
Mit einem „Datencenter“ zum Bundeshaushalt kam heute das Bundesfinanzministerium heraus. Dort heißt es:
Unter www.bundeshaushalt-info.de können Internetnutzer jetzt online nachvollziehen, welche Einnahmen der Bund für das Jahr 2012 eingeplant hat und was er damit finanzieren will. Mit dem neuen Angebot legt das BMF besonderes Augenmerk auf die anschauliche und intuitive Handhabung der Informationen zum laufenden Bundeshaushalt.
Die verwendeten Daten werden zum Download im Excelformat und zur Weiterverwendung als Open Data angeboten. Der Datensatz ist allerdings gegenüber dem ebenfalls als pdf angebotenem Haushaltsplan reduziert: Die Soll-Daten anderer Jahre finden sich nicht in den xls-Tabellen.
Dass das Ministerium diesen Schritt gegangen ist, kann als Erfolg der Open-Data-Bewegung bezeichnet werden. Denn seit geraumer Zeit gibt es das Projekt OffenerHaushalt der Open Knowledge Foundation Deutschland; dort werden die von der Website des Finanzministeriums ausgelesenen Daten der Bundeshaushalte 2007–2011 als Open Data zur Verfügung gestellt und visualisiert.
Das Bundesfinanzministerium hat sich davon offensichtlich inspirieren lassen, verliert allerdings kein Wort über das Vorbild.
Friedrich Lindenberg, der federführend an OffenerHaushalt arbeitet, hatte vor einiger Zeit eine Chronik des geschlossenen Haushalts aufgeschrieben. Seit 2010 gab es verschiedene Versuche, vom Finanzministerium die Daten der Haushaltspläne zu bekommen. Die will man aber nicht wirklich herausrücken – das wird klar in dieser Antwort auf eine IFG-Anfrage; dort wird übrigens auch mitgeteilt, dass die Entwicklung des Angebots bundeshaushalt-info.de etwa 40.000 Euro gekostet habe und insgesamt 200.000 Euro vorgesehen wären. Dienstleister ist das Unternehmen PixelPark.
Im Abschnitt „Blick hinter die Kulissen“ heißt es auf bundeshaushalt-info.de zum einen:
„Bis diese Anwendung die Perfektion und den Detailgrad des Dokuments zum Bundeshaushalt erreicht hat, fehlt natürlich noch so einiges.“
Man bittet um Feedback.
Auch wird erklärt, warum man sich für die gewählte Darstellungsform der so genannte Donutdiagramme entschieden hat.
„Trotz einiger Nachteile haben Kreisdiagramme unschlagbare Vorteile: Sie sind z. B. sehr gut geeignet, um Anteile an einem Ganzen darzustellen. Durch die hier verwendete Schichtung in mehreren Ebenen bleibt der Bezug zu den übergeordneten Posten erhalten. Man erkennt sofort auf welcher Detailebene man sich gerade befindet und kann mit einem Klick die Ebenen wechseln.“
Gregor Aisch, der ab und an für die Open Knowledge Foundation tätig ist, befasst sich vornehmlich mit Informationsvisualisierung. Er zeigte sich wenig begeistert über diese Art der Haushaltsdarstellung. Seine Anmerkungen auf Twitter lauten zusammengefasst so:
- Vermeide Torten- und Donutdiagramme, wenn mehr als fünf Informationen gleichzeitig zu zeigen sind.
- Verwende immer die gleiche Farbe für die gleiche Art von Daten.
- Sehr ungünstig ist die Wiederverwendung der gleichen Farbe für völlig andere Dinge, weil so eine konsistente Kategorisierung nicht gelingt.
- Die Art und Weise, wie die Donutdiagramme ineinander verschachelt sind, macht das Lesen der Daten schwierig. Dass die Daten Teil von etwas sind, geht in der Darstellung ebenfalls verloren.
Was ist also nun von dem Angebot zu halten? Ist es schlicht ein weiteres Beispiel für gut-gemeint-ist-das-Gegenteil-von-gut?
Das bleibt abzuwarten; über weitere Pläne, etwa die Einarbeitung der Haushaltspläne der letzten Jahre, ist bislang nichts bekannt.
Auffällig ist jedenfalls, dass offenbar tunlichst vermieden wird, von Open Data zu sprechen. Vielmehr ist die Rede von „öffentlichen Daten ohne urheberrechtlichen Schutz“. Vielleicht hat das Bundesfinanzministerium vom Engagement des Innenministeriums in Sachen Open Government einfach noch nichts mitbekommen.
Letztlich stellt sich aber die Frage, warum das BMF nicht einfach auf das bestehende Angebot OffenerHaushalt gesetzt hat? Da wäre sicherlich mit 10 Prozent der eingeplanten 200.000 Euro einiges möglich gewesen.
