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Dokumentation zu Überwachungstechnologien und ihrem Einfluss für erhöhte Sicherheit

3sat zeigte am 20. September die Dokumentation „Überwacht? Mit Sicherheit!“ über neue Überwachungs- und Sicherheitstechnologien.
Man habe mittlerweile festgestellt, dass „Millionen installierter Kameras nur dann mehr Sicherheit bringen, wenn am anderen Ende der Leitung ein Mensch auf den Monitor schaut“. Sicherheitspersonal könne höchstens 16 Bildschirme gleichzeitig und auch nur 40 Minuten lang aufmerksam beobachten, darum brauche es zum Beispiel intelligente Kamerasysteme, die riskantes, „von der Norm abweichendes“ Verhalten selbst erkennen und Alarm schlagen.

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Ein solches Projekt läuft an der Universität von Amsterdam und wir von der EU finanziert – für den Zeitraum von 2014 bis 2020 sollen für das neue Sicherheitsforschungsprogramm der EU, „Horizon 2020“, rund 3,8 Milliarden Euro für neue Forschungen zur Verfügung gestellt werden. Ziel des Amsterdamer Projekts ist es, intelligenten Kamerasystemen beizubringen, u.a. Aggressionen zu erkennen. Der Informatiker Dariu Gavrila arbeitet dort mit:

Das perfekte System reagiert sofort, macht keine Erkennungsfehler, detektiert alle relevanten Vorfälle, gibt keine falschen Alarme und ermöglicht, in die Szene einzugreifen, sodass es erst gar nicht zu einer Eskalation der Gewalt oder zu der Ausführung einer terroristischen Tat kommt.

Mikrofone, die verdächtige Geräusche beispielsweise in Fußballstadien erkennen und orten; „Späher“, die an Drachen-Heliumballon-Konstruktionen über Festivalgelände fliegen und hochauflösende Bilder durch ein Glasfaserkabel schicken, Quadrocopter, Sprengstoff-Laser-Detektoren und natürlich ein „Smart Control Room“, in dem solche Informationen verknüpft werden – das sind nur einige der vorgestellten Technologien.

Kritik und Bedenken werden ebenfalls und vor allem am Ende der Dokumentation thematisiert. Bei Körperscannern etwa oder der Frage, ob mehr Überwachung denn überhaupt zu mehr Sicherheit führe. Als Alternative wird eine bessere Ausbildung von Sicherheitspersonal dargstellt, damit Absichten und Emotionen quasi lesbar werden.

Überwacht? Mit Sicherheit! from netzpolitik on Vimeo.

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12 Kommentare
  1. Das perfekte System reagiert sofort, macht keine Erkennungsfehler
    Schöne Fantasie, aber vollkommen unrealistisch und das beginnt schon damit, daß es unmöglich ist, mit absoluter Sicherheit aus einem aktuellen Verhalten zu extrapolieren, was zukünftig geschehen wird.
    Es geht höchstens um statistische Wahrscheinlichkeit, die sich irgendwie dem „perfekten System“ annähert, es aber nie erreichen kann.
    Die Maschine kann auch nur auf das reagieren, auf das sie trainiert wurde und niemand kennt und wird jemals die Anzeichen für bestimmte Handlungen benennen können.

  2. Das H2020 ist der Nachfolger vom 7. Forschungsrahmenprogramm. Da geht es um das Budget und den regulativen Rahmen für mehrjährige Forschungsprojekte der Europäischen Union insgesamt, zuzüglichlich solcher Sachen wie Nuklearforschung. Das bedeutet, H2020 ist kein Sicherheitsforschungsprogramm sondern gleichzusetzen mit „EU Forschung“ in den nächsten Jahren. Was genau damit gefördert wird, das wird sich erst noch heraus stellen. Abstimmungen stehen Ende des Monats an, hier die unterschiedlichen Vorgänge:

    http://parltrack.euwiki.org/dossiers

  3. Klar denn HAL9000 ist ja auch absolut fehlerfrei genau wie die guten alten Pentiums mir dem FPU-Bug und alles wird ja von „Gott“ dem „Unfehlbaren“ geschaffen innerhalb einer Woche und OHNE Fehler …
    Das traurige ist das ALLE nichtgewählten Volkszertreter genau das tun werden was die PR sagt m(
    Hauptsache die Blödzeitung veröffentlicht das Konterfei des unbekannten Volkszertreters …
    Achja und ich wette das die unverschlüsseltes WLAN o.ä. nehmen :-P
    QED …

  4. informatiker dariu gavrila im film:

    „wir werden ein system haben, das abweichungen von normalen handlungen in einer bestimmten [bild-]szene erkennen kann“.

    gewaltforscher wilhelm heitmeyer im film:

    „das zweite ist, dass wir es mit homogenen gruppen zu tun haben. und homogenität ist gewaltanfällig. dort schaukeln sich dinge auf, es gibt keine widerworte, sozusagen.“

    .~.

  5. Anfang des letzten Jahrhunderts waren es die heimtückischen, hinterhältigen, verschlagenen Juden, und die die ihnen Unterschlupf boten und potentiell alle, die die Machtstellung der Herrschenden anzweifelte, die es zu identifizieren galt und vor denen der Staat die Bevölkerung zu „schützen“ hatte. Für das Gebären eines „reinen“ Menschen.

    Mitte des letzten Jahrhunderts waren es auch alle, die mit freiheitlichen Gedanken die Mächtigen und Herrschenden bedrohten und die es ebenfalls zu identifizieren, zu überwachen, abzuhören und zu erziehen galt. Die Flucht dieser Menschen war per Gesetz und eine Mauer versagt und verhindert.

    Heute sind es potentielle Terroristen und Gewalttäter, der in allen von uns steckt, die es zu identifizieren gilt und vor denen andere und natürlich vor allem wir selbst zu schützen sind. Flucht ist nicht möglich, da die Erfassung an allen neuralgischen Punkten des öffentlichen Lebens ansetzt.

    Es bleibt wie es ist und daran wird sich nie etwas ändern: Die Überwachung von Oben, für den vermeintlichen Schutz aller, ist in erster Linie, Herrschaftsinstrument zur Sicherung der Macht derer, die nicht die Absicht haben sich für ihre Machtposition und Herrschaftsstellung durch die Bürger, den Souverän, legitimieren zu lassen.
    Ansätze zur präventiven Aggressionsverhütung, durch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Gleichstellung aller Interessen- und „Gefahren“-gruppen kommt erst gar nicht in Betracht. Es muss die Überwachung sein als Instrument zum Selbstzweck des Kontrollwahns und der Herrschafts- und Machtausübung. Letztendlich für den Schutz und der Etablierung des „reinen“, gehorsamen und ökonomisch wertvollen Menschen.

    Faschismus bleibt Faschismus, egal unter welcher Prämisse er gerechtfertigt wird.

  6. In Indien hat vor kurzem ein Politiker angekündigt, sämtliche Regierungs Büros mit Überwachungskameras auszurüsten um die Korruption in den Amtsstuben zu verringern. Das fand ich mal eine gute Idee: wir richten die Überwachungs Kameras auf die Politiker und nicht die auf uns :-)

  7. Es gibt noch eine Alternative: Sich von solchen Hotspots fernhalten. Und wenn diese Alternative nicht funktioniert, sucht man sich halt eine andere Alternative. Erst wenn das nicht mehr funktioniert, haben wir ein echtes Problem bezüglich unserer Freiheit. Dann ist es allerdings bereits zu spät…

  8. Bitte macht „George Orwell 1984“ zur Pflichtlektüre für alle EU Angestellten und am besten auch in den Schulen, denn dies ist das System was sie damit Erschaffen.
    Es wird kein Freiheitliches sein wer die Bevölkerung als potenziellen Feind betrachtet.
    Es gibt keine 100% ige Sicherheit und sie ist auch kein Erstrebenswertes Gesellschafts Ziel, das sollten Politiker und Wirtschaft lernen bevor es zu spät ist.

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