Afrika-Tage bei Netzpolitik und Spreeblick

Vor einigen Tagen murmelte Markus beiläufig (wir waren beide gerade in das Schreiben von Artikeln vertieft) irgendetwas von „Mist, da kann ich nicht. Hast du Bock nach Afrika zu fliegen?“ In Gedanken versunken antwortete ich „Klar…“ und maß dem aber erstmal keine weitere Bedeutung bei.
Nun bin ich vor einigen Stunden in Lesotho gelandet. Das als Enklave in Südafrika liegende Königreich Lesotho gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und hat mit 29% HIV-Infektionen (Stand: 2003, Tendenz natürlich steigend) eine der höchsten Quoten weltweit. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt hier unter 50 Jahren.


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Angereist bin ich mit einer Hand voll Blogger aus Spanien, Frankreich, Kanada, USA und Deutschland. Mit dabei ist auch Kathrin Kaufmann, die für Spreeblick von der Reise berichten wird. In den nächsten Tagen werden wir uns hier Hospize, Kranken- und Waisenhäuser ansehen – und hoffentlich auch ein paar ermutigende Dinge erleben. Das zumindest hat der Global Fund uns in Aussicht gestellt, der uns hier einen Einblick in die Entwicklungshilfe und darüber hinaus verschaffen möchte.

Für Netzpolitik werde ich mich hauptsächlich bemühen, die Rolle von Patenten im medizinischen Bereich und Strategien zur Verhinderung von Korruption zu ergründen. Das alles lässt sich natürlich nicht gesondert von den gesellschaftlichen Bedingungen betrachten, deshalb wird es hier in den nächsten Tagen (wie auch drüben beim Spreeblick) eine Art „Afrika-Tage“ geben, bei denen wir auch mal ein bisschen über unsere klassischen Themen hinausblicken – aber natürlich ohne diese aus den Augen zu verlieren, versprochen!

Außerdem werde ich ein paar mehr Photos, als hier in die Artikel passen, in meinem Blog posten. Nach einem kleinen Spaziergang habe ich das heute zum Beispiel schon gemacht. Neben mir für Netzpolitik berichten Catherine Connors (her bad mother), Monique Griffin (yes I am my sisters keeper) und, wie schon erwähnt, Spreeblick (die spanisch- und französisch-sprachigen liefere ich nach).

Alle Fotos CC-BY Linus Neumann

20 Kommentare
  1. Na dann poste ich doch schnell einen Fernsehtipp, der gerade aus dem auslandjournal gefallen ist:
    Schmutzige Schokolade, 06.10, Zeit bitte selber checken, zum Thema verschleppte Kindersklaven auf Kakao Plantagen an der Elfenbeinküste und die Verantworungslosigkeit der Grosskonzerne … mal wieder eine ganz bittere Nummer …

  2. Interessant, mal ein ganz anderes Thema. Gibt’s da auch Netzsperren?
    Und etwas ernsthafter: Wie hoch ist der Anteil der Bevölkerung, der überhaupt Internetzugang hat? Und wie sieht’s on- und offline mit Meinungs- und Pressefreiheit aus?

  3. Ist bestimmt viel interressanter mal spontan zu den N… reisen als Nachrichten von jemand vor Ort via Internet zu lesen.

    Und ueberhaupt liegt Netzpolitik das Land Lesotho schon seit Jahren am Herzen.

    29% HIV-$foo++ Stand 2003 m-(

    Wenn die Hilfe brauchen dann bestimmt keine deutschen Blogger.

    Wird die Reise durch Spenden finanziert?

  4. @3 – das von dir gepostete Problem halte ich in der Tat für weniger bedeutsam. Die Afrika-Berichterstattung wird aber in keiner Form zu Lasten der üblichen Themen gehen.

    @4 – Ich werde das in Erfahrung zu bringen. Danke für die konstruktive Anregung!

    @5 – Kommentare von anonymen Trollen, die das N-Wort denken, und wahrscheinlich nur durch jahrelange autoritäre Erziehungsbemühungen dazu gebracht werden konnten, es nicht auch noch auszusprechen, werde ich geflissentlich überlesen.

  5. Wieso finanziert der Global Fund anscheinend wahllos irgendwelchen Bloggern eine Reise nach Afrika?

    Das soll jetzt nicht abwertend klingen, aber ich verstehe die Intention dahinter nicht. Gut, offensichtlich haben sie sich reichweitenstarke Blogs herausgesucht. Aber ein Blog mit dem Thema Netzpolitik in einem Land, welches ganz offensichtlich massive andere Probleme als die Netzpolitik hat? Ich würde lügen wenn ich schreiben würde, dass ich mich auf die Afrikaberichterstattung freue. Sicher ist die Thematik wichtig, aber sie geht irgendwie ziemlich am Blogthema von Netzpolitik vorbei…

  6. @Karpatenhund:

    geht irgendwie ziemlich am Blogthema von Netzpolitik vorbei…

    Abgesehen davon, dass es durchaus thematische Berührungsunkte gibt …

    (Dieses Blog ist aus Markus‘ Reise zum WSIS entstanden, das war ein Gipfeltreffen der UN, in dem es nicht zuletzt um die Überwindung der digitale Spaltung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ging. Weitere Themen, die mir einfallen wären Patente/Urheberrecht (Saatmittel, übrigens eines der Themen beim, laut Wikipedia UNO nahen, Global Fund, wie ich gerade lese), die OLPC-Initiative, usw.),

    … könnte vielleicht genau das die Intention der Initiatoren sein:

    Nämlich das Thema und die Problematik auch einmal Leuten vorzustellen, die sich nicht aktiv für Afrika interessieren. So ein von aussen motivierter Blick über den Tellerrand soll ja manchmal nicht schaden.

    Und falls sich die Freude bei dir auch weiterhin in Grenzen halten sollte: Einfach nicht lesen, klappt wunderbar.

  7. @Jörg-Olaf Schäfers:

    Derartige Berührungspunkte sind aber schon sehr weit hergeholt. Weil Markus zum WSIS gefahren ist, bei dem es unter anderem um die Überwindung der digitalen Spaltung zwischen Industrie- und Entwicklungsländer ging, sollen thematische Berührungen bei einer Reise bestehen, die mit digitalen Problemen oder der Netzpolitik nichts zu tun hat, sondern bei der es um Probleme im Vorfeld geht? Also bitte. Das ist so, als würde man behaupten, die Geschichtsforschung über die Steinzeit hätte etwas mit der Weiterentwicklung in der Feinmechanik zu tun, weil mit der Erfindung des Rads die Grundlage für die Entwicklung den Zahnrads geschaffen worden wäre.

    Am ehesten würde ich noch sagen, dass Patentrechte einen Berührungspunkt bilden würden, insbesondere die Frage nach Medikamenten/Generika. Aber selbst das berührt wohl das Feld von Netzpolitik nicht, weil es eben ein komplett anderes Themengebiet ist. Natürlich müsst ihr wissen, welche Schwerpunkte ihr hier im Blog setzen wollt; Mit „Netzpolitik“ oder den in „Über dieses Blog“ genannten Themen hat das aber wenig zu tun.

    Natürlich kann man sagen, dass Netzpolitik den Lesern gerne auch andere Probleme ans Herz legen würde. Das ist ein legitimes Ziel (Auch wenn ich mich – wie andere wohl auch – in dem Bereich eher über andere Quellen informiere); Das heißt aber nicht, dass es zwingend jedem gefallen muss.

    1. @Karpatenhund: Zugang zu Wissen war hier schon immer ein durchgehendes Thema. Dazu gehören geistige Monopolrechte und die Medikamenten-Frage in Zusammenhang mit Patenten berührt das schon.

  8. Im Zusammenhang mit three strikes, war es schon einmal Thema: Sollte es nicht ein Recht auf Internetversorgung geben.
    Auf afrikanische Länder wie Lesotho bezogen könnte das heißen, Regierungen sollten den Ausbau einer Infrastruktur fördern, die der gesamten Bevölkerung einen Zugang zum Internet ermöglicht. Fürs erste könnte man eine UNO-Resolution anstreben, ähnlich wie die kürzlich verabschiedete, die allen ein Recht auf sauberes Trinkwasser zuspricht. Über eine solche UNO-Resolution für ein Recht auf Internetversorgung und freien Zugang zu Informationen hätte man three strikes gleich mit erledigt…

  9. Hey,
    erstmal finde ich es toll, dass du so eine Reise mit journalitischem Hintergrund machst. Es ist sicher eine große Herrausforderung.
    Deine themenwahl finde ich ebenfals sehr gut allerdings wäre es für mich sher interessant, was die Leute dort über ihre Herschaftsform denken? Könntest du dies villeicht rausfinden?

  10. Mich hat die Fußball-WM-Nebenberichterstattung peinlich berührt. Schließlich ging es nur um Gutmenschentum und darum, der original deutschen Couchkartoffel einmal die Bräuche und Sitten der lustigen Ureinwohner vorzuführen.

    Aber Linus kann schreiben, kann erzählen – im Kontext der Themen auf netzpolitik.org wird das wahrscheinlich anders als zur Fußball-WM weden.

    Bin wirklich sehr gespannt.

  11. Falls Du etwas zur Versorgung der örtlichen Wissenschaftler mit wissenschaftlichen Informationen und dem Stellenwert von Open Access in Lesotho herausfinden könntest, fänd ich das sehr spannend. Spielen Handys eine Rolle bei der informationellen Selbstversorgung? Und Kontakte zu bloggenden BibliothekarInnen vor Ort wäre grandios.

    Viel Spaß, Erfolg und spannende Kontakte!

  12. Ich kann mich der Kritik Einzelner hier nicht anschließen. Habt ihr irgendeinen Grund anzunehmen, diese Reise und Berichterstattung würde dem Blog hier schaden oder es in irgendeiner Art abwerten? Warum?

    Ich traue Linus durchaus zu, den Bogen zu netzpolitischen Themen auch in Lesotho zu schlagen, wenn es sinnvoll ist. Und einmal bekannte Pfade zu verlassen, halte ich grundsätzlich für eine gute Idee.

    Die anderen Themenfelder sollten natürlich nicht beeintrechtigt werden. Nur kann man das erst kritisieren, wenn es tatsächlich passiert. Bis dahin wünsche ich dir, Linus, eine gute Zeit mit vielen spannenden Erfahrungen und Einblicken und freue mich darauf, dass du sie an uns weiter gibst. In diesem Sinne, gute Reise!

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