Generell

Wikileaks-App: Apple besteht Idiotentest (Update)

Apple hat erwartungsgemäß den Idiotentest, ob man auch eine erstmal zugelassene Wikileaks-App schnell wieder aus dem eigenen Angebot rausschmeißt, blendend bestanden. Ganze vier Tage lang konnte man für 1,99 $ die App kaufen, wovon die Hälfte der Einnahmen an das Wikileaks-Projekt gespendet werden sollten. Die App machte aber nichts anderes, als lediglich das offen zugängliche Wikileaks-Angebot anzuzeigen. Es kann vermutet werden, dass ein Teil der Motivation hinter der App war, zu schauen, wie Apple mit Informations- und Meinungsfreiheit umgeht.

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Update: Danke für die Hinweis. Anscheinend greifen hier gerade Apples-Guidelines, die Spenden-Apps untersagen, die Geld kosten. Das war mir neu. Fehler liegt wohl daran, dass Apple diese App zugeleassen hat, bzw. der Entwickler vielleicht nicht darauf hingewiesen hat, dass ein Teil der Einnahmen an Wikileaks gespendet werden sollen.

Update: Es ist mir ja eine besonders Freude, in diesem Fall Recht gehabt zu haben. Mit der Spendensammlung hat das ganze nichts zu tun:

In einer knappen Stellungnahme gegenüber US-Medien hat Apple inzwischen erklärt, die App wegen Verstoßes gegen die Entwickler-Richtlinien aus dem Store genommen zu haben. „Apps müssen allen lokalen Gesetzen entsprechen und dürfen Individuen oder Zielgruppen nicht gefährden“, teilte eine Sprecherin mit.

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47 Kommentare
  1. netzpolitk besteht den Idiotentest nicht.

    Hauptsache erstmal ne News rausknallen, was schreiben das alle lesen wollen, ne? Egal obs stimmt.. :-/

    Selbst das Update jetzt ist nicht korrekt. Apps die Spenden entgegennehmen müssen kostenlos sein und die Spenden über Safari oder SMS einsammeln. Natürlich sind spenden erlaubt. Aber hautptsache erstmal schön was plakatives… m(

  2. Ähem…

    Es is ein kleiner aber feiner Unterschied, ob eine App zum Spendensammeln verwendet wird – darauf beziehen sich nämlich die unter http://kre.is/3iqA aufgeführten Guidelines – oder ob der Entwickler die Hälfte des Geldes spendet.

    Abgesehen davon wurde die App ohne Angabe von Gründen aus dem Store entfernt.
    Siehe dazu auch http://twitter.com/#!/wikileaksapp

    Apple-Bashing ist also durchaus angebracht.
    Und, ja, ich bin eigentlich ein Apple-Fanboy…

  3. Diese Spenden-Richtlinie ist hier IMHO nicht ausschlaggebend. Der Entwickler kann mit den Erlösen schließlich machen, was er will. Bei der Richtlinie geht es nicht um den Kaufpreis, sondern um Zahlungen innerhalb der Apps. Ein Entwickler von Apps für den NPR hat das vor einiger Zeit öffentlich beklagt.

    Wichtiger ist in diesem Fall, dass der Entwickler selbst einen Dollar für eine App einsteckt, die lediglich Safari anzapft und keinerlei weiteren Nutzwert bietet. Das ist dreist und verstößt – wenn Apple will – gegen Entwicklerrichtlinien.

  4. markus, Huxi: Danke, da war ich schlecht informiert. Mit seinen Plänen zu Spenden-Abstimmung hat sich der Entwickler dann aber endgültig in den Apple-Richtlinien verheddert.

  5. Apple hat gar keinen Fehler gemacht. Apple hat das Recht Apps die sich nicht an die Vertragsbedingungen halten zu entfernen oder abzuweisen – nicht die Pflicht.

    Kann man alles lesen.

  6. Apple legt sich seine Regeln so wie sie diese gerade brauchen. Interessant das jetzt gerade alle großen Firmen ihre AGB´s checken und feststellen das sie mit Wikileaks zu tun haben. Sehr auffällig.

  7. Tja, dem Autor bleibt nur die Möglichkeit das Ding wieder in den Store zu stecken und die Spendenaktion eben nicht zu melden. Sondern einfach nur noch zu twittern: Habe diesen Monat X Euro an Wikileaks gespendet… ;-)

    Falls ich wirklich irgendwann den Fehler eines Smartphones begehen sollte wird es ein Open-Source gerät sein….und wenn ich es selbst formatieren und aufsetzen muss.^^

  8. „Tja, dem Autor bleibt nur die Möglichkeit das Ding wieder in den Store zu stecken und die Spendenaktion eben nicht zu melden. Sondern einfach nur noch zu twittern: Habe diesen Monat X Euro an Wikileaks gespendet… ;-)“

  9. Es gibt aktuelle Zahlen von dem Entwickler.

    Demnach wurde die App insgesamt 4.434 mal heruntergeladen, was zu 5.825,15 Dollar Einnahmen führte. Pro verkaufter App spendet Igor Barinov einen Dollar, was unterm Strich 4.434 Dollar an Spenden für Wikileaks macht.

    Auch eine neue Übersicht der Spendenliste ist online. Demnach steht Deutschland mit 1.107 Downloads mit großem Abstand zu USA (609 Downloads), den Niederlanden (423 Downloads) und Großbritannien (377 Downloads) an der Spitze des App-Verkäufe.

  10. Ich bin süchtig nach den teuren, glänzenden I-Appleprodukten und kaufe sie Steve Jobs nicht nur stets unkritisch ab, sondern identifiziere mich so stark damit, dass ich Kritik an Hersteller oder Produkt als Kritik an mir selbst empfinde, auf die ich dann verletzt bis wütend reagiere. Daher finde ich, dass Apple richtig handelt, ausserdem steht im Kleingedruckten der AGBs auch irgendein Gummiparagraph über Spenden – also…

  11. Apple hat den Idiotentest NICHT bestanden.

    Die Kommentatoren, die jetzt schreiben, dass es doch in den Geschäftsbedingungen stehe, dass man nix kosten dürfe, wenn man Spenden organisiert, fallen doch auf den gleichen Trick wie bei Mastercard, paypal etc. rein.

    Wenn etwas hier nicht stimmt, sind es die Geschäftsbedingungen. Abgesehen davon, dass ich bezweifle, ob die angeführte Stelle auf die wikileaks-App anwendbar ist, muss doch folgende Frage im Vordergrund stehen:

    Wenn Apple im Bereich der Apps durch „Geschäftsbedingungs-Vorgaben“ die zivilgesellschaftliche Organisation von Spenden (egal wie) unterbindet, zerstört Apple im Bereich der Apps (erneut) etwas, das wir mal Netzneutralität genannt haben, als wir noch mit Browsern und nicht mit Apps ins Web gegangen sind.

    Apple fördert mit seiner Online-Strategie das unfreie, aber bequeme Web.

    Die policy von Apple hinsichtlich Donations steht übrigens schon länger in Kritik:
    http://arstechnica.com/apple/news/2010/06/nonprofit-developer-apples-no-donation-policy-is-a-cop-out.ars

    1. @jens best
      Du schreibst schlicht weg Blödsinn. Apple bestimmt die Rahmenbedingungen zu denen Apps im Store zugelassen werden. Entweder man hält sich als Programmierer daran oder man lässt es. Daraus jetzt etwas von Netzneutralität, Unterdrückung und Zensur zu fabulieren ist eher Deiner schlichten Gesinnung geschuldet als der Realität.

      Der Programmierer kann ja viel erzählen, dass er einen Betrag spenden wollte, überprüfen kann das keiner! Da versucht jemand ein wenig das große Rad zu drehen und es gibt ja genug Id…. die darauf reinfallen. Gute Besserung…

  12. Wollte eigentlich sagen, dass Apple den Idiotentest besteht, also den Test, ob eine weitere kapitalistische Einheit wikileaks unterdrückt.

    Mensch, Markus, dass hast du jetzt aber formuliert wie früher die Zuschauerwette bei Wetten dass, wo man auch nie wusste, ob man „Ja“ oder „Nein“ drücken sollte, wenn man sagen wollte, dass jemand es NICHT schafft.
    Zustimmung zur doppelten Verneinung ist nicht jedermanns, vorallem anscheinend nicht meine Sache. :)

    Will eigentlich sagen: Apple #fail

  13. Das Update ist insofern unnötig bis irreführend, als erstens keinerlei Statement von Apple hinsichtlich der Gründe des Rauswurfs existiert, und zweitens die genannte Richtlinie überhaupt nicht auf die Wikileaks-App passt. Es geht da um Apps, deren FUNKTION das Spenden an Charity-Organisationen ist. „das offen zugängliche Wikileaks-Angebot anzuzeigen“ ist keine Spenden-Funktion. Was der Entwickler mit dem eingenommen Geld macht, spielt in der Richtlinie keine Rolle. Das kann Apple auch weder überprüfen, noch geht es Apple irgendwas an.

  14. ups. Ich als Android-Mensch konnte mir die App ja nicht anschauen, aber wenn es stimmt was

    @Idiotentest 2.0

    schreibt, es also keine Spendenfunktion gibt, sondern lediglich $1 von den $1,99 an wikileaks privat vom Developer überwiesen werden….

    ….dann hat die privatwirtschaftliche Zensur-Behörde Apple einen neuen Höhepunkt im Zensurwahn gesetzt.

  15. Eben beim Pressesprecher von Apple Deutschland angerufen.

    Es wird keine Erklärung von seiten Apple zu diesem Thema geben.

    Ich würde sagen auf diese Art von kapitalistischer Arroganz gibt es nur eine (Ex-)User-Antwort.

  16. In der AGB steht
    „Apps that incude the ability to make donations…“
    Das heißt für mich
    „Apps welche die Fähigkeit haben zu Spenden…“ und nicht
    „Apps deren kauf eine Spende beinhaltet…“
    Der Abschnitt greift bei der Applikation definitiv nicht.

  17. *g* auch wenn ich wahrlich nicht alle Ansichten von Herrn Best teile. Post 31 ist zwar in der Tat grenzwertig, aber macht eine Problematik sehr deutlich:

    Wenn man Apple als Provider versteht der die Inhalte seiner Nutzer vermittelt dann hat er mit Verletzung der Netzneutralität durchaus nicht unrecht.

    Aber auch in meinen Augen ist das eben nicht so. Apple ist kein Internetprovider, allenfalls ein Intranetprovider. Und da das Intranet Apple gehört dürfen Jobs&Co da tun und lassen was sie wollen. Folglich haben die Menschen, die sich für dieses Intranet entschieden haben einen Fehler gemacht indem sie dachten – sie haben Zugriff auf das Internet. Wenn man so weiterargumentiert landet man aber irgendwann bei der Einsicht:

    Die Menschen die sich einen Internetzugang bei der Telekom haben, haben halt nur Zugang zum Telekomintranet. Dort werden eben nur die Dienste gut angeboten, die entsprechend Schmiergeld bezahlt haben.

    Ob man diese Masche per Gesetz verbieten muss? Wenn die Kunden zu doof sind das zu erkennen, dann muss in der Tat der Staat sie beschützen. Das ist jedenfalls meine Auffassung. Trifft ja auch auf Lebensmittelzusatzstoffe etc. zu. Aber auch dort ist der Gesetzesschutz ja ziemlich löchrig.

    Wie man es dreht und wendet: der zahlende Kunde hat das Machtwort. Immer schön dran denken: Ich jedenfalls zahle für so einen Quatsch keine müde Mark! So wenig wie ich für verkorkste Lebensmittel Geld ausgeben würde.

  18. @geht es noch (37)

    wie @Nomis (38) richtig (und ruhig und ohne beleidigenden Tonfall) schreibt handelt es sich hier nicht um eine Verletzung der juristisch definierte NETZneutralität, sondern „nur“ der prozessual faktischen Netznutzungsneutralität.

    Der User kann sich jederzeit für ein anderes System entscheiden oder durch gezielte gemeinsame Aktionen einen Wandel beim Anbieters erkämpfen. Das ist soweit richtig.

    Von einer marktbeherrschenden Position des iphones in Nerdistan kann ja auch nicht mehr wirklich die Rede sein. Insofern, hej, ist es einfach deinem Geldbeutel überlassen, wenn du dein iphone endgültig aus dem Fenster werfen willst und wechseln.

    Oh, achso, nicht jeder kann sich diese teuren Systemwechsel leisten und so entsteht ein durch Konsum entstandener Zwang sich den Entscheidungen des Großmoguls im App-Store unterzuordnen. Sklave sein hat auch seine Vorteile. Bestimmt. Irgendwie.

    Klar natürlich, dass die Haussklaven, ähm verzeihung Fanboys jetzt die AGBs verteidigen und Einschränkungen finden, dass es hier, bei Apple ja nicht so schlimm sei und man müsse doch wissen, was man tue, wenn man ein iphone kaufe etc. pp.
    Verbraucherschutz ist halt immer gut, außer es geht um Apple. Grundlegendes Neutralitätsgebot im end-to-end Transport der User-Daten – wichtig, außer es geht um Apple.

    Okay, das mit dem Boobies-Verbot ist olle US-Amerikanische Verklemmtheit – aber hej, der böse böse (und dann auch noch russische) Developer ist doch einfach nur ein Aufmerksamkeitsgeiler Wicht.

    Wie könnte man ihn ein tapferen digital versierten Bürger nennen, der aufzeigt, wieviel den us-kapitalistischen Konzernen die Meinungsfreiheit wert ist…..Nein, soweit wollen wir nicht gehen. nicht wenn es um Apple geht.

    PS: Übrigens ist es kein Verstoß, da die Spende ja nach Überweisung des Developer-Anteils von diesem privat überwiesen wird.

  19. Eigentlich dürfte doch den zwischen Kontrollverlust, Datenschutz und Netzneutralität mäandernden Kollegen die Apple-Politik hervorragend passen: Apple tut gar nicht erst so, als wären sie neutral. Fair enough.

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