Kultur

Der Remix-Guttenberg

Die Diskussion um die geremixte Dissertation von unserem Verteidigungsminister Guttenberg passt eigentlich nicht auf dieses Blog. Anscheinend machen das viele genauso, man sollte sich nur nicht erwischen lassen. Und etwas blöd ist es schon, wenn man dafür Summa cum laude bekommt, später in herausragender Stelle sitzt und einem dann das schummeln nachgewiesen wird. Andererseits gibt es ein paar Punkte, die wiederum gut passen. Hier gibt es erstmal eine Google-Docs-Gruppe, wo kollaborativ die Zitate ohne Fußnoten gesammelt werden. Eben waren es bereits 23 gegenüber den zwölf bereits am Vortag gefundenen. Durch eine rege Mitarbeit kann es zu schreibgeschützten Versionen des Google-Docs kommen.


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Update: Das Google-Docs ist übelaufen, hier gibt es auch eine Wikia-Gruppe.

Dann haben wir noch Günter Krings von der CDU, der gerne als Urheberrechtshardliner ein härteres Durchgreifen propagiert. Und in diesem Fall? Hier findet er die Vorwürfe „lächerlich“. Gibt es hier einen Sinneswandel und Anerkennung von Remix-Kultur? Wird Günter Krings zukünftig andere Positionen in der Urheberrechtsdebatte vertreten, weil er erkannt hat, dass z.B. die Forderung, jemanden das Internet wegnehmen für das tauschen von Kultur und angewandte Medienkompetenz durch Remixen einfach lächerlich ist? Wird er gar das Abmahnwesen beenden, bevor jetzt jeder Betroffene zu Guttenberg abmahnt?

Auf Twitter gibt es zahlreiche Meme rund um Guttenberg. Am lustigsten fand ich bisher diesen Spruch von @peterglaser:

Guttenberg nach Afghanistan dissertiert

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47 Kommentare
  1. Es hat nicht wirklich etwas mit dem Urheberrecht zu tun, wie man es mit Musik und anderer Kunst verbindet. Es geht vielmehr um die Ethik des Schaffens von wissenschaftlichen Erkenntnissen und das Schmücken mit anderer Federn.
    Es ist sicherlich in der Wissenschaft unabdingbar Zitate und Referenzen zu verwenden, wenn man sich auf eine andere Arbeit beruht. Man bräuchte ja sonst das zigfache an Zeit um die selben Daten und Erkenntnisse nochmal zu rekreieren. Die Angaben der Zitatquellen ist in der Wissenschaft ein wesentlicher Bestandteil, damit andere Wissenschaftler jeweils eine Referenz zum Nachlesen haben und damit, wenn die Textstelle oder die Arbeit auf die man referenziert sich als falsch erweist, alle daraus folgenden Arbeiten auch zu überprüfen sind. Damit erstellt man einen Wald (graphentheoriemäßig), den man vom Anfang bis zum Ende nachvollziehen könnte.

  2. Ich finde es eigenartig wenn man versucht Plagiate zu entschuldigen bzw. in ihren Auswirkungen abzuschwächen.
    Leider liest man sowas öfter. Nicht gerade hier, aber netzpolitik.org ist nicht meine einzige Lektüre. Mea culpa!
    Wer jemals wissenschaftlich gearbeitet hat, empfindet Plagiate als unfair und sogar gefährlich, da es Folgen für das Arbeiten anderer Wissenschaftler hat.
    Sollten sich die Plagiatsvorwürfe als wahr herausstellen, sind Sanktionen anzusetzen, die für solche Fälle erdacht wurden.
    Ob es sich um einen von Herr zu oder was auch immer handelt, ist egal.
    Und mal ehrlich, unser Verteidigungsminister wird bleiben, denn er sitzt wie festgeschweisst an seinem Sitz. Er wird höchstens auf einen anderen Posten weggelobt.
    Mir persönlich würde es nichts geben ihn fallen zu sehen.

  3. Günter Krings (…) Gibt es hier einen Sinneswandel und Anerkennung von Remix-Kultur?

    Nö, es kommt darauf an, ob du viel Vermögen und damit Freunde besitzt oder nicht.

    zu Guttenberg
    # wurde als Wirtschaftminister Kompetenz unterstellt, weil er einen großen mittelständischen Betrieb geführt haben soll. Tatsächlich hatte er das nie.
    # fordert Kriege zur Druchsetzung wirtschaftlicher Interessen. Horst Köhler tritt bei so etwas zurück. Gutti bekommt auf die Schulter geklopft.
    # findet das voll gutti, dass 150 Zivilisten bei einem Angriff auf einen Tanklastzug sterben
    # etc.
    # collagiert seine Doktorarbeit aus Zeitungsartikel zusammen. Sicher nur ein bedauerliches Missverständnis.

    Der Gelbaron ist um ein Vielfaches überreif für den Rücktritt. Aber unsere leistungsschutzwürdige Jubelpresse schreibt ihn bis zum Erbrechen hoch. Toll, nicht?

    1. Ein Rücktritt käme hier nur dann in Frage, wenn er diese Entscheidung aus moralischen Beweggründen fällen würde.
      Sollte aber ein Plagiator (!) überführt worden sein, sind gängige Moralvorstellungen nicht unbedingt anzutreffen.

  4. haha Sinneswandel. Dieses Mal sind die Heuchler nur selbst betroffen und können nicht mehr von oben herab urteilen.
    Peinlich peinlich, das unangenehme Gefühl der kognitiven Dissonanz wird sich spätestens mit dee nächsten Monatsabfindung in Wohlgefallen auflösen.

  5. Jetzt wird ja langsam auch klar worum es Guttenberg mit seinem Zugangserschwerungsgesetz wirklich ging… er wollte den Zugang erschweren zu Seiten im Netz auf denen man herausfinden kann daß er bei seiner Doktorarbeit geschummelt hat…

    *scnr*

  6. @markus (#11)

    google.de/search?hl=de&q=guttenberg+angriff+tanklaster

    bspw.:

    Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält die umstrittene Luftattacke für „angemessen“

    stern.de/politik/deutschland/attacke-auf-tanklaster-guttenberg-verteidigt-angriff-1520018.html

    voll gutti finden ist meine umgangssprachliche Umschreibung für angemessen finden.

  7. An einem Rücktritt wird wohl kein Weg vorbei gehen. Bleibt die Frage, was jemand tun soll, wenn er so etwas herausfindet, denn es ist ganz klar, dass dies der wissenschaftliche Tod ist für den Betroffenen. Soll man das veröffentlichen, auch wenn es den Minister ruiniert? Bereits im Wahlkampf machte er durch Scherze über die marginale Piratenpartei auf sich aufmerksam, die von anderen stammten.

    Das macht mir sehr betroffen, dass dieser Mann, der selbst so entscheidungsfreudig von höchster Stelle Personalfragen bei der Marine löste, vor eine Entscheidung in eigener Sache gestellt wird.

    „Verantwortung verpflichtet“, sagt seine CSU-Homepage. Wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen, so sagt der Volksmund. Er und seine Partei erinnern gerade an Kleists Dorfrichter Adam. Abstrus allenfalls ihr Krisenmanagement. Der Ruf der juristischen Fakultät der Universität Bayreuth und seines Doktorvaters hat bereits Schaden genommen, ganz gleich wie die Sache ausgeht.

    Nach Informationen der Deutschen Presseagentur (dpa) übernachtete der Minister im Außenposten Nord (OP North) in der Provinz Baghlan. Der Stützpunkt gehört zu den gefährlichsten der Bundeswehr in ihrem Einsatzgebiet in Nordafghanistan.

    Möchte da jemand sein Schicksal herausfordern? Welchem Kodex unterliegt er? Sodann die Frage, auf die auch von Kleist nicht eingeht, was passiert mit einem Dorfrichter Adam nach seinem Ehrverlust? Beim unglücklichen Philipp Jenninger gab es mal ein Homestory-Bild in der Bunten oder im Stern mit Staubsauger, dabei wurde der formal zweite Mann im Staate nur auf einen Botschafterposten abgeschoben.

    Ein schöne, freilich oft von Lesern übersehene Bewältigungsstrategie, die sich in die CSU-Kommunikationsregeln eingebrannt hat, findet sich bei Andersen:

    »Aber er hat ja gar nichts an!« rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: »Nun muß ich aushalten.« Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

  8. Das macht mich schon sehr betroffen, wenn in Deutschland pauschal der Eindruck entstünde, daß man mit abgekupferten Quellen einen Doktortitel mit summa cum laude bekommt.

  9. Der Gutti ein böser Raubmordkopierer? Niemals!

    Der ist doch sooooo christlich, niemals nich macht der so was pöses – das ist alles nur eine pöse Kampagne der pösen Feinde.

    Denkt denn keiner an die Kinder!

  10. Von den moralischen, juristischen und wissenschaftlichen Implikationen mal abgesehen – wie dumm muss man sein, um eine Arbeit abzuliefern, deren erster Satz per Websuche das Ganze als Plagiat entlarvt?

    1. Bzgl. den forschungsmafia.de – Links weiter oben (27, 28): Die Seite sollte man nicht ernst nehmen. Hadmut Danisch (dem die Seite gehört) ist ein an der Uni Karlsruhe ziemlich bekannter Querulant und Verschwörungstheoretiker. (Siehe seine „Schilderungen“ unter http://www.forschungsmafia.de/blog/adele-und-die-fledermaus/ ). Im ersten der beiden verlinkten Artikel ist in diesem Kontext vor allem die Argumentation, die in „Damit fehlt es in Rheinland-Pfalz an der nötigen gesetzlichen Grundlage für die Promotion. Formal- und verfassungsrechtlich gesehen kann man in Rheinland-Pfalz nicht promovieren. “ zu beachten. Das ist beinahe so abstrus, wie die gelegentlich anzutreffenden Argumentationen, man müsse seine Strafzettel nicht bezahlen, da es die Bundesrepublik Deutschland gar nicht gäbe.

  11. Und der Quatsch wird im quätscher: Der Ombudsmann, der das aufklären soll, saß selber in der Prüfungskommission – der ist bestimmt völlig objektiv. Und er sagt ja jetzt schon, dass damals alles korrekt abgelaufen sei. Wenn er das sagt, wirds schon stimmen.

  12. Gern genommener Trick bei wissenschaftlichen Arbeiten: statt eine Quelle tatsächlich durchzuarbeiten, wird sie nur in die Fußnoten gesetzt. So kann man eine ausführliche Beschäftigung mit dem Thema vortäuschen, auch wenn man nur eine Kurzfassung eines Aufsatzes gelesen hat.

    Macht doch Mal die Gegenproble. Vielelicht bleiben dann von den 1200 Fußnoten nicht mehr viel übrig.

  13. Ergänzend: wie dumm muss ein nicht geschmierter Professor sein, um nicht zu merken, dass es sich bei einer zu prüfenden Doktorarbeit schlicht um mit Bindewörtern und Überschriften zusammengeklebte Textfetzen verschiedener Autoren aus Zeitungen, öffentlichen Reden und Aufsätzen handelt? Der ständig wechselnde Stil und die totale Zusammenhanglosigkeit müssten doch jemandem, der die Arbeit wirklich gelesen hat, auffallen. Und wenns wirklich so sehr an der Lesekompetenz mangelt, kann man doch wenigstens den ersten Satz der Einleitung bei Google eingeben…

  14. Ich nehme an das der dissertierte „Gutti“ gerade im Flugzeug sitzt und hofft das der heranziehende Sonnensturm so gewaltig ist, dass er das komplette Netz in Deutschland erstmal für ein paar Tage lahmlegt.
    Ach wie wäre es schön weniger Gel im Fernsehen zu sehen!

  15. Cool ist auch was Guttenberg 2008 auf Abgeordnetenwatch geschrieben hat:

    „Es würde den Rahmen dieses Forums sprengen, wenn ich Sie auf die zahllose Literatur zum Vertrag von Lissabon bzw. diesen in Teilen zugrundeliegenden Verfassungsvertrag im einzelnen verweisen würde. Nachdem Sie offensichtlich das Internet gerne und intensiv nutzen, lohnt ein Blick auf die homepages diverser Europa-Institute, großer Stiftungen, aber auch deutschsprachiger Tageszeitungen, die umfangreiche Dossiers mit teilweise sehr abgewogenen und erstklassig geschriebenen Beurteilungen der von Ihnen aufgeworfenen Fragen beinhalten.“

    (http://www.abgeordnetenwatch.de/karl_theodor_freiherr_von_und_zu_guttenberg-650-5756–f112994.html)

  16. Wir können schon mal Gedanken für seinen Streich des Zapfens machen. Welcher Marsch würde denn da gut passen für einen Franken?

    Als Person erledigt ist der „Doktor“ so und so. Dafür wiegen die Vorwürfe zu schwer. Wär er in einer konservativen schlagenden Verbindung, ist der „Freitod“ obligat.

    Oder er barschelt drüben in Afghanistan, zum Beispiel weil einer seine Waffe zufällig nicht gesichert hat, dann gibt es eine schniekes Staatsbegräbnis mit Flagge auf dem Sarg.
    http://www.youtube.com/watch?v=8LOf4ci1_WU

    Abtreten ist keine Frage des „ob“ sondern nur des „wann“ und „wie“.

  17. Guttenberg ist ein Raubkopierer. Ich bin gespannt, wie oft seine Töchter vor dem Gefängnis singen müssen bevor er wieder rauskommt.

    MI – übernehmen Sie!

    Wie gut, dass ihm sein Abgeordnetenstatus davor schützt.

  18. @Wagner – absolut top! +1 fuer:

    „Das macht mich schon sehr betroffen, wenn in Deutschland pauschal der Eindruck entstünde, daß man mit abgekupferten Quellen einen Doktortitel mit summa cum laude bekommt.“

    Ich fordere: Dissertationen duerfen kein rechtsfreier Raum sein!

  19. Was ich nicht so ganz verstanden hab. Die Doktorarbeit hatte 500 Seiten und 1200 Fußnoten plus denen, die nicht korrekt gekennzeichnet sind. Das sind dann also grob 2 1/2 Zitate pro Seite.

    Gutti selbst hat ja zugegeben, dass er einige Fachfragen vom parlamentarischen Dienst hat recherchieren lassen. Sprich, die Quellen, die er zitiert, waren nicht alle selbst herausgesucht. Oder ist das etwa ein normaler Schnitt? Dann studier ich auch noch Jura.

    Was zur Hölle hat er dann bitte selbst gemacht bzw. was rechtfertigt einen Abschluss mit Auszeichnung für eine Sammlung von fremden Zitaten?

  20. Ich hoffe nur, daß ihn dann aus Anlaß seiner Demissionierung nochmal jemand fragt, wie das denn nun wirklich war, damals als Soldat in Mittenwald, wo er angeblich nie etwas von den perversen Männlichkeitsritualen mitbekommen hat. Jetzt kann er es doch sagen. (Auch das mit dem Schweigegeld.)

  21. Wären die zueigen gemachten Zitate denn abmahnfähig? Immerhin werden sie ja in einer Publikation in unzulässiger Weise verwendet, unbeachtlich, ob mit oder ohne Absicht. Wäre ja mal eine lustige Lektion, dafür zur Kasse gebeten zu werden. Ordnung muss schließlich sein.

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