Kultur

Bundestag setzt auf RSS

Der Deutsche Bundestag hat uns einen netten Brief mit dem Titel „Zustimmung zur Nutzung Ihres RSS-Feeds für die Mitglieder des Deutschen Bundestages“ geschrieben. Und zwar beabsichtigt dieser „Links, die von“ uns „mittels RSS-Feeds im Internet angeboten werden, für die Verweisung auf Inhalte“ unserer „Webseite zu nutzen“. Kurz: Man möchte einen RSS-Feed mit „Überschrift“, „Vorschautext“ und „Link“ dieses Blogs im Intranet anbieten, damit Abgeordnete und Mitarbeiter dann die Möglichkeit haben, „über einen solchen Link auf“ unseren „Onlineauftritt zuzugreifen“.


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Da sage noch jemand, RSS wäre tot. Die größte Herausforderung wird jetzt leider sein, das beiliegende Schreiben zu unterschreiben, einen Briefumschlag zu finden, diesen zu beschriften, eine Briefmarke drauf zu kleben, das Schreiben einzupacken und dann einen Briefkasten aufzusuchen. Diese Art von Nutzung erlaubt selbstverständlich die von uns gewählte Creative Commons Lizenz (da der Bundestag nicht-kommerziell agiert), aber ich fürchte, diese Info verkompliziert den Einbau unseres RSS-Feeds ins Bundestag-Intranet noch mehr als den vorher beschriebenen Medienbruch. Vollkommen unklar sind auch die Auswirkungen eines drohenden Leistungsschutzrechts auf diese Art der Einbindung. Ob ich diesen Hinweis mitschicke?

Mein Lieblingssatz ist ja folgender:

„Hinweisen möchte ich, dass Sie selbstverständlich jederzeit berechtigt sind, Ihre RSS-Feed-Services einzustellen, Linkstrukturen auch rückwirkend zu ändern bzw. Artikel, Medienangebote und dergleichen aus Ihrem Angebot zu löschen.“

Juristische Sprache kann manchmal so poetisch klingen.

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29 Kommentare
  1. Wäre es nicht eine besondere Dienstleistung, der betreffenden Stelle im Bundestag einfach einmal wöchentlich den RSS-Feed auszudrucken und per Post oder als besonderen Service auch per Fax zuzustellen? Ok, kostet…

  2. Wie jetzt? Die haben doch wirklich schriftlich, postalisch um deine Erlaubnis gebeten deinen Feed im Bundestags Intranet zu republizieren!?

    Lehn das lieber ab, und biete ihnen an deinen Content 1x pro Woche gesammelt als Magazin für 9,95€ je Ausgabe zukommen zu lassen ;)

    Oder als iPad App …

  3. naja.. mal abgesehen davon dass das exakt der Sinn dieses Newsfeeds ist und man auch wissen könnte was CreativeCommons bedeutet, ist das doch eigentlich garnicht sooo übel da mal nachzufragen ob man fremde Inhalte wo anders anbieten darf.
    Ich würde mich freuen wenn alle so freundlich wären.

    Achja: zumindest mal abgesehen davon dass es nicht unbedingt per Post geschehen muss. Mediale Brüche sind idiotisch.

    1. Drei Dutzend? So wenig? Ich lese in einem Forum eines RSS-Readers mit, da beschweren sich immer wieder Leute, dass der Reader Probleme bekommt, wenn die Feed-Datenbank 2GB Größe erreicht…

  4. Allein die Tatsache, dass sie ein solches Schreiben geschickt haben (anstatt den auf jeder Seite eingeblendeten Lizenz-Hinweis zu lesen), zeigt, dass sie nicht qualifiziert sind, ueber ein Leistungsschutzrecht fuer Presseerzeugnisse oder andere Urheberrechts-Gesetze abzustimmen.

    1. @ma il
      Die Bundestagsverwaltung stimmt über gar keine Gesetze ab. Das sind Verwaltungsangestellte und Beamte, keine Abgeordneten.

      Im Übrigen ist es einfach eine nette Geste der Freundlichkeit nachzufragen, ob man ein Werk verwenden darf.

      1. @ Thomas Möhle:

        Das mein ich aber auch. Ist doch nett von denen, einfach mal nachzufragen ob man dieses und jenes darf. Wieviel schöner wäre diese Welt, wenn die Leute mehr miteinander reden würde, anstatt sich bei der geringsten Kleinigkeit ihre Anwälte auf den Hals zu hetzen?

  5. Ich kann nicht verstehen, warum sich darüber lustig gemacht wird.
    Die Leute in der Bundestagsverwaltung sind halt ganz normale Angestellte und Beamte, keine Urheberrechtsexperten.

    Sie wollen sicher gehen, dass sie fremden Content benutzen dürfen und fragen desshalb freundlich nach. Find ich absolut okay, ja sogar lobenswert!

  6. “Hinweisen möchte ich, dass Sie selbstverständlich jederzeit berechtigt sind, Ihre RSS-Feed-Services einzustellen, Linkstrukturen auch rückwirkend zu ändern bzw. Artikel, Medienangebote und dergleichen aus Ihrem Angebot zu löschen.”

    Herrlich! Money quote zum Ausdrucken.

  7. Wie jetzt?!?! Nicht über Facebook, Google oder App??

    Schön das der mehrfach vorhergesagte Niedergang von RSS nicht eintritt.

    Etwas schöneres als einen (lokalen) RSS-Reader gibt es eh nicht.. ;)

  8. Aber das ist doch ein gutes Zeichen, oder? Das Abgeordnete im Bundestag diese Seite für wichtig genug erachten, um RSS-Feeds dafür zu abonnieren?

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