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Exportieren die USA SOPA nach Europa?

In den USA tobt derzeit die Auseinandersetzung um den sogenannten “Stop Online Piracy Act” (SOPA), der auf Initiative von Urheberrechts-Lobbys wie die MPAA oder RIAA für eine strengere Regulierung des Internets im Kampf gegen Urheberrechtsverstöße sorgen soll (mehr dazu: “Hollywood vs Freies Internet“).

Wie nun der Guardian unter Bezug auf Wikileaks Cables berichtet, hat der US-Botschafter in Spanien bereits seit längerem massiven Druck auf die spanische Regierung ausgeübt, Maßnahmen nach SOPA-Vorbild in das dortige Urheberrecht zu implementieren.  In dem Guardian-Artikel heißt es dazu wie folgt (eigene Übersetzung):

In einem Brief äußerte [US-Botschafter] Solomont versteckte Drohungen, indem er seine Empfänger daran erinnerte, dass Spanien auf der Liste Special 301 des US-Handelsvertreters sei, also jener Staaten die über keine “angemessenen und effektiven” Maßnahmen zur Sicherung geistiger Eigentumsrechte verfügen. Spanien riskiere, dass seine Position auf dieser Liste weiter “herabgesetzt” werde und so auf der echten schwarzen Liste der “schlimmsten Verletzer globaler geistiger Eigentumsrechte” zu landen.

Mit dieser Drohung verbunden wäre dann die Möglichkeit zur Verhängung weitreichender Handelssanktionen. Und wie es aussieht, waren diese Drohungen erfolgreich. Der nun vorliegende Gesetzesentwurf ähnelt, dem Guardian zu Folge, tatsächlich über weite Strecken SOPA.

Problematisch an dieser Geschichte ist dabei auch, dass der US-Einfluss auf die Neugestaltung des spanischen Urheberrechts bis zur Veröffentlichung der Wikileaks Cables völlig unbekannt war. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass auch in anderen Ländern ähnlicher Druck ausgeübt wurde und wird. Brisant ist der Vorgang außerdem, weil SOPA ja in den USA noch nicht einmal verabschiedet ist, der US-Handelsvertreter aber bereits außerhalb der USA für ähnliche Bestimmungen lobbyiert.

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23 Kommentare

  1. Fritzdermeckerer
    Am 7. Januar 2012 um 11:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und warum wundert mich das überhaupt nicht?

  2. Am 7. Januar 2012 um 11:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hach, was wäre die Welt doch ohne die USA …

    • Klarsicht
      Am 12. Januar 2012 um 17:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Vermutlich eine bessere.

  3. anon
    Am 7. Januar 2012 um 12:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    spiegel hat das thema in ihrem netzwelt-ticker (“ferner geschehen…”) behandelt: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,807519,00.html

  4. Am 7. Januar 2012 um 12:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich darf noch mal an die einzig korrekte Antwort erinnern:
    „Man lehne es ab, sich von anderen Ländern deren Politik aufnötigen zu lassen.“
    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/emissionshandel126.html

    Und unsere Politiker wissen sehr genau, dass sie diesen Schrott hier nicht etabliert bekommen, weil hier sonst die Wand wackelt. :-)

  5. Gerrit H
    Am 7. Januar 2012 um 12:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ekelhaft, hinterher sagen sie dann zur eigenen Bevölkerung: “Seit nicht gegen SOPA, die in Europa haben das auch, da müssen wir mitziehen.”

  6. Am 7. Januar 2012 um 13:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    We are living in Amerika, Amerika ist wunderbar……..

  7. Bernd
    Am 7. Januar 2012 um 15:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wo sind die Cyber-Milizen von Anonymous wenn man sie braucht?

  8. Am 7. Januar 2012 um 17:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hier (Englisch) wird anhand von anderen Cables dargelegt, wie die USA auf entsprechende Gesetzgebung in Schweden Einfluss genommen hat. Erschütternd.

  9. Am 7. Januar 2012 um 17:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich frage mich immer wieder, welchen zu-kurz-denkenden Laien auf die Idee gekommen sind, einfach ganze Webseiten blockieren zu wollen, wenn sie angeblich urheberrechtlich geschütztes Material verbreiten. Es wird Zeit, dass das Internet endlich eine kompetente Lobby bekommt, die gegen diese “Hau-drauf-Methoden” angehen kann. Sehr aussagekräftig fand ich die Geschichte vom Weebly Gründer David Rusenko “GoDaddy: A glimpse of the Internet under SOPA”. Einfach mal wegen einer Beschwerde und ohne weitere Recherchen eine Domain “abschalten”…

  10. Andreas
    Am 7. Januar 2012 um 21:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

    dann gießt man SOPA halt in ne EU-Richtlinie. Spätestens dadurch könnte man das Vorhaben weitgehend demokratischer Kontrolle entziehen.

  11. Gunter
    Am 7. Januar 2012 um 22:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

    das ist wiedermal typisch für die amerikaner.
    die bilden sich doch tatsächlich ein, dass ohne die usa nicht geht.
    dafür das sie im namen der demokratie soviel ungerechtigkeit, unheil usw. über die welt gebracht haben, wundert mich nichts mehr.

  12. JJ
    Am 8. Januar 2012 um 14:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    SOPA in der vorliegenden Form geht gar nicht.
    Interventionen des Weltpolizisten USA sind mindestens problematisch. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn es Deutschland mal wieder gelungen ist auf internationalem Parkett eine deutsche Position durchzusetzen (Klima, Finanzaufsicht oä) jubeln Presse und Bevölkerung gleichermassen. Jedes ‘einflussreiche’ Land verhandelt Themen auch ‘behind closed doors’ und nicht alles , was dort ausgetauscht wird ist freundlich. Wenn wir (EU und USA) Druck auf Russland oder China in ehrenhaften Anliegen wie Demokratie und Menschenrechte ausüben geht das für fast jeden in Ordnung. Im Falle SOPA stimmen wir mit den USA auch deshalb nicht überein, weil wir in D weder Hollywood noch eine Game Industrie haben.
    Darüber hinaus ist eines klar, eine ungebremste und vor allem unentgoltene Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Werken wird vor allem zur Folge haben, dass besonders aufwändige Produktionen künftig nicht mehr oder zumindesr deutlich weniger erstellt werden. Kein Filmproduzent kann sich mehrere wirtschaftliche Flops in Folge erlauben. Was nutzt es, wenn ein Werk Millionenfach verbreitet wird aber nur 100.000 mal bezahlt?

    • watson_knows
      Am 9. Januar 2012 um 09:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Entschuldigung, mir kam gerade ein Stück kotze hoch.

      • JJ
        Am 9. Januar 2012 um 15:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Soll ich Dir ein Kotztütchen reichen?

      • christa
        Am 9. Januar 2012 um 16:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ich glaube JJ hat die Sache gut und korrekt dargelegt.
        Wäre Dir eine Digitale Volksgemeinschaft, in der es kein oder nur ein geringer bewertetes Urheberrecht gäbe, denn angenehm? Was von den meisten Usern übersehen wird, ist die Tatsache, dass Menschen für die kulturellen Produkte extrem hart arbeiten. Und da das Argument ja so oft kommt: Ja, die meisten kulturell Schaffende leben weitaus weniger sozial und materiell abgesicherter als Arbeiter und Angestellte.

        “kotze” ? Es geht doch schlichtweg um Enteignung und Diebstahl, wenn das Urheberrecht kritisiert wird. Oder man wünscht sich den Digitalen Steinzeitkommunismus (z. B. das faschistische Zeitgeist-Movement).
        Das ist keine Demokratie, wenn man die Menschenrechte von Kulturschaffenden missachtet.

        Artikel 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
        http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html

        Artikel 14 des Grundgesetzes. http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_14.html

        Artikel 25, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
        http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html

        Artikel 17 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowohl Absatz 1 als auch 2
        http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html

  13. dornkaat
    Am 9. Januar 2012 um 10:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Tach, ich meine wenn die Rechteverwerter mit anständigen,statt mit diesen überhöhten Preisen Ihre Waren feil bieten würden, dann würde sich so manche/r das Zeug kaufen, statt es sich aus dem WEB zu laden.
    In der EU wird alles getan um es den AMIS recht zu machen das finde ich persönlich als Kniefall ! Genau dagegen muss von den I-Net Users Druck gemacht werden ! Lasst euch das nicht gefallen !

  14. Tomate
    Am 9. Januar 2012 um 14:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

    “Je weniger die Leute darüber wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie nachts” – sagte Bismarck, und der wusste, wovon er redet.

  15. Alex
    Am 9. Januar 2012 um 15:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    So sieht es aus, das Exportieren in einer Welt des globalen Freihandels.

    Beim Schreiben des Satzes kam mir ein Neusprech-Orgasmus. Auch Frieden läßt sich nicht mehr sagen, ohne an Streu- und Uranmunition zu denken. Das Pervertieren der Begrifflichkeiten durch die wahren Okkupanten geht weiter.

    Demokratie 101: Marktkonformität.

  16. ariemat
    Am 12. Januar 2012 um 10:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Land of the free…ein witz!
    Das Land spielt weltpolizist? Dieser Staat hebt den Finger und zeigt auf China, rügt Zensur in anderen Ländern, dabei wird es bald auf einer Stufe stehen mit diesen. Mischt sich ein und verbietet sich jede Einmischung, Kritik an dem eigenen Land und Politik. (schwarze Liste) Amerikanische Werte, was ist das? Die Abwehrmechanismen gegen den Terrorismus werden nun gegen die eigene Bevölkerung angewandt,. Amerikanische Werte? Fox-News-Propaganda..Es wird deshalb am Internet gebastelt, weil den Strippenziehern im hintergrund die Strippen entgleiten. Sopa ist Zensur und man meint auch noch das Weltweit betreiben zu können. Und da fragt sich die USA warum sie unbeliebt geworden ist?

  17. Freedom
    Am 18. Januar 2012 um 16:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich finde dieses Gesetz gut somit werden die großen Amerikanische firmen praktisch gezwungen nach europa zu kommen :P

  18. privatopfer
    Am 26. Januar 2012 um 14:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mal in ernst, wieso kann eine Lobby Internetsperren durchsetzen wollen und die privaten Daten dürfen gesammelt werden bis es kracht?
    Diejenigen die Dummheit und Inkompetenz ausnutzen weil eine Industrie ihre Rechte nicht ordentlich durchsetzen kann (bzw. ihre Felle wegen Geldgier schwimmen sieht), werden verhaftet und die Leute die kompromisslos private Daten sammeln und damit Geschäfte machen, werden mit Börsengängen belohnt.
    Wahrscheinlich weil die einen Schnüffelberhörden helfen und die anderen mit ihren Millardengewinnen sich so in die Politik einmischen das auch alles so bleibt. Wenn ein Schauspieler für eine Folge 700.000 Dollar einer Serie erhalten kann (pro Folge!), stimmt wohl was mit der Armut nicht.

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