr zu Lebzeiten aus dem Knast.

        Aber was soll man noch sagen: Den meisten Leuten, so scheint es, reicht, wenn auf einem Wahlplakat steht: Mutti wirds schon richten… Ich mein, Frau Merkel stürzt auf dem Fundament von Kohl und Schröder ganze Bevölkerungsgruppen in Verdummung und Armut… Egal. Die Bilanz wird verdrängt.

        ich weiß nicht, wie es genau funktioniert. Aber ich kann es nur mit Gehirnwäsche erklären. Verbrecher regieren uns. Das wissen alle. Kabarettisten sagen es jede Woche… Vor einem Publikum, dem sie sogar (wie Pispers) bei jedem Auftritt die Frage vorwerfen, warum sie dann immer die gleichen Verbrecher wählen… Darüber wird dann gelacht. Ab zur Wahl…

        Das ist so endlos irre. Ich mein, allein Frau Merkel sagte letztens, sie wolle diese Generation nicht opfern. Dabei hat sie es längst getan… und hat gleich noch mit ihren Kumpanen der Vorregierungen dafür gesorgt, dass es nachfolgende Generationen noch schlimmer treffen wird…

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