Dieser Artikel ist mehr als 19 Jahre alt.

Mobilisierungsaufruf in eigener Sache

Vor einigen Jahren wanderte in einem laizistischen Staat ein Bürgermeister ins Gefängnis, weil er ein Gedicht eines lokalen Schreibers zitierte: „Die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme // Die Moscheen unsere Kasernen, die Gläubigen unsere Soldaten // Diese göttliche Armee ist bereit // In Deutschland erinnert sich derzeit ein Verband aus einer ganz anderen…

  • Mathias Schindler

Vor einigen Jahren wanderte in einem laizistischen Staat ein Bürgermeister ins Gefängnis, weil er ein Gedicht eines lokalen Schreibers zitierte:

„Die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme // Die Moscheen unsere Kasernen, die Gläubigen unsere Soldaten // Diese göttliche Armee ist bereit //

In Deutschland erinnert sich derzeit ein Verband aus einer ganz anderen Ecke, daß man da draußen noch eine Armee herumstehen hat.

Im Handelsblatt vom 11. Mai schreibt Maximilian Steinbeis über einen Verein, dessen Stifte die Bajonette sind, dessen Druckerpressen die Geschütze, dessen Redaktionen die Kasernen und deren Leser ihre Soldaten. Diese journalistische Armee ist bereit.

Unter der Anrede „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ heißt es in dem Schreiben: „Die Hiobsbotschaft gleich vorweg: IHR jährlicher VG WORT-Scheck wird in Zukunft äußerst mager ausfallen oder ganz ausbleiben.“ Daher solle jeder Journalist „jede professionelle Gelegenheit nutzen“, die Diskussion zu unterstützen, und „die bevorstehende Enteignung in Ihren Redaktionskonferenzen“ thematisieren.

Danke an den Verband, der wie kein zweiter klargestellt hat, daß es keinen Journalismus über Journalismus gibt. Dass die Berichterstattung eines Journalisten über das Urheberrecht im Zweifel Agitation in eigener Sache ist und daß Grundsätze der guten Arbeitspraxis Verhandlungsmasse gegenüber dem eigenen Konto sind.

Danke auch an Steinbeis, der durch Berichterstattung dazu die Antithese zu Gedichten oder ihren Interpretationen darstellt.

Über die Autor:innen

  • Mathias Schindler

    Seit 2003 Autor bei Wikipedia. Seit 2004 Mitglied bei Wikimedia Deutschland (in den Anfangsjahren Mitglied des Vorstandes) Von 2009 bis 2014 Projektmanager bei Wikimedia Deutschland Seit 2014 Mitarbeiter von Julia Reda, MdEP (Piratenpartei, Fraktion Grüne/EFA)


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ein Kommentar zu „Mobilisierungsaufruf in eigener Sache“


  1. Mark Wolf

    ,

    Es gibt für die Vergütung keine faire Lösung. Kann es dann eine faire und ausgewogene öffentliche Diskussion geben?

    Ich meine ja. Auch die Journalisten und Autoren sollen sich zu Wort melden. Die Verwertungsgesellschaften aber sind eindeutig pateiisch und sollten sich zurückhalten.

    Kann ich fair diskutieren, wenn ich für einen Kopierer VG Wort zahle unabhängig davon ob und wieviel urheberrechtlich geschützte Werkstücke verviefältigt werden?

    Kann ein Autor fair diskutieren, wenn er weiß, daß seine Werke tausendfach vervielfältigt werden gegen eine geringe pauschale Abgabe?

    Weder gesetzliche noch private Abmachungen können an diesem Zwiespalt etwas ändern. Meiner Meinung nach geht die Diskussion und vor allem das Gesetz am Problem total vorbei.

Dieser Artikel ist älter als 19 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.