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Urheberrecht: Die Ideen der anderen

Der gedruckte Tagesspiegel überrascht ausnahmsweise mal mit einem ausgewogenen Artikel zur Urheberrechtsdebatte: Die Ideen der anderen. Internet-Piraten gegen Copyright-Magnaten: kleine Einführung in die Ideologie des digitalen Freibeutertums.


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Musik aber hat mit den Musikkonzernen nicht begonnen, und sie wird mit „Pirate Bay“ nicht enden. Auch für andere Kunstformen gilt, dass das Internet sie nicht abschaffen, aber verändern wird. Das Netz ist dabei lediglich das Forum einer Umwälzung, deren Ursachen gesellschaftlicher Natur sind: Ausschlaggebend ist das Gefühl, der Kulturindustrie als Konsument zwar willkommen, als Teilnehmer jedoch unerwünscht zu sein. In westlichen Gesellschaften grassiert es unter jungen Menschen, denen der etablierte Kulturbetrieb mitunter wie eine Seilschaft seniler Snobs vorkommen muss. In Entwicklungsländern erfasst es größere Bevölkerungsschichten, denen die Teilhabe am westlich dominierten Kulturmarkt grundsätzlich verwehrt bleibt. Aus beiden Gruppen rekrutieren die Internetpiraten ihre radikalsten Ideologen. Die Frage ist also nicht, ob das Netz ein rechtsfreier Raum sein darf, wie derzeit diskutiert wird, sondern ob Millionen von Internetnutzern es hinnehmen, dass die Ungerechtigkeiten der analogen Welt im Netz fortbestehen.

9 Kommentare
  1. das macht der Tagesspiegel schon seit längerem. Es gab gute Beiträge zur Kulturflatrate und zur Popkomm Diskussion (letzte Woche). Setzen sich offen mit dem Thema auseinander. Sollten mehr Medien machen.

  2. Der Tagesspiegel hatte zwar in den vergangenen Wochen immer mal wieder einen netzpolitisch fragwürdigen Artikel, insgesamt hat er sich aber sehr positiv von den meisten anderen deutschen Zeitungen abgehoben. Da gab es in den letzten Wochen kluge Kommentare zur Zensursula-Debatte, einen sehr guten Gastbeitrag zu Open Access und noch einiges mehr.

  3. Jetzt wäre es natürlich interessant, ob das durch einen einzigen Autor zustande kommt oder ob der Tagesspiegel da grundsätzlich was geändert hat.

  4. 3sat hat zwei, wie ich meine, interessante Talkrunden mit Urhebern, Verlegern, usw. zum Thema Urheberrecht, Heidelberger Appell, Open Access, etc. veranstaltet. Die Talks sind als Videostreams verfügbar. Nutzer/Verbraucher nehmen an den Gesprächsrunden leider nicht teil.
    ‚Aufstand der Schreiber
    „Kulturzeit extra“ aus Klagenfurt:
    Fällt die letzte Bastion des Analogen?
    Gehen Urheberrecht und Copyright im Internet unter, weil die Idee der freien Verfügbarkeit das Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums aushöhlt? „Kulturzeit extra“ nutzt die Gelegenheit und fragt im Rahmen der „33. Tage der deutschsprachigen Literatur“ die Beteiligten selbst.‘

    http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/kulturzeit/specials/134237/index.html

    Videostreams
    http://hstreaming.zdf.de/3sat/veryhigh/090625_talk1_kuz.mov
    http://hstreaming.zdf.de/3sat/veryhigh/090625_ubstreit_kuz.mov
    http://hstreaming.zdf.de/3sat/veryhigh/090625_talk2_kuz.mov
    http://hstreaming.zdf.de/3sat/veryhigh/090626_talk1_kuz.mov
    http://hstreaming.zdf.de/3sat/veryhigh/090626_talk2_kuz.mov

    Ein Interview mit B. Zypries:

    http://hstreaming.zdf.de/3sat/veryhigh/090625_zypries_kuz.mov

    3sat zu Musik und Urheberrecht:

    http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/kulturzeit/specials/135195/index.html

  5. Gerade lief auf 3sat die Sendung „Bauerfeind“ mit einem Bericht über die Piratenpartei. Da hat 3sat aber ganz tief in die Schlammkiste gegriffen.

    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=13462

    Zitat:
    „Sie kommen… sympathisch daher, aber ihre Pläne sind hinterhältig. Kopiere, klaue, nimm dir aus dem Internet was du brauchst…“

    Aussagen in diesem Stil ziehen sich durch den ganzen Clip. Das ist wohl der unqualifizierteste blödsinnigste Betitrag den 3sat jemals ausgestrahlt hat.

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