Datenschutz

Können wir (noch) anonym bloggen?

Auf dem 26. Chaos Communication Congress (26C3) sprach Michael Brennan über „Stilometrie„. Dahinter verbirgt sich die Untersuchung der sprachlichen Eigenschaften von Texten mit den Mitteln der Statistik. Das stellt eine Bedrohung für alle dar, die anonym Texte veröffentlichen wollen. Brennan lieferte daher die passenden Gegenmittel gleich mit.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Stilometrie-Programme bedienen sich Künstlicher Intelligenz, die an Texten in der Erkennung sprachlicher Muster trainiert wird. Später sollen sie ihr „Wissen“ in der Anwendung selbstständig erweitern. Auf diese Weise ist eine automatisierte Autorenerkennung möglich. „6500 Worte“ seien zur Aufdeckung der Identität des Verfassers eines Textes ausreichend, sagt Brennan.

Der Wissenschaftler unterscheidet zwei mögliche Szenarien: „Supervised“ und „unsupervised stylometry“. Bei letzterer werden Dokumente, deren Urheber nicht bekannt sind, darauf untersucht, welche die selben Autoren haben. „Supervised stylometry“ arbeitet mit Dokumenten, deren Autoren bekannt sind, um die Verfasser weiterer Texte zu identifizieren.

Brennan hat beide Szenarien mit verschiedenen stilometrischen Methoden untersucht. Für große Textmengen weniger Autoren erweist sich die Analyse als ausgesprochen treffsicher. Die Untersuchung von 20 bis 200 Wörtern langen Texte aus Foren von neun verschiedenen Autoren mit „unsupervised stylometry“ ergab eine Genauigkeit von 35%. Mit umfangreicherem Ausgangsmaterial (500 bis 750 Worte) von nur noch fünf Urhebern stieg die Genauigkeit auf beinahe 90%. „Supervised stylometry“ zeigt sich bei einer geringen Anzahl an Autoren noch effektiver. Wenn lediglich zwei Urheber für einen Text infrage kommen, lässt sich der tatsächliche Verfasser mittels Stilometrie mit beinahe 100% Genauigkeit feststellen. Aussagen für Szenarien mit vielen Autoren gibt es noch keine.

Wie kann man sich also gegen diese Autorenerkennung zur Wehr setzen? Brennan nennt zwei mögliche Angriffe: Verschleierung und Imitation. Man kann also versuchen, entweder den eigenen Schreibstil zu verstecken oder stilistische Eigenheiten eines anderen Autors aufgreifen. Beide Angriffe erweisen sich als effektiv. Verschleierung lässt die Treffsicherheit der Stilometrie-Methoden auf Zufallsniveau fallen; Imitation senkt sie sogar auf nahezu null. Texte durch Übersetzungsprogramme zu schicken hat sich dagegen als wenig erfolgsversprechend gezeigt.

Was tut man also, wenn man Texte anonym veröffentlichen will? Einen anderen Autor imitieren – und wenig schreiben, empfiehlt Brennan. Er warnt allerdings, dass in Zukunft effektivere Stilometrie-Programme zu anderen Ergebnissen kommen könnten. Ein Wettrüsten zwischen den Entwicklern von Stilometrie-Programmen und anonymen Autoren sei gut denkbar. Brennan schlägt daher die Entwicklung einer Software vor, die eine Maschinen-gestützte Anonymisierung von Dokumenten ermöglichen soll.

Michael Brennan und seine Kollegin Rachel Greenstadt sammeln derzeit weitere Dokumente, um ihre Untersuchungen auf größere Autorengruppen auszuweiten. Wer sie dabei unterstützen möchte, kann dazu eigene Texte beitragen.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
58 Kommentare
  1. Das finde ich wiederum sehr paranoid. Wenn man bedenkt, wie viele unzählige Blogger es gibt, dann wird jede Methode früher oder später an ihre Grenzen stoßen.

    Sagen wir es gibt 10.000 Blogger, davon soll einer anhand seines Schreibstiles gemessen werden. Gäbe es da nicht noch mindestens 200 Andere Blogger, die genau so schreiben? Damit wäre der Kreis zwar sehr eng eingeschnürrt, aber auf die Bloggerszene eher irrelevant, da diese ja sowieso eine Impressumspflicht hat und schon durch andere, viel auffälligere Mittel erkannt wird.

    Außerdem konnte man schon immer an Schreibstil erkennen, welche Person vor einem sitzt. Das war mit Papier und der Schreibschrift nicht anders. Je nach Denken und Psyche kommt nunmal ein Bild zum Vorschein.

    Wer es unterdrücken will, spielt auch mit dem Risiko nicht mehr authentisch zu sein und dann kann er das Bloggen ganz sein lassen ;)

    Also ich sehe die „Sparte“ des Blogs hier völlig falsch. Die Blogger müssen sich ja bewusst sein, welche Risiken und Nebenwirkungen ihr Blog / Inhalt / Schreibstil usw usf. hat.

  2. @RavoxX

    Es ist ja bei weitem nicht so, dass es immer eine so große Autorengruppe sein muss. Brennan brachte zB das Beispiel einer Mitarbeiterin, die kritisch über ihren Arbeitgeber schreibt. Der Chef könnte aufgrund des Themas die Gruppe der möglichen Autoren auf die Mitarbeiter eingrenzen, von diesen Textbeispiele nehmen und stilometrisch untersuchen lassen.

  3. Nunja, wer kritische Inhalte veröffentlicht, muss so oder so darauf achten, was und wie er es veröffenlicht.
    Das geht von rein technischen Daten und Sicherheiten über Inhalte (wer kann dieses und jenes wissen?) eben auch über die Art und Weise des Schreibens der Texte.

    lg

  4. … Franz Schätzing greift dies in seinem neuen Roman „Limit“ auf: Dort sind diese Techniken Bestandteil der „Great Firewall of China“. Auch wenn die Trefferquote „noch“ niedrig sein sollte, was schert es die Verantwortlichen, wenn 60% oder 80% „false hits“ auch geblockt werden?

  5. Jetzt wird klar, warum unsere Offiziellen aus Politik und Wirtschaft immer die gleichen Worthülsen verwenden. Da steigt jede Stilometrie-Analyse aus.

  6. Hmmm, neues Geschäftsfeld für Ghostwriter? ;-)

    @RavoxX:
    Natürlich geht das auch bei Papier und Bleistift. Doch wer hat die Zeit und die Lust, die handschriftlichen Notizen von 10.000 Menschen anzusehen und auszuwerten?

    Die Fortschritte in der elektronischen Datenverarbeitung sind, wie heutzutage bei so vielen Dingen, das Problem: Was früher ganze Behörden beschäftigt hätte, das schafft heute ein VS-Hiwi auf Knopfdruck… einmal davon abgesehen, dass die Technik die Begehrlichkeiten weckt, selten umgekehrt!

  7. Die Stilometrie ist doch wohl keine Bedrohung für uns Blogger – wer von euch hat seine Identität noch nicht im Impressum preisgegeben? Da schert es mich reichlich wenig, ob jemand meinen Schreibstil untersucht und mich damit erkennen will oder nicht.

  8. Was hat ‚Kuschen‘ denn mit der aktuellen Entwicklung im Bereich Forschung der Texterkennung und -verarbeitung zu tun? Mensch, man muss nicht immer unsere Politik auf alles beziehen, nur weil die Forscher das Forschen nicht lassen können.
    Und eine Grundsatzdebatte über Politik gehört hier wahrlich nicht her.

    lg

  9. @Jan:
    > wer von euch hat seine Identität noch nicht im Impressum preisgegeben

    Das ist weniger das Problem. Wenn ein Blogger jedoch z.B. unter Pseudonym einen Artikel bei Wikileaks veröffentlicht und dieser Artikel mit seinen Blogbeiträgen „stilometriert“ wird, dann kann es sehr wohl eng für ihn werden… Dank seines Impressums müssen die Staatsdiener dann nicht einmal mehr aufwändige Recherchen zu Name und Adresse durchführen.

  10. Hachje, und ich dachte, dass man so eine Software vielleicht noch entwickeln müsste. Da sind mir die Forscher wieder weit voraus, bin ja gespannt, was es dann am Ende meines Studiums, das noch nichtmal begonnen hat, zu tun gibt.

    by the way ist die Natur auch schon eine Methode gegen die Stilometrie. Denn im Laufe der Zeit ändert man seinen Schreibstil und passt ihn an neue Erfahrungen an. Ich zum Beispiel hätte früher viel obigen Relativsatz zum Studium nicht geschrieben.

  11. Stilometrie gibt es seit hunderten von Jahren, nur kann man sie heutzutage mit geballter Rechenkraft sehr effizient nutzbar machen. Schreiben und Schreibstil sind von ihrer Natur her nunmal ähnlich individuell wie die Menschen selber, daher ist Geschriebenes ungefähr so anonym wie ein Foto von dessen Verfasster.

    Wem werfen wir das jetzt eigentlich vor, er sei daran schuld, dass Autoren nicht (mehr) anonym schreiben können?
    Die Autoren dieser Art von Software haben da jedenfalls keine Schuld dran – sogar mit einem einfachen ZIP-Programm kann man schon derartige Analysen machen (je mehr Ähnlichkeiten zwei Texte aufweisen, desto stärker können sie komprimiert werden und desto wahrscheinlicher ist, dass sie vom selben Autor sind).

    1. @Die Erklärung: Gerade mit einer .com Domain könnte man sich überlegen, ob diese Impressumspflicht überhaupt für einen gilt, bzw. man sie Ernst nehmen müsste.

  12. @markus: Ändert das was, wenn ich mich in Deutschland befinde? Wäre mal interessant. Ich habe keine Ahnung.

    Wie brisant können Themen sein, dass man Hunderte Male anonym bloggen „muss“? (In Deutschland, Europa)

    Meine Erfahrung mit vielen Leuten ohne Impressum oder Kontaktangaben: Denunzuianten, Idioten, Stalker, Spinner, Spamer, Leute, die alles und jeden beleidigen wollen und zu feige sind, zu dem zu stehen, was sie sagen, die Hass und Hetze verbreiten. Gibt auch rühmliche Ausnahmen.

    Interessant wird es in Ländern wie China und Iran, wo bloggen lebensgefährlich sein kann.

    Zur Meinungsfreiheit gehört auch, mit seinem Gesicht, Namen usw. dazu zu stehen. Bisschen Zivilcourage eben. Wer beispielweise gegen seinen Arbeitgeber bloggt, sollte sich fragen, ob es nicht Rechtsmittel gegen die Zustände dort gibt usw.

    Ich sehe wenige Gründe, anonym sein zu müssen, es sei denn, man will es unbedingt. Alle fordern doch bei jeder Gelegenheit: Gesicht zeigen! Also bitte.

  13. @DieErklarung, und trotzdem – wenn man anonym bleiben will, für welchen Grund auch immer, sollte es möglich sein. Ich blogge „halbanonym“ (d.h., viele Leute wissen, wer ich bin, aber ich blogge nicht „offiziell“). Neulichst machte mich jemand darauf aufmerksam, dass Blogger munter meinen vollen Namen in der RSS-Feed anbietet.

    Auch nachdem ich den Blog auf einen anderen Account übertragen habe, die nirgendwo meinen Namen hat, ist dieser Angabe noch da. Der Atom-Feed hat sich bereinigt und zeigt mich jetzt unter der Pseudonym.

    Das ist, finde ich, überraschend. Und sollte nicht sein, denn es gibt Situationen (whistleblowing ist, denke ich, eine sehr wichtige Situation), wo man wirklich anonym bleiben möchte.

  14. @WiseWoman: Ja, habe ja geschrieben, „es sei denn, man will es unbedingt“. Dann muss man aber auch Tor u.ä. verwenden wegen der IP etc, falls Du irgendwo unter Deinem Pseudonym kommentierst.

    Wenn Du bei Blogger bist, steht das wahrscheinlich irgendwo in den Nutzungsbedingungen oder der AGB, die eh nie jemand liest.

  15. Es heisst artifizielle Intelligenz.

    Zur Verschleierung exisistiren z.B. Synonymwörterbücher und Textbausteine, alternativ übersetzt man Text in eine Fremdsprache und zurück.

    Alternativ übernimmt man einfach Passagen oder Floskeln, Tippfählär :) seiner Nachbarn in seine Texte, und schafft so eine homogene Gruppe, wo sich Autorenschaft schwerer oder garnicht mehr nachweisen lässt.

    Ich verstehe den Hype nicht wirklich, es exisistieren ebenfalls Sonogramme, Fingerabdrücke etc. etc. mit denen Merkmale identifiziert und personifiziert werden können, das man Duktus und Diktion analysiert und nach Ausschlusskriterien Texte nach Wahrscheinlichkeit Autoren zugewiesen werden, hat wahrscheinlich eher mit Statistik zu tun als mit artifizieller Intelligenz.

    Parallel dazu, ist das Szenario auch fragwürdig, denn ich kann mit Stilometrie die Autorenschaft nicht eindeutig beweisen (je nach dem welche Vorsichtsmassnahmen ein Autor trifft). Es lässt sich damit Autorenschaft eingrenzen. Nehmen wir an, jemand möchte über einen Vorgang aberichten, es ist absolut naiv, das auf seinem pseudonymen Blog zu tun, sondern man wendet sich anonym an eine Plattform, über gibt die Informationen und bittet den Betreiber selbst eine Zusammenfassung zu publizieren.

    Leider schreibt der Autor nichts über die verwendeten Methoden und Verfahren in seinen Folien.

    Wirklich anonym im WWW zu publizieren erfordert sehr, sehr, sehr viel Um- undWeitsicht, und die Annahme es würde aussreichen sich hinter einem Proxy oder einer Proxykaskade verstecken, ist bestenfalls naiv.

  16. Es gibt nicht nur Deutschland oder die USA als Länder, in denen gebloggt wird. Wenn ein Chinese oder ein Iraner bloggt hat das ganze unter Umständen schon ganz andere Dimensionen. Ich glaube kaum, dass ein Regimekritiker scharf darauf ist, seinen Namen im Impressum anzugeben. Wenn solche Leute dann auch noch zu den „Intellektuellen“ gehören besteht zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass andere Artikel von ihnen existieren. Möglicherweise auch welche mit Klarnamen z.B. aus Fachpublikationen. Schon doof, wenn staatliche Behörden derartige Aktivitäten aufdecken.

    @topic: Wenn man als Blogger auf „Imitation“ umschaltet wird man vielleicht nicht entdeckt; Aber öffnet das nicht auch ungeahnte Möglichkeiten, anderen Bloggern zu schaden ohne diese ausdrücklich als Autoren zu nennen? Wer gut ist kann so – eine gewisse Entwicklungsstufe der Stilometrieprogramme sowie der Einsatz dieser Programme von den dem Autoren bekannten Personen vorausgesetzt – andere geschickt täuschen und unliebsame Personen gezielt denunzieren, sofern er gut ist…

  17. Zum Thema Impressumspflicht:

    Die meissten Blogs haben KEIN Impressum.

    Und ich würde mal die Behauptung wagen, daß die meissten Blogger nicht mal wissen, daß sie ein Impressum haben müssten!

    Nicht juristisch vorgebildete Blogger die sich nie näher mit der Thematik beschäftigt haben verstehen gar nicht, daß auch ihre privaten Blogs von der Rechtsprechung eben NICHT als privat angesehen werden und damit Impressumspflichtig sind!

    Die Leser von netzpolitik sind da in der Regel sicher besser informiert… aber eben nicht repräsentativ für alle Blogger!

    Und angesichts der Tatsache, daß es unmöglich ist im gesetzlich überregulierten Deutschland eine Webseite zu erstellen, die KEINE Gesetzesverstöße enthält – so die Aussage eines Juristen zur Thema rechtssichere Webseite – verbunden mit den vielen Abzock-Abmahn-Anwälten verstehe ich jeden, der keine Lust hat nicht-anonym zu bloggen…

    Wer hat schon das Geld für irgendeinen kleinen Rechtsverstoß dann mal eben ein paar Tausender hinzulegen… und das möglicherweise mehr als einmal…

    Oder wer hat lust gekündigt zu werden, nur weil er sich mal – berechtigt! – kritisch über seinen Arbeitgeber äußert…

    Wer hat lust erst gar keinen Job, keine Versicherung, keinen Telefonvertrag etc. zu bekommen nur weil er mal irgendwas ‚falsches‘ im Web geschrieben hat und das denen zu Ohren gekommen ist…

    Wer hat lust beim BND, Verfassungsschutz, CIA etc. in irgendeiner ‚Gefährderliste‘ zu landen, nur weil er mal irgendwelche Regierenden zum Teufel gewünscht oder irgendwas verdächtiges geschrieben hat…

    Wer hat Lust irgendwelche Nazis oder sonstwas vor der Tür stehen zu haben oder seinen Namen auf deren ‚Todeslisten‘ stehen zu haben…

    Und so weiter und so weiter…

    Nein… es gibt reichlich gute Gründe anonym bloggen zu wollen…

    Was allerdings immer weniger möglich sein wird…

    Suchmaschinen, Vorratsdatenspeicherung, Gesichtserkennung+Suchmaschinen im Web, Stilographie… und wer weiss, was noch so alles kommt…

    Schon jetzt gibt es hier keine wirkliche Anonymität.

    Noch halten sich die negativen Folgen deswegen in Grenzen, weil wir noch so etwas wie Demokratie und Rechtsstaat haben…

    Aber wie lange das noch so ist… darauf würde ich keine Wetten abschliessen…

    Und wenn es dann noch mehr richtung totalitärer Staat geht, dann wird’s so richtig ‚lustig‘ nicht mehr anonym bloggen zu können…

  18. Also ich persönlich hätte glaube ich gar kein Problem damit, wenn man einige Texte von mir klar einem anderen Text von mir zuordnen könnte, und somit wüsste, dass sie vom selben Autor (mir) sind. Ich müsste, wenn ich auf strikte Anonymität aus wäre, eben nur darauf achten, wirklich keinen (!) meiner Texte unter meinem Namen veröffentliche – dann gibt es kein Problem.
    Oder habe ich da was falsch verstanden?

  19. Ich denke mal: wenn man die Entwicklung der Stilometrie extrapoliert, nähert sie sich asymptotisch einer Themen- oder Inhaltsanalyse.

    Aber dagegen ist kein Kraut gewachsen. Die einzige Art, anonym zu bleiben, ist zu schweigen.

  20. Es geht nicht darum einen Blogger zu identifizieren der seinen Namen im Impressum hat.

    Es geht darum das man alle „anonymen“ Identitäten von unterschiedlichen Plattformen einer einzigen zuordnen kann. Und das ist doch wesentlich einfacher und Treffsicherer als man denkt.

    Wie das eure Welt verändert? Stell dir eine Suchdienst vor, mit dem du nachdem du meinen Artikel hier in eine Suchdienst postest, ALLE von mir geschriebenen Artikel der letzten x Jahre aufgelistet bekommst. Dazu eine Analyse der „eigenen“ Person, der Personen mit denen ich Schriftverkehr hatte und wie lange der Dauerte, wann er abbrach usw….

    Ich finde das schon sehr unangenehm.

  21. Es ist sicher nicht gut, wenn automatisch Texte durchforstet und dadurch stilistisch einem Author zugeordnet werden können.
    Dies gilt meiner Ansicht nach immer dort, wo strafrechtliche/politische Verfolgung dazu führt, dass Meinung nicht mehr frei geäußert werden kann. Ich finde, wir müssen dafür sorgen, dass man möglichst seine Meinung ungestraft frei äußern darf. Die stilistische Texterkennung wird bei Regimegegnern auch ohne Computer/Software funktionieren. Die Software ist nur eine logische Konsequenz der Möglich (Begehrlich-) keiten. Genausogut wie OCR-Software dem Menschen gute Dienste leisten kann, kann diese Software auch zum Fluch werden. Je nachdem, wozu man Messer benutzt, kann es gut oder schlecht sein.
    Fazit für mich persönlich: Die Meinung anderer respektieren wie es sich für einen guten Demokraten gehört, stirbt auf dem Scheiterhaufen einer Lobbyisten-Mafia und wird mit Terrorismusbekämpfung wegrationalisiert.

    Gruß
    Lukas

  22. Wer nie unter seinem Namen gebloggt hat: Wägt euch nicht in Sicherheit, der Bundestrojaner kann auch euch erwischen…

    Ansonsten wird’s wohl drauf rauslaufen, dass man Text-Schreibe-Hilfe-Tools entwickeln wird. Quasi eine Art „Programmiersprache“, in der man abstrakt angibt, was man sagen will (so was wie „Illegal|Müll|Nordsee|Weihnachten“ und das ein schlaues Progrämmchen je nach gewünschten Stil in Sätze packt… oder? Müssten sich Linguisten Gedanken drüber machen.

    Gerichtsfest wird das sowieso nie werden – Schreibstile lassen sich einfacher nachahmen als Handschriften und vergleichbares.

    Und ansonsten gibt’s ja noch das kollektive Prinzip, jeder formuliert zwei, drei Wörterchen um und fertig.

  23. Es ist schon beängstigend, wie hier teilweise diskutiert wird. Allein schon die Beitragsüberschrift führt total in die Irre. Eine Frage wird dabei völlig außer Acht gelassen: Warum sollte jemand vollkommen anonym bloggen wollen? Ähnlich wie die „Alles kostenlos“-Mentalität, hat sich längst auch eine „Ich bin anonym“-Haltung im Internet durchgesetzt. Leider ist das eine sehr dumpfe und vor allem feige Denkweise. Wer Gutes und Richtiges zu sagen hat, braucht sich nicht zu verstecken. Warum sollte man zu einer Aussage, die ohnehin bewusst öffentlich gemacht wird, nicht auch stehen? Wer hier anonym bleiben will, der führt eigentlich doch nichts Gutes im Schilde.

    Ganz ähnlich sieht das auch der Gesetzgeber. Darum gibt es eben auch für private Blogs eine Impressumspflicht. Überhaupt stellt sich hier die Frage: Was ist „privat“? Allein diese Fragestellung ist Unsinn. Ein Blog ist in 99,9% aller Fälle redaktionell gestaltete Plattformen – sprich: Ein Autor gibt oder mehrere Autoren geben mehr oder weniger regelmäßig, in jedem Fall aber über einen längeren Zeitraum hinweg etwas zum Besten. Weil sie dies im Internet tun, richtet sich dieses Angebot grundsätzlich an alle Internetnutzer. Und schon haben wir ein geschäftsmäßig geführten Tele- oder Mediendienst. Bumms! Da ist die juristische Impressumspflicht. Aber nicht die gesetzlichen Regelungen allein sollten die Menschen (wieder?) dazu bringen, zu dem zu stehen, was sie so vom Stapel lassen.

  24. @46 (Dauernörgler):

    Anonymes bloggen ist vor allem dann notwendig, wenn Repressionen drohen. Blogs können natürlich – je nach Ausrichtung – negative Auswirkungen haben. Nicht jeder Arbeitgeber sieht es zum Beispiel gerne, wenn aus dem Arbeitsalltag – auch in anonymisierter Form – gebloggt wird. Damit kann man sich möglicherweise die ein oder andere Chance verbauen.
    Oder wenn man über Dinge bloggt, die Bekannte oder Verwandte nicht zwingend erfahren sollen. Beispiel: Jemand hat eine schwere Krankheit die man nicht ohne weiteres erkennt (z.B. HIV) oder bloggt über seine sexuelle Ausrichtung. Soll ja vorkommen. Es ist von den Betroffenen eventuell unerwünscht, wenn eine Googlesuche einen solchen Blog direkt auf der ersten Seite ausspuckt.
    Und auf die hier bereits mehrfach erwähnten Auslandsfälle gehe ich gar nicht erst näher ein.

  25. Ein Punkt, der bislang nicht zur Sprache zu gekommen sein scheint: Was, wenn anonym veröffentlichte Texte aufgrund von stilistischen Übereinstimmungen fälschlicher Weise einem (nicht anonymen) Autor zugeordnet werden, sog. „false positives“. Mir ist zumindest ein Fall bekannt, in dem das BKA zur Hausdurchsuchung angerückt ist. Unangenehme Geschichte… Sollte computergestützte Stilometrie in Zukunft zum Standard-Werkzeug von Ermittlungsbehörden werden, könnten sich solche Fälle häufen.

  26. ich finde es ist schon ein angriff auf die meinungsfreiheit, wenn man nicht mehr in seiner \sprache\ schreiben kann. ausserdem ist stilometrie, in dieser form ein mittel zur einschüchterung.

  27. @MrBrook:
    Es mag ja sein, dass sich Schwerkranke gern anonym mitteilen wollen. Es mag auch sein, dass Berichte über sexuelle Ausrichtungen zu offenherzig sind und ein ungewolltes Outing bedeuten würden, wenn sie unter dem echten Namen veröffentlicht werden. Nur leider sieht das der Gesetzgeber anders! Derartige „Schriften“ sind impressumspflichtig und damit ist die Anonymität dahin. Es geht hier nicht um eine neue, technische Suchmethode, sondern letztlich um gesetzliche Regelungen, die ohnehin schon lange gelten. Anonymität beim Bloggen geht nicht erst mit einer neuen Technik verloren, sondern ist (genaugenommen) schon heute nicht mehr möglich – sofern man sich an juristische Vorgaben hält. Übrigens: Wer Insiderwissen einer Firma im Netz weitergibt, handelt so oder so rechtswidrig – ganz gleich ob anonym oder nicht! Da reicht es auch schon, wenn man über den Chef ablästert. Das sollte dem Stammtischgespräch vorbehalten bleiben. :)

    @Paulus:
    Ihr Argument ist schon im Ansatz falsch: Niemand verbietet Ihnen in Ihrer Sprache zu schreiben! So wie Sie vermutlich heute über Ihren (Nick-)Namen weltweit im Web gefunden werden, so könnte es VIELLEICHT irgendwann auch über den Schreibstil möglich sein. Wer nichts zu verbergen hat, der braucht sich davor nicht zu fürchten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.