Der Quellcode des Open-Source Social Networks Diaspora wurde heute Nacht veröffentlicht.
Diaspora soll das privatsphären-sensible, persönlich kontrollierte, einmal alles, bitte!, open source Social Network (SN) werden. Damit berührt Diaspora alle hauptsächlich vorgetragenen Kritikpunkte an SN-Riesen wie Facebook.
Während Nutzer von Facebook per default einer groß angelegten kommerziellen Nutzung ihrer Daten zustimmen, und in ständiger Sorge sein müssen, dass sie irgendwelche zufällig über die Seite verteilten Häkchen zum Schutze ihrer Privatsphäre übersehen haben, sollen Diaspora-Nutzer eine zentrale Kontrolle über Ihre Daten bekommen, und die Daten selbst dezentral verteilt werden (daher der Name).
Ähnlich wie beim freien Blog-System WordPress sollen eigene Installationen, aber auch das Wahrnehmen von Hosting-Angeboten wie WordPress.com möglich sein. Der privatsphären-sensible Nutzer setzt also kurzerhand seine eigene Diaspora-Installation auf und hat dann über ihre Funktionen volle Kontrolle. Die Daten liegen auf dem eigenen Server, und der Quellcode ist vollständig bekannt.
Häh, was soll ich denn mit meinem eigenen Social Network? Die ‚eigene’ Installation wird in keiner Form abgeschnitten sein von allen anderen: Wie in jedem Social Network stehen alle Nutzer als potenzielle Freunde zur Verfügung. Das notification-Konzept kann man sich ähnlich vorstellen wie das der Trackbacks bei Blogs, oder XMPP bei jabber, die auch unabhängig vom jeweiligen Server sind. Selbstverständlich soll bei Diaspora alle Kommunikation verschlüsselt stattfinden.
Der Funktionsumfang von Diaspora soll außerdem beliebig durch Module erweiterbar sein. Das lässt auf viele sinnvolle, aber auch sinnlose zukünftige Features hoffen. Hier wird der Nutzer aber die Wahl haben.
Entwickelt (übrigens in Ruby) wurde Diaspora von Daniel Grippi, Maxwell Salzberg, Raphael Sofaer und Ilya Zhitomirskiy. Die vier wollten sich 3 Monate ihrer Vollzeitarbeit über die crowdfunding-Plattform Kickstarter finanzieren lassen. Dafür strebten sie sparsame $10.000 an, und bekamen sage und schreibe $200.641. Diese hohe Nachfrage lässt auch auf die zukünftig zu erwartende Nutzerbasis schließen, die bei Social Networks der alles entscheidende Punkt ist.
Glücklicherweise liegt dieser wichtige Aspekt zumindest teilweise in unserer Hand. Das Argument, dass man bei Facebook oder einem anderen kommerziellen Anbieter sei, weil es eben keine Alternative gebe, gilt nicht mehr wenn Diaspora an den Start geht.
So weit ist es aber leider noch nicht: Heute wurde nur der Quellcode offengelegt. Interessierte können über github die Entwicklung verfolgen oder daran teilhaben. Ein „richtiger“ Alpha-Release ist für Oktober geplant. Bis dahin möchte man die Funktionen „Facebook Integration“, Internationalization und Data Portability eingebaut haben. Diaspora steht unter der GNU AGPL-Lizenz.