Deutsch-russisches Bloggertreffen

Während mein Notebook kurz nach 4 Uhr morgens anzeigt, sitze ich hier schon aufgestanden in einem IT-Schulugszentrum in Novosibirsk und fühle mich dementsprechend jetlagged. Hier ist es 9 Uhr morgens und irgendwer ist auf den Gedanken gekommen, dass es bei dem deutsch-russischen Bloggertreffen eine tolle Idee sein könnte, morgens um 9 Uhr eine „Kreativstunde“ zu machen, wo man bloggen kann. In der Regel finde ich weder 4 Uhr morgens, noch 9 Uhr morgens eine kreative Zeit.


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Ansonsten schneit es hier. Was wohl für Sibirien um diese Jahreszeit nichts ungewöhnliches ist. Ungewöhnlich ist es nur für mich, weil es gestern nicht geschneit hat. Heute war aber wieder alles weiß, als ich aus dem Hotel-Zimmer blickte. Angekommen sind wir gestern morgen mit einem kurzen Zwischenstop in Moskau. Das führte dazu, dass uns eine nette Mitarbeiterin des Goethe-Instituts am Flughafen abholte, damit wir dort nicht unnötig lange unsere Zeit absitzen, sondern nochmal was von Moskau sehen. Den Roten Platz kann ich jetzt aber auf der langen Liste der bekannten Plätze aus dem Fernsehen streichen, wo ich noch nicht war. Dort wurde auch das erste Klischee erfüllt, was man mit Russland verbindet: Unsere Ausweise wurden kontrolliert. Wir sahen wohl nicht russisch genug aus.

Auf dem Flughafen in Moskau erwartete uns das nächste Klischee: Chaos. Die Computer unserer Fluglinie S7 waren ausgefallen. Was uns aber nicht auffiel. Die sprachen ja alle russisch um uns herum. Wir wunderten uns nur über die Hektiv und die fehlende Ordnung beim Anstehen in einer Schlange. Zum Glück waren nur die Flüge vor uns betroffen und die Computer gingen zur rechten Zeit wieder. Dann erlebte ich zum ersten Mal einen Nackscanner. Die Teile stehen in Moskau am Flughafen rum. Zuerst wunderte ich mich noch über das futuristische Teil, bis ich einen Blick hinter einen Monitor machen konnte und die bekannten Nacktaufnahmen sah. Ich hab aber darauf verzichtet, meine Kamera zu zücken, um das zu dokumentieren. Positiv am Flughafen Moskau war zumindest das offene WLAN am S7-Warteterminal.

Seit 7 Uhr Donnerstag morgen Ortszeit sind wir nun in Novosibirsk, 5 Stunden in der Zukunft. Das Goethe-Institut eröffnet ein neues Büro hier udn deswegen gibt es ein Kulturfestival, einige festliche Anlässe und unsere Reise. Find ich praktisch, weil ich damit mal Russland sehen kann. Die russischen Blogger sind auch nett. Irgendwie hat sich hier Livejournal.com durchgesetzt, eine Plattform, die ich nie wirklich verstehen konnte. Aber ich find auch StudiVZ technologisch total veraltert, hässlich und langweilig. Ähnlich gehts mir mit Livejournal.com. In Russland sollen es sieben Millionen Blogger geben, wovon eine Million auch aktiv bloggt. Ist ein wenig mehr als in Deutschland, zumal bei uns vermutlich auch flächendeckender Internet verfügbar ist.

Zu Livejournal sind viele gekommen, weil die Plattform seit 2000 auf dem Markt ist, früh kyrillisch angeboten hat und einige Promis dort bloggen. Zudem erfüllt es leichte Social-Network Eigenschaften, indem man private Nachrichten schicken kann. Viele Blogs dort scheinen auch eher dem Lischee eines Online-Tagebuches zu entsprechen. Gestern gab es schon einige Stunden Austausch mit den russischen Bloggern. Dabei gab es einige Gemeinsamkeiten zu entdecken: Sowohl Russen als auch Deutsche bloggen sprachlich relativ isoliert. Die Themen sind auch recht ähnlich. Nur die Probleme anderes. Während man in Deutschland abgemahnt werden kann, ist sowas in Russland relativ undenkbar. Aber dafür kann man hier wahrscheinlich nicht so seine freie Meinung äussern wie in Deutschland, auch wenn die russischen Bloggern dies erzählen. Die Diskussionsrunden ziehen sich leider aufgrund der Sprachbarriere etwas in die Länge. Eine Übersetzerin übersetzt alle paar Sätze lang den Text wahlweise in deutsch oder russisch. Abends und in den Pausen unterhält man sich auf englisch, damit ist ein fließender Dialog möglich.

Das Essen ist ansonsten auch gut. Zwar etwas fleischlastig, aber auch viel Fisch. Heute gibts noch weiteres Rahmenprogramm, wie ein Filmballett in der Oper und irgendwelche Empfänge. Zum Glück werden wir hier betreut, sonst stände man den kyrillischen Schriftzeichen etwas hilflos gegenüber. Man weiß ja nie, wo man genau ist. Aber nun erstmal wieder Kulturaustauschen mit den russischen Bloggern.

Die Blogbeiträge werden wohl bei to4ka-treff, dem deutsch-russischen Jugendportal vom Goethe-Institut gespiegelt und dann übersetzt.

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