Einen lesenswerten Kommentar zur Urheberrechtsdebatte liefert der Hamburger Sozialwissenschaftler Janosch Schobin in der TAZ unter dem Titel „Der Sharer ist die Zukunft“.
Der Sharer ist im Recht – im Recht der kommenden Zeit, deren Praxis längst unsere geltende Rechtsordnung ad absurdum geführt hat. Wer sich heute gegen den Sharer stellt, stellt sich stur gegen den Weltgeist. Sharing ist vernünftig – auch im Bereich des geistigen Eigentums.
Wir werden den Sharer nur vertreiben können, wenn wir bereit sind, unsere bürgerliche Freiheit an den Nagel zu hängen. Und wer für diesen Weg ist, der ist ein ärgerer Feind als derjenige, der das Urheberrecht verletzt.
Kurz zusammengefasst: Da das Teilen in Zeiten der Ressourcenknappheit wirtschaftlich Sinn mache, werde es sich in Zukunft durchsetzen, und zwar auch bei kreativen Schöpfungen. Im Mittelpunkt stehe die Frage, wie eine Sharing-Infrastruktur aussehen könne, die sowohl den eigentlichen Schöpfer als auch die Verbreiter sowohl materiell als auch über gesellschaftliches Ansehen entlohnen. Ein „Pyramiden-Modell“ mit stufenweiser Wertschöpfung mache am meisten Sinn. Verteilungs-Monopolisten wie Youtube stünden solchen Modellen aber im Weg.
Es ist höchste Zeit die richtigen Parteien in ein Boot zu bringen und die weitestgehend banalen Mittelsmänner auszuschalten. Dafür müssen sich die Sharer ihrer Rolle in der kommenden Gesellschaft bewusst werden. Noch verharren sie in einer naiven Antihaltung.