Demokratie

Yes Men verhelfen Apple zur politischen Korrektheit (UPDATE)

Spezialität der Yes Men ist es, Firmen dabei zu helfen für Fehler geradezustehen. Das beste daran: Die Dienstleitung ist kostenlos für die Firmen. Für die Firmen allerdings etwas ärgerlich: Die Yes Men handeln ohne Auftrag. Dieses Mal ist Apple zum unfreiwilligen Weltverbesserer geworden.


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Es geht um die Mineralien, die zur Herstellung von elektronischen Geräten, in diesem Fall des iPhones, verwendet werden. Diese werden größtenteils in afrikanischen Minen gewonnen. Im Kongo kontrollieren Rebellengruppen viele der Minen, und kaufen sich von den gewinnen Waffen. Kurzum: Apple und die iPhone-Käufer subventionieren indirekt die seit über 14 Jahren bestehenden kriegsartigen Zustände, denen bereit 5 Millionen Zivilisten zum Opfer gefallen sind.

Hier geht es zur Fake-Website. Auf Apple’s Dementi darf man gespannt sein.

Update: Die Seite ist entfernt worden.

Von den Yes-Men gibt es noch keine offizielle Stellungnahme – meine Anfrage wurde über twitter beantwortet mit:

Ansonsten gibt es noch eine angebliche Stellungnahme von Apple. Darin wird das Problem der blutigen Minen noch vertiefend erläutert. Abgesandt wurde sie von der Fake-Domain, also von den Yes Men selbst. Populismus und falsche Anschuldigungen kann man ihnen nach dieser Gegendarstellung auf jeden fall nicht mehr vorwerfen:

FOR IMMEDIATE RELEASE

Contact: Caroline Hemmerskjold, Apple
Tel. (408) 676-7923
Email: caroline@apple-cf.com

CONFLICT-FREE IPHONE HOAX TOUTS FALSE, FACILE CONSUMER-BASED „SOLUTION“
Nov. 16, 2010

Apple wishes to inform the public that the so-called „conflict-free“ iPhone, promoted today outside the Apple Store at Fifth Avenue in New York City, featured on the non-Apple website www.apple-CF.com, and noted in a spoofed media advisory to numerous New York City reporters, is fraudulent and fictitious, and entirely the imagination of the group of pranksters who created it.

To be perfectly clear, this product does not exist, and Apple has no connection to the group that promoted it. Furthermore, although Apple does have plans to certify its materials as conflict-free, this will by no means be any sort of solution to the situation of conflict in the Congo, nor in any way help bring an end to that conflict. Rather, the solution must be based in diplomacy.

In this regard, there is a law on the books – the „Democratic Republic of the Congo Relief, Security, and Democracy Promotion Act,“ Public Law 109-456, introduced by then-Senator Obama in 2005 – that demands, among other things, the appointment of a special envoy to the Great Lakes region. As of now, four years later, this has still not happened, and the Congolese continue to die by the tens of thousands.

There are various possible solutions to this problem, but it is up to you, not Apple, to accomplish them. Here are some things you can do:

Report the violation of Public Law 109-456 to the FBI. Visit tips.fbi.gov to do so, or call 1-800-CALLFBI (225-5324). Culpable parties involve not only the President and the White House, but the Secretary of State, who is in charge of enforcing that portion of this law that demands the withholding of aid to destabilizing nations.
You might consider performing a citizen’s arrest against the above parties. Any citizen can arrest someone committing a crime, if the crime is sufficiently grave. Millions of deaths in the Congo are, Apple believes, a very grave crime.
You might also consider performing a citizen’s arrest against shareholders and officers of the mining companies that have been implicated in pillaging the resources of the Congo and fueling the conflict in the Congo over the past 14 years. Why not start with John Paulson, the majority shareholder of AngloGold Ashanti, the mining company most responsible for financially supporting rebel groups and furthering the Congo conflict. His office is located at 1251 Avenue Of The Americas (at 50th Street), Floor 50.
We at Apple have acknowledged in the past that the conflict in the Congo, which has claimed many millions of lives, is fuelled in part by the provision of minerals that go into consumer electronic products, and not only Apple’s. However, so-called „conflict-free“ certification is not a real solution, merely a very tiny part of a real solution. Regardless of whether Apple or other companies produce „conflict-free“ products, the Congo conflict will not end until the U.S. government chooses to enforce its own laws.

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24 Kommentare
  1. Coole Sache… Es hat mich sehr aufgeregt, als Michael Moore sich vor kurzem anlässlich einer Preisverleihung vor die Presse stellte und sinngemäß sagte, dass alle Unternehmen schlecht sein, nur bei Apple habe er das Gefühl dass sie die Welt verbessern möchten. Und das obwohl sich im Jahr zuvor ungefähr zwei Dutzend Mitarbeiter des iPhone-Auftragsfertigers Foxconn aufgrund ihrer menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen das Leben genommen hatten.
    Allerdings muss man ja auch deutlich machen, dass nicht nur Apples Produkte „Blut auf dem Gehäuse“ haben, sondern die Produkte vieler IT-Hersteller. Nur dass die Marketing-Firma Apple sich ständig selbst wie einen religiösen Kult in Szene setzen möchte, der das Leben der gesamten Menschheit mit seinen Designer-Spielzeugen verbessern will. Wie das überhaupt gehen soll, durch den Besitz völlig überteuerter Hardware allein?!
    BTW: Auf der Fake-Apple-Seite steht dass die Software aus irgendwelchen Kristallen hergestellt würde… Entweder sind die Leute nicht sonderlich versiert oder ich habe da was in Sachen Software Engineering verpasst ;-)

    1. @Christopher
      Ohne auf das üblich schlichte und immer wieder dämliche Apple Bashing einzugehen ist dein Satz Allerdings muss man ja auch deutlich machen, dass nicht nur Apples Produkte “Blut auf dem Gehäuse” haben, sondern die Produkte vieler IT-Hersteller. nicht ganz vollständig. ALLE Hersteller im IT Umfeld haben Blut auf dem Gehäuse und sogar teilweise an den Händen!
      Nicht zuletzt auch jeder von uns der solche Dinge kauft und benutzt, auch DU. Die gespielte Empörung, besonders wenn irgendwo Apple auftaucht, ist schlicht weg lächerlich und einfältig. Nichts für Ungut, bisst nicht alleine, der Blogbetreiber gehört zur selben Rotte.

  2. Ich habe gerade eine Sicherheitswarnung von Firefox erhalten „Dieser Seite wird nicht vertraut“ etc. Ich kann mir nicht vorstellen dass das normal ist, da ich vorher noch keine Warnung erhalten habe.

  3. @octo: Meinst du die Apple-cf-Seite, oder Netzpolitik?
    Bei uns ist gerade das SSL-Zertifikat abgelaufen, wenn du über SSL zugreifst, bekommst du korrekterweise eine Warnung. Wir bekommen bald ein neues Zertifikat. Leider können wir nicht mehr Druck machen, mich nervt’s auch.

  4. @Gute Nacht: Man könnte gerade meinen Du bist persönlich angegriffen worden. Nicht alle verhalten sich asozial nur weil sie einen PC benutzen….

    Aber es stimmt – sehr zweifelhafte Hardware benutzen wir alle. Daher muss man auch nochmal einen Appell an alle richten: Ein Rechner verbraucht bei der Herstellung ca. 3000kWh graue Energie. Wenn man von 3h Tagesnutzung an 300 Tagen im Jahr und 150W Durchschnittsverbrauch ausgeht dann verbraucht man gerademal 405 kWh! Das heißt nur einen Bruchteil der Herstellungsenergie und dabei sind die Probleme der Sozialen- Ökologischen und Gesundheitlichen Folgen für die Rohstoffgewinnung noch nichtmal mit eingerechnet. Die Ökobilanz eines extra angeschafften Stromspar-PC rechnet sich nicht. Rüstet den alten um-/auf wenn es denn sein muss.

    Also jeder sollte sich bewusst machen: Benutzt den Kram solange es geht! Verschenkt oder verkauft es an Bedürftige, wenn ihr unbedingt was besseres braucht und kuckt Euch erst auf dem Gebrauchtmarkt um! Gleiches für Handies, Navis, etc.! Ein kaputtes Display ist schnell selbst gewechselt – nicht jede Spielerei ist nötig.

    Insgesamt ist es positiv zu sehen, wenn China die Ausfuhr seltener Erden drosselt. Das fördert die Rückgewinnung der Rohstoffe aus E-Schrott vor Ort. Je teurer das Zeug wird desto besser.

  5. Uns geht es nur solange gut, wie es anderen schlecht geht.

    Dass es jetzt Apple getroffen hat, finde ich nicht tragisch, erreicht es doch über die Firma weitaus mehr Menschen, als wenn da jetzt eine Andere stehen würde.

    Spricht vielleicht auch mal die Menschen an, die das Elektronikzeugs für selbstverfreilich halten und denken, dass die Herstellung schon seine Richtigkeit hat.

    Wieder einmal eine gute Aktion der Yes Men.

  6. Super Aktion, weil das Thema imo noch immer zu wenig Aufmerksamkeit kriegt. Aber wie hier schon angedeutet wurde, ist Apple keineswegs der einzige Hersteller der da drinhängt. Es ist schwer bis unmöglich, einen zu finden, der es nachweislich NICHT tut.
    Ich kaufe aus diesen Gründen möglichst wenig und nur gebrauchte Hardware, Handy etc., und Ausrangiertes lass ich nicht bei mir im Keller vergammeln. Aber es ist wichtig, dass sich auch bei den Herstellern was tut.
    Auf telepolis zB findet man einige Artikel zum Thema Mineralienabbau und Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie, zB:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12868/1.html
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31750/1.html

    Und hier noch was ich an Initiativen/Beobachtern kenne:
    http://procureitfair.org/companies-en
    http://goodelectronics.org/companies-en
    http://makeitfair.org/

  7. Steve Jobs meinte dazu mal, dass man leider die Herstellungsorte der Mineralien nicht so gut nachprüfen kann. Und da hat er wohl recht – das Zeug kann schließlich leicht gestreckt und vermischt werden. Mehr als PR kann man wohl in der Sache nicht erwarten, bevor uns Physiker und Chemiker Methoden geben, die Herkunft festzustellen.

  8. Es gibt Zertifikate für das Coltan und ähnliche Materialien. Samsung schaut z.B. darauf. Bei anderen Herstellern habe ich bisher noch keinen Verweis darauf gefunden.

  9. Es ist gut, dass jemand Aufmerksamkeit auf diese Missstände lenkt. Dass die Kritik in diesem Fall Apple trifft, liegt wohl daran, dass die Firma das medienwirksamste Ziel abgibt.

  10. Kann mir jemand sagen, was an der Meldung Apple-spezifisch ist? Gibt es irgend einen Hinweis, dass sich Apple bei diesen Lieferanten anders (unmoralischer) verhalten würde als der Rest der Industrie?
    Mir scheint, die Yes-Men wollen sich nur an eine populäre Firma dranhängen, egal welche.

  11. @schomsko: Gerade bei Rohstoffen lässt sich mittels Isotopenvergleich sehr genau feststellen wo was aus der Erde geholt wurde und ist bei den Preisen für die Rohstoffe mMn selber nicht so Aufwendig.
    Ich wär dankbar wenn jemand den Bericht über den Menschen findet der zu diesem Zwecke die Isotopentypisierung der Abbauorte vorantreibt; Was das teuerste an der ganzen Zertifizierung sein dürfte.

    1. @tofukind
      ich hatte die Diskussion damals hier verfolgt:
      http://www.wired.com/gadgetlab/2010/06/steve-jobs-iphone4/
      und will ein Kommentar besonders hervorheben:

      All this is true. The only problem is, an isotopic signature is not like a fingerprint – it does not „prove“ the source of the material, even two random samples from the same mine may not give the exact same isotopic ratios. So, when Jobs says he can’t guarantee the source, he’s right. In addition, it’s nice to see that Jobs is avoiding greenwashing on this topic and making a claim about the source of the minerals that could crumble under scrutiny.

      Ich bin kein Physiker – aber bei „Isotop-Zertifikaten“ scheint es doch erhebliches Manipulationspotential zu geben.

  12. Jetzt ist die Seite nicht mehr zu erreichen. Also die Apple-cf-Seite Ich war drauf habe aber die Unterseiten nicht laden können (vielleicht war die Seite noch im Cache) und jetzt ist sie ganz weg…

  13. @Oliver Völ: An Apple kann man sich halt besonders gut hochziehen als Aktivist (no pun intended, Linus) ,)

    Die Frage ist letztendlich ohnehin, ob es legitim ist, sich an eine populäre Firma zu hängen, um auf real existierende Probleme aufmerksam zu machen (vgl. Google und die Streetview-Debatte).

    Spätestens bei Apple/Foxconn wird der Ansatz problematisch. Die Wikipedia ist da leider ziemlich unvollständig. Immerhin erfahren wir, dass _alle_ Dell-Rechner, ein Großteil der Intel-Boards, der HP & Microsoft-Hardware und eigentlich auch alle aktuellen Spielekonsolen bei Foxconn gefertigt werden.

    Kurz: die Foxconns „iPod-City“ in Shenzhen mag beeindruckend sein, Apple dürfte aber längst nicht der größte Fisch sei, den die Taiwanesen beliefern. Übrigens: Foxconn will sich aus Shenzhen zurückziehen, inzwischen sind die Löhne in der südchinesischen Sonderwirtschaftzone (liegt quasi gegenüber von HongKong) zu hoch.

    Wer mag, kann sich in dem Zusammenhang auch mal http://procureitfair.org/ ansehen. Auch wenn ich die Kampagnen persönlich eher schwach finde.

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