Der gedruckte Tagesspiegel überrascht ausnahmsweise mal mit einem ausgewogenen Artikel zur Urheberrechtsdebatte: Die Ideen der anderen. Internet-Piraten gegen Copyright-Magnaten: kleine Einführung in die Ideologie des digitalen Freibeutertums.
Musik aber hat mit den Musikkonzernen nicht begonnen, und sie wird mit „Pirate Bay“ nicht enden. Auch für andere Kunstformen gilt, dass das Internet sie nicht abschaffen, aber verändern wird. Das Netz ist dabei lediglich das Forum einer Umwälzung, deren Ursachen gesellschaftlicher Natur sind: Ausschlaggebend ist das Gefühl, der Kulturindustrie als Konsument zwar willkommen, als Teilnehmer jedoch unerwünscht zu sein. In westlichen Gesellschaften grassiert es unter jungen Menschen, denen der etablierte Kulturbetrieb mitunter wie eine Seilschaft seniler Snobs vorkommen muss. In Entwicklungsländern erfasst es größere Bevölkerungsschichten, denen die Teilhabe am westlich dominierten Kulturmarkt grundsätzlich verwehrt bleibt. Aus beiden Gruppen rekrutieren die Internetpiraten ihre radikalsten Ideologen. Die Frage ist also nicht, ob das Netz ein rechtsfreier Raum sein darf, wie derzeit diskutiert wird, sondern ob Millionen von Internetnutzern es hinnehmen, dass die Ungerechtigkeiten der analogen Welt im Netz fortbestehen.