Kultur

Die unheimlichen Herrscher des Internet?

Gestern Abend lief auf HR3 ARD eine fast einstündige Sendung mit dem Titel „Betrüger, Erpresser, Terroristen – Die unheimlichen Herrscher des Internet“.


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[…] Ob es die Suche nach dem passenden Urlaubsziel ist, das praktische Online-Banking oder der weltweite Kontakt per E-Mail, jeder zweite Haushalt in Deutschland ist online. Kaum einer von uns ahnt aber, welchen Risiken wir uns beim Surfen im Internet aussetzen. Längst hat sich die organisierte Kriminalität etabliert, Terror-Experten gehen davon aus, dass zukünftige Terror-Anschläge aus dem Internet kommen werden. „Fünf oder zehn Menschen mit einem Computer ist es möglich, größere Schäden anzurichten, als es eine gut ausgerüsteten Armee mit über 100.000 Soldaten vermag“, sagt D.K. Matai, Sicherheitsexperte aus London.

[…] Nach einjähriger Recherche gelang es einem Fernseh-Team des Hessischen Rundfunks, Angreifer, Ermittler und Opfer von Internetangriffen vor die Kamera zu bekommen. Sie malen ein erschreckendes Bild von der Bedrohung aus dem Internet.

Wenigstens gibt es den Film als Flash-Version auf der HR-Webseite, wenngleich ohne Embedded-Funktion zum hier zeigen. Jörg-Olaf Schäfers hat es als erster gefunden und weist auch schon auf die Qualitäten eines der „Experten“ hin:

mi2g, die Londoner Firma, deren Experte gerade zitiert wurde, ist übrigens sowas wie Pan Amp hier in Deutschland. Meister der Eigen-PR, aber nicht unbedingt für stichhaltige Analysen bekannt.

Nach all der Panikmache im (öffentlich-rechtlichen) Fernsehen werden die Politiker demnächst vermutlich das Internet abschalten wollen…

6 Kommentare
  1. Ich seh´s direkt vor mir, wie sich die 10 Leute um den einen Computer prügeln. Aber es stimmt schon – was die paar Männeken z.B. bei Microsoft bisher weltweit an Produktivitätsverlusten verursacht haben, schafft keine Armee mit vielen 100.000 Soldaten. ;-))

  2. Ich hab das gesehen, gestern und empfand den Bericht als wenig informativ und als Panikmache.
    Er ließ außer acht das neben den jeweils sichersten Windowsversionen aller Zeiten, der Welt und überhaupt auch andere Betriebssysteme eingesetzt werden. Insbesondere in Unternehmen.
    Der Bericht erwähnte mit keinem Wort, welche Schutzmaßnahmen getroffen werden können und erweckte so den Eindruck, als sei der I-net-User den „Unheimlichen Herrschern des Internets“ auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

    Das I-net wäre ein viel sichererer Ort, wenn jeder sich in gebührender Weise um den eigenen Rechner kümmern würde. Kein Hersteller eines Betriebssystems kann den User davor schützen, sich falsch zu verhalten, z.B. auf infizierte E-Mailanhänge zu klicken. Keine Technik kann die Verantwortug für das Verhalten des Users übernehmen.
    Wenn ich mit einem Auto am Straßenverkehr teilnehme und einen Unfall baue, weil mein Wagen in einem schlechten technischen Zustand ist, dann bin ich als Fahrer dafür verantwortlich. Im I-net sollten dieselben Regeln gelten.
    Verantwortlich für den eigenen Rechner ist der Root/Admin/User und wenn der sich angemessen verhält indem er sich mit der Materie auseinandersetzt, haben Bots und Botnetze (und Viren etc) kaum eine Chance. Ich als Computerbenutzer kann also einen Teil zur Sicherheit des I-nets beitragen, ich muß mich nicht hilflos und verängstigt fühlen.

    Und was die Erwähnung der Terroranschläge am Beginn des Berichtes sollte, erschloß sich mir nicht. Außer das darin beispielhaft dargestellt wurde, daß in „den Medien“ immer von „dem Internet“ die Rede ist, als sei es etwas böses, dabei verabreden sich die bösen Buben nicht „in dem Internet“ sondern in Foren, in Chats, auf Mailinglisten, also in Teilbereichen des Internets. Eine größere Differenzierung in der Berichterstattung würde dem Umstand Rechnung tragen, daß nicht „das Internet“ böse ist, sondern die Menschen die es mißbrauchen. Nicht Waffen töten Menschen. Menschen töten Menschen.

  3. Die Ansicht, daß es sich bei dieser Sendung um pauschale und wenig differenziert recherchierte Panikmache handelt, kann ich nur unterschreiben.
    Dieser Eindruck muß sich geradezu aufdrängen, wenn der ganze Spaß bereits so beginnt:
    11.03.2004: in Madrid explodieren Bomben. 191 Menschen sterben. Die Attentäter: aufgehetzt von einem islamistischen Text *im Internet*.
    07.07.2005: auch in London explodieren Bomben. 56 Menschen sterben. Die Selbstmordattentäter verabredeten sich *im Internet*.
    31.07.2006: in Dortmund und Koblenz werden Kofferbomben gefunden. Die Bombenbauer fanden Anleitungen *im Internet*.
    Das Internet: mißbraucht von Betrüger, Erpressern, Terroristen.

    Das Ganze unterlegt von Tastaturgeklapper und CSI-mäßigen Grafiken und passend bedrohlicher Musik. Und los fährt die große Angstmaschine.
    Wenn man sich dann noch die Ausführungen auf der Website zum Thema „PC-Sicherheit“ durchliest (Gefahren, Schutz, Virenscanner, Rettung) wird die „Kompetenz“ im Umgang mit IT-Themen offensichtlich.

    Diejenigen, die was davon verstehen, schütteln den Kopf oder wenn sie gut drauf sind, haben was zu lachen. Diejenigen, die nicht wirklich Bescheid wissen, werden massiv verunsichert und verängstigt. Großartig.

  4. Ach ja, um das noch etwas zu konkretisieren:

    Wenn man sich dann noch die Ausführungen auf der Website zum Thema „PC-Sicherheit“ durchliest (Gefahren, Schutz, Virenscanner, Rettung) wird die „Kompetenz“ im Umgang mit IT-Themen offensichtlich.

    Bsp: Datensicherung
    Eine kostenlose Software zur Datensicherung ist zum Beispiel XYZ. Die sie hier herunter laden können.

    Da ist der Text wohl nicht rechtzeitig fertig geworden oder man hat keine passende Software gefunden. ;)

    Bsp: Computersicherheit – Checkliste
    Diese soll „alle wichtigen Aspekte zur Computersicherheit auf einen Blick“ bieten. Sie besteht im Wesentlichen aus allgemeinen 0815-Hinweisen wie Virenscanner/Anti-Spyware/Firewall installieren, Software aktuell halten, korrekte Passwörter verwenden, keine Email[sic!]anhänge von Unbekannt öffnen, etc.

    Das alles gibts auch als PDF, das allerdings mit massiven Nutzungsbedingungen versehen ist und so ausschließlich für private Zwecke genutzt und keinesfalls weitergegeben werden darf – auch nicht in Ausschnitten!!!
    Also, erstens sind die Aussagen wirlkich allgemein und zweitens ist Zitieren (s. o.) immer noch erlaubt. Abgesehen davon dachte ich, es wäre im Sinne, wenn diese „tollen Tipps“ weite Verbreitung fänden.
    Egal, ich will das Dokument mit dem Titel „Microsoft Word – Computersicherheit.doc“ von NELBERT ohnehin nicht verbreiten. SCNR

    Alles in allem Blabla für den Windows-DAU, der nach Konsum des Beitrags und der Info zwar auch nicht klüger, dafür aber (wie schon geschrieben) ängstlicher sein dürfte.

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