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Montag, 28. April 2008

Microsoft will Schülern “geistiges Eigentum” beibringen (und braucht selbst Nachhilfe)

Die Rechteindustrie bietet seit einiger Zeit schon gerne die eigenen und garantiert nicht neutralen Lehrmaterialen für Schüler an. Bisher kamen die Materialien aber in der Regel von der Musikindustrie. Neu sind die Lehrmaterialien von Microsoft, die auch gerne mit Lehrmaterialien jungen Menschen das Weltbild des Konzerns erklären. Bei den aktuellen Urheberrehts-Lehrmaterialien ist aber einiges schief gegangen, wie das IRights-Blog berichtet: Microsoft will Schülern “geistiges Eigentum” beibringen (und braucht selbst Nachhilfe). Das mit dem “geistigen Eigentum” ist auch schon schwer: Da bringen selbst die Experten locker flockig das Uhrberrecht und das Markenrecht durcheinander. Ob sich Brigitte Zypries die Materialien vorher angeschaut hat, die sie mit ihrem Grusswort empfiehlt?

Man ist sich in dem Heft auch nicht zu Schade, solche Fragen in einem Kreuzworträtsel zu stellen:

* “Wie nennt man das Echtheitszertifikat, das zu jedem Originalprodukt von Microsoft gehört? (Abkürzung)”
* “Darf ich die Kopie meines originalen Microsoft-Excel-Programms an einen Freund verschenken?”
* “Der Gründer der Firma Microsoft.”

Wäre ja schön, wenn man unser Bildungssystems nicht Industrie-Lobbyisten mit ihren einseitigen Interessen überlässt.

Mittwoch, 23. April 2008

Plays for sure?

In den letzten Jahren promotete Microsoft die eigene DRM-Infrastruktur mit dem Slogan “Plays for sure” (Spielt zuverlässig / sicher). Wer den WMA-Schrott im Hauseigenen MSN-Musik-Store kaufte, bekam damit das Versprechen, dass die gekauften Stücke natürlich überall abspielbar waren. Also natürlich auf der Windows-Plattform und wenigen autorisierten Rechnern und nicht überall, wo man Musik hört. Aber selbst auf der Windows-Plattform läuft das nicht mehr so wirklich. Erst kam der Zune-Player von Microsoft (Nutzt den eigentlich jemand?) und schon der war nicht mehr abwärts kompatibel.

Nun wird der MSN-Musik-Store zum 31. August 2008 abgeschaltet und an die Kunden wurde eine Mail verschickt, dass man doch bitte für jede darüber gekaufte Musik die Rechteverwaltung ändern soll: DRM sucks redux: Microsoft to nuke MSN Music DRM keys. Sonst funktioniert die Musik nicht mehr. Und wehe, die Mail landet im Spamfilter… Man stelle sich das mal übertragen in die analoge Welt vor:

Man will in einem Laden Musik kaufen und gibt dort erstmal die fünf CD-Player an, auf denen die Musik abläuft. Mehr geht nicht, aber ok. Man ist ja schmerzfrei. Zusätzlich hinerlässt man noch eine Adresse, falls was passiert. Und irgendwann meldet sich der Musikhändler und erklärt, dass man leider eine Scheiss Technologie verkauft hat und nun alles ändern müsste. Bitte geben Sie fünf neue CD-Player für jede CD an. In der Realität ist das noch bizarrer.

Ist DRM damit tot? Nein, sicher nicht. Aber es zeigt, dass man sich auf die Technologie und die Versprechen der Hersteller nicht verlassen sollte. Nur offene Formate sind nachhaltig und garantieren, dass man auch in Zukunft noch zuverlässig auf die gekaufte Musik zugreifen kann. Selbst wenn der Hersteller die Technologie abschaltet, bzw. nicht mehr weiter entwickelt.

[via]

Montag, 14. April 2008

Warum Microsoft sein OpenXML als ISO-Standard durchdrücken konnte

Am Samstag gingen Manfred Kloiber und Peter Welchering in der Deutschlandfunk-Sendung “Computer & Kommunikation” der Frage nach, “warum Microsoft sein OpenXML als ISO-Standard durchdrücken konnte”: Punktsieg für die Lobbyisten.

Kloiber: Welche Auswirkung hat das für PC-Anwender?

Welchering: Mit den beiden Standard-Formaten OOXML und ODF ist das ISO-Dokumentenformat nunmehr unterschiedlich interpretierbar. Dokumente können also nicht einfach per Tastendruck von Betriebsystem zu Betriebssystem, von Office-Anwendung zu Office-Anwendung, vom Editor zum Layout-Programm einfach ausgetauscht werden, sondern müssen nach wie vor konvertiert werden. Das heißt im Klartext: Mit zwei Standards ist eigentlich gar nicht geregelt. Dateikonvertierungen sind dann genauso nötig wie beim Fehlen eines Standards. Deshalb darf man wohl mit Fug und Recht sagen: Mit der Verabschiedung von Open XML als Standard für Dokumentenformate hat die ISO den PC-Anwendern keinen Gefallen getan.

Hier ist die passende MP3 dazu.

Mittwoch, 9. April 2008

EU: Auschluss von MS-Produkten bei Vergabeverfahren?

Na, da bin ich aber mal auf das Ergebnis gespannt:

Rechtskräftig verurteilte Unternehmen sind laut EU-Haushaltsordnung von Vergabeverfahren auszuschließen. Ob dies nun bedeutet, dass Behörden innerhalb der EU in Zukunft ohne Microsoft-Produkte auskommen müssen, versucht die Grüne-Europaabgeordnete Heide Rühle mit ihrer Anfrage an die EU-Kommission (PDF) zu klären.

Freitag, 4. April 2008

Microsoft verkaufte Software aus steuerlichen Gründen?

Angeblich hat Microsoft in Indien versucht, Steuern zu sparen, indem sie angaben, ihre Software zu verkaufen und nicht etwa mit einem Lizenzvertrag dem Kunden zu vermitteln.
Irgendwie kamen die indischen Behörden aber nicht drumherum, zu bemerken, dass die Microsoft-Produkte nur so in Lizenztexten schwimmen. Mehr dazu über BoingBoing.

Mittwoch, 27. Februar 2008

EU-Kommission verhängt Zwangsgeld in Höhe von 899 Mio. EUR gegen Microsoft

Die EU-Kommission verkündet in einer Pressemitteilung: Kartellrecht: Kommission verhängt Zwangsgeld in Höhe von 899 Mio. EUR gegen Microsoft wegen Nichteinhaltung ihrer Entscheidung vom März 2004.

Die Europäische Kommission hat ein Zwangsgeld in Höhe von 899 Mio. EUR gegen Microsoft verhängt, weil das Unternehmen die in der Kommissionsentscheidung vom März 2004 festgelegten Auflagen (siehe IP/04/382) bis zum 22. Oktober 2007 nicht erfüllt hat. In der heutigen Entscheidung nach Artikel 24 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1⁄2003 wird festgestellt, dass Microsoft vor dem 22. Oktober 2007 unangemessen hohe Preise für die Bereitstellung der Schnittstellenspezifikationen für Arbeitsgruppen-Server verlangt hat. In der 2004 gegen Microsoft erlassenen Entscheidung, die das Gericht erster Instanz 2007 bestätigte (siehe CJE/07/63 und MEMO/07/359), wurde der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung durch Microsoft gemäß Artikel 82 EG-Vertrag festgestellt und angeordnet, dass Microsoft die Schnittstellenspezifikationen, die erforderlich sind, damit die Arbeitsgruppenserver von Microsoft-Konkurrenten problemlos mit Windows-PCs und -Servern „kommunizieren“ können, zu einem angemessenen Preis zur Verfügung stellen muss.

Donnerstag, 24. Januar 2008

Herzlichen Dank, dass ich heute hier sein kann.

Zeit-Online schliesst sich unserer Kritik am Merkel-Gates-Treffen und der Initiative für “IT-Fitness” an und fragt, “warum lässt sich Angela Merkel vor den Lobby-Karren spannen?”: Lachende Menschen mit Computern.

Wenn letztere nun gemeinsam mit deutschen Unternehmen – und der medienwirksamen Unterstützung der Bundeskanzlerin – Schüler „IT-fit“ machen will, heißt das im Klartext: Hier werden künftige Mitarbeiter im Umgang mit den Produkten von Microsoft unterwiesen.

Passend dazu auch der letzte Satz aus der Rede von Angela Merkel auf der Microsoft-Produktshow:

Herzlichen Dank, dass ich heute hier sein kann.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Kanzlerin präsentiert Microsoft-Produktshow

Microsoft veranstaltet gestern und heute in Berlin eine grosse Produktshow für ihre eGovernment-Anwendungen. Praktischerweise kommen bei solchen grossen Produktpräsentationen auch immer genug hochwertige Politiker, vor allem wenn man Bill Gates einfliegt und gleich noch aus dem Marketingetat Bildungsprodukte verkündet. Corporate Social Responsibilty nennt sich das dann und am praktischsten ist es, wenn man gleich die eigenen Produkte damit ins Spiel bringt. Bei Microsoft ist das eine gerne genutzte Strategie, um die eigene Monopolposition zu erhalten. Man spendet einfach Softwarelizenzen, verkündet dann, dass diese x-Millionen Euro wert sind und schult dann noch auf Internet-Plattformen Lehrer. Weil irgendwer muss das ja tun, wenn der Staat dies nicht macht. Dass dabei nur die eigenen Produkte geschult werden und Alternativen zum Monopol gar nicht in den Schulungen vorkommen - geschenkt. Versteht in unserer Regierung vermutlich eh keiner, wo das mit dem Handy und den Browsern schon schwer ist.

Angela Merkel und Bill Gates diskutierten dann heute auch erstmal im Kanzleramt und dann auf dem “Government Leaders Forum Europe” “über gesellschaftspolitische Herausforderungen im 21. Jahrhundert und die Anforderungen an moderne Bildungssysteme”. Sagt zumindest die Microsoft-PR. Und die funktioniert prima, wenn man sich die Original-Pressemitteilungen anschaut und mit dem vergleicht, was überall darüber berichtet wird.

Eines der gemeinsam vorgestellten Projekte ist auch das schon bekannte “IT-Fitness“. Diesmal veranstaltet man einen Wettbewerb und verchenkt etwas Hardware an eine Schule. Die Plattform “IT-Fitness” wird von einem Verein getragen, dem “IT-Bildungsnetz e.V.”. Ging wohl ursprünglich mal aus einem Cisco-Netzwerk hervor und auch die BITKOM sitzt mit drin. Ansprechpartner auf der Seite ist zufällig die Microsoft-Public Affairs Sprecherin. Public Affairs ist übrigens die Lobby-/Spin-Abteilung, für diejenigen, die den Begriff noch nicht kennen. Die PLattform “IT-Fitness” engagiert sich “für die Schaffung besserer Schulungsangebote im IT-Bereich für alle Alters- und Bildungsgruppen in Deutschland”. Hauptbestanteil der Initiative ist der “IT-Fitness-Test”. Dort bekommt man 42 Fragen, für die man 90 Minuten Zeit hat. Und die Fragens ind gar nicht so einfach. Da haben wir z.B. Frage 10: “Beinhaltet das Betriebssystem Microsoft Windows eine Online-Hilfe-Funktion?”. Frage 11 ist auch eine grosse Herausforderung: “Wie können Sie das Programm Word erfolgreich beenden?”. Sonst wird gefragt, wofür WLAN steht und verschiedene detaillierte Produktinfos aus der Windows- und MS-Office Produktpalette werden abgefragt.

Für Microsoft sicher eine praktische Sache, die dazu beiträgt, das eigene Monopol von ca. 90% Marktanteil zu halten. Alternativen kommen weder im Test vor, noch auf der Produktshow mit den vielen Politikern aus Bundesregierung und EU-Kommission. Die politische Forderung ist einfach: Alternativen zum Monopol sollten in der Schule unterrichtet werden. Es ist nicht im Interesse der digitalen Gesellschaft, wenn man sich von einem marktbeherrschenden Anbieter so abhängig macht.

Gibt es eigentlich die Rede von Angela Merkel schon irgendwo online zu finden? Ich finde aktuell nur Agenturmeldungen von AP und dpa. Dort wird Merkel folgendermassen zitiert:

Merkel sagte in ihrer Rede auf dem IT-Kongress, es sei zum Teil noch gar nicht verstanden worden, welche kulturelle Revolution die Informationstechnologie möglich gemacht habe. «Wir leben in einer Zeit, die ungefähr so revolutionär ist, wie die Zeit zur Einführung der Buchdruckerkunst», sagte sie. «Von der Frage, wie schnell und wie bestimmend wir in diesem Bereich der Informationstechnologie sind, hängt für Europa ab, welche Rolle im 21. Jahrhundert es am Ende spielen wird. Merkel warnte davor, technische und kulturelle Entwicklungen vorbeiziehen zu lassen. «Ich glaube, das Internet ist sozusagen die Hardware für uns zu lernen, global zu denken», sagte die Kanzlerin.

Zitate wie “es sei zum Teil noch gar nicht verstanden worden, welche kulturelle Revolution die Informationstechnologie möglich gemacht habe” machen ja auch immer sehr viel Spass, wenn man sich die IT-Kompetenz unserer Bundesregierung anschaut. Das erklärt auch immer die schlechten gesetzlichen Rahmenbedingungen für die digitale Gesellschaft.

 

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