Kultur

Wir möchten nicht, dass solche Chaoten es schaffen, das öffentliche Leben lahmzulegen

Ich bin etwas irritiert. Während mir Einladungen zu CDU-Parties auf Facebook nur noch auf die Nerven gehen und ich dachte, das kurzfristige Sommerloch-Thema wäre schnell vom Tisch, zieht es wohl auf regionaler Ebene weiter seine Kreise. Das Regionalportal op-online (Wo ich auch nach vielem Klicken nicht herausfand, ob das jetzt eine Zeitung oder nur ein Portal ist) berichtet über eine Satire-Aktion von Die Partei, die einfach mal auf Facebook zum Schützenfest der CDU einlädt. Dort haben sich bisher 883 Menschen angemeldet und davon dürfte ein nicht unbedeutender Teil aus Berlin sein, der Rest sieht auch nicht gerade nach Zielgruppe aus. Und überhaupt: Wo liegt eigentlich Dietzenbach?

Aber alleine die Möglichkeit, dass diese 883 ihre Freunde, Verwandte und alle auf dem Weg dahin einsammeln könnten, um gemeinsam zum Schützenfest der CDU nach Dietzenbach zu pilgern bringt einen längeren Artikel voller Panik zustande, wo man dann am Ende auch nicht mehr weiß, was davon Satire und Realität ist. Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel mit dem tollen Titel „Gefährliches Spiel mit der Angst“:

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„Wir werden Ermittlungen aufnehmen und in Abstimmung mit der CDU und der Stadt die Entwicklung beobachten“, kündigt Rösch an. Er spricht von einem „schwierigen Feld“, das die Polizei beackern müsse. Die Beamten setzen vor allem auf die Erkenntnisse ihrer Internet-Spezialisten in Offenbach. Thema ist auch die Aktion der so genannten Partei, die das Satiremagazin „Titanic“ gegründet hatte. Sie kopierte kurzerhand die Einladung der Dietzenbacher CDU bei Facebook, nachdem die Christdemokraten jeglichen Hinweis auf angemeldete Nutzer und die Pinnwand mit Einträgen unsichtbar gemacht hatten. Allein bei der gefälschten Einladung haben schon mehr als 700 Nutzer zugesagt, nach Dietzenbach zu kommen. Ob es sich bei der Aktion der Titanic-Partei um Satire oder eine Straftat handelt, muss noch geprüft werden.

Es werden auch konkrete Gegenmaßnahmen diskutiert. Dazu zählen Absage, Verlegung, privater Sicherheitsdienst und/oder erhöhtes Polizeiaufkommen. Denn:

„Wir möchten nicht, dass solche Chaoten es schaffen, das öffentliche Leben lahmzulegen.“

Hier gibt es übrigens ein Etherpad zum Sammeln von Facebookparties diverser SPD- und CDU-Untergliederungen. Man könnte die Zeit aber auch sinnvoller verwenden.

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38 Kommentare
    1. @catdog2: Ja, danke. Soweit bin ich auch gekommen. Aber weder unter Kontakt, noch bei Über uns und sonstwo auf der Startseite findet sich ein Hinweis darauf, wofür op steht. Aber ist mir eigentlich auch egal.

      1. Im Tag der Seite steht es drin „op-online.de – Nachrichten der Offenbach-Post aus Offenbach, Hessen und der Welt“.
        Reichlich ungeschickt da Browsertabs etwas wenig Platz für so viel Text haben x)

      2. Meine Zeitungskarte an der Wand sagt mir: die „Offenbach Post“ gibt es auch als regionalen Print (Verbreitungsgebiet: ein Klumpen Land zwischen Hanau und oberhalb von Darmstadt).

        Und der Artikel kommt wahrscheinlich durch folgende DPA-Korrespondenten-Wunderschreibe zu Stande:
        dpa Meldung vom 2011-07-12 13:30:00
        «Ich nehme teil»: Facebook-Gemeinde spottet über CDU-Sommerfeste Von Marco Krefting, dpa (Mit Bild)
        KORR-Inland/Parteien/Freizeit/Internet/

        Offizieller Teaser: Das CDU-Sommerfest im hessischen Dietzenbach sollte einen kulturellen Anstrich bekommen: die Musikvereinigung der Stadt spielt auf. Bei Facebook meldeten sich hunderte Besucher an – viele aus Spot über die Internetpolitik der Union.
        [Text lasse ich wegen dem Kopierrechtsschutz mal weg, den gibts bestimmt woanders im Netz]
        dpa kre yyzz a3 k6 bg
        121330 Jul 11

  1. Schreiben die bei der OP auch von der „so genannten Cdu“?

    Ist interessant, dass man ein Käseblatt schon an einem so kurzen Textausschnitt erkennt.

  2. OP – Offenbach Post ist eine reginale Tageszeitung und Dietzenbach liegt vom Rande des Rhein-Main-Gebietes.

    Natürlich sind alle Digital Natives Teil der Zielgruppe, sind doch alles Killerspieler. Nun wollen sie sich vom Godfather of sinnlos Herumgeballere der Schützenvereine, also der CDU, bebringen lassen, wie man mit echten Waffen ballert – denn drüber laufen und die linke Maustaste funktionieren bei echten Schusswaffen nunmal nicht.

    Mit etwas Glück sind sogar Killerpolitiker wie Merkel oder Friedrich anwesend, die sich über den Tod von Menschen freuen bzw. sogar die Einführung der Todessprache fordern – allerdings mit der Behauptung „falsch verstanden worden zu sein“ bei Ablehnung ihrer Äußerungen in der Bevölkerung zurückrudern.

    Ich finde es nur verständlich, dass zahlreiche Jugendliche diese anscheinend erfolgreiche Chuzpe aneignen wollen. Und wo ginge das besser als bei einer zwanglosen Kontakt aufnahme anlässlich eines Sommerfestes?

  3. Genau … man könnte die Zeit auch sinnvoller verbringen, als durch erhöhtes Polizeiaufgebot. Beispielsweise könnten die Polizisten die verschwundenen oder geklauten Baupläne ihrer BundesNotDienst (oder wie der heisst) Kollegen wiederfinden. Blamabel, doch weder CDU noch SPD werden wohl für diese Panne bezahlen, sondern die – wie immer – kleinen Steuerzahler.

  4. > OP steht für Offenbach Post, ein mieses Lokalblatt.
    In der Tat. Und das schon seit Jahrzehnten. Das nennt man in Dietzenbach Kontinuität. ;-)

    >Da ist man froh dass man es nicht kennt ;)
    Zu spät….

    @markus:
    Soll ich Dir mal eins zuschicken, damit Du dich von der „Qualität“ dieser Zeitung überzeugen kannst?

  5. „Die Beamten setzen vor allem auf die Erkenntnisse ihrer Internet-Spezialisten in Offenbach.“
    Hat die Polizei nun auch 2 Beamte mit Facebookaccount oder was sind das für Spezialisten? :D

  6. Wie dem auch sei, es reicht jetzt! Ich texte mal meine Meinung rein, denn es geht mir was auf die Eier.

    Wenn hier Leute gutgelaunt solche „Parties“ mögen, die keine sind, dann sollen sie doch einfach mal ihre eigene Adresse reinposten oder die Fans zu Markus schicken.

    Massive Sachbeschädigungen, schlaflose Nacht (die Fans brauchen nicht zu arbeiten, sie hartzen lieber), umgeräumter Garten, brennende Carports und Mülltonnen, tonnenweise Müll überhaupt, Körperverletzungen und Randale. Das ist es, was dabei herauskommt, wenn sich Arschgeigen bei Facebook einen Scherz erlauben, gewollt oder nicht, ist mir scheißegal.

    Genauso beschissen wie der Wonnemonat Mai in Berlin ist, so beschissen werden diese Treffen für das Umfeld, in dem sie stattfinden.

    Und ich kann es auch als Grüner nur schreiben, da sind mir (vom Witz des Blogs mal abgesehen) ein paar Tausend CDU-Schützenvereine oder sonst was lieber, als der besoffene Abschaum, der sich auf Facebook rumtreibt und den Leuten die Fensterscheiben einschlägt.

    Nein, null Toleranz. Das schreibe ich nicht gerne, aber irgendwann hört der „Spaß“ auf. Jedenfalls dann, wenn Dritte geschädigt werden ohne Ende. Wollen wir doch die Leute nächstens zu den Befürwortern schicken. Mal sehen, wie sie sich freuen, wenn sie am nächsten Morgen, nach schlafloser Nacht, ihr ruiniertes Auto vorfinden, um damit zur Arbeit zu fahren. Den Schaden dürfen sie selber bezahlen, da die Täter nicht zu finden sind. Viel Spaß und fröhliches Zahlen!

    Volker

    1. Wir sollten anonyme Randalierer grundsätzlich verbieten. ePerso-Chip bei Geburt in den Gesässmuskel schiessen und RFID-Scanner an jeder Laterne montieren, dann kann Volker wieder ruhig schlafen.

    2. Auf ein Problem, was sich durch ein Feature eines Soziales Netzwerks manifestiert mit der Forderung des Verbotes eben dieses Features zu reagieren ist hirnrissig.

      Von der völlig überproportionalen Medialen Aufbauschung des Falles (der Fälle?) mal abgesehen (bei Volksfesten entsteht jedes Wochenende wohl in der Summe mehr Sachschaden) wird ein wenig herumgepoltert und eine sinnlose Debatte geschaffen um mal wieder von ernsthaften Themen abzulenken.

      Entweder gut getrollt, dann Gratulation oder demnächst der Wechsel in die CDU? Vielleicht habe ich auch die Wandlung der Grünen von Rot nach Schwarz nicht hinreichend erstgenommen und nun stehe ich hier ratlos vor vollendeten argumentativen Tatsachen.

      1. @void()

        Ich denke, wir schicken Euch den Pöbel, den besoffenen Dreck direkt vor die Tür. Danach dikutieren wir nochmal. Also dann, wenn es DICH betrifft.

      2. Ps. Wenn die Deinen Wagen zerlegen, möchte ich gerne Fotos von Dir machen, wie Du sie mit einer Flasche Champus begrüßt. Danke im Voraus.

  7. 2 Dinge:

    1. Warum hat die CDU so große Angst vor vielen Menschen? Das könnte ja auch lustig werden. Oder sind größere Ansammlungen junger Menschen per se „gefährlich“ ?

    2. Gibt es auch Funktionäre anderer Parteien, die sich über so einen Sturm an Zusagen sogar freuen würden….. Man müsste dann halt nur ein paar mehr Getränke ordern….

  8. Ist es ein Zufall, daß gerade die CDU solche Angst vor Bürgern hat, die ihre Veranstaltungen besuchen? Wenn man sich ihre Politik ansieht, sollte man ihnen wirklich raten, sich vom Volk fernzuhalten.
    Hm, Dietzenbach ist garnicht so weit weg – vielleicht schau‘ ich auch mal vorbei (hab‘ aber leider keinen Facebook-Account um mich anzumelden, hoffe die lassen mich trotzdem rein).
    Aber mal im Ernst – schöne Aktion der Titanic. Die Reaktion zeigt, daß sie mal wieder ins, äh, Schwarze getroffen haben.

    An den Maschinenraum: Seit geraumer Zeit ist bei euch ein Zertifikat kaputt:
    (1) Der Servername »piwik.netzpolitik.org« passt nicht zum Zertifikatsnamen »piwik.newthinking.net«. Möglicherweise versucht jemand Sie zu belauschen.
    (2) Das Zertifikat für »piwik.newthinking.net« ist vom unbekannten Zertifikatsaussteller »puppet.newthinking.de« unterzeichnet. Es kann nicht festgestellt werden, ob dies ein gültiges Zertifikat ist.

  9. Dietzenbach liegt im Kreis Offenbach, benachbart zur Stadt Offenbach, beide Autokennzeichen OF. (Bei diesem Kennzeichen sind wir Frankfurter gleich besonders wachsam…)

  10. warum nur, warum findet in solchen Debatten eigentlich niemand des Pudels Kern?
    Facebook-Partys zu verbieten geht kaum. Ist auch wenig sinnvoll. Genausowenig sinnvoll, wie das Verbieten von Festankündigungen per Zeitung/Plakat. Das einzige, was in dieser Debate weiterhilft, ist, die Nutzer von social networks aufzuklären, die diese immer noch allzu leichtfrtig als Datenstripplattform verwenden.
    (ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt… mir deucht, dass die CDU diese Partys eher aus „schaut mich an ich bin so modern!!!“ Gründen auf Facebook stellt)

    Soll heißen: kündigt eure Partys da an, wo es dem Zweck dient. Wenn ihr keine öffentliche Party wollt, dann ladet eben nur Freunde direkt ein, per message, mail, Telefon oder *schauder* gelber Post.

    Ich finde, diese ganze Debatte hat durchaus was positives, weil sie Ottonormalnutzer zeigen kann, dass Facebook eben nicht nur grüne Wiese ist. Ich glaube auch nicht, dass es sich bei den Partybesuchern um „hartzenden Pöbel“ (Für einen Grünen find ich diesen Satz übrigens ziemlich heftig…) handelt – dieser hat meist gar nicht die Mittel, quer durch D-Land zu einer Party zu tingeln. Der (friedliche) Großteil tut das „for the lulz“ oder als Satire und die Pöbler sind nicht selten Jugendliche, die aus wohlhabenderen Familien stammen…

  11. „Die Beamten setzen vor allem auf die Erkenntnisse ihrer Internet-Spezialisten in Offenbach.“

    Großartig! Hat Kommisar Hagbard Müller nun endlich einen Core2Duo erhalten, weiß wie man die Maus anschließt und wie man sich bei Facebook anmeldet oder was meinen die damit?

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