Kultur

Neue Langweile in der „Neuen Öffentlichkeit“

Heute war ich mal bei der Friedrich Ebert Stiftung. Diese veranstaltete zusammen mit der Deutschen Welle eine „Medien-Fachkonferenz“ zum Thema „Neue Öffentlichkeit – Was Videojournalismus, Bloggen und Co. für Gesellschaft und Auslandsfunk bedeuten“. Kurz zusammen gefasst war ich glücklich, nicht pünktlich zum Beginn da gewesen zu sein und bin auch früher gegangen. Internet gab es nur kostenpflichtig. Drei Stunden kosteten auch nur 9,90 Euro: Fast ein Schnäppchen.

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Wie das so immer auf solchen Konferenzen ist, kommen viele Redebeiträge von grauhaarigen Männern, die nicht genau verstehen, worüber sie sprechen. Ihre Qualifikation ist dann oft, dass sie in ihren Institutionen Positionen erreicht, wo man sich zu allem äussern darf und muss. Etwas merkwürdig wird es dann im Allgemeinen, wenn sie über Blogs & Co. ohne vorgefertigte Rede frei sprechen.

Christian Gramsch,Programmdirektor der Deutschen Welle, ist so ein Fall. Vehement verlangte er mehr Qualität bei den Blogs und regulatorische Mechanismen, um diese durchzusetzen. Er meinte wohl sowas wie einen Presse-Kodex für alle, die im Internet publizieren wollen. Denn dadurch würden die armen Menschen geschützt werden können, die ohne Medienkompetenz über Suchmaschinen auf Blogs stossen. Und dort fehlerhafte Informationen vorfinden würden, die der Deutschen Welle nicht passieren. Während er dies forderte, offenbarte er ein Halbwissen über Blogs. Meine Assoziation in dem Moment war, dass eine automatische Fehlerkontrolle bei mindestens jedem zweiten Satz von ihm eine laute Sirene oder zumindest ein Blaulicht anmachen müsste. Es würde laut werden. Und so wünschte ich mir ironisch mehr regulatorische Mechanismen, dass sich nicht jeder mit gefährlichen Halbwissen auf Fachkonferenzen in der Öffentlichkeit zu Themen äussern dürfte, von denen man keine Ahnung hat. Zum Schutz der unwissenden Zuhörer, die noch glauben könnten, das wäre alles richtig und gut.

Das Panel wo Herr Gramsch sass, hatte den Titel „Weblogs: Öffentlicher Raum für jedermann?“ Schade, dass man weder die Frage ausreichend besprochen noch beantwortet hat. Und so verpasste die gesamte Konferenz auch die Leitfrage, was „Videojournalismus, Bloggen & Co für die Gesellschaft“ bedeuten. Sie wurde weitgehend ausgeblendet, bzw. nur auf den „professionellen Journalismus“ bezogen. Dem geht’s nach Ansicht der anwesenden Journalisten gut und das soll auch so bleiben. Irgendwie. Man hätte die Konferenz ehrlicherweise „ Was Videojournalismus, Bloggen & Co für den Auslandsrundfunk bedeuten“ nennen sollen. Und ich hätte den Tag andersweitig sinnvoller nutzen können.

Es gab natürlich auch Ausnahmen, wie Daniel Fiene auf dem Weblog-Panel. Schade, dass der Moderator ihn nicht zum Leitthema befragte und die Themenfremden die meiste Redezeit bekamen. Sehr unterhaltsam war auch Gerd Brendel vom Küchenradio. Beide waren aber eher die „Quoten-Blogger“ in der Diskussion, kamen aber kaum zu Wort. Interessant war auch die häufig verwendete Floskel, mit den gerade vorgetragenen Thesen hätte man doch sicher die anwesenden Blogger zu einer Meinungsäusserung motiviert. Die wenigen mir bekannten anwesenden Blogger sind aber schon früher gegangen und so blieb es bei einer typischen Medien-Konferenz über das Internet und das digitale Zeitalter mit Teilnehmern, die da noch nicht angekommen sind. Wobei die letzte Runde zum Thema „Internationale Konkurrenz – Strategien der Auslandssender im digitalen Zeitalter“ vielleicht noch interessant sein können. Ich musste aber zwischendurch zu einem Termin und wollte das Risiko nicht mehr eingehen, zum langweilen zurück zu fahren.

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5 Kommentare
  1. Vielen Dank für das interessante Teilnehmerfeedback zu diesem Kongress; da bin ich ja froh, dass ich mich nicht auf den Weg nach Berlin gemacht und damit Zeit sowie Geld gespart habe. Es bestätigt, was ich aus täglicher, weil öffentlich-rechtlicher(!), Praxis kenne: Nach wie vor setzen traditionelle Veranstalter (wie FES) die „Altvorderen“, sprich die „old big Bosse“, in solche Paneels anstatt die fach- und sachkundigen (jungen) Referentinnen und Referenten(die natürlich unbekannt sind) mal ran und damit aufs Podium zu lassen!

  2. Danke, du hast mir aus der Seele gesprochen. Spätestens ab dem Punkt, da warst du noch nicht da, wo der Herr Gramsch meinte alle Blogs seien nur „Debattierclubs für Denunzianten“ habe ich mich schon gefragt, was ich hier mache. Selbstverständlich sei ja der Bild-Blog die Ausnahme, sowie die die in nicht-demokratischen Ländern leben. So eine selbstgefällige Arroganz habe ich selten erlebt.
    Die Typen hatten und haben nicht die geringste Ahnung. Aber immerhin können sie sich selbst feiern. Das können die wohl alle ganz gut.

    Die beiden Blogger Au Waipang und Fiene sowie Herr Brendel waren die einzigen Ausnahmen, wo eine willkommene Frische da war.

    Bei der letzen Runde hast du eigentlich nicht viel verpasst. Es war zwar interessant und es wurde noch ein paar tolle Statements abgegeben, aber nichts was man nicht eh ohnehin wüsste.

    Das nächste mal überlege ich mir das doppelt , ob ich nochmal zu sowas hingehe… allein schon wenn ich von der Rezeption ein „Sie haben sich hier angemeldet?“ entgegengeschleudert bekomme.

    Warum können die nicht endlich m al Leute sprechen lassen die auch Ahnung von solchen Themen haben?

    D

  3. Ich fand die Gedanken von Christian Gramsch zum journalistischen Umgang mit Blogs sehr richtitg. Da muss der gleiche Maßstab gelten wie bei anderen Quellen: ohne gegencheck keine Nutzung einer einzelnen Quelle (Ausnahmen bestätigen auch da die Regel). Sonst kommt es zu so bizarren Meldungen wie die angebliche Schwangerschaft von Carla Bruni auch bei tatsächlich wichtigen Themen.

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