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Oracle verklagt Google wegen Android-SDK

Oracle hat gestern Klage gegen Google eingereicht, weil das Betriebssystem Android mehrere von Oracles Patenten verletze.
Worum geht es da eigentlich?

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Sun Microsystems hatte sich in den letzten Jahren zu einem der größten Contributor für OpenSource Projekte wie Java, OpenOffice, Gnome und Mozilla entwickelt. 2007 wurde geschätzt, dass ca. 25% des Codes einer üblichen Linux-Distribution von Sun kamen. Trotzdem hat Sun währenddessen auch fleissig darauf geachtet, sich Software-Patente zu sichern. Der ehemalige Sun-Geschäftsführer und Gründer Jonathan Schwartz nutzte diese nicht nur einmal, um seine Firma vor Angriffen von Microsoft und Apple zu schützen. Schwartz sah die Patente eher als notwendige Mittel zur Selbstverteidigung in einem Markt, auf dem andauernd jeder jeden verklagt. Selbst vermied er es aber, Konkurrenten zu verklagen – das mache sie nur relevanter.

Im April letzten Jahres beschloss Oracle, Sun zu kaufen. Seitdem ist Larry Ellison als Oracle-CEO der Wächter über die Patente, zu denen auch viele gehören, die Java betreffen. Oracle hat heute bekannt gegeben, dass sie Klage gegen Google wegen Verletzung der Patente an Java eingereicht haben, weil Google im Software-Development-Kit (SDK) für Android-Mobiltelefone massiven Gebrauch von Java-Syntax macht, jedoch eigene Compiler und Runtime für Android/Dalvik entwickelt hat, die unabhängig von Oracle sind.

Folgt man Schwartz‘ Auffassung von Software-Patenten, dann hätte Ellison keinen Grund dazu, denn Google Android ist nun wirklich kein Konkurrent von Oracle. Der einzige Grund für Oracle kann nach aktuellem Kenntnisstand nur sein, auch gern ein Stück vom Kuchen haben zu wollen: Dass das Android-SDK vollständig auf C umgestellt wird, scheint im Moment sehr unwahrscheinlich. Bisher liegt die Klage Google nicht vor, so dass wir auf die Reaktion warten müssen.

Egal wie man es betrachtet, Oracles Klage scheint nach bisherigen Informationen nicht besonders sinnvoll, sondern allenfalls gierig. Das trifft aber auf die meisten Klagen um Patente zu, insofern ist das nicht ungewöhnlich.

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19 Kommentare
    1. @JW (4) Vielen Dank, dass du das noch einmal konkretisierst, ich dachte allerdings ich hätte den Sachverhalt mit

      massiven Gebrauch von Java-Syntax macht, jedoch eigene Compiler und Runtime für Android/Dalvik entwickelt hat, die unabhängig von Oracle sind.

      und

      Schwartz sah die Patente eher als notwendige Mittel zur Selbstverteidigung in einem Markt, auf dem andauernd jeder jeden verklagt. Selbst vermied er es aber, Konkurrenten zu verklagen – das mache sie nur relevanter.

      treffend beschrieben. In Schwartz‘ Blogpost http://jonathanischwartz.wordpress.com/2010/03/09/good-artists-copy-great-artists-steal/ beschreibt er, wie er einige sehr mächtige Patente eher als Schild denn als Schwert eingesetzt hat. Der Artikel ist auch darüber hinaus sehr lesenswert.

      Du schreibst weiterhin

      Übrigens lassen sich solche mobile OS sehr gut mit C++ umsetzen, siehe MeeGo/Symbian (aka Qt) und Bada.

      Auch für Android kann man natürlich in C/C++ entwickeln, siehe http://developer.android.com/guide/basics/what-is-android.html – dem widerspreche ich aber auch nicht. Hauptsächlich gepusht / supported / nahegelegt / genutzt(?) wird aber wohl die Java-nahe Runtime.

      Wenn ich schreibe

      Folgt man Schwartz’ Auffassung von Software-Patenten

      dann hat das wohl eher mit meiner generellen (persönlichen) Meinung zu Patenten zu tun.

      @ J(8): Du hast recht! Ich habe umgehend korrigiert.

      @joschi (2): Ertappt – Aber zur Verteidigung meiner Ehre kann ich anbringen, dass ich immerhin die Primärquelle paste-zitiert / halbherzig übersetzt habe. Ich habe die Übersetzung nun auch vervollständigt.

      Bei euch muss man echt aufpassen ;-) Bitte weiter so! (und habt ein bisschen Nachsicht, ich bin ja noch Anfänger… umso wichtiger aber, dass man im Zweifelsfall auf euch zählen kann)

  1. Hm, das ist etwas zu einfach, wie das hier beschrieben ist.

    Die Wahrheit ist eigentlich etwas anders gelagen.
    Es geht nicht direkt um Java (auch wenn das sicher keine guten Aussichten für Java sind).

    Es geht Oracle auch und imho vorallem um die Einnahmen bei JavaME.
    JavaME ist bisher kostenpflichtig an viele Handyhersteller lizenziert, und das untergräbt Android nun.
    Google hat mit Android eine Alternative zu JavaME geschaffen, was Oracle als neuer Eigner von Sun natürlich nicht gefallen kann.

    Quelle:
    http://www.itworld.com/071116googlesun

    Übrigens lassen sich solche mobile OS sehr gut mit C++ umsetzen, siehe MeeGo/Symbian (aka Qt) und Bada.

  2. Es ist an den Verbrauchern, diesen Bonzen den Saft abzudrehen. Wenn ich sowas kleinkariertes Getöse höre, dann kaufe ich den Mist nicht mehr. So einfach ist das.

    Ich habe überhaupt die Nase voll von Großkonzernen und Bonzenärschen in der IT-Branche.

    Den einzigen Riesen, den ich nach wie vor toll finde, ist Microsoft. Einfach deshalb, weil es die anderen Idioten ohne Bill gar nicht gegeben hätte und heute geben würde.

    Ich schaue mir die Konsorten an und kann nur weise das Haupt schütteln. Man muß nicht alles nutzen, nicht alles kaufen. Punkt.

    Die Hersteller sollten sich mal an ihre Wurzeln erinnern. An die verkackte Garage, aus denen sie gekrabbelt sind.

  3. @markus

    Hallo?? Wer hat denn Windows erfunden, wer hat es denn nachgemacht? Welche Branche durfte und konnte sich danach etablieren, von Sicherheitssoftware bis zum Anbieter jeglicher Software?? Auch Linux wäre ohne den WIN-Erfinder niemals entstanden.

    Man kann daher nur sagen: Hoch lebe MS!

    Ich nutze Win7 und erfreue mich an meinem BS.
    Der andere Bonzenmist interessiert mich nicht die Bohne.

    1. @Cordula: Die These, dass Linux ohne Bill Gates nicht entstanden wäre halte ich für, nun ja… gewagt. Aber ich muss Dir zustimmen, dass vor allem Sicherheitssoftware nur so erfolgreich werden konnte, weil Microsoft die passende Innovationskultur für diese Branche geschaffen hat.

  4. kleine Korrektur: Jonathan Schwartz ist _kein_ Sun Gründer. Schwartz ist durch Übernahme seiner Firma zu Sun gekommen und wurde später zum President & CEO berufen.

  5. Oh und noch eine Ergänzung: Klar ist Android ein Konkurrent zu Sun – eine der Haupteinnahmequellen mit Java ist JavaME. Wenn Android zur führenden Platform wird gehen die Lizenzeinnahmen für JavaME zurück.

  6. @J

    Genau, Präsi, Gründer, Geldgeber, Verdiener, Verblöder, Vermarkter, Verkäufer, Verticker, Ver…

    Es fing in einer Garage an.

    Der einzige Typ, der sich treu geblieben ist, ist Bill Gates. Sein Poster (Bullenaufnahme in der Jugendzeit) hängt an jedem meiner Win-Rechner. Es soll mich daran erinnern, daß man nicht so großkotzig sein soll.

    Einigen Firmen mangelt es an dieser Erkenntnis und Erinnerung.

    Schönen Abend noch.

  7. In C/C++ fuer ANdroid entwickeln, bedeutet nisher NDK-Code der nicht von ver DalvikVM ausgeführt wird.

    C/C++ koennte natuerlich auch Codevorlage fuer einen Bytecodecompiler wie er bisher fuer Java existiert bilden, waere aber deutlich umständlicher, da die Syntax zu viele Aufgaben mit abbildet, die in Android, wie auch in Java großteils die VM übernimmt.

    Über die Vor und Nachteile dieser Idee hinter Android laesst sich audgiebig diskutieren, jedoch muss eine Plattform um erfolgreich zu sein auch halbwegs erreichbar fuer die Entwickler bleiben, eine Vielzahl von Hardware und ggf. auch Architekturen in C/C++ nativ zu Supporten ist mit dem vollstaendigen Applikationscode oft zu aufwendig und wenig zielführen, wenn es wie haeufig nur um wenige 100-1000 Zeilen Code geht und bei mehr Code umso aufwendiger.

    Apple umgeht das Problem mit nur zwei Plattformen, Google mit einer Hardware unabhaengigen API welche flexiebel genug ist auf graeten von 350MHz ARM7 bis Atom N330 zu laufen und dabei nahezu 0 Migrationsaufwand fuer Code zu fordern, was auch ein Grund ist, das die GUI noch immer voll in Software gerendert wird, was natuerlich teils absurd wirkt.

    Google ist auf die VM angewiesen und darauf, dass dafuer entwickelt wird.

    Also bieten sie Java als wohl bekannte Syntax an (mit eigenen Brötchen würde man wie Esperanto ein Schattendasein führen) da sie den Ansprüchen recht nahe kommt.

    Der Angriff auf Oracle ist natuerlich der JavaME-Markt, wobei ich hier nicht wahre Konkurrenz sehe, denn JavaME wird meist in „Featurephones“ verwendet und wirkt schon in SYmbiangeräten wie ein Krückstock, hat jedoch wie Android natuerlich das gleiche Ziel, die homogenisierung der Softwareebene für den Entwickler und da Schneiden sich die 2 Konzepte.

    Echte konkurrenz dürfte Google jedoch nur durch die vermehrten überlaeufer zu Smartphones sein, so wie den Festnetztelefonanbietern von Handyherstellern teils das Geschäft genommen wurde.

    Schade nur, dass man die Schlacht jenseits des Marktes austraegt, anstatt den Kunden zu überzeugen (sowohl Handykaeufer als auch Entwickeler).

    mfg

    DooM

    habt euch bitte alle lieb
    P.S.: Rocket Singh: Salesman of the Year ist ein klasse Film

  8. richtig so. klagt euch nur gegenseitig die scheis…aus dem hirn.

    so macht das leben erst richtig sinn, sit-ins im gerichtssaal. war früher mal grosse mode auf grünen wiesen und bei protestkundgebungen.

    ach so…die masse weiss gar nicht mehr was das ist. na egal.

    sind bestimmt alle rechtsanwälte, die jeden mietnebenkostenprozess wegen unfähigkeit verlieren würden, aber heerscharen von hilfssheriffs beschäftigen, ob nicht jemand zufällig seine email im impressum nicht ausgeschrieben hat.

    ihr wisst schon, wegen verklagen und so….

    müsste olympisch werden langsam. manche haben darin eine gewisse perfektion erreciht…..

  9. @cordula

    ‚Hallo?? Wer hat denn Windows erfunden,‘

    Xerox.

    ‚wer hat es denn nachgemacht?‘

    Apple.

    ‚Auch Linux wäre ohne den WIN-Erfinder niemals entstanden.‘

    Ja, aber der wesentliche Grund dafür ist keine technische Exzellenz oder Pionierleistung, sondern schlicht, das Bill das Ganze so marktgängig gemacht hat, daß sich eine Armee von OS-Programmierern einen Rechner für zu Hause leisten konnten.

    Andreas

  10. @cordula:

    Minix war bereits ein Projekt vor LINUX und bevor Windows 1.x auf den Markt kam. Es gab schon vor Windows freie „Kernel-Entwicklungen“ rund um „UNIX“.

    Das Hauptproblem der „nicht freien“ Betriebssysteme wird offensichtlich nun für die IT Riesen selbst zu einem „Patentdesaster“.
    Ich hoffe die Riesen decken sich gegenseitig mit Klagen nur so ein um selbst am eigenen Leib zu spüren, wie wenig innovativ Patente in der Fortentwicklung der Menschheit insgesamt sind. Innovation und Urheberrecht wiedersprechen sich leider. Ich verstehe den „Finder-Anspruch“ menschlich, aber es ist definitiv eine Hemmung des Fortschritts.

    1. @Lukas: Es geht doch nicht darum, dass die CEOs erkennen, wie unsinnig Patente sind. Das dürfte bei vielen der Fall sein, aber alle sehen das (wie Schwartz) als notwendiges Übel.

      Und natürlich kann keiner der erste sein, der seine Patente aufgibt. (Okay, es gibt noch das OIN, aber das ist in seiner Definition zu stark eingeschränkt, um als allgemeine Plattform zu taugen.)

      Somit ist die Hauptfrage letztendlich, wozu das Management bereit ist, um die Vorgaben der Aktionäre zu erfüllen, bzw. wie einflussreich Anwälte und ähnliche Schreibtischtäter im Unternehmen sind.

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