Kultur

Verantwortung in der Torrent-Kultur

Am Tag 4 im The Pirate Bay (TPB) Prozess wurden zwei Angeklagte befragt. Es wurde versucht zu klären, wer denn nun für was bei TPB verantwortlich ist.

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Was die Anklage an diesem Tag nicht herausfragen konnte, war, wer für die Moderation falscher Torrent-Bezeichnungen verantwortlich ist und wer für das Layout, die Bilder und für die frechen Antworten an die Copyright-Beschwerer.

Frederik Neij erklärte, er sei eigentlich nur an der Herausforderung interessiert, eine große Site zu betreiben. Für die rechtlichen Aspekte oder Verträge interessiere er sich nicht und hätte sie auch dann nicht gelesen, wenn er Sie unterschrieben hat, wie zum Beispiel den Vertrag über die Domain von TPB, in dem steht, dass er die Vorgänge der Domain beaufsichtigen würde. Die Anklage beging ein Foul, als sie für den Prozess neue Beweise einbrachte, die Neij mit anderen Torrent Sites in Verbindung brachte. Die hätte aber vor Beginn der Verhandlungen angemeldet werden müssen. Aber jeder Mannschaftssportler weiß, dass Fouls zum Spiel gehören und ihre taktische Relevanz haben.

Gottfrid Svartholm Warg war nach Ansicht der Anklage stark in den Banner Verkauf involviert. Das konnte er auch nicht wirklich abstreiten. Auf die Frage, wie sie auf vermutliche Kinderpornografie reagierten, sagte Gottfried, dass sie das der Polizei meldeten. Auf die Frage, ob sie solche Torrents dann entfernen würden, sagte er, dass sie manche entfernen würden. Dieser Punkt könnte spannend werden. Es kommt hier jetzt auf spätere Aufklärung an. Falls die nicht gelöschten Torrents nach schwedischem Recht nicht auf Kinderpornografie, sondern nur auf grenzwertige oder unbedarfte Darstellungen hinauslaufen, wäre für TPB nicht viel gewonnen. Würde aber TPB, wie enigmax auf torrentfreak.com vermutet, aktiv mit der Polizei zusammenarbeiten und manche Torrents auf Geheiß nicht löschen, damit die Polizei Anhaltspunkte auf Kinderpornografiekonsumenten sammeln kann, so würde dass sozusagen auf eine enge Kooperation mit den Gesetzeskräften hinauslaufen. Das ist allerdings Spekulation.

Was arstechnica an diesem Tag als Spin ihrer Geschichte benutzen, war der Zusammenprall der Kulturen zwischen der alten Top-Down-Medienindustrie und der neuen p2p-Netz-Arbeit. Die Moderation der Site und viel Arbeit an der Technik würde durch lose Hilfe Freiwilliger getan worden. Das mochte und konnte sich die Anklage nicht vorstellen. Sie will auch nicht glauben, dass die Einnahmen aus der Werbung nur fast oder gerade mal so die Ausgaben für Bandbreite, Strom und Hardware decken.

Ach und einen Lacher gab es heute im Blogger-Zuhörerraum des Gerichtsgebäudes. Neij wurde nach seiner Beziehung zum Werber Oded Daniel befragt. Auf die Frage, ob dieser auch in die technischen Aspekte der Site involviert sei, antwortete Neij: „Nein, Er ist nicht gut darin. Er nutzt Windows. Also…“.

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18 Kommentare
  1. @Torsten:
    Gute Frage. Keine Ahnung. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Porno bei TPB keine große Rolle spielt, weil die Leute das woanders suchen und einstellen. Aber wo gibt’s denn bei TPB massenhaft Porno? Und hast du mal einen Porno-Torrent reingestellt und wurde daran rummoderiert?

  2. Ich vermute die Pornos werden genauso wie die anderen Files vom Uploader in die richtige Kategorie gepackt. So schwer ist das ja nicht.

    Es gibt immer mal wieder falsch eingeordnete torrents, soweit ich weiß werden die dann halt von nem Moderator in die richtige Kategorie verschoben. Gibt da ja ne ganze Horde

  3. Hallo!

    Ich denke, auch die reichlich grüne „Webspielwiese“ kann man unter rechtlichen Fakten abmähen, wie man will:Es kommt immer wieder was hoch! Von daher, wartert, noch reichlich Diskussionsstoff,auf uns!Leider schaltetn das den gesamten Pornografischen Dreck und auch Kriminelles Tun im Web, nie wirklich und Dauer aus. Da sind die Experten, etwas sehr zuspät aufgestanden!

    Gruß aus Potsdam!

  4. Sollte man sich als Webseitenbetreiber nicht auch um die rechtliche Seite kümmern bzw. interessieren?

    Ich empfinde diese Aussage schon eher als Ausrede.

  5. hmm, also ich kanns verstehen…son Rechtszeugs interessiert doch keinen…da stehen doch sowieso nur Sachen drinn die man auf die gleiche Sachweise in 3 verschiedenen Arten auslegen kann (schuldig, unschuldig, wird vom gesetz nicht abgedeckt)

  6. Ich habe mir jetzt auch die Filme „Steal this Film“ angeschaut.

    Aber was sagt es mir nun? ich werde noch nicht schlau.

    Ist es nur das „Wir gegen die böse Medienindustrie“? Wir müsse ihnen eines auswischen? Mir ist es schon klar das es neue wege der Distribution geben muss, aber mir scheint auch der Hauptgrund zu sein, alles kostenlos haben zu wollen.

    Ist es nicht legitim wenn ich in ein Projetzt Gehirnschmalz investiert habe auch daran zu verdienen? Nur weil es quasi nicht physisch geklaut werden kann also nur Kopien sind, ist es doch nicht weniger verwerflich.

    Ich kann mir noch keinen Reim daraus machen.

    Warum sollte ich alles kostenlos haben wollen?

    Gruss
    Gunnar

  7. Also kann ich mich einfach so ohne schlechtes Gewissen bedienen und einfach alles runterladen was mir gefällt ohne dafür zu zahlen, sei es Musik, Filme und Software?

    Gratis?

  8. Aussage, so wie iche s verstanden habe:

    Wenn physisches Gut „klaue“, Bücher, Kleidung usw, ist es schlecht. Wenn ich Bits und Bytes klaue ist es auf einmal in Ordnung?

    Das verstehe ich nicht.

  9. @Gunnar
    Es geht bei dem Prozess eher nicht um Moral, sondern um Verantwortung. Ist TPB für Verbrechen anderer verantwortlich? Wo ist die Grenze zwischen Informationsdientsleister und Beihilfe? Wie viel Verantwortung muss ich übernehmen und wie viel Verantwortung kann mir technisch überhaupt zugemutet werden. Und kann man es sich erlauben, einer Industrie, die sich ignorant aufführt den Stinkefinger zu zeigen, während man gleichzeitig annimmt, sich in den Gesetzen seines eigenen Landes zu bewegen. Der Prozess geht ja nicht um Etikette und politische Überzeugungen.

    Aber bei den Gebärden von Pirate Bay geht es schon um das „Wir gegen die Medienindustrie“. Weil die ein schreckliches Monster abgibt. Wenn es nur nach dem Willen der Musikindustrie gehen würde, hätten die nicht nur Bittorrent, sondern auch mp3 und wahrscheinlich auch die Attachement Funktion von E-Mails verboten. Vielleicht auch das Internet komplett oder zumindest die Möglichkeit private Computer miteinander zu verbinden.

    Natürlich ist es nicht ok, Dinge zu tun, die andere verletzen. Und es ist auch nicht OK, die Früchte der Arbeit eines anderen zu genießen und ihm nicht zu helfen, sein Leben zu meistern. Nur glaube ich, dass da viel von falscher Stelle moralisiert wird. Die größte Feind des Künstlers ist nicht der unvergütete Werkgenuss sondern die Unbekanntheit und die Nichtschätzung durch die Öffentlichkeit. Die meisten Kreativen am Existenzminimum würden doch davon träumen, mal in die TOP 100 der Torrents zu kommen. Zumindest bei Musikern ist das so. Beim Film und Serien ist mir schon klar, dass das große Projekte sind, die sich rechnen müssen. Aber auch dort tragen sich die guten Projekte gut. Die einzigen, die empfindlich schrumpfen sind die Konzerne, die darauf spezialisiert sind, silberne Scheiben mit Daten zu beschreiben, um Sie durch die Gegend fahren zu lassen, damit sie letztendlich in einem Regal stehen. Natürlich sind auch das Arbeitsplätze – die Heizer haben auch nicht schlecht geguckt, als die Dampfmaschine abgeschafft wurde. Nur hatte die nicht so einen großen Einfluss in der Politik.

    Urheberrechtsverletzungen sind falsch und gehören bestraft. Keine Frage. Gesetze sind dazu da eingehalten zu werden. Gesetze sind notwendig. Und das Internet kann man nicht stoppen. Auch klar. Es hilft aber überhaupt nicht weiter, da mal wieder über Moral zu reden. Die Leute haben sie oder haben sie nicht. Und mit Angst kann man sie zwar regulieren, aber nicht mit Bewusstseinskampangnen und Herzschmerz. Und dass Herrn So-und-sos Existenz wegen Raupkopierern gefährdet ist, ist doch Schwachsinn. Das ist wie bei Scientologie. Alle sind Pre-Clear. Aber keine hat mal einen gesehen, der schon Clear ist.

    Aber nochmal. Mit der Moral hast du durchaus recht. Wenn man etwas Gutes empfängt, sollte man auch etwas Gutes geben.

  10. Hmmm, das ist klar, aber sie hätten aber auch einen Tracker aufbauen können der nur auf Open Source Software verweisst.

    Aber, danke für deinen Einwand. So langsam wird es mir klarer. Ich bin hin und her gerissen. Was darf man was darf man nicht. Es ist schon wirklich verlockend etwas per Torrent zu holen. Es liegt nur ein paar Klicks entfernt.

    Ich bin über das Urteil schon sehr gespannt. Hoffe es wird etwas geben mit der beide Seiten leben können.

  11. @ Olli
    Da hat sich der Autor nicht besonders mit dem Fall beschäftigt. Die Aussage, dass TPB so tun als ob sie nichts davon wüssten ist weit ab von meinen Beobachtungen. Und dass dann als Dreh für die ganz Geschichte zu nutzen?? Schade – kein Qualitätsjournalismus.

  12. was rs und tpb betrifft, das grossenteils illegales zeugs, das die betreiber da sich noch rausschwatzen können ist ein skandal.
    es ist dem urheber überlassen wann er ein medium veröffenltichen will und wann nicht.

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