Der US-Geheimdienst NSA sammelt im Rahmen seiner globalen Vorratsdatenspeicherung rund fünf Milliarden Funkzellendaten von hunderten Millionen Handybesitzern – pro Tag, das sind rund 27 TB Daten. Dies berichtet die Washington Post und beruft sich auf Dokumente, die Edward Snowden befreit hat: NSA tracking cellphone locations worldwide, Snowden documents show. Dabei überwacht man zentrale Knotenpunkte von mobilen Netzwerken und greift gleichzeitig auf Datenbanken zu, wo Mobilfunkprovider untereinander das Roaming von Mobilfunkgeräten managen.
Das ist natürlich alles streng nach Gesetz und Recht in den USA, sagt die NSA, weil das Ziel ja die Überwachung des Auslands sei. Nicht namentlich genannte NSA-Mitarbeiter bedauern jedoch, dass beim Überwachen von ausländischen Infrastrukturen die Daten von US-Bürgern als Kollateralschäden versehentlich mitüberwacht werden. Das Ziel der massiven Funkzellenspeicherung ist es, Bewegungsprofile und Beziehungsnetzwerke zu speichern und zu analysieren. Ausgewertet werden diese Datenberge mit einem Programm namens CO-TRAVELLER. Diese Daten können wunderbar zur Industriespionage verwendet werden, oder um Politiker-Netzwerke zu überwachen. Mit wem trifft sich wann und wo Angela Merkel? Und wo reisen die Siemens-Manager mit ihren Smartphones hin, um neue Deals mit wem zu machen?
CO-TRAVELER and related tools require the methodical collection and storage of location data on what amounts to a planetary scale. The government is tracking people from afar into confidential business meetings or personal visits to medical facilities, hotel rooms, private homes and other traditionally protected spaces. […] “Many shared databases, such as those used for roaming, are available in their complete form to any carrier who requires access to any part of it,” said Matt Blaze, an associate professor of computer and information science at the University of Pennsylvania. “This ‘flat’ trust model means that a surprisingly large number of entities have access to data about customers that they never actually do business with, and an intelligence agency — hostile or friendly — can get ‘one stop shopping’ to an expansive range of subscriber data just by compromising a few carriers.”
Hier erklärt die Washington Post anschaulich, wie die Funkzellenüberwachung genau funktioniert.
In Zeiten, wo aufgedeckt wird, dass die NSA und ihre Verbündeten mit kriminellen Mitteln eine globale Vorratsdatenspeicherung betreiben, möchte unsere nahende Große Koalition diese wieder einführen und für sechs Monate in Datenbanken speichern lassen, wo sich unsere Handys befunden haben. Wie soll denn verhindert werden, dass die NSA & Co darauf Zugriff bekommen? Oder möchte man gar den Zugang dazu gegen Zugang zum NSA-Netzwerk für den BND eintauschen?

