Cisco: Ende der Netzneutralität wäre gut

Christian Korff, verantwortlicher Europa-Direktor für die technologische Strategieentwicklung bei Cisco hat sich im Interview mit futurezone für ein Ende der Netzneutralität ausgesprochen. Mit diesem Ausschnitt ist schon vieles gesagt:


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FUTUREZONE: Und deshalb wäre das Ende der Netzneutralität für Cisco gut – weil Sie dann neue Hardware verkaufen können.

Korff: Es wäre nicht nur für Cisco gut, sondern auch für die Bürger, weil eine leistungsgerechte Abrechnung erfolgen würde. Damit kann man sicherstellen, dass die Leistung dem zugute kommt, der sie erbringt. […]

Ein Großteil der Hardware, die für Internet-Backbones genutzt wird, stammt von Cisco. Jetzt will Cisco wohl mal wieder neue Produkte an den Mann bringen.

Das vollständige Interview kann man hier nachlesen.

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20 Kommentare
  1. Das aus dem Mund eines Vertreters eines Unternehmens zu hören, der mit Netzwerktechnologien Geld verdient, finde ich bedenklich.

    Auf Grund der Marktstellung kann Cisco nun Technologien forcieren, die die Netzneutralität unterwandern können: „Das ist ja ein tolles feature, das probieren wir aus.“ Und so geht es dann vorwärts…

  2. Ich frage mich nur immer wieder: warum für altes mehr verlangen und nicht einfach etwas neues entwickeln, für das alle gerne zahlen? Ich meine diese Firmen wollen natürlich ihre Erträge unabhängig ihres Erfolgs steigern, aber irgendwann ist das einfach ausgereizt.

  3. „Ein Großteil der Hardware, die für Internet-Backbones genutzt wird, stammt von Cisco.“
    Korrekt.
    „Jetzt will Cisco wohl mal wieder neue Produkte an den Mann bringen.“
    Auch korrekt, aber das will Cisco immer.

    Und alle Produkte die Cisco, Juniper, Huawei, extreme Network, HP, …. am Markt haben verfügen _heute_ bereits über jedwede Notwendigkeit „zum beenden der Netzneutralität“.

    Ein Beispiel:
    Kunde kauft Flatrate mit 2MBit/s downstream bei Provider $H, eine echte flatrate, alles super, aber langsam.
    Der Provider bietet nun an das man mit einem anderen Login anstatt 2Mbit/s satte 16Mbit/s nutzen kann, dies allerdings dann nicht als Flatrate sondern per Minutenabrechnung.

    Das Beispiel ist beliebig änder- und ausweitbar (wenn auch nicht komfortabel wg. immer neu einwählen) und bereits auf dem Markt gewesen in Hamburg …
    Hat sich nicht durchgesetzt und Kunden hatten das mit dem unterschiedlichen Login nicht hinbekommen so das sich beschwerden wegen Wucherrechnungen häuften und man es einfach sein gelassen hat die Option zu bewerben.

    All die feuchten Fantasien der Medienkonzerne und PLattenfirmen und was auch immer (inkl. BigTelco) die Trommel gegen Netzneutralität schlagen sind heute bereits technisch möglich.
    Komplett ohne Neuanschaffung jedweder Hardware.
    Lediglich umkonfigurieren wäre dazu notwendig …

  4. ja super! das was sie groß gemacht hat….
    irgend wie hab ich langsam keinen bock mehr auf den ganzen scheiß. sollns doch machen was sie wollen. irgend wie kommt mir das alles vor wie ein schlechter sci-fi…. was haben die eigentlich alle für ein scheiß problem mit meinungen und offenem internet? was ist eigentlich soo verflucht schlecht an der realität und an der wahrheit, daß sie alle weg haben wollen?
    und ein hardware-hersteller, was geht den eigentlich überhaupt das alles an? soll seinen mist verkaufen und gut. soll er sich doch freuen. aber is halt auch eine ami-firma. so langsam zeigt sich das gesicht des ganzen. und vor 10 jahren haben mir leute gesagt, ich sei paranoid. heut weiß ich, ich hab einfach nur recht und ihr auch.

  5. Kann mir bitte jemand erklären, was das Ende der Netzneutralität für mich als Endnutzer für Auswirkungen haben würde – oder einen Artikel zu verlinken, der sich mit den Folgen beschäftigt?

  6. @7: Sagen wir mal du hast ein Hobby wie hmmm… Netzpolitik. Da das kein Kommerzthema ist und sich damit kein Geld verdienen lässt, können sich die Betreiber es nicht leisten schnelle Leitungen zu mieten. Die hast du mit deiner Flatrategebühr und der Betreiber mit seinen Hostinggebühren zwar schon bezahlt, aber die Provider würden jetzt gern nochmal kassieren und erledigen dies durch die Steuerung des Traffics. Deshalb werden Anfrage auf die Seite über „Schleichwege“ geleitet und multimediale Inhalte sind entsprechend lahm. Und wenn man einmal mit Steuern angefangen hat, kann man natürlich diese Steuerung auch für Geisterfahrten, Umleitung und Streckensperrungen nutzen.

  7. Juhu,

    Cisco plädiert für eine Innovationsbremse bezüglich der Inhalte.

    Die großen Kommerziellen Web-Firmen begannen – wie jeder weiß – zum großteil als vollkommen unbekannte, kleine Ideen welche sich ohne Netzneutralität, meiner Einschätzung nach, schwer durchgesetzt hätten, da entsprechende Investitionen für Kapazitäten auch zu überzeugende Investoren vorraussetzten.

    Eine fixe Idee die strukturellen Probleme unserer (auch meiner Einschätzung nach) dysfunktionalen Marktwirtschaft (darüber lässt sich streiten, ich weiß) auf das Netz zu übertragen ..

  8. Viel schlimmer find ich folgende Aussage:

    FUTUREZONE: Internet-Provider könnten diese Technologie einsetzen, ohne dass Endkunden Einfluss darauf haben.

    Christian Korff: Das ist keine technologische, sondern eine politische Diskussion. Sie zeigt auf, dass das Internet kein Allgemeingut ist.

    Will er damit den Status Quo beschreiben oder ist das seine Wunschvorstellung?

  9. „Will er damit den Status Quo beschreiben oder ist das seine Wunschvorstellung?“

    Herr Korff leitet aus dem Bestehen einer politischen Debatte (gibt es die?) ab, dass das Internet kein Allgemeingut sei.

    Der Wiederspruch in seinem Denkkonstrukt ist, dass eine Debatte Meinungspluralität über den betreffenden Kasus voraussetzt.

    Merke: Wunschtraum durch ein fieses rethorisches Mittel als Status dargestellt.

    Wenn man den Rest der Auswürfe auf diese Art analysiert bekommt man noch mehr lacher ..

    Besteht intresse? Wir könnten das ganze aufarbeiten. =)

  10. Ein Beeinflussen der Netzneutralität in Unternehmen macht durchaus Sinn, es sorgt dort für eine Effizientere Nutzung. Jeder der einen egoistischen P2P-Mensch in seinem Netzwerk hat kann das Nachvollziehen wenn er die Gesamte Bandbreite für sich beansprucht.Die Lösung kann und ist hier ein technisches und macht auch Sinn.

    Sieht man das Internet als ganzes würde dies auch Sinn ergeben. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn eine Gerechtigkeit ist dort nicht so Simpel zu Entscheiden wie in den eigenen vier Wänden. Daher besser Netzneutralität.

    Ich bin daher für ein Ausbau der Netzwerke, wenn dies an die (physikalischen) Grenzen kommt kann man immer noch über das Einführen einer Netzneutralität diskutieren. Alles andere hätte entschieden werden sollen bevor man jedem Anwender eine Flatrate verkauft.

  11. @wurstfinger

    Dem grünen Antrag zur Wahrung der Netzneutralität kann man einiges entnehmen:
    http://www.gruene-bundestag.de/cms/initiativen/dok/361/361298.antrag_netzneutralitaet_in_europa.html

    Alle, die in Zukunft datenintensive Seiten selber hochziehen wollen, werden betroffen sein.

    Als Endnutzer: weniger Vielfalt — alternative Suchmaschinen wie Ecosia können sich nicht leisten, extra an die Provider für die Priorisierung zu bezahlen. Suchanfragen dauern dann halt drei mal so lang wie bei Google [http://nk10.de/946] Heißt: bestehende Markt- und Meinungsmacht wird weiter verfestigt.

    Just my green 2 cents,
    Sebastian

  12. Nur mal so eine Zwischenfrage:

    Wer ist eigentlich Linus Neumann? Der neue Netzpolitik-Praktikant, den man vor einiger Zeit suchte?

    Wenn ihr hier schon jemand über das sensible und wichtige Thema Netzneutralität schreiben lasst, dann sollte derjenige sich bitte auch mit den realen Marktgegebenheiten auskennen und nicht nur mit puren und dazu noch falschen Vermutungen argumentieren:

    „Jetzt will Cisco wohl mal wieder neue Produkte an den Mann bringen.“

  13. @ Otzeklotz:

    Ich hielte es für übertrieben, bei jedem Interview, das irgendeine Flachpfeife (und sei sie auch von Cisco) zu dem Thema gibt, jedes Mal das komplette Dossier Netzpolitik wieder herunter zu leiern, so lange sich nichts neues auf dem Feld getan hat – auch wenn ich weiß, dass damit die Kompetenz einiger weniger Leser überschätzt wird.

    Netzpolitik.org hat das Thema Netzneutralität wohl kaum vernachlässigt. Gerne bist du eingeladen, von den Tags oder der Suchfunktion Gebrauch zu machen.

    http://www.netzpolitik.org/author/linus/?s=Netzneutralität
    http://www.netzpolitik.org/tag/netzneutralitaet/page/1/
    http://www.netzpolitik.org/tag/netzneutralitaet/page/2/
    http://www.netzpolitik.org/tag/netzneutralitaet/page/3/
    http://www.netzpolitik.org/tag/netzneutralitaet/page/4/
    http://www.netzpolitik.org/tag/netzneutralitaet/page/5/
    http://www.netzpolitik.org/?s=Netzneutralität+usa

  14. @Linus Neumann:

    Warum war dir dann dieses Interview mit „irgend einer Flachpfeife“ von Cisco überhaupt einen Artikel wert? Und wo besteht jetzt eigentlich konkret der inhaltiche Zusammenhang zwischen deinem und meinem vorangegangen Kommentar?

    Die Kritikfähigkeit der Autoren lässt in letzter Zeit sehr zu wünschen. Stattdessen versucht man leider all zu oft, kritische Stimmen als inkompetent oder trollig darzustellen. Beides ist einer sachlichen Debatte wohl kaum dienlich.

  15. @Otzelotz

    „Stattdessen versucht man leider all zu oft, kritische Stimmen als inkompetent oder trollig darzustellen. Beides ist einer sachlichen Debatte wohl kaum dienlich.“

    das sagt der, der ….

    „Wer ist eigentlich Linus Neumann?“

    fragt …

    ______

    nur mal so, hat cisco das internet erfunden?
    ich denke nicht, mag sein das die gute geräte haben, ist aber nicht alles…
    aber, wenn die politik machen wollen, sollen die sich als partei aufstellen und neben, unter der fdp antreten.

    „Sie zeigt auf, dass das Internet kein Allgemeingut ist.“

    sauerstoff auch nicht? würde einigen mal bei cisco gut tun ;)

    „Korff: Es wäre nicht nur für Cisco gut, sondern auch für die Bürger, weil eine leistungsgerechte Abrechnung erfolgen würde.“

    auch hier, sollten die mal nicht vergessen, das der bürger auch für seine anbindung zahlt, somit auch cisco bezahlt ;)

    wenn ich das richtig sehen, wollen die zurück in die steinzeit, wo es keine flat´s mehr gibt.
    isdn oder so…
    oder was hat eine flat, wo die datenmenge egal ist, mit netzneutralität zu tun?

    „Korff: Die Preise der Internet-Provider für Endkunden sind sehr knapp kalkuliert, meiner Meinung nach sogar zu knapp, um zukünftige Investitionen in die Netz-Infrastruktur zu tätigen. Deshalb unterstützen die Provider den Verfall der Netzneutralität.“

    aua *facepalm*

    mal sehen, welche preise hat die telekomm für den endkunden und welche preise die anderen provider?
    wer hat hier die preise gedrückt und wer die leitungen ausgebaut?
    und was hat das mit der netzneutralität zu tun?
    heult euch bei den providern aus und nicht beim endkunden, der sich jetzt auch noch „nackelich“ machen soll und dafür bezahlen.

    ;)

    *kopfschüttel*

    bisher dachte ich, die von cisco haben was in der birne….

    danke linus für die info ;))))

  16. Die Gefahr, die ich beim Ende der Netzneutralität sehe, ist ebenfalls das Ende der Wertneutralität einer jeden Person.

    Zugang zu freier Bildung wird wohl das nächste Opfer sein.

    Was die ISPs wollen, ist die Zweiklassierung von Internetanschlüssen:
    Erste Klasse: Hohe Preise, hoher Throughput, niedrige Latenz
    Zweite Klasse: Niedrige Preise, die Throughputreste, hohe Latenz.
    Man sieht das schon sehr gut bei allen Filehostern. Mich schauderts, wenn es genauso aussehen würde beim Aufbau von Verbindungen.

    Netzneutralität = Gleicher Bildungszugang für Alle.

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