Kultur

Scheiße man, die Zeitung stirbt!

Das ist ein Beitrag von Nils Meinzer, der zuerst auf seinem Blog Contemporary Culture erschienen ist.

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Dachte man vor einer Weile noch, dass Zeitungsverleger, Redaktionen und Berufsjournalisten gemerkt hätten, dass die guten alten Zeiten seit ein paar Jahren vorbei sind, wurde diese Einschätzung Ende letzten Jahres wieder einmal enttäuscht. Die Hoffnung, dass Medieninstitutionen nun bereit wären, den Medien- und Gesellschaftswandel konstruktiv mitzugestalten, musste in Folge der Forderung nach einem politisch durchgesetzten Leistungsschutzrecht wieder begraben werden.

Leistung, Schutz, Recht – klingt ja alles ziemlich positiv. Bei zweimaligem darübernachdenken allerdings auch ziemlich abwegig. Wer definiert hier wessen Leistung wie zu schützen ist? “Journalist” ist – wenn man das Grundrecht auf Meinungsfreiheit Ernst nimmt, zu Recht – kein geschützter Beruf. Eine Überprüfung dessen, was “journalistischer” Inhalt ist oder nicht – ist völlig unmöglich. Dazu transzendieren und hybridisieren Genres, Formate, Inhalte und Medien viel zu sehr. Außerdem wachsen die Mengen an allgemein adressierten Medieninhalten exponentiell. Kontrolle wäre nur möglich, wenn privilegierte und zentralisierte “journalistische” Plattformen durch irgendeine Instanz (zum Beispiel die Politik) eingeführt und zu ihnen Zugangsbarrieren errichtet werden würden. Hier könnten Inhaltsmengen beschränkt und die Mitglieder dieser produzierenden Elite, entsprechend der Leistungsschutzdingens-Idee, entlohnt werden. Man müsste eine Art “zweites Internet” erfinden, für das man Lizenzen erwerben könnte. Dann bräuchte man noch einen juristisch-polizeilichen Überwachungsapparat, der aufpasst, dass das “unterprivilegierte Internet” die Inhalte vom “upperclass Internet” nicht stielt. Das Unterklasse-Internet dürfte nichteinmal – und hier kommen wir zu einer weiteren Forderung des Leistungstralalas – auf das Oberklasse-Internet hinweisen. Zumindest dürfen dabei keine Worte verwendet werden, die auch im Oberklasse-Internet Verwendung finden. Najadoch – gegen eine Hinweisgebühr. Das ist ein bisschen wie Tabu. Das Oberklasse-Internet dürfte natürlich auf das Unterklasse-Internet zeigen und verweisen und ihm seine Texte und Bilder und Videos wegnehmen, ohne Ende. Die Macher vom Oberklasse-Internet dürfen auch durch Straßen laufen und Dinge fotografieren und aus Büchern zitieren und sie müssen den Straßen und den Dingen und den Büchern kein Leistungsschutzrecht-Geld bezahlen. Das ist doch irgendwie ungerecht. Irgendwie.

Leistungschutzrecht ist Quatsch. Klaro, merkt jeder! Aber warum fordert man dann trotzdem erstmal? Weil die Berufspolitiker nicht merken, dass es Quatsch ist? Weil sie so ein Gesetz einfach bewilligen, solange sie sich vor eine Leinwand mit einer Zeitung in der Hand hinstellen und sagen können, dass “die von uns allen geliebte Zeitung nun Leistung bringen kann, und Schutz und Recht hat”? Ja, vielleicht. Ich vermute aber, dass es sich bei der Forderung nach dem, Lilaleistungsschutzrecht schlicht und einfach um eine strategische Hinhalte-, um eine Ablenkungstaktik handelt. Perfide und klug! Die Verlage möchten alldiejenigen, die sich für Zeitungen und Journalismus interessieren mit doofen Themen beschäftigen, bis man selber ein tolles lukratives Zukunftsmodell für das gefunden hat, was bisher Zeitung war. Man möchte politische Innovationsförderung für alternative journalistische Projekte unterbinden, um selber nicht an Reichweite zu verlieren. Verständlich, so muss man ja weiterhin die riesigen Redaktionen, Verwaltungsstellen, Druck- und Vertriebsinstanzen finanzieren, aber auch: hinterhältig. Man wirft mit mysthischen Begriffen, wie digitaler “Kostenloskultur” um sich, kämpft mit Hobbybeobachtern und Kleinstunternehmern in der Blogosphäre, um zu verhindern, dass irgendjemand den zündenden Gedanken, die großartige Idee hat, wie Journalismus und Inhaltsproduktion gegenwärtig und zukünftig gestaltet und finanziert werden können. Die Verlagsindustrie entwickelt sich in Deutschland zur Montanindustrie der Jetztzeit und hofft nochmal ein paar Jahre – oder für alle Zeit – ihre Existenz sichern zu können. Für die Weiterentwicklung des Journalismus bedeutet das nichts Gutes. Dabei sind wir uns doch alle einig, dass ein besserer, vielfältigerer, nützlicherer Journalismus für alle, die Gesellschaft und die Demokratie großartig wäre. Und das lieber heute als morgen. An dieser Weiterentwicklung können alle mitarbeiten und experimentieren: motivierte, ideenreiche und idealistische Bürger und Journalisten ebenso wie die Alten, die Massenmedien und ihre Verlagshäuser.

Die beschriebene Verzögerungstaktik der Verlage ist nicht neu. Bereits mit dem Aufkommen digitaler journalistischer Konkurrenz im Internet verfolgte man eine Strategie der Blockade, die in anderer Form noch bis heute anhält. Fragte man Anfang bis Mitte der 2000er Jahre Chefredakteure von Zeitungen, warum sie ihre Online-Angebote nicht ausbauten und weiterentwickelten, so erhielt man die Antwort, dass man sich nicht die eigenen Printleser wegnehmen wolle. So gehören Zeitungswebsites bis heute zu den unübersichtlichsten Internetangeboten, die es gibt. Eine Überblicksfunktion (”wissen was wichtig ist”) für den Leser können die Online-Varianten der Tagespresse in ihrer jetzigen Gestalt kaum gewinnen. Mario Sixtus’ metaphorischer Vorwurf, Zeitungshäuser würden das Internet ohne Sinn und Verstand mit den Inhalten ihrer Redaktionssysteme vollpumpen, trifft an dieser Stelle völlig zu. Sie stellen Zwischenformen von unkontrolliertem Nachrichtenticker und T-Online-Werbeportal dar und man fragt sich bei diesem Anblick, was das Wort journalistische Selektion bedeuten könnte. Nicht ohne Grund floriert das Business der Clipping- und Monitoring-Agenturen, die aus dem Informationswirrwarr, den Zeitungen hinterlassen, echte Übersichten für Unternehmen und politische Entscheider zusammenstellen. Es irritiert nur, dass gerade die New York Times, deren Auftritt stark an eine dekonstruierte Variation eines strukturierten Informationsangebots erinnert, nun völlig auf “Online” setzen will. Entweder gehört dies zur Täuschungstaktik des globalen Verlagskartells oder die Times bietet ihren bezahlenden Abonnenten ordentlich aufbereitete digitale Neuigkeiten an. Zu den Klassikern der Blockadestrategie der Zeitungen gehörte und gehört neben dem “wir machen’s mal unübersichtlich” auch das Löschen – oder gar-nicht-erst-Publizieren von Inhalten. Während die Überblicksfunktion über aktuelles Geschehen auf Newswebsites nämlich in der Breite als ausbaufähig zu betrachten ist, können SpOn und Co. durch, bisher nicht gekannte, Archivfunktionen glänzen. Hier bietet das Internet einen Vorteil zum Print. Doch eben diese Nutzwertsteigerung für den Leser lassen viele, insbesondere die kleineren, lokalen Zeitungen außer Acht. Sie löschen Inhalte einfach nach einer kurzen Weile – warum auch immer. Vielleicht glauben sie ja die von ihnen selbst erfundene Legende davon, dass Nachrichten, nachdem sie einmal gelesen sind, wertlos werden. Ein öffentliches Archiv kann nicht nur den Nutzwert, sondern auch den Markenwert einer Tageszeitung steigern: So werden Nutzer über Suchmaschinen und Hyperlinks noch nach langer Zeit auf die Inhalte von Zeitungen aufmerksam, während sie im klassischen Printjournalismus nur noch über schwer zugängliche Archive verfügbar gewesen wären. Neben dem Löschen gibt es noch eine zweite Strategie, die ein öffentliches Archiv, eine Bereicherung des kollektiven Gedächtnisses, verhindert: das Verstecken von Inhalten. Dieses Spiel wird von Zeitungen auf verschiedene Weisen gespielt. Zunächst unternahmen einige Zeitungen den Versuch, alle ihre Inhalte in kostenpflichtigen Premiumbereichen zu verstecken. Damit scheiterten sie jedoch aufgrund der für die Leser zahlreichen alternativen Zugangsmöglichkeiten zu Informationen. In der Folge und bis heute, depublizieren viele Zeitungen ihre Inhalte nach dem Abalauf einer bestimmten Zeit oder machen bestimmte Segmente ihrer Zeitungen von vorneherein nur gegen Bezahlung verfügbar (insbesondere lokale Informationen, aufgrund von Monopolstellungen). Doch als ob das noch nicht genug wäre, ist das Verhältnis von Preis und Leistung in vielen Fällen nicht mehr als ein schlechter Witz. Einen oder mehr EURO für einen Artikel. Ist klar! Während ich für eine ganze Zeitung mit wasweißich wievielen Artikeln 1,60 bezahle, zahle ich für die digitale Variante einen EURO!? Hey Zeitungen, macht mir ein gutes Angebot! Ein Abo, eine Flatrate, irgendwas!

Alles schlecht! Und was nun? Zum Glück schreitet die Zeit voran und zum Glück gibt es Firmen, denen es völlig egal ist, welchen Aufrur Zeitungen so erzeugen. Firmen, die Veränderung vollziehen und dabei – im Gegensatz zum zu pluralistischen “Internet” – eine so große Marktmacht besitzen, dass selbst Zeitungsverlage wie kleine Kinder am Rockzipfel ziehen und sich einbilden, sie hätten sich das neue Ding da, dass die große Firma ihnen zum spielen gibt, schon immer gewünscht.

Und sie spielen nicht einmal so schlecht damit. Sie gestalten Anwendungen, die tatsächlich anwendbar sind. Sie heißen nicht Anwendungen, sondern Apps, weil das irgendwie süßer und kindgerechter klingt. Während beim Webdesign der Zeitungen noch die Steigerung “mehr schlecht als schlecht” das Motto bestimmte, wurden die Zeitungen von Apple’schen Ästhetikfieber angesteckt: plötzlich gestalteten sie Apps, die Übersicht über aktuelles Geschehen vermittelten: Apps, die ohne deplazierte Werbung lesbar und die darüberhinaus noch transportierbar wurden. Zeitung konnte wieder da gelesen werden, wo man Zeitung lesen kann: im Bett, auf dem Klo, im Bus. Nachdem die Apps am Anfang sehr klein waren, wurden sie bald schon größer, mittlerweile sehen sie schon ein bisschen aus wie frühere Printprodukte, wie Zeitschriften ungefähr. Sie werden mittlerweile sogar gelayoutet, mühevoll gemachte (!) Videos werden eingebunden und man überlegt, wie man Inhalte am besten arrangieren könnte. Ich würde dafür glatt ein Abo abschließen und 3 oder 5 oder 10 EURO pro Monat zu bezahlen! Das wäre ein gutes Angebot. Und was möchte ich dafür bekommen? Vielleicht einmal eine gebündelte Überblicksvariante – die darf ruhig geschlossen sein. Und daneben: eine offene, sich kontinuierlich aktualisierende Archivseite, die vernetzt und verlinkt werden kann, wo alle Artikel zugänglich sind. Ich würde alleine dafür – für gute Qualität, die Bündelung, die Selektion, die Sortierungsleistung und die Ästhetik Geld bezahlen. Echt!

Wenn das passiert, dann müssen wir auch nicht mehr über so einen Quatsch, wie das Leistungsschutzrecht reden.

Bald wird es noch leichtere, noch flexiblere, noch größere Endgeräte geben. Diese Endgeräte werden vor allem eines sein: billiger. Viel mehr Menschen werden sie besitzen. Ich bin mal gespannt was dann passiert.

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25 Kommentare
  1. Guten Morgen,

    ein wirklich interessanter Artikel, der im Endeffekt das meiste zusammen fasst, was es zum Thema Leistungsschutzsrecht zu sagen gibt.

    Besonders spannend ist der Verweis auf die lokalen Zeitungen. Bei uns in Münster ist das besonders krass. Hier liefern sich zwei mittelgroße lokale Zeitungen seit Jahren erbitterte Schlachten. Auf der einen Seite die (leicht konservativen) Westfälischen Nachrichten, auf der anderen Seite die (leicht links eingestellte) Müsteresche Zeitung. Besonders spannend sind die Internetseiten beider Zeitungen, die sich stark ähneln. Die meisten lokalen Nachrichten findet man dort jedoch entweder gar nicht, oder nur sehr schwer.

    Wenn es jedoch um ein Onlineabo geht nun… dann findet man: Nichts! Es gibt keine Möglichkeit ein Abo als PDF zu beantragen, eventuell als Zusatz zur normalen Ausgabe. Es gibt gar nichts.

    Merkwürdig, wenn man bedenkt, dass Münster die Stadt der Studenten ist, in der eine (billigere) PDF-Ausgabe sich sicherlich verkaufen würde wie warme Semmeln. Aber stattdessen bleibt man in seinen alten Vermarkungsschemen stecken und rührt sich nicht vom Fleck.

    Wenn das so weiter geht gehen einfach beide Zeitungen unter und es gibt irgendwann keinen Lokaljournalismus mehr. Schade für Münster und defintiv schade für die Zeitungswelt.

    Grüße
    Johannes

  2. Genau das gleiche ist es doch bei Musikdiensten. 1 Euro pro Download zu bezahlen ist riechlich uninteressant.

    Ein Streamingdienst wie Spotify der mir einen Zugriff auf 8 Millionen Titel bietet, anlegen von Playlists, smartradio, und ordendlicher kategorisierung nach Musiker, Genre etc wäre mir in jedem Fall eine monatliche Abo Gebühr wert.

    Da Spotify aber in Deutschland nicht verfügbar ist weil sich die Deutschen Verwertungsgesellschaften dagegen sperren bleibt mir wohl nichts anderes übrig als meine Musik weiterhin bei Rapidshare zu laden. Sehr schade denn das ist sehr umständlich.

    Ein Tool wie Spotify mit entsprechender APP für mobilgeräte würde den Markt garantiert beleben. Aber statt dessen versucht man lieber den Verkauf einzelner Titel über das Internet zu simulieren, eben ganz so wie man es vom klassischen Einzelhandel gewohnt ist anstatt von den neuen Möglichkeiten gebrauch zu machen.

    Wenn das dann nicht funkioniert dann muss man die Schuld natürlich bei jemand anderem suchen, Z.b. bei den Pösen Raubkopierern etc.

    1. @ Piratenpartei Wähler:
      Schau dir mal napster an. Für 10 (nur online) bis 15 (auch mobil) Euro im Monat gibt’s da so ziemlich alles das, was du suchst. Preislich nicht ganz ideal, aber brauchbar.

    2. Spotify ist sicherlich ein interessantes Konzept, aber wegen DRM vielleicht für einen Piratenparteiwähler nicht die erste Wahl.

      Ich zumindest finde es ausserordentlich wichtig, auch für die langfristige Bewahrung der Kultur, dass es weiterhin möglich bleibt, dass man die Musikstücke für die man einmal bezahlt hat (auch über die Lebensdauer von Unternehmen/Musikern hinaus) tatsächlich besitzen kann.

      Auch wenn ich Verwertungsgesellschaften ihre Urheberrechte einschränke, möchte ich nicht, dass die VWG sich überlegt, dass sie lieber moderne Werke des Künstlers verkauft, und die alten nicht mehr. Auch wenn ich Musikern damit ihre Urheberrechte einschränke, möchte ich auch nicht, dass ein depressiver Musiker sich im Drogenrausch überlegt, dass sein Werk von vor einem Monat Scheisse ist, und das DRM dafür abschaltet. Wenn das Stück mir gefällt, ist es mein Recht, es zu behalten. Sorry, Urheber.

      Man sieht es doch heute schon. Diverse Fernsehserien aus vergangenen Zeiten sind auf legalem Wege nicht mehr zu bekommen. Keine DVD, keine legalen Downloads. Wenn man Glück hat, werden sie im Fernsehen wiederholt. Ich habe mal bei CBS wegen so einer alten Klamotte angefragt und mit Geld gedroht. Die halten es nicht einmal für nötig mir zu antworten.

      Ach so, wir waren bei Zeitungen: Das Modell von Markus dürfte doch auch ohne Apps und Bindung an einen Anbieter prima mit offenen Standards funktionieren, z.B. in HTML/RSS implementiert (oder ggf. von den Verlegern neu zu definierender offener Protokolle, ->IETF).

      Die Zeitungsarchive könnte man dann noch mit Werbung zusätzlich alimentieren.

      Daneben kann es aber weiterhin sinnvoll sein, dass der Staat oder irgendwelche anderen Kulturbewahrer eine zusätzliche Archivierung analog der heutigen Bibliotheken und Archive vornimmt.

  3. @ Piratenparteiwähler:

    Mit solchen Kommentaren tust Du Deiner Partei keinen Gefallen…

    Wenn es hier kein Spotify gibt, wieso kannst Du dann nicht die paar Cent investieren und bei amazon oder itunes runterladen, was Du willst? Kein Streamingtool möglich -> Rapidshare ultima ratio?

  4. @5 Ohne jetzt verallg. zu wollen. Aber beim 0815 Musiker, wie viel bekommt der da von ner CD? Ganz ehrlich wenn du den Musiker unterstützen willst, schick ihm ne Spende, da hat er am meisten von.

  5. Ich find den Artikel wie auch den Lösungsvorschlag über Apps sehr interessant, möchte nur kurz darauf hinweisen, dass sich kein Verlagshaus bei 3€-10€ pro Monat als Abopreis für eine App lange halten könnte ;-) Wie schon erwähnt wurde, ist so eine App auch recht aufwendig, dazu muss Vertrieb, Marketing, Verwaltung, und natürlich Redaktion finanziert werden. Ich habe eine Zeit lang bei einer lokalen Tageszeitung in Mannheim gearbeitet, und da mussten erstmal die Personalkosten für gut 500 Personen gedeckt werden. Nur weil der Druckprozess wegfällt, fallen die restlichen Kosten ja nicht auch noch ;-)

    Gruß,
    Lina

    1. @Lina: Es kommt doch nur auf die Anzahl der Abonnenten an, ob das Modell funktioniert. Und die Entwicklungskosten der App bzw. die Kosten für Knebelverträge mit Apple und Konsorten kann man sich sparen, wenn man sich für offene Protokolle und Standards einsetzt und die Open Source Gemeinde für sich entwickeln lässt. Hier wären die Verlegerverbände gefragt.

  6. @Andi

    Napster ? Aber leider mit DRM und so ziemlich inkompatibel mit meinem freien OS/Mobilen geräten.

    Naja, mit VPN kann man auch Spotify benutzen, leider eben nur die kostenlose Version mit viel Werbung. Da würde ich eben lieber zahlen, geht leider nicht weil blockiert.
    Gibt noch andere Steaminganbieter wie Grooveshark bzw Deezer die dann allerdings nur im Browser laufen aber imerhin ohne DRM. (also nicht mobil einsetzbar).

  7. @1. Bin auch MSländer und kenne beide Zeitungen. Auf die Idee einer PDF-Version kommt bei denen wahrscheinlich einfach keiner. Schreib der WN/MZ doch mal ne Mail. ;-)

  8. Ich finde, dass die Zeitungen es verdient haben zu sterben, wenn sie es nicht schaffen, ihr Business Model anzupassen…

    Es soll ja Hersteller von Metallroehren geben, die irgendwann einmal in diese neumodischen Mobiltelefone investiert haben und damit erfolgreich waren.

    Und es soll Kutschenhersteller geben, die heute niemand mehr kennt.

    Das Schoene ist ja, dass das Interesse am eigentlichen Produkt („Nachricht“) nach wie vor besteht. Also sollten ein paar findige Menschen damit doch Geld machen koennen, oder nicht?

  9. Also ich habe eine zeitlang Simfy genutzt. Das ist glaube ich der deutsche Ableger zu Spotfy. Der Premium-Zugang hat ein Programm fürn Desktop und noch ein paar Songs von irgendwelchen Labels.

  10. Huch ich muss mich korrigieren. Die münstersche Zeitung hat bereits ein PDF und IPad Abo.

    Und was die Bezahlung von Bands angeht: Nun die meisten Bands, die ich höre, haben ihre eigenen Vertriebe(Schandmaul mit FAME, ASP, Saltatio Mortis). Deshalb denke ich, dass die da doch ein bisschen mehr Geld dran verdienen.

  11. @13 Genau was mir beim lesen des Artikels durch den Kopf ging. Subventionen und Marktverzerrung für die Hofschranzen, oder wie muss man die Posse um das Leistungsschutzrechts sonst sehen? Gerade wenn man dachte dass die Neoliberalen doch so auf den Markt setzen..

  12. Bedingungsloses Grundeinkommen.

    Wenn die Produkte meiner Arbeit keiner Knappheit unterliegen, ist es widersinnig dass ich trotzdem vom Verkauf dieser Produkte leben soll.

    Das Bedingungslose Grundeinkommen befreit den Journalisten von Existenzangst und gibt ihm Freiraum, kreative Dazuverdienstmöglichkeiten zu entwickeln.

  13. @Piratenparteiwähler: lastfm mit firefm? bzw. gibt es da auch *nix-Desktop Player

    Gerade die Musikbranche rührt sich ja so langsam z.T. bzw. besser gesagt rauschen die Internetgrößen und Startups wohl voraus mit neuen Geschäftsmodellen und die MI lässt sich immerhin mal so halbwegs darauf ein…

    Und im Übrigen ein Euro pro Song ist im Grunde schon gar nicht so unfair, neue Alben kosteten mal (als ich das letzte mal eins kaufte) durchaus über 10 Euro und da sind dann ja irgendwas zwischen, sagen wir ~13-18 Lieder drauf. Die Kritik an den Alben ist ja immer, da muss man den Rammsch mit dem guten Kram kaufen, aber beim MP3 Download hat man das Problem dann ja eben gerade nicht. Ja, nen Tick günstiger könnten Einzellieder noch werden, bzw. wären Flat oder Bundleangebote ganz nett (was man z.T. ja per Stream haben kann).

    Und spontaner Vergleich: Album neu ~15 Euro, Album als mp3 Download:~8.50 Euro.
    Das schaut schon ganz okay aus.
    Klar, es gibt noch hie und da was zu meckern, manch einer (meint) den Qualitätsunterschied zu hören, billiger geht immer und mich stört es dass ich extra einen Downloader für die Alben laden muss. Aber hey, ansonsten ist das ein recht faires Angebot gegen das die meiste Argumentation mittlerweile ins Leere läuft.

    (Dass man gern mal die Möglichkeit hätte live online was abspielen zu können ohne es zu kaufen um es beispielsweise mal jemandem zu zeigen etc. ist ne andere Sache und nervt insbesondere auf Youtube momentan gerade immens).

  14. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben ,
    hat mal jemand gesagt.
    Wenn es immer weniger junge Leute gibt,
    die auch noch lieber Twittern oder sonst im Netz unterwegs sind,dann wachsen da weniger Leser heran.
    Die alten Leute wollen nicht mehr lesen.
    In der Mittelschicht bricht das Einkommen weg,
    um sich nebenher die Zeitung noch leisten zu können.
    Werbung ist in anderen Medien unterwegs,
    da wo die Mehrheit der Leser(junge Leser) sind.
    So brechen die Einnahmen der Zeitungen weg.
    So brechen die Löhne der Journalisten weg.
    Wer überlebt heute noch?
    Journalisten die in der Yuellopress arbeiten und Trasch und Quatsch verkaufen.
    Andere Medien sind schon gleichgeschaltet um Konkurenz auszuschalten?
    Was früher die 4.Gewalt im Staate war und den Staat kontrollierte, macht heute Wikileaks.
    Und alles jubelt über die Wahrheit,was die Zeitungen verloren haben.

  15. Ich stimme Nils Meinzer weitestgehend zu. Für problematisch halte ich jedoch, dass Inhalte in Apps (ebenso wie in geschlossenen Netzwerke wie Facebook & Co) nur schwer bis gar nicht mittels URIs adressierbar sind. Damit wird man letztlich der Möglichkeit der Vernetzung beraubt, die das Web letztlich ausmacht. (Tim Berners-Lee hat dazu vor einiger Zeit einmal Stellung genommen, s. http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2010/11/29/tim-berners-lee-facebook-schadet-der-freiheit-im-web.aspx)
    Zeitungen müssen deshalb zwangsläufig zweigleisig fahren und die App mit einem (ebenso übersichtlichen!) Web-Angebot kombinieren. Bis beides Hand in Hand läuft, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen…

    PS: Man nehme es mir bitte nicht übel, aber wo wir hier schon beim Thema Qualitätsjournalismus sind: Ein wenig mehr redaktionelle Kontrolle (in Bezug auf Rechtschreibung, Zeichensetzung, Strukturierung / Absätze) hätte diesem Artikel sicher gut getan.

  16. @Thomas Koch (#18):
    Das bedingungslose Grundeinkommen halte ich in diesem Zusammenhang für sehr gewagt. Freischaffende Künstler sollen ihre Werke also für Lau weitergeben, während andere Leute dasselbe Grundeinkommen kassieren und in derselben Zeit, in der die Künstler ihre Werke erschaffen, zusätzlich arbeiten gehen und Geld verdienen? Der aus dieser Geldmengenverteilung resultierende Nachfragedruck alleine wird die Preise auf den Märkten derart in die Höhe treiben, dass das Grundeinkommen schon bald nur noch eine Art Arbeitslosengeld wäre, welches die allernötigste Versorgung abdeckt.
    Die Möglichkeit sich der (formalen) Arbeitslosigkeit hinzugeben und ihre Werke kostenlos weiterzugeben, haben Künstler im Prinzip jedoch schon jetzt. Wo läge also der Vorteil?

    @Thaniell (#20): Ich muss gestehen, dass ich bisher keine „Bewegung der Musikindustrie“ erkennen kann. Ich gehöre zu den Leuten, die sich Musik weder illegal (man schadet den Künstlern), noch legal (ich will Ogg Vorbis und FLAC!) herunterladen. Stattdessen darf ich für völlig überteuerte CDs berappen, wobei ich mir noch nicht einmal sicher sein kann, wie viel der Künstler am Ende von meinem Geld sieht.
    Aber CDs möchte ich, weil für mich zu guter Musik neben dem besseren Klang auch ein schönes Cover und ein Platz in meinem Regal gehört. All das habe ich bei MP3s nicht. Mag sein, dass ich damit einer aussterbenden Rasse angehöre.

    Ich warte ja noch auf eine völlige Dezentralisierung der Musikindustrie. Kleine Plattenlabels oder sogar sich selbst vermarktende Künstler, die ihre Musik in Scheibenform gepresst oder digitalisiert zu angemessenen Preisen verkaufen. (Und wenn sich ein Werk mal nationaler oder internationaler Beliebtheit erfreut, wird eben eins der unzähligen Unternehmen engagiert, das sich um Produktion und Vertrieb kümmert.)

  17. Schade, dass Leistungsschutzrecht (=wie kommt der Journalismus treibende Mensch zu Geld für Nahrung, Wohnung, iPhone etc.?) und die Existenz von Medienkonzernen immer in einen Topf geworfen wird. Wie der Streit Apple vs. Verlage gerade schön zeigt, geht es doch nur darum, welcher Kapitalist (Aktionär, Familienclan) eine höhere Rendite erwirtschaften kann. Alles fließt zur Werbung hin, Information, Kunst und Wahrheit bleiben auf der Verwertungsstrecke…

  18. @Ein Mensch: Ich denke aber nicht dass man als lokale Tageszeitung mit einer App auf genug Abonennten kommt, damit sich das deckt. Tageszeitungen schreiben seit Jahren rote Zahlen, und das konsequent. Und das liegt sicher nicht nur an den Druckkosten, die ja durch eine App entfallen würden, sondern an einem allgemein sehr großen Kostenblock. Ich denke da müsste jeder Mensch in Deutschland 3 verschiedene Tageszeitungsapps abonieren, damit sich das denkt, will jetzt aber auch keine überstürzten Thesen aufstellen, ohne sie jetzt auf die Schnelle prüfen zu können…

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