Als man 2001/2002 in NRW erstmals etwas ernsthafter probieren wollte, den Zugriff auf Netzinhalte über Sperrverfügungen zu blockieren, hatte ich mich gefragt, wann/ob man dies wohl auch bei Computerspielen probieren würde. Oder genauer: Bei Gameservern. Es war die große Zeit der Multiplayer-Versionen von Quake und Co. „Counter Strike“, eine Ende 2000 veröffentlichte Modifikation des Shooters „Half Life“ war gerade dabei, deutsche Kinderzimmer zu erobern.
Spätestens nach dem Amoklauf von Erfurt 2002, als die Debatte um „Killerspiele“ erstmals eine breite Öffentlichkeit erreichte, schien mir ein solcher Vorstoß durchaus konsequent. Zumindest mittelfristig und innerhalb der überschaubaren Logik, mit der in diesem Bereich gewöhnlich argumentiert wird. Wo bitte könne man besser ansetzen, als bei den Gameservern, die dem Töten menschenähnlicher Pixelwesen erst eine gemeinschaftliche Plattform boten?
Ich hatte damals eine Ecke zu weit gedacht. Während sich die KJM als zuständige Regulierungsbehörde vornehm (und im Wissen, dass in den Hinterzimmer der Staatskanzleien am JMStV‑E gewerkelt wurde) zurückhielt, versuchte es die Politik weiterhin über die Indizierung einzelner Spiele/Client-Software. Gameserver blieben – meines Wissens – in all den Jahren aber unbehellig. Das alles hat, wie wir wissen, aus Sicht des Jugendschutzes nur so mittelgut funktioniert.
Zumindest bis heute. Dank DRM-Plattformen wie Steam muss man nicht einmal mehr gegen Gameserver vorgehen, wenn man den Jugendschutz in Deutschland durchsetzen will (Und ja, auch für Erwachsene. Der Einfachheit halber.). Golem schreibt:
Call of Duty – Modern Warfare 2
Keine Aktivierung für US-Version auf SteamDie ungekürzte Versionen von Call of Duty 6 lässt sich hierzulande nicht mehr über Steam aktivieren. Das bedeutet: Wer sich jetzt eine Importfassung des indizierten Spiels besorgt, kann damit nichts anfangen – auch, wenn er erwachsen ist.
„Due to local laws and regulations, Activision does not allow this version of Call of Duty: Modern Warfare 2 to activate inside of Germany“, auf Deutsch: „Wegen örtlicher Gesetze und Bestimmungen erlaubt Activision nicht, dass diese Version von Call of Duty: Modern Warfare 2 innerhalb von Deutschland aktiviert wird“ […]
Ich weiß nicht, was Activision da geritten hat. Ich will nicht einmal behaupten, dass es einen direkten Zusammenhang mit dem JMStV bzw. JMStV‑E gibt. Unwahrscheinlich hingegen scheint mir auch, dass Activision freiwillig und aus eigenem Antrieb aktiv geworden ist. Wie auch immer, willkommen in Zukunft!