Seit mehr als sechs Jahren verspricht die Berliner Politik ein Freies oder Offenes WLAN. Regelmäßig vor Wahlkämpfen werden die Versprechen wiederholt, um dann nach dem Wahlkampf der knappen Haushaltslage zum Opfer zu fallen. Aber nachdem es mittlerweile in fast alle anderen Metropolen weltweit zumindest in Teilbereichen mehr offene WLANs gibt als in Berlin ist es mal wieder Zeit für eine neue Initiative. In Berlin nennt sich das „Interessenbekundungsverfahren“. Das Ziel ist, einen Kooperationspartner zu finden, der „im öffentlichen Raum ein möglichst umfassendes WLAN-Netz“ anbietet, „das für die Nutzerinnen und Nutzer gebührenfrei“ sein soll. In einer sicher ironisch gemeinten Anlehnung an die Datenautobahnen von Helmut Kohl erklärt der Chef der Senatskanzlei, Staatssekretär Björn Böhning die Motivation: „Der Ausbau der digitalen Infrastruktur in unserer Stadt ist ein zentrales netzpolitisches Ziel des Berliner Senats. Freie WLAN-Netze sind die Schienen der Informationsgesellschaft.“
Nun gibt es schon einzelne Player, die auf den Markt wollen. Die Wall AG hat vor allem ein strategisches Interesse an den Plätzen für ihre Toilettenhäuschen und das Monopol dafür, da kann man dann auch gleich noch kleine Antennen drauf bauen, wenn es sein muss. Sonst gibt es nur noch Telekommunikationsunternehmen, die ein strategisches Interesse daran haben könnten, im Stadtgebiet mit WLAN ihre UMTS-Netze zu entlasten oder ihren Kunden einen zusätzlichen Mehrwert anbieten zu wollen. (Telekom-Hotspot).
Schöner wäre es natürlich, die Stadt würde ein offenes WLAN als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge begreifen. Und eine Grundinfrastruktur unabhängig von einem privaten Anbieter schaffen. Aber erstmal gibt es dafür keinerlei Geld im Haushaltsplan (Könnte man ändern) und dann würde es bei Berliner Verhältnissen sicher doppelt so lange dauern, bis das steht, als man es plant. Und dann braucht man vielleicht kein WLAN mehr. Man könnte natürlich auch einfach die Störerhaftung beseitigen, wofür wir einen Gesetzesvorschlag vorgelegt haben, um dezentral überall offene WLAN-Zugänge zu schaffen. Das ist besonders günstig und belastet nicht den Haushalt.
Die Alternative: Warum fördert die Stadt nicht die sehr aktive Freifunk-Community? Björn Böhning könnte eine Weiche dazu stiften, indem er eine Steckdose an einer der Ecken auf dem Dach des Roten Rathauses bereitstellt, im Optimalfall mit einem Internetanschluß, notfalls auch ohne. Die Freifunk-Community wäre sicher erfreut über die Möglichkeit, einen weiteren zentralen Knotenpunkt für weitere Richtfunkstrecken betreiben zu können, um den Backbone zu stärken. Die würden sich sogar darum kümmern, die Antennen selbst dort anzubringen, wenn nur Strom liegt. Das wäre ein schönes Zeichen. Man müsste nur mal!