Kultur

Urheberrecht ist wie Prohibition

In einem Interview mit GRITtv vergleicht der US-Professor und Autor von „Here Comes Everybody“ Clay Shirky das Urheberrecht mit der Prohibition, die scheiterte, weil sich niemand daran hielt:

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It doesn’t matter what the law is, if enough people are not going to obey it, then the system is going to be changed.

(via)

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16 Kommentare
  1. wenn man etwas umsonst haben will oder irgendwelche regeln oder vorschriften nerven, nehm ichs mir einfach und machs trotzdem, und wenn dann genug leute mitmachen, dann kann niemand was dagegen tun. tolle idee, jeder tut was er will, unrechtsbewusstsein ade.

  2. So ist das nun mal. Eine absolute Minderheit, die noch nicht mal Nennenswerte Umsätze (im vergl. zur Gesamtwirtschaft) produziert, will eine Sache, die seit Jahrzehnten völlige Normalität ist (Musik [aus dem Radio]/Filme [aus dem TV] mitzuschneiden und mit der Familie/Nachbarn/Freunden teilen) plötzlich zu Unrecht erklären.
    Daß da die Mehrheit der Bevölkerung nicht mitspielt, ist nur logisch.

  3. Gefährliche These! – „Recht bricht sich Bahn“ kann man gut finden, wenn es um soziale/wirtschaftliche Teilhabe/Umverteilung geht. Aber was setzt sich durch, wenn die Masse bei Persönlichkeitsrechten bestimmt? Wer schützt die Interessen derjenigen, die sich nicht durch eigene Macht und eigenes Vermögen durchsetzen können? Nur mal so angemerkt, weil seit mehr als 2000 Jahren keine Lösung gefunden worden ist, und dies ist auch keine. Die Nutzung von Onlinemedien bringt da keinen Fortschritt, sondern ermöglicht eine schnellere Verständigung über Positionen und Aktionen – aber das ist doch schon etwas!

  4. Das Urheberrecht muss komplett überholt werden.

    Solange die Industrien Geld haben um irgendwelche Cast-Bands bei DSDS und Konsorten hochzupushen um sie dann bei der nächsten Sendung fallen zu lassen kann es der Industrie nicht zu schlecht gehen.

    Es fehlt wirklich gute Musik, gute Künstler müssen mehr unterstützt werden und dazu gehört in erste Linie eine gerechtere Entlohnung. Die großen Konzerne machen die dicke Kohle und die Künstler kriegen nen kleinen Teil davon.

    Für eigene Konzerte müssen GEMA-Gebühren in Deutschland bezahlt werden und falls sich jemand erlaubt nen eigenes Video zu drehen, wo aus Versehen der Fernseher im Hintergrund läuft und da für 10 Sekunden durch Sender X ein Musikstück läuft wird der Videodreher abgemahnt, wegen Urheberrechtsverletzungen?

    Also mich wundert es nicht das das Urheberrecht nicht „anerkannt“ wird. Aber solange Geld die Welt regiert wird sich nicht viel ändern, sehr zum Leidwesen der Künstler, welche sehr gut ohne Medienindustrie leben könnten. Anders herum siehts da schon anders aus. ;)

    Aber was solls, sollen die großen Plattenfirmen weiter Krieg spielen gegen Kunden und Künstler. (Beispiel der Kunde der wegen einer Iron-Maiden-CD abgemahnt wurde, da er angeblich eine illegale CD verkauft hat, welche er jedoch legal im Laden erworben hatte… oder die Forderung der Plattenfirmen das Künstler Geld zurückzahlen sollen, falls nicht genug CDs verkauft werden…)

    Ich fasse zusammen:
    Die Plattenfirmen sind arm, weil die Kunden so böse sind und die Künstler eh nur Abzocker. Also sollte man Kunden und Künstler verbieten, dann leben die Plattenfirmen in einer „Friede-Freude-Eierkuchen-Welt“ und sind hoffentlich bald weg vom Fenster.

  5. @ Gast
    „tolle idee, jeder tut was er will, unrechtsbewusstsein ade.“

    Zunächst mal folgt daraus, daß in einem speziellen Fall gültiges Recht mißachtet wird ja nicht, daß das dann auch in allen anderen Fällen passieren wird. Und es heißt auch nicht, daß man dann kein Unrechtsbewußtsein mehr hat. Das Recht kann sich aber nicht komplett von der Moral lösen – wenn Menschen etwas als moralisch nicht verwerflich betrachten, kann es nicht einfach per Gesetz Unrecht werden. Z.B. Homosexualität: heutzutage sind wir der Meinung, daß Homosexualität nichts Verwerfliches ist (deshalb ist sie ja auch legal). Wenn jetzt das Parlament einfach so ein Gesetz erließe, das Homosexualität unter Strafe stellt, dann würde es nicht befolgt. Unrechtsbewußtsein ade? Wenn die Moral sich ändert, muß das Recht folgen und beim Urheberrecht bahnt sich eine solche Änderung an – und das muß nicht heißen, das Urheberrecht ganz zu verwerfen.

  6. Erlangt eine neue Technik Bedeutung, welche bestehende Geschäftsmodelle gefährdet oder sogar überflüssig macht, dann ist es Aufgabe des Staates, diese Technik zügig unter hoheitliche Kontrolle zu bringen. Es sind Gesetze zu verabschieden, welche die Nutzung dieser Technik einschränken und erschweren, sodass alte Geschäftsmodelle weiterhin und ohne Beeinträchtigung Profit abwerfen können.

    Oberstes Ziel des Staates ist es, die Ökonomie aufrecht zu erhalten und zu fördern. Stimmen entsprechender Interessenverbände zählen hundertfach. Alles ist dem ökonomischen Ziel unterzuordnen, insbesondere auch das Verhalten des Volkes. Das Volk weiß nicht, was gut ist. Deshalb muss ihm das Gute erklärt und bei Unverständnis auferzwungen werden. Zum Wohle aller.

    Um eine breite Akzeptanz der neuen Gesetze herbeizuführen, müssen chronische Nutzer der Technik gezielt ins moralische Abseits gestellt werden. Dies kann über die Macht der Begriffe geschehen, indem die Techniknutzung in begriffliche Nähe von „Raub“, „Diebstahl“, „Klauen“ usw. gebracht wird. Unterstützend kann man den Nutzern unterstellen, sie würden ausschließlich aus Habgier handeln und prinzipiell eine moralisch verwerfliche „Alles Kostenlos“-Grundhaltung einnehmen.

    Die moralische Abwertung der Nutzer schafft dann die nötige Akzeptanz für Gesetzesverschärfungen, welche im globalen Rahmen zudem geheim verhandelt werden, um Kritik aus der unwissenden prekären Masse zu verhindern.

    In letzter Konsequenz kann man dem zuwiderhandelnden Bürger den Zugriff auf die Technik verwehren. Erfolgt dieser Entzug abgestuft und gelten die Techniknutzer als ausreichend unmoralisch, böse und schädlich, so ist dieser Technikentzug problemlos durchsetzbar.

    Das bedingungslose Festhalten am globalen Wachstumskapitalismus wird uns alle in eine blühende Zukunft führen, während in Afrika neuer Lebensraum für den geistig erleuchteten Westen freigehungert wird.

  7. Es geht eben nicht darum, die Anarchie ausbrechen zu lassen, sondern ein unzeitgemäßes, ungerechtes und ausgeufertes Urheberrecht zu reformieren. Wenn ein Gesetz von großen Teilen der Bevölkerung fröhlich mißachtet wird, ist das auch ein deutlicher Hinweis dafür, dass mit dem Gesetz etwas nicht stimmt. Und das wird beim aktuellen Urheberrecht ja wohl niemand ernsthaft bestreiten wollen.

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