JMStV: Nach dem Vergnügen kommt die Arbeit

Die Novelle des Jugendmedienschutzstaatsvertrags wird Morgen in NRW parteiübergreifend in die Tonne getreten. Daran hat die „Netzcommunity“ in den letzten Wochen aktiv gearbeitet. Das zeigt zwei Dinge: Politik ist vielleicht doch nicht ganz so beratungsresistent wie befürchtet. Und: die Netizens haben eine gewisse Schlagkraft bewiesen.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Doch jetzt kommt der harte Teil: auch der bisherige, in Kraft befindliche Jugendmedienschutzstaatsvertrag, der weiter gültig bleibt, krankt und hinkt an vielen Ecken und Enden. Bei einer Neuverhandlung sollte die Netzcommunity genau so dicht am Ball bleiben, wie sie das in den vergangenen Wochen war. Es ist einfacher gegen etwas zu informieren und zu intervenieren als für etwas. Wie also sehen die guten Lösungen aus? Die Politik wird nun den Anspruch erheben, dass die Community sich an Lösungsvorschlägen aktiv beteiligen muss. Das Versprechen ist gemacht, jetzt müssen wir alle es auch einlösen. Das wird kein Kinderspiel. Aber wenn wir etwas kippen können, können wir sicher auch an guten Lösungen für dieses schwierige Thema mitarbeiten. Wenn man uns auch mitarbeiten lässt.

51 Kommentare
  1. Ich hoffe, dass die Politik nun den Anspruch erhebt, dass die Community sich an Lösungschlägen aktiv beteiligt, denn nur dann kann ein vernünftiges Konzept erarbeitet werden, welches auch funktionieren kann.

    Wir brauchen den Jugendschutz, jetzt ist der erste Schritt getan für den Start eines neuen Konzeptes. Lets go!

  2. > Daran hat die „Netzcommunity“ in den letzten
    > Wochen aktiv gearbeitet.

    Ja, der Einsatz war mehr als vorbildlich, engagiert, kreativ, fundiert, etc. pp.
    Besonders den AK Zensur und damit Alvar Freude muss man hervorheben, aber auch div. Juristen wie Stadler oder auch die „ganz normalen“ Netz/Bürger.

    Dennoch: ist es wirklich so, daß die Nichtverabschiedung des JMStV auf das Konto all der Engagierten geht?
    Hat all das Informieren und Lobbyieren (?) zu diesem Ergebnis geführt?
    Haben die div. Kampagnen ein Umdenken eingeleitet?
    Begannen die Parteimitglieder kritische Fragen an das Machwerk zu stellen und hat somit am Ende „die Vernunft“ gesiegt?

    Oder war es nicht vielmehr wieder eines der unerträglichen machtpolitischen Spielchen ähnlich wie bei SWIFT?
    Auch bei SWIFT haben sich viele engagierte Bürgerrechtler die erste Ablehnung durch das Parlament zugeschrieben.
    Tatsächlich war es aber wohl eher die (zurecht) beleidigte Reaktion auf das unverschämte Verhalten der Kommission und weniger inhaltlich begründet.

    Wenn im Rahmen der Auseinandersetzung mit dem JMStV ständig neblige Politikbegrifflichkeiten wie „parlament. Zwänge“ oder jetzt als Rechtfertigung „staatspolit. Interesse“ angeführt werden, die Parteien je nach Machtkonstellation in den Ländern sich grob unterschiedlich positionieren und sich keine so richtig konsequent gegen das Machwerk ausgesprochen hat, kommen mir doch arge Zweifel ob der Wirkmächtigkeit der „Netzcommunity“.

    Es sieht mir einfach allzu sehr nach dem altbekannten Machterhalt und wenns um den nicht geht wenigstens eins auswischen oder gar verbrannte Erde aus.

    Ich finds ja schön, daß das Ergebnis den Aktivisten zugesprochen wird, denn Lob haben sie zweifelsohne verdient.
    Allerdings wäre ich doch seeeeehr vorsichtig in der Euphorie zu glauben, man würde nun endlich wahr- und ernstgenommen und könnte mit Sachargumenten punkten.
    Ich sage nur S21-Schlichtungsverfahren und ruhigstellen, sich in die Enquete-Kommission embedden lassen.

    Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

  3. Das zeigt zwei Dinge: Politik ist vielleicht doch nicht ganz so beratungsresistent wie befürchtet. Und: die Netizens haben eine gewisse Schlagkraft bewiesen.

    Das Ergebnis fiel zwar positiv für uns Internet-Nutzer aus; das heißt aber doch noch nicht, dass wir als Community einen signifikanten Einfluss auf die Politik ausgeübt hätten, oder gibt es dafür einen Beweis?

  4. Das find ich gut. Denn auch wenn man ich gegen den jmstv bin, bin ich als werdender Papa nicht gegen Jugendschutz. Habt ihr da Ideen für ein Koop-Plattform/Think Tank?

  5. Politik ist vielleicht doch nicht ganz so beratungsresistent wie befürchtet. Und: die Netizens haben eine gewisse Schlagkraft bewiesen.

    Wer allen Ernstes glaubt, die jetzige Konstellation in NRW hätte auch nur irgend etwas mit der „Aufklärungskampagne“ der Experten aus der „Netzcommunity“ zu tun, hat die letzten Wochen und Monate wohl auf der „dunkelen Seite des mondes“ verbracht.

    Mein Vorschlag: Geh wieder ins Bett und träume weiter!

  6. Ich muß sagen, ich bin sehr positiv überrascht, und hätte nicht gedacht, daß man am Ende wirklich ein Stück weit auf IT-Experten und die Netz-Gemeinde hören würde.

    Aber es bleibt noch viel zu tun. Nachdem ein neuer JMStV-Entwurf nun bestimmt eine Weile auf sich warten lassen wird, müssen alle Anstrengungen darauf konzentriert werden, die von der EU geplanten Netzsperren zu verhindern. Der Erfolg hierzulande sollte als moralische Bestärkung gesehen werden, daß Netzpolitik im Sinne des Netzes, und nicht im alleinigen Sinne weltfremder, von der EU auch noch bezahlter Lobbies, tatsächlich möglich ist.

  7. Sehr nett fände ich, die Formulierung „Entwicklung oder Erziehung beeinträchtigen oder gefährden“ im alten JMStV endlich durch „nachweisbar beeinträchtigen oder gefährden“ zu ersetzen.

  8. Das rotzfreche Verhalten von Censilia bei der Anhörung die Tage in Brüssel zeigt, dass der Erfolg beim JMStV nicht auf eine allgemeine Einsichtsfähigkeit hoffen lässt. Die Förderung positiver digitaler Entwicklungen und Nutzungsverhalten wird weiter einhergehen müssen mit kreativem Widerstand gegen die Uneinsichtigen.

    Eine Kommissarin, die eine wichtige Anhörung verlässt und somit klar zeigt, wie „wichtig“ ihr die Gegenargumente sind, lässt weiter eine zukunfts-resistente Entscheider-Schicht offenbar werden, die nicht die Bohne vom Web und dem digitalen Zeitalter verstanden haben.

    Trotzallem bin ich verhalten positiv hinsichtlich den Entwicklungen in 2011.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/FDP-Netzpolitiker-kritisieren-EU-Haltung-zur-Vorratsdatenspeicherung-1149636.html

  9. Meiner Meinung nach sollte das Gesetz komplett in die Tonne getreten werden. Weshalb zeigt dieser Artikel von Telepolis über die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien recht anschaulich:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33801/1.html

    Aus heutiger Sicht kann man sich nur an den Kopf fassen was damals so als jugendgefährdend eingestuft wurde.

    Die einfachste Lösung fürs Internet ist: Internet ist ab 18 und wer Jugendlichen einen Internetzugang an die Hand gibt soll gefälligst selbst kontrollieren auf was die zugreifen.

  10. Da wird wieder deutlich. Wir bauchen einen Blogger-Dachverband der Lobbyarbeit betreiben kann. Ganz im Stil der Konzerne könnten wir so an Gesetzesentwürfen arbeiten und diese propagieren.

  11. @telefonlaie:

    Ich glaube trotzdem, auch dieser „politische Kindergarten“ wurde beeinflusst von fachkundigen Gegnern des JMStV. Sicherlich können sich diese Gegner nicht auf die Fahnen schreiben daß es allein ihr Verdienst ist. Trotzdem bin ich überzeugt, daß es mit hineinspielt in diese Entwicklung.

  12. Nur so ein paar Ideen:

    Meiner Meinung gehört zunächst mal auf den Prüfstand, was überhaupt „entwicklungsbeeinträchtigend“ ist und entsprechend dem Zugang von Jugendlichen entzogen werden sollte. Ich finde es z.B. höchst fragwürdig wieso Soft-Erotik (ich meine nicht Pornografie) für pubertierende Jugendliche entwicklungsbeeinträchtigend sein soll, die meiner Meinung nach menschenverachtende Zuschaustellung von Leuten wie in „DSDS“ und „Bauer sucht Frau“ aber nicht.

    Mehr Verhältnismäßigkeit: Einen lückenlosen Jugendschutz wird man nicht erreichen können ohne Maßnahmen zu ergreifen, die auch Erwachsene und Anbieter von nicht entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten erheblich einschränken. Ausserdem war es schon immer so, dass Jugendliche auf für sie nicht bestimmte Inhalte durch ältere Geschwister und Freunde Zugriff erhalten. Das wird man auch nicht ändern können. Das mit der Sendezeitenbeschränkung ist im 24 Stunden-WWW ausserdem ziemlicher Unsinn.

    Besserer Jugendschutz – aber auch mehr Eigenverantwortung der Eltern: Filterprogramme sind sicherlich sinnvoll für Eltern, die nicht wollen, dass ihrer Kinder Zugriff auf alles im Internet bekommen. Aber noch viel wichtiger sollte es doch sein, dass die Eltern selbst ihren Kindern beibringen, wie sie sich im Internet verhalten sollten. Und wie wäre es, wenn anstatt der Verpflichtung von Seitenbetreibern zur Kennzeichnung vielleicht Jugendverbände und auch Eltern selbst an der Erstellung von verschiedenen Listen beteiligt werden, die dann in Jugendschutzfilterprogramme integriert werden können – aber eben halt nicht müssen.

    Jugendschutz – aber keine Zensur für Erwachsene. Bereits jetzt müssen Erwachsene selbst ohne Kinder im Haushalt z.B. bei Sky eine Jugendschutz-PIN eingeben. Das ist kein Jugendschutz sondern Bevormundung obwohl viele Digitalreceiver bereits ein eigenes Jugendschutz-System besitzen, welches Eltern ermöglicht, den Zugriff auf bestimmte (oder alle) Sender einzuschränken.

    Wir sind nicht der Nabel der Welt: Durch eine Überregulierung im Jugendschutz macht sich Deutschland nicht nur international lächerlich sondern sorgt zugleich für verschlechterte Wettbewerbsbedingungen deutscher Unternehmen, die im Zweifelsfall einfach das Land verlassen.

  13. schön wenn es morgen so läuft wie angekündigt.

    18 Kommentare davon aber nur 2 die in Ansätzen fragen nach einem verbesserten Jugendschutz stellen. Ich habe Verständnis für Eltern die keine Ahnung vom Netz haben, ihren Kindern aber einen Computer hinstellen. Wie sollen diese Eltern den Kindern was vermitteln. Und ganz ehrlich, wenn ich 14 wäre könnten mir meine Eltern auch erzählen was sie wollten, ich würde sicher viel darum geben um an das eine oder andere Bild und anderen Film zu kommen.

    Meine Fachkenntnis reicht nicht aus um einen technischen Vorschlag zu machen. Aber kann man nicht verlangen, das Seiten die sich an Kinder wenden dieses Kennzeichen, damit ich auf meinen „Kinderrechner“ einen entsprechenden Filter einbauen kann. Also nicht alle in die Pflicht nehme, sondern nur die Anbieter von Seiten für Kinder und Jugendliche.

  14. Ich glaube auch, dass effektiver und sinnvoller Jugendschutz im Internet nur am Endgerät möglich ist. Von daher kann man mMn gerne vorschreiben, dass jeder Browser einen Jugendschutzfilter integriert haben muss, den man dann selbst (für seine Kinder) einstellen kann.

  15. Nun, meiner Meinung nach ist Jugendschutz generell für den A.

    Wer hat als Kind und Jugendlicher keine ab 18 Horror Filme gesehen? Wer hatte keinen Zugriff auf Porno Heftchen?

    Und trotzdem ist aus den meisten „etwas“ geworden.

    Was fehlt ist eine gute Aufklärung der Jugend und die Kompetenz mit kritischen Inhalten um zu gehen.

    Wenn den unbedingt Gesetzliche Medien Verbote her müssen dann doch bitte nur mit belegt Studien dass das verbotene wirklich Kindern der betroffenen Altersgruppe schadet. Bzw. überhaupt interessiert. Vor der Pubertät interessiert ein Kind doch keine Pornos. Das ist öde wie Sau. Und in der Pubertät oder danach? Ja sorry, aber da gehört das zum Leben. Ab 14 darf man legal mit anderen schlafen. Warum sollte man sich keine Bilder, Filme oder sonst was dazu ansehen dürfen?

    Ich war das erste mal irgendwann 96 im Netz. Da gabs auch schon derbe Pornobilder und ich war noch deutlich minderjährig. Die krassen Dinger habe ich gar nicht angesehen. Warum auch? Es gab viel schönere Bilder im Netz zu finden die besser zu den eigenen „Anforderungen“ passten.

  16. Ich finde nicht, daß Jugendschutz etwas ist, in das der Staat mit Gesetzen eingreifen sollte. Er kann beraten und Informationen zur Verfügung stellen, und das war’s. Ich bin auch der Meinung, daß es nichts bringt, wenn Eltern etwas verbieten oder blockieren – sie sollten besser ihren Kindern vermitteln, wie man mit solchen Inhalten umgeht, bevor sie sie aufs Internet loslassen. Dennoch haben Jugendschutzprogramme eine sinnvolle Anwendung: Die Technikkompetenz der Kinder zu erhöhen und sie in die Grundlagen von Hacking einzuführen…

    Wie sagte Mark Twain: Zensur ist, Erwachsenen Steaks zu verbieten, weil Babys sie nicht kauen können.

  17. Ich glaube weniger, das dies ein Ergebnis der Netzaktivisten war. Ich vermute eher, das in NRW parteipolitische Gründe eine wichtige Rolle gespielt haben – wäre die CDU dort noch an der Macht, hätte sie dem Vertrag wohl zugestimmt.

  18. [quote]Wie also sehen die guten Lösungen aus? Die Politik wird nun den Anspruch erheben, dass die Community sich an Lösungsvorschlägen aktiv beteiligen muss. [/quote]

    Jugendschutz muss wieder die Aufgabe der Eltern sein. Nicht noch einmal Zustände wie in der DDR wo der Staat einem vorschreibt was gut und was schlecht ist.
    Auch nicht diese verlogene Doppelmoral der Amerikaner was Sex angeht.
    Die Eltern sollten selber genau wissen was sie ihrem Sprößling zumuten können und was nicht. Alles andere ist Bevormundung und meinen Nachbarn geht es nichts an ob mein Kind mit 5 schon Bambi sehen kann oder immer noch Flipper schauen muss. Und da sind eben die Eltern gefragt sich nicht aus ihrer Verantwortung zu stehlen.

    Was die Abstimmung betrifft, ich glaube erst dran wenn es wirklich durch ist. Denn eins ist bei Politikern sicher – das nichts sicher ist. Die stimmen auch noch dem größten Scheiß zu.

  19. @murry:
    Im Grunde würde ich dir (und anderen) zustimmen, Kinder (!) gehören Eltern-Überwacht und Jugendliche sollten einfach mal klar kommen, das Internet möge default Ab18 sein.

    Aber ich möchte gerne, dass auch in Zukunft Kinder auch in der Schule ungehindeten Zugang zum Internet haben und den Umgang damit erlernen können.
    Bei Grundschülern sehe ich noch die Möglichkeit, dass man eine geringe Anzahl an Computern pro Klasse hat, die sich einigermaßen kontrollieren lassen.
    Junge Leute im Alter zwischen 11 und 14 würde ich ungern so einschränken, die müssen auch mal alleine ein Thema recherchieren können… und jenseits der 14 finde ich müssen sie mit dem großen bösen Internet einfach zurecht kommen…
    Ich weiß überhaupt nicht warum SoftPorn überhaupt jugendgefährdend oder entwicklungsbeeinflussend ist, Sex ist weder unnatürlich noch gefährlich (naja) noch verwerflich oder sonst was. Bei Hardcore sehe ich das ein bisschen anders. Nicht wegen der detailierten Darstellungen (damit kämen Kinder glaube ich zurecht, Mamis Titten haben sie auch schon genuckelt), sondern weil harter Porn oftmals einfach sexistisch und frauenverachtend ist und da befürchte ich tatsächlich dass Kinder nicht mehr ausreichend zwischen Fiktion/Schauspiel und Dokumentation unterscheiden.

    Steve Gates Vorschlag finde ich hingegen interessant, zunächst erschien mir das erstellen von Listen als viel zu große Aufgabe. Aber gerade viel mir ein, dass das bei AddBlock+ ganz ausgezeichnet funktioniert, es gibt einfach ein paar Listen, die von verschiedenen Leuten gepflegt werden (woher auch immer die ihren Input jeweils haben) und das funktioniert ja alles ganz ausgezeichnet.
    Ich sehe kein Problem darin auch in Sachen Jugendschutz ähnliche Filterlisten, positive wie negative zu führen und Eltern können sich aussuchen welche Listen sie importieren, die „offizielle Liste der Jugendverbände Foo“ oder Liste von „Eltern gegen Gewalt“ oder die von „Mein Kind ist noch zu jung für Titten“ oder die allgemein gemischte Liste „für Kinder unter 12“ oder eben eine Kombination… ich glaube das könnte funktionieren.

    Meine erste Idee war aber nun einfach die Sache zu drehen, anstatt dass man grundsätzlich kennzeichnen muss muss jemand anderes beantragen dass man kennzeichnen möge… wer das ist würde ich nicht beschränken (wie im Wettbewerbsrecht). Möchte sich der Anbieter des Angebots gegen diese Kennzeichnung wehren obliegt es dem Antragsteller ein entsprechendes Gutachten (seitens der FSK oders) zu finanzieren (meinethalben kann man das auch 50/50 machen, dann haben beide Seiten ihre Hürde, der Antragsteller es durch zu boxen und der Content-Anbieter lehnt genausowenig „pauschal“ ab, man wird vielleicht verhandeln welche Grenze angebracht ist). Das würde den gesamten Aufwand massiv reduzieren, der allergrößte Teil aller Seiten müsste erstmal nichts tun und nur wenn irgendwer meint da sei was im Busch dann passiert überhaupt was. Und wenn der „angezeigte“ einsichtig entstehen auch keine relevanten Kosten, die entstehen nur im Streitfall.
    Ob der Plan gut ist hängt imho davon ab, was so ein Gutachten kosten würde…

    Aber ich versteh das hier eh gerade eher als Gehirngestürm

  20. Gibt es eigentlich schon ein vergleichbares Gesetz was auf EU-Ebene auf uns zurollt?

    Desweiteren glaube ich auch nicht, dass die Parteien auf die Netz-Community und die Experten gehört haben. Hier muss eine andere Strategie dahinterstecken.

  21. Wie immer hilft ein Blick in das reale Leben: Gibt es einen Zaun mit Passkontrolle rund um die Reeperbahn oder die Herbertstrasse? Oder gibt es in Amsterdam einen Schlagbaum, der einem Kind den Eintritt in die entsprechenden Rotlichtviertel verbietet?

  22. Die Schwierigkeit, einen vernünftigen Lösungsvorschlag zu erarbeiten liegt darin, daß schon das zugrunde gelegte Problem gar nicht existiert.

    Es wird vorausgesetzt, daß Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung gestört werden können, indem sie mit bestimmten Medieninhalten konfrontiert werden. Allerdings ist das eine völlig willkürliche Vermutung.

    Weltweit ist kein einziger Fall bekannt, in dem ein Jugendlicher eine Entwicklungsstörung erlitten hat, weil er Texte gelesen oder Bilder angesehen hat, die jemand seinem Alter unangemessen findet.

  23. Zu wenig konkrete Ideen hier. Zu viel Geschwafel. Daher möchte ich meine Idee hier mal rein kippen:

    Das Internet sollte wie jeder andere öffentliche Raum behandelt werden. Auch im öffentlichen Raum gibt es Bordelle, Ghettos, etc. Aber niemand wird auf die Idee kommen sein Kind in solchen Gegenden rum laufen zu lassen. So wie die Tür der Wohnung ein Weg zum öffentlichen Raum ist. So ist es auch der PC mit Internet.

    Eine grundsätzliche Regelung nach dem Motto: Internet erst ab 14 / 16 / 18 (?) halte ich für gar nicht so dumm, WENN gleichzeitig eine staatliche Whitelist erstellt wird. Ich denke es ist ein überschaubarer Aufwand, eine Behörde ein zu richten, bei der sich Anbieter von Kinder- und Jugendkontent melden können, nach Prüfung in diese Liste kommen und durch ein eigenes Zertifikat und Browser Plugin somit ein neues Kinder-Netz zu schaffen, anstatt das bestehende Netz zu beschneiden. Gleichzeitig könnte die Behörde von sich aus die beliebtesten Seiten (Bsp. Wikipedia) prüfen und somit die Liste schneller erweitern.

    D.h. Es muss klar kommuniziert werden, dass Kinder nicht unbeaufsichtigt im Internet surfen dürfen. Es sei denn, die Eltern installieren sich entsprechendes Plugin, mit dem (wenn aktiviert und auf entsprechendes Alter eingestellt) sichergestellt ist, dass ihre Kinder sich nur in entsprechenden Bereichen aufhalten.

    Pros:
    – keine Einschränkung für Erwachsene
    – überschaubarer Aufwand im Vergleich zu bisherigen Ideen
    – Erschaffung eines neuen Angebots anstatt dem beschneiden von Bestehendem

    Contra:
    – Keine Wirkung bei Familien, deren Eltern sich nicht für Jugendschutz interessieren
    – Keine Wirkung wenn nicht ausreichende kommuniziert oder reglementiert wird, dass das Internet erst ab einem bestimmten Alter zugänglich ist
    – anfänglich stark eingeschränktes Angebot, bis der Service sich etabliert hat und genug Seiten in der Whitelist stehen

  24. Bringt fellow passenger nicht ganz. Er hat zwar in dem Punkt recht, dass es nicht bewiesen ist. Das beweist aber noch lange nicht das Gegenteil.

    Und jeder der Kinder hat, dem dürfte auch ohne wissenschaftliche Studie klar sein, dass sie die ganze Zeit lernen, nachahmen und Gesehenes als Normal in ihren Gebrauch aufnehmen. Simpelstes Beispiel ist das Nachplappern von „frechen Titulierungen“ die die Mamma zum Pappa sagt.

    Ich halte es für gefährlich nur mit der Begründung durch die Abwesenheit von Studien, die eine Schädigung beweisen, auf das Gegenteil zu schließen.

    Die selben Leute predigen, dass die Eltern ihre Kinder vernünftig erziehen sollen. Aber die Erziehung beginnt und endet nicht zu bestimmten Tageszeiten oder bei Umgang mit den Medien, sondern hält dauerhaft an.

    Selbst einige Erwachsene sind nicht helle genug, sich gewisser Propaganda und Demagogie zu entziehen. (siehe Bildzeitungsleser) Wie kann man ernsthaft glauben, dass Kinder dazu in der Lage sind zwischen sinnvollem und sinnlosem Content zu unterscheiden?

  25. Ja das wra klar, dass nach dem glücklichen Scheitern des JMSTV die Arbeit trotzdem bleibt. Wir müssen uns weiterhin aktiv für den Jugendmedienschutz einsetzen und die Politik muss endlich das Internet als solches begreifen.

    @GrauDenker Netter Ansatz, gibt es in ähnlicher Form ja schon mit dem Plugin WOT. Hilft aber alles nicht, wenn nicht alle Webseiten-Betreiber oder User mitmachen, bzw. auch nicht alle Eltern mitmachen. Viele Eltern parken halt einfach ihre Kids vor dem PC, wie früher vor dem Internet.

  26. Genau da muss ja das Umdenken ansetzen. Früher vor dem Fernseher (ich nehm an, das meintest du) mag das geklappt haben, da nur wenige Leute Sender waren. Das sinnvollste war da, diese wenigen Sender zu kontrollieren und für den Jugendschutz zu bewerten. Im Internet ist jeder Empfänger auch potentieller Sender. Man kann nicht jede (sich ständig verändernde) Seite kontrollieren. Aber das muss man bei einer Whitelist auch gar nicht. Seiten, die als Zielgruppe eh keine Kinder oder Jugendliche haben, würden gar nicht geprüft und einfach nicht auf die Whitelist kommen. Es muss also nicht jeder mit machen. Es wird niemand zensiert oder erhält Mehraufwand. Es ist lediglich ein zusätzliches Angebot.

    Nicht die Ü18 Seiten auf eine Blacklist setzen, sondern die Seiten mit Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe auf eine Whitelist setzen. Ein neues paralleles Angebot schaffen, eine Teilmenge vom Internet und das alte unangetastet lassen.

  27. „Politik ist vielleicht doch nicht ganz so beratungsresistent wie befürchtet“

    Kann ich leider nicht bestätigen. Bei Reformen im Strafrecht zeigt sich diese Beratungsresistenz ständig.
    Dieser Erfolg ist eher ein Scheinerfolg, nach dem Motto: “ Aufgeschoben ist nicht aufgehoben “ und sollte eher im Zusammenhang mit der Ablehnung der Hartz IV „Reform“ zu sehen sein, die rot/grün morgen – zusammen mit der Linkspartei – morgen im Bundesrat abschmettern.

    “ Sendezeiten im Internet festzulegen um Kinder und Jugendliche zu schützen „, klingt so als ob die Leute aus Schilda ihre Finger im Spiel haben.

    Vielleicht fordet bald noch jemand, daß man bestimmte Bücher erst nach 23.00 Uhr lesen darf.

  28. \“Das zeigt zwei Dinge: Politik ist vielleicht doch nicht ganz so beratungsresistent wie befürchtet.\“

    Kurze Gegenrede.

    Dank gilt allen Aktiven die sich mit dem Thema JMStV auseinandergesetzt haben. Man benötigt Frustrationstoleranz um Politik(er) zu überzeugen.

    Leider reichen Argumente nicht aus, gerade bei Sachverhalten die etwas komplizierter sind.

    Der JMStV ist nur gescheitert weil CDU/FDP in NRW der Regierung eine Niederlage beibringen wollten.

    Das hat nichts mit \wir haben verstanden\ oder \nach Prüfung der Fakten sind wir zu einem anderen Ergebniss gekommen\ zu tun.

  29. Es ist leicht reden davon, dass die Medienkompetenz geschult werden soll und dass das neue Gesetz wegen seiner Reglementierungen und schlechten Umsetzbarkeit eh nichts war.
    Man schüttet damit meines Erachtens das Kind mit dem Bade aus.

    Sperrvogel und Graudenker bringen meines Erachtens gute Beiträge zum Thema. Was kann man denn sinnvolles innerhalb des Netzes entwickeln?
    (Denn es ist ja richtig: Was poppt da nicht alles auf und wird durch – scheinbar sachlich gemeinte – Artikel beworben?!)
    Ich fände es gut, so ein bisschen in die Richtung von Graudenker denkend, wenn es einen freiwilligen \Altersgruppenservice\ von Seiten gäbe, die verschiedene Altersgruppen oder dezidiert Jüngere ansprechen wollen.
    Diese könnten sich durch einen solchen Service als Portale präsentieren, denen die Frage nach \passenden\ Inhalten für die jeweilige Adressatengruppe wichtig ist.
    Klar ist das ein Extraaufwand, aber das würde manche Seite doch sehr positiv herausheben aus dem Strom der vielen, die sich durch eine undifferenzierte Mischung aus Eigenwerbung, Fremdwerbung und sachlichen Informationen \auszeichnen\.
    Wenn es dazu noch eine Software bzw. Scripts gäbe sowie verschiedene Standards entwickelt würden, die den Seitenbetreibern die Arbeit erleichetn würden, wäre das m.E. ein echter Gewinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.