JIM 09: Nicht einmal 50% der Jugendlichen nutzen Privatsphäre-Optionen

Viel Kulturpessismus ist unberechtigt, aber um den Datenschutz steht es schlecht: Die Studie JIM 09 (Jugend, Information, (Multi-) Media) untersucht die Mediennutzung von Jugendlichen in Deutschland anhand der Befragung von 1200 Personen zwischen 12 und 19 Jahren.

Wie geht die Generation der vermeintlichen „Digital Natives“ mit dem Internet um? Laut der Studie ist es für sie vor allem ein Kommunikationsmedium, die Hälfte der im Internet verbrachten Zeit dient der Kommunikation. Informationen werden in vielen Bereichen noch immer aus dem Fernsehen, zum Teil auch Zeitschriften und Tageszeitungen bezogen.

Wenn sie sich im Internet informieren wollen, sind Suchmaschinen die erste Anlaufstelle. „Informationen zum aktuellen Zeitgeschehen werden in erster Linie auf den Seiten der großen Provider gesucht, auch die Online-Angebote von Tageszeitungen und Zeitschriften spielen hier noch eine Rolle.“ In anderen Bereichen, wenn es um Sport, Mode oder Musik geht, sind spezialisierte Portale führend.

Insgesamt betrachtet zeigt sich, dass das Internet zwar als Informationsquelle eine sehr große Rolle spielt, dies aber nicht für alle Bereiche gleichermaßen gilt. Dass Jugendliche bei jedem Thema „erst mal googeln“ ist also nicht immer richtig. Insbesondere dem Fernsehen wird durchaus Informationskompetenz zugeschrieben und auch die Zeitung ist im lokalen Bereich bei politischen Themen eine wichtige Informationsquelle.

Im Internet geht es dagegen um Kommunikation und Selbstdarstellung, vor allem in Social Networks. 80% der Befragten dokumentieren ihre Hobbies im Internet, zwei Drittel haben Photos oder Filme online gestellt. Die Privatsphäre bleibt dabei häufig auf der Strecke.

So haben nur die Hälfte „die Privacy-Option“ in Social Networks aktiviert (an dieser Stelle ist die Studie ungenau formuliert und spricht von einer einzelnen Option). Allerdings geben nur 7% an, dass sie in Social Networks Personen als Freunde haben, die sie nie persönlich getroffen haben. 40% der Jugendlichen wurden im Internet nach persönlichen Kontaktdaten gefragt, die ein Viertel der Betroffenen auch herausgegeben haben. Die Macher der Studie sehen darin bereits einen positiven Wert.

Etwa 50% der Befragten geben an, schon Photos oder Videos von Freunden oder Verwandten hochgeladen zu haben. Gleichzeitig sagen 42%, dass schon einmal Videos oder Fotos, auf denen sie selbst abgebildet waren, ohne ihre Zustimmung online gestellt wurden. 14% ist es bereits passiert, dass Falsches oder Beleidigendes im Netz verbreitet wurde. Insgesamt sind laut der Studie ein Viertel der befragten Internetnutzer bereits mit Cyber-Mobbing in Kontakt gekommen.

Die Studie wird seit 1998 jährlich durchgeführt. In diesem Zeitraum hat sich die Medienlandschaft tiefgreifend verändert, vor allem durch die heute beinahe 100%ige Verbreitung von Internet und Handies. Es ist interessant, welche Medien dadurch tatsächlich Konkurrenz erfahren:

Trotz der heutigen Dominanz des Internets haben Fernseher (-5 PP) und Radio (-9 PP) vergleichsweise wenig Nutzung eingebüßt. Deutlich gesunken ist die Zuwendung zu Tageszeitung (-16 PP) und Zeitschriften (-20 PP) und auch die Nutzung von CDs hat mit dem Einzug von MP3-Dateien stark verloren (-27 PP). Dagegen hat sich die Lesehäufigkeit von Büchern (+2 PP) über die Zeit kaum geändert.

Obwohl TV und Radio genauso wie Nachrichten heute längst im Internet verfügbar sind, werden sie also noch immer auf traditionelle Weise genutzt. Das zeigt auch die Verteilung der Musiknutzung nach Wiedergabegeräten. Das Radio führt mit 70% vor dem MP3-Player mit 64%. Internetradio dagegen wird kaum genutzt.

Beim Fernsehen findet sich das gleiche Phänomen: Online spielt quasi keine Rolle. Während Videoportale wie Youtube von zwei Dritteln genutzt werden, gilt das nicht für TV-Inhalte. Das mag auch daran liegen, dass bisher recht wenige Inhalte in hoher Qualität im Netz verfügbar sind.

Fernsehinhalte live (4 %) oder zeitversetzt (8 %) sehen sowie Mediatheken (3 %) haben bei weitem keine vergleichbare Alltagsrelevanz. Klassische Fernsehinhalte werden also bislang noch über den Fernseher genutzt.

Gerade beim Thema TV zeigt sich, dass die vermeintlichen „Digital Natives“ mit den Freiheiten des Internets bei weitem nicht so gut zurechtkommen, wie ihnen das gern zugeschrieben wird. Das zeigt sich daran, dass sie das „passive“ Fernsehen mehrheitlich gutheißen – in jedem Alter, Bildungsgrad und Geschlecht.

Fast zwei Drittel (63 %) finden Gefallen daran, dass beim Fernsehen die Inhalte präsentiert werden und man nicht selbst aktiv suchen muss. Allerdings könnten sich ebenfalls zwei Drittel (64 %) vorstellen mehr fernzusehen, wenn sie die Anfangszeiten selbst bestimmen könnten. Fast drei Viertel (72 %) finden es gut, dass die Filme und Sendungen im Fernsehen immer zu einer bestimmten Zeit kommen.

Die Autoren sehen darin widergespiegelt, dass „Bewegtbildangebote im Internet“ nicht zwingend in Konkurrenz zum „klassichen Fernsehen“ stehen. Vielmehr würden die Jugendlichen je nach Situation die eine oder andere Rezeptionsweise bevorzugen.

17 Kommentare
  1. Jens Fabian Neldner 17. Dez 2009 @ 17:22
  2. Jens Fabian Neldner 17. Dez 2009 @ 18:37
  3. Jens Fabian Neldner 17. Dez 2009 @ 23:32
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