Generell

Mal was Neues: Übers Urheberrecht reden

Die letzten Monate waren mit „Wir reden übers Urheberrecht“-Veranstaltungen gesegnet. Zum Jahresabschluß kommt dann nochmal ein kleines Highlight mit – und das ist die eigentliche grandiose Leistung – im deutschen Diskurs größtenteils noch unverbrauchten Experten:

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Eckhard Höffner, Wirtschaftsjurist und Autor des viel diskutierten Buches “Geschichte und Wesen des Urheberrechts” (Telepolis Interview)
● Fred von Lohmann, amerikanischer Rechtsanwalt, lange bei der Electronic Frontier Foundation, seit einigen Monaten bei YouTube (Wikipedia Eintrag)
●  Niva Elkin-Koren, Professorin für Cyberlaw und Intellectual Property, University of Haifa (Ausgewählte Veröffentlichungen: Tailoring Copyright to Social Production, User-Generated Platforms)
Veranstalter der Runde ist das Co:llaboratory, über die Parameter der Veranstaltung sind wie folgt:
Termin:
Dienstag 14. Dezember 2010 | 17.30 – 20:30 Uhr

Ort:

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Marktgrafenstraße 38
10117 Berlin
Thema:                    
Regelungssysteme für informationelle Güter – Was sollte ein Urheberrecht für die Informationsgesellschaft leisten?

An der Teilnahme und sonstwie netzpolitisch interessierte Leser mögen sich bitte bald in einem schicken Google-Formular anmelden (https://spreadsheets.google.com/viewform?formkey=dGxxcHZNMnVNZml5aDBYRC1Zb3VqNXc6MQ)

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
11 Kommentare
  1. Es gibt kein \Urheberrecht\, das \Urheberrecht\ ist lediglich ein künstliches Konstrukt das den Diebstahl an der Allgemeinheit rechtfertigen soll.

    Der Kapitalismus hat schon immer danach gestrebt alles in Eigentum zu verwandeln und danach nur noch gegen Geld zugänglich zu machen. Im Mittelalter zum Beispiel war der großteil des Landes \Allmende\ d.h Allgemeinbesitz den jeder dazu verwenden konnte den eigenen Acker zu bestellen etc. Mit dem Aufkommen des Kapitalismus wurden die Bauern vertrieben und das Land privatisiert und hiernach nur noch gegen Geld Verkauf/Pacht zur Verfügung gestellt. Das ehemalige Gemeingut also im Besitz einiger Großgrundbesitzer die es nun nutzen konnten um sich extrem zu bereichern.

    Genau das Gleiche bei Wasser, vor allem in Entwicklungsländern werden Wasserlöcher von Internationalen Konzernen aufgekauft versiegeld und die Menschen können nur noch dann das Wasser verwenden wenn sie vorher dafür bezahlt haben. Wasserquellen die vorher allgemeingut waren dienen nun einigen Kapitalisten dazu sich extrem zu bereichern.

    Der Kapitalismus in seinem Lauf ist immer dazu gezwungen allgemeingut und frei zur Verfügung stehende Resourcen zu privatisieren und künstlich zu verknappen um sie danach gewinnbringend verkaufen zu können. Genauso ist dies auch mit dem \Geistigen Eigentum\, zu Goethes und Mozarts Zeiten gab es das Urheberrecht in keinster Weise. Geistige Schöpfungen waren allgemeingut das jeder frei verwenden konnte, trotzdem wurden zu dieser Zeit Meisterwerke geschaffen die selbst heute noch relevant sind.
    Seit dem 20 jahrhundert jedoch schreitet auch hier die Privatisierung voran. Seitdem alles Gemeinland, Wasserquellen, Produktionsmittel etc pirvatisiert in den Händen des Kapitals liegen ist es nur konsequent das nun auch das Wissen, die Kultur und sämtliche Geistigen Schöpfungen die der Gedankenwelt einer gesellschaft entsrpingen privatisiert werden um auf diese Weise für Wirtschaftswachstum zu sorgen.

    In US wirtschafts Kreisen wird das \Geistige Eigentum\ bereits als das ÖL des 21 Jahrhunderts gehandelt. Es geht nun darum die Quellen der Geistigen Schöpfung möglichst genauso weitgehend zu privatisieren wie dies die ÖL quellen bereits sind. Nur in privatisierter Form kann man für eine Resource die ansonsten in großen Mengen frei zur Verfügung stehen würde Geld verlangen. Wasser lässt sich also erst teuer Verkaufen wenn die frei verfügbaren Quellen die wasser in Trinkqualität liefern versiegelt werden. Der Freie Zugriff darauf muss also unterbunden werden um so eine künstliche Verknappung zu erzeugen die etwas ansich frei verfügbares in ein teueres gut verwandelt.

    Beim Urheberrecht ist das genauso, Urheberrechte sind an sich nur ein Künstliches Produkt das darin besteht die Freiheit der anderen künstlich einzuschränken
    (Kopiererlaubnis entziehen) und dann Geld zu verlangen damit sich die Menschen diese Freiheit wieder zurückkaufen können (Lizenzen). Bei Patenten grundsätzlich das gleiche.
    Solche virtuellen oder Künstlichen Produkte sind somit eine art \Anti Produkt\ da sie ersteinmal etwas wegnehmen (Die Freiheit) um danach das Weggenommene als eigentliches Produkt zu verkaufen.

    Das Eigentum an einer geistigen Idee hat idealerweise niemand, genausowenig wie an anderen dingen die sich nicht monopolisieren und kapitalistisch vermarkten lassen wie z.B. Luft. Das sich Urheberrechte vermarkten lassen liegt nur daran das deren Verfügbarkeit juristisch durch Repression künstlich verknappt wird obwohl das Werk eigentlich unendlich oft ohne kosten als Kopie zur Verfügung steht.
    Wenn mal jemand ein anderes Gut das unendlich oft zur Verfügung steht, z.B. Luft monopolisieren wollte dann wäre der Aufschrei mit sicherheit sehr groß.

    Somit unterscheiden sich Urheberrechtlich geschützte Werke von anderen Produkten wie z.B. Autos, Goldbarren, Diamanten die nur Begrenzt verfügbar sind und deren Verteilung unter der Gesellschaft durch ein Verkaufsystem gegen Geld verkauft werden muss da ohnehin nicht genügend für alle da ist um einen grenzenlosen Bedarf zu decken.
    Bei digitalen Daten ist es aber egal wie groß der Bedarf ist, durch die freie Kopierbarkeit stehen sie in unendlicher Menge jedem zur Verfügung. Eine massive juristische Repression gegen \Raubkopierer\ ist also nur der Konsequente Vorgang ein Produkt zu erschaffen das dem Kapitalistischen Gewinnmaximierungsprozeß dient ohne dabei jegliche rücksicht auf die Menschen zu nehmen.

    Die Folge, die freie Verfügbarkeit von geistigen Inhalten wird durch Staatliche Repression immer weiter eingeschränkt. P2P Seiten werden geschlossen, deren Betreiber zu Haftsrafen verdonnert. Internetanschlüsse wegen einfachen urheberrechtsvergehen gekappt, webseiten gesperrt. Massenweise Abmahnungen verschickt. Künstler die freie Musik/Filme produzieren systematisch ausgeschlossen indem sie nicht im Radio/Fernsehen/Kino gezeigt werden etc.
    Der Kapitalismus tut alles um sicherzustellen das das was vor 150 Jahren noch allgemeingut war nur noch gegen Geld von den Bonzen bezogen werden kann. Das Volk wird somit seiner Kultur, seines Wissens, seiner Geistigen Errungenschaften enteignet.

    Glaubt mal ja nicht das der Rechtsstaat euch zu Hilfe eilen wird, oder die Politik die zunehmende Zensur und Überwachung des Internets verhindern wird. Das Kapital ist der Wahre Herrscher im Lande. Die Demokratie im Sinne der \Herrschaft des Volkes\ existiert nicht, egal ob die regierung in Afghanistan krieg führt obwohl laut umfragen 70% dagegen sind oder das Urheberrecht im Sinne der großen Medienkonzerne immer weiter verschärft wird obwohl die große Mehrheit der Internetnutzer dagegen ist. Erkennt endlich das die Regierungen egal ob Rechts/Links oder Grün allesamt den interessen des Kapitals folgen und nicht denen des Volkes oder sie einfach nicht mächtig genug sind sich ihm entgegen zu stellen und NEIN zu sagen.

    Der Kampf ums Urheberrecht ist nur eine Schlacht im Krieg des Kapitalismus gegen das Allgemeineigentum und den Menschen. Einem Krieg der schon seit Jahrhunderten gefochten wird und der den Menschen bisher kaum etwas gutes gebracht hat. Gegen das Zwangsregime des Urheberrechts aufbegehren heist somit auch gegen den Kapitalismus und das derzeitige politische Herrschaftsystem aufzubegehren bzw dieses zu hinterfragen.

    Insofern steht für mich fest, das beste Urheberrecht für die Informationsgesellschaft ist gar kein Urheberrecht !

    1. @Marxist/Kommunist:
      Ich würde das differenzierter sehen. Das Urheberrecht hat seine Wurzeln in der Aufklärung. Es soll die persönlich-geistiges Beziehung des Schöpfers zu seinem Werk schützen. Wenn ich etwas schaffe, etwas kreatives Schaffe, dann habe ich eine persönliche Beziehung dazu. Es ist „mein“ Werk. Das Urheberrecht gibt mir die Möglichkeit dazu, dieses auch wirklich als „mein“ Werk zu betrachten. Dieser Gedanke, dass der Schöpfer eine besondere Beziehung zu seinem Werk hat und sein Werk zu ihm gehört ist der Gedanke von Kant & Co.

      So habe ich das Recht dazu, dass mein Name mit meinem Werk genannt wird. Niemand außer mir darf behaupten, dass er diesen Kommentar hier geschrieben hat. Und das finde ich auch gut und richtig so. Es besteht eben doch ein Unterschied zwischen der Luft und diesem Kommentar hier. In diesen Kommentar habe ich Zeit, Arbeit und Kreativität gesteckt. In die Luft nicht.

      Auch die künstliche Verknappung, von der du sprichst, die auch tatsächlich in etwa so funktioniert, wie du es beschreibst, finde ich nicht gänzlich schlecht. Sie sichert dem Schaffenden eine Verdienstmöglichkeit. Nehmen wir mal an, es gäbe kein Urheberrecht. Das würde sicherlich nicht dazu führen, dass nichts mehr geschaffen würde. Gerade im Netz sehen wir ja, dass eine solche Argumentation zu kurz greift. Viel zu kurz. Diese unsere beiden Kommentare würden wir wohl genauso schreiben, wenn es kein Urheberrecht gäbe.

      Die Abschaffung würde auch nicht dazu führen, dass nicht mehr gelesen würde, keine Musik mehr gehört würde, o.ä. Das würde wohl weiterhin passieren. Nur müssten die Verlage den Urhebern nichts mehr abgeben. Sie könnten Bücher drucken und der Autor sieht davon keinen Cent. Wenn der Autor aber nichts erhält, muss er irgendwie anders an Geld kommen und hat demnach weniger Zeit zum Schreiben.

      Man kann sich jetzt auf den Standpunkt stellen, dass das gedruckte Buch eh bald ausstirbt (da wäre ich mir aber nicht so sicher) und demnach Bücher einfach als Datei kopiert werden können, was auch die Verlage überflüssig machen würde (wobei Verlage ja auch lektorieren und bewerben, was auch wichtig ist). Aber das hilft den Urhebern immer noch nicht.

      Urheber haben Auslagen, die irgendwie bezahlt werden müssen. Manche mehr, manche weniger, aber unser Wirtschaftssystem funktioniert nunmal mit Geld (was zwar viele Stilblüten treibt, aber mE nicht besser geht) und daran ist nichts zu machen. Ich kann kaum einen Reiseführer schreiben ohne zu reisen. Oder Fotos von Naturwundern machen, ohne dort zu sein. Oder Musik machen ohne Instrumente, ggf. Tonstudio, etc. Oder einen Film ohne Kameras, Kulissen, und was weiß ich noch alles. Ohne Urheberrecht würde das nicht mehr so möglich sein wie bisher.

      Die Frage ist also nicht, ob das Urheberrecht überhaupt gut ist, sondern wie es ausgestaltet werden soll. Muss die Schutzfrist wirklich bis 70 Jahre nach dem Tod gelten? Ist das System der Verwertungsgesellschaften zielführend? In welcher Weise? Sind die bisherigen Schutzschranken (also das, was ich mir als Urheber trotz Urheberrecht gefallen lassen muss; z.B. Privatkopien) ausreichend? Oder gibt es andere Möglichkeiten die Urheber zu entlohnen?

      Darüber lohnt es sich in der Tat zu diskutieren und du hast ein paar der Probleme des Urheberrechts genannt. Das Urheberrecht ganz abzuschaffen halte ich aber nicht für zielführend.

      Umgekehrt gibt es auch mit Urheberrecht Werke, die sich mehr oder weniger frei nutzen lassen. So betreibe ich ein Blog (in dem aus Zeitmangel momentan leider nicht allzu viel drin steht) und schreibe ein Buch (in dem schon etwas mehr drin steht) und gebe diese Inhalte unter Creative Commons heraus. Jeder darf mein Buch oder meine Blogartikel verbreiten, nutzen und sogar verändern (zugegeben nur für nicht-kommerzielle Zwecke). Und ich bin froh, wenn man das tut.

      Leider tun das noch vergleichsweise wenige und so ließe sich auch darüber diskutieren, inwieweit man freie Inhalte besser fördern sollte. Ich denke, es gibt deutlich mehr Leute, die nichts dagegen hätten, wenn man ihre Werke unter einer Creative-Commons-Lizenz nutzt, als Leute, die tatsächlich das an ihre Werke dranschreiben. Es wird sicher keine Hollywood-Filme geben, die unter CC stehen. Alleine, weil die Produktionskosten schon so hoch sind. CC ist also keine Lösung für alles, aber mMn absolut förderungswürdig. Und das unabhängig von der Ausgestaltung des Urheberrechts.

  2. „aber unser Wirtschaftssystem funktioniert nunmal mit Geld und daran ist nichts zu machen“

    Um dein Beispiel von den Hollywood-Filmen zu nehmen.
    Müssen die Produktionskosten so hoch sein?
    Kein Schauspieler ist es Wert so horrende Gagen von 5-Stelligen Millionenbeträgen zu erhalten, während Statisten im gleichen Film das sogar kostenlos machen.
    Die Leute bekommen einfach nicht den Hals voll genug.

    1. @Troll:
      Du hast recht, das ist ein Problem der Geldwirtschaft. Dass Bezahlung nach Leistung stattfindet, ist eine Illusion. Angebot und Nachfrage bestimmen die Löhne und Gehälter. Das ist ungerecht. Ja. Aber quasi eine Näherungslösung an eine gerechte Entlohnung, die so direkt nicht machbar ist.

      Auch das Urheberrecht ist so eine Näherungslösung an den gerechten Ausgleich verschiedener Interessen. So wie alle Gesetze eben. Wie gut diese Näherung funktioniert, ist eine andere Frage.

  3. Das Recht am eigenen Werk umfasst nun mal nicht nur Gegenständliches, sondern auch z.B. Musik, Texte, Bilder. Davon leben Musiker, Texter, Fotografen! Es ist schlicht Eigentum, nicht anders, als Haus, Auto, Bargeld! Das lässt sich nicht wortreich Weg-Blabla-en!

  4. Der Wert der Arbeit eines Urhebers lässt sich genausowenig bemessen wie der wert der Arbeit allgemein. Hier mal ein Text der das sehr gut belegt:

    Alexander Berkman schreibt in seiner rhetorischen Schrift ABC des Anarchismus: „»Aber warum wird nicht jeder entsprechend dem Wert seiner Arbeit entlohnt?« fragen Sie. Weil es kein Verfahren gibt, mit dem Wert gemessen werden kann. Das ist der Unterschied zwischen Wert und Preis. Der Wert einer Sache wird durch ihren Stellenwert bestimmt, während der Preis angibt, wofür sie auf dem Markt gekauft oder verkauft werden kann. Was eine Sache wert ist, kann niemand wirklich sagen. Volkswirtschaftler geben im allgemeinen den Wert einer Ware als Summe der Arbeit an, die für ihre Produktion aufgewendet werden muss; Marx spricht von »gesellschaftlich notwendiger Arbeit«. Aber offensichtlich ist das kein gerechter Maßstab. Angenommen, ein Tischler arbeitet drei Stunden, um einen Küchenstuhl herzustellen, während ein Arzt nur eine halbe Stunde braucht, um eine Ihr Leben rettende Operation auszuführen. Wenn die Summe der aufgewandten Arbeit den Wert bestimmt, dann ist der Stuhl mehr wert als Ihr Leben. Das ist natürlich offenkundiger Unsinn. Selbst wenn Sie die Jahre des Studiums und der Praxis mitzählen, die den Arzt zu der Operation befähigten, wie wollen Sie dann entscheiden, wieviel »eine Operationsstunde« wert ist? Der Tischler und der Maurer mußten auch lernen, bevor sie ihre Arbeit sicher beherrschten, aber Sie berücksichtigen diese Jahre der Lehrzeit nicht, wenn Sie sie mit einer Arbeit beauftragen. Außerdem ist die besondere Fähigkeit und Neigung in Betracht zu ziehen, die jeder Arbeiter, Schriftsteller, Künstler oder Arzt bei seiner Arbeit einsetzen muß. Dieser Faktor hängt allein von der einzelnen Person ab.

    Wie wollen Sie diesen Wert einschätzen? Wert kann deswegen nicht bestimmt werden. Ein und dieselbe Sache mag für eine Person viel wert sein, während sie für eine andere gar keinen oder nur geringen Wert besitzt. Selbst für ein und dieselbe Person mag sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten viel oder wenig wert sein. Ein Diamant, ein Gemälde oder ein Buch mag für den einen sehr viel und für den anderen sehr wenig wert sein. Ein Laib Brot wird Ihnen viel wert sein, wenn Sie hungrig sind und viel weniger, wenn Sie es nicht sind. Selbstverständlich lässt sich der wirkliche Wert einer Sache nicht bestimmen, wenn es sich um eine unbekannte Größe handelt. Der Preis jedoch kann leicht ermittelt werden. Wenn es fünf Laibe Brot gibt und zehn Personen wollen aber je einen kaufen, dann wird der Brotpreis steigen. Er wird aber fallen, wenn zehn Laibe Brot vorhanden sind und fünf Käufer nur je einen erwerben wollen. Der Preis hängt von Angebot und Nachfrage ab. Der Warenaustausch anhand von Preisen führt zu Profitmache, zu Übervorteilung und Ausbeutung; in wenigen Worten: Zu irgendeiner Form des Kapitalismus. Wenn Sie die Profite beseitigen wollen, dann können Sie weder ein Preis- noch ein Lohn- oder Gehaltsystem beibehalten. Das heißt, daß der Austausch entsprechend dem Wert erfolgen muß. Aber da der Wert unsicher oder nicht bestimmbar ist, muß der Warenaustausch auf freier Basis erfolgen, ohne einen »gleichen Wert«, denn so etwas gibt es nicht. In anderen Worten heißt das, die Arbeit und ihr Produkt müssen ohne Preis und ohne Profit frei und entsprechend ihrer Notwendigkeit ausgetauscht werden. Das führt logischerweise zu öffentlichem Eigentum und gemeinsamem Gebrauch. Dieses vernünftige und gerechte System ist als Kommunismus bekannt.“

    Jeder Versuch den Wert der Arbeit zu bemessen ist also zwangsläufig in höchstem Maße ungerecht. Übrigens geht es auch ohne diese Bemessung denn ansonsten könnten zahllose OpenSource Projekte die sich durch ihre Freie verfügbarkeit dem Verwertungszwang wiedersetzen nicht bestehen. Was wiederum darauf hindeutet das eine kommunistische/Solidarische und freiheitliche gesellschaft nicht so unmöglich ist wie von vielen immer berhauptet.

  5. Selbsternannte Experten haben wir schon genug. Man bildet sich seine eigene Meinung. Und dazu wird ja wohl jeder in der Lage sein.

    Laberrunden ohne Ende sind hipp, aber überflüssig.

    Es zeigt sich seit Jahrzehnten, daß Laberrunden weder zur Meinungsfindung noch Information beitragen. Denn es ist wie bei S21: Es gibt zwei Lager, die sich niemals in der Mitte treffen können. Es gibt manchmal keine Alternative, sondern nur oben oder unten, links oder rechts.

    Aber schön, daß „Experten“ mal wieder darüber labern. Wird auch gut bezahlt, fragt sich nur, von wem.

  6. „Angebot und Nachfrage bestimmen die Löhne und Gehälter. Das ist ungerecht. Ja. Aber quasi eine Näherungslösung an eine gerechte Entlohnung, die so direkt nicht machbar ist.“

    Wie kommst du denn darauf?

    Angebot und Nachfrage bestimmen mit Sicherheit nicht die höhe von Gehältern, sondern Arbeitskämpfe und politische Entscheidungen.

    In Zeiten eines allgemeinen Überangebotes an Arbeitskraft, künstlich herbeigeführt durch die Verhinderung einer Anpassung des marktwirtschaftlichen Systems an technologische Neuerungen – ist das Angebot soweit gewachsen, dass die Nachfragende Seite alles nach ihrem gutdünken bestimmen kann.

    Aber das ist nicht Gegenstand der eigentlich hier zuführenden Debatte.

    Als Künstler ist man nicht zwangsläufig auf Einnahmen über das Urheberrecht angewiesen. Ein interessantes Konzept hat ein hamburger Produzent elektronischer Musik bekannt (oder auch nicht) unter dem Namen Paniq. Eben jener finanziert sich über Spenden um seine Alben (und seinen Lebensunterhalt? ich weiß nicht) zu produzieren. Sein gesamtes Schaffen ist unter CC veröffentlicht.

    Hier der zugehörige Blog: http://www.blog.paniq.cc

    1. @Deflation:
      „Wie kommst du denn darauf? Angebot und Nachfrage bestimmen mit Sicherheit nicht die höhe von Gehältern, sondern Arbeitskämpfe und politische Entscheidungen.“

      Und Angebot und Nachfrage bestimmen wie erfolgreich die Arbeitskämpfe sind. Aber ich gebe gern zu, dass meine Aussage stark verkürzend war und in dieser Absolutheit kein vollständiges Bild der Situation wiedergibt. Mir ging und geht es ja auch gar nicht darum unser Wirtschaftssystem zu erklären.

      „Ein interessantes Konzept hat ein hamburger Produzent elektronischer Musik […]“

      Ja, da hast du recht. Ich denke zwar nicht, dass das generelles Finanzierungskonzept für alle Werke taugt (siehe Hollywood-Filme), aber solche Konzepte werden in Zukunft vermutlich immer wichtiger und ich halte CC wie gesagt für absolut förderungswürdig. Die Welt verändert sich und neue Finanzierungskonzepte müssen her. Crowdfunding ist eines davon.

  7. Spießiger Kommentar zur Schreibweise:

    Die Grafen der Mark, nicht die Grafen des Marktes => Markgrafenstr ;)

    Nicht veröffentlichen, aber anpassen wäre meinem spießigen Auge eine Freude!

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