Das Ende des Internets im Jahre 2010?

In den USA müssten bis zum Jahre 2010 angeblich 55 Mrd Dollar in neue Breitbandkabel investiert werden, damit das Netz die wachsende Datenflut in den Griff bekommt. Alleine Youtube würde 27 Petabyte pro Monat verbrauchen. Schuld sind die Nutzer, die Videos hoch- und runterladen und eigene Inhalte ins Netz stellen. Und wenn jetzt nichts an den politischen Rahmenbedingungen geändert wird, bricht das Internet in drei Jahren zusammen. Das liest man u.a. bei Robert Basic mit Bezug auf US-Medien: Wer bezahlt die Leitungen?

Eine solche Zahl lässt erstmal aufhorchen. Man sollte sie aber hinterfragen. Dann findet man heraus, dass Lobbyorganisationen dahinter stehen, die diese Zahlen ganz bewusst in die mediale Debatte werfen.Man nennt das auch “Astroturfing“. Diese Organisationen werden finanziert von Telekommunikations-Unternehmen, die ein Interesse daran haben, die Kontrolle über das Netz zurück zu gewinnen. Und schon ist man mitten drin in der Diskussion rund um Netzneutralität. In diesem Fall werden die Zahlen genutzt, um von der US-Regierung mehr Steuergelder und vor allem Zugeständnisse beim Abbau von Netzneutralität zu bekommen. Letzteres ist eine der Schlüsselmechanismen für den Erfolg eines offenen Internets: Alle Datenpakete werden gleich behandelt. Ob sie von einem grossen Unternehmen kommen oder von einem kleinen Blogger. Niemand wird diskriminiert. Auch in Deutschland und in der EU haben wir diese Debatte. Aber leider ungleich kleiner als in den USA. Auch bei einem Erhalt der Netzneutralitäts-Prinzipien werden Wege und Geschäftsmodelle gefunden werden, den weiteren Ausbau von Internet-Leitungen zu finanzieren. Man sollte sich daher von dieser Panik-Mache nicht blenden lassen.

Meiner Meinung nach wird auch hier diese Debatte um den Erhalt der Netzneutralitäs-Prinzipien in den nächsten Jahren zunehmen und vermutlich eine der wichtigsten Kämpfe für den Erhalt eines offenen und freien Internets sein.

Save the Internet: Suckered by Astroturf.
Techdirt: Death Of The Internet Greatly Exaggerated (By Those Who Stand To Benefit).

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Deutschland, Digital Rights, Informationstechnologie, Netzpolitik und getagged . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

9 Kommentare

  1. Sven Geggus
    Erstellt am 20. November 2007 um 17:39 | Permanent-Link

    Das mit 2010 kann vielleicht sogar stimmen. Allerdings sicher nicht wegen verstopften Leitungen, sondern weil bis dahin endgültig alle IPv4 Adressen aufgebraucht sein werden.

    Sven

  2. Erstellt am 20. November 2007 um 18:36 | Permanent-Link

    Mal davon abgesehen, dass wir in 3 Jahren andere Dinge tun werden, als youtuben. Man hat ja auch mal gedacht, dass die Videokassette das Schulbuch ablöst und der Rollerskate das Schuhwerk.

    Wer weiß was in drei Jahren im Netz en vogue ist? Vielleicht etwas effizienteres, leichteres?

  3. Erstellt am 21. November 2007 um 01:18 | Permanent-Link

    Netzneutralität auf “gleiche Bandbreite für alle Pakete” zu verengen ist nicht unbedingt sinnvoll. Es gibt doch heute schon QoS, weil VoiP einfach schneller fließen muss als Email. Ich strecke da nicht so drin, aber Milton Mueller hat gerade ein lesenswertes Papier zu Net Neutrality vorgestellt, wo er sich für folgende Definition von NN ausspricht: “universal access to the resources connected to the internet”.

  4. Erstellt am 21. November 2007 um 12:26 | Permanent-Link

    Selbst die IPv4-Knappheit scheint ja nicht ganz so zu sein, wie sie dargestellt wird.

  5. Erstellt am 21. November 2007 um 13:41 | Permanent-Link

    IPv4 ist schon recht knapp. Bei der steigenden Anzahl der Rechner, die adressiert werden müssen, stößt IPv4 sehr bald an die Grenze.
    Mit IPv6 ist zum Glück genügend Spielraum geschaffen, um zumindest keine Probleme bei der IP Vergabe zu haben!

    grüße

  6. Erstellt am 21. November 2007 um 14:28 | Permanent-Link

    Solche “Das Netz ist überlastet”-Diskussionen gibt wahrscheinlich schpm, seit es das Internet gibt. Ich kann mich erinnern, dass es 1996 (!) hieß, das Internet würde in 2-3 Jahren zusammenbrechen, wegen der ganzen Pornofotos. Heute sinds halt Youtube-Videos… Also alles schon mal gehabt und wahrscheinlich wirklich eher Netzpolitik als Realität.

  7. Erstellt am 22. November 2007 um 13:11 | Permanent-Link

    Die können von mir aus auch gerne wieder raus. Die Videos aus dem Netz. Ist eh nur Zeitfresserei. Okay, das ist vielleicht polemisch. Aber wenn es technisch nicht anders machbar ist, verzichte ich persönlich gerne freiwillig auf Youtube, solange Texte und Fotos flutschen.

  8. Torsten
    Erstellt am 23. November 2007 um 19:25 | Permanent-Link

    Was mir irgendwie fehlt ist eine Entgegnung in der Sache. Nur weil eine Lobbygruppe eine Krise verkündet bedeutet ja nicht, dass überhaupt kein Problem vorhanden ist.

  9. Andreas Kirsch
    Erstellt am 20. März 2008 um 11:36 | Permanent-Link

    Das Internet wird angeblich wegen der wachsenden Datenflut
    zusammenbrechen.

    Was für ein Schmarrn. Die zur Verfügung gestellten Daten
    haben direkt gar keinen Einfluss auf den Traffic im
    Internet, sondern die user die diesen Traffic verursachen.

    Der Upload und Download von Videos wird bald sowieso
    Vergangenheit sein. An diesem Traffic ist ausschliesslich
    die Unterhaltungsindustrie schuld die zu stringente
    Copyrights durchgedrückt hat.

    Jetzt wird halt alles einfach nachgeholt – bald ist
    dieser Spuck vorbei.

    Das Internet wird niemals zusammenbrechen, es sei denn
    das Verbrecherimperien erschaffen in Zusammenarbeit mit dem CIA irgendwelche Terroristen die den Traffic explodieren
    lassen.

    Ja – alles natürlich gegen das Gesetz (in Europa ist es
    das Cyber-Law). Aber wenn es ums Geld geht ist alles
    legal.

15 Trackbacks

  1. Von Basic Thinking Blog | wer bezahlt die Leitungen? am 20. November 2007 um 23:22

    [...] siehe Netzpolitik und die Annahme, dass es sich bei dieser Meldung um Lobbying handelt. Artikelzusatzinfos 1. Tags: [...]

  2. [...] Das Ende des Internets im Jahre 2010? In den USA müssten bis zum Jahre 2010 angeblich 55 Mrd Dollar in neue Breitbandkabel investiert werden, damit das Netz die wachsende Datenflut in den Griff bekommt. Alleine Youtube würde 27 Petabyte pro Monat verbrauchen. Schuld sind die Nutzer, die Videos hoch- und runterladen und eigene Inhalte ins Netz stellen. Und wenn jetzt nichts an den politischen Rahmenbedingungen geändert wird, bricht das Internet in drei Jahren zusammen. [...]

  3. [...] Ernsthaftere Hintergründe gibt es u.a. bei Netzpolitik. [...]

  4. [...] fällt auch auf die US-Telko-Propaganda gegen Netzneutralität herein, und titelt “2010 droht Infarkt des Internets“. Im Artikel findet sein keinerlei [...]

  5. [...] Richtig, bei netzpolitik zum Beispiel: “Man sollte sie aber hinterfragen. Dann findet man heraus, dass Lobbyorganisationen dahinter stehen, die diese Zahlen ganz bewusst in die mediale Debatte werfen.Man nennt das auch “Astroturfing“. Diese Organisationen werden finanziert von Telekommunikations-Unternehmen, die ein Interesse daran haben, die Kontrolle über das Netz zurück zu gewinnen. Und schon ist man mitten drin in der Diskussion rund um Netzneutralität. In diesem Fall werden die Zahlen genutzt, um von der US-Regierung mehr Steuergelder und vor allem Zugeständnisse beim Abbau von Netzneutralität zu bekommen.” [...]

  6. Von Watchblog - Kritische Medienbeobachtung am 21. November 2007 um 23:07

    Lobbystudie unkritisch widergegeben…

    Auf der Datenautobahn könne es sich bald stauen, wenn das Netz nicht ausgebaut werde, schreibt Matthias Kremp in einem Aufmachertext (via Textdepot, 21.11.2007) auf Spiegel Online (21.11.2007). Zu diesem Ergebnis komme eine aktuelle US-Marktforschungs….

  7. Von .: cipha.net » spiegel.de=bild.de II am 22. November 2007 um 13:46

    [...] von netzpolitik.org nahm ebenso am dienstag dazu stellung: “das ende des internets im jahr 2010″. diese kritik sollte eigentlich [...]

  8. [...] schickt im Monat rund 27 Petabyte durch die Leitungen des World Wide Web. Und wird damit zur angeblichen Gefahr der [...]

  9. [...] Ende des Internets im Jahre 2010 [...]

  10. Von EA PLAY » Blogschau #22: 112 am 26. November 2007 um 14:59

    [...] Waaaas? Das Internet steht kurz vor einem Herzinfarkt? 2010 sind die Schlagadern akut von Embolien bedroht? 55 Mrd. Dollar müssten allein in den USA in neue Breitbandkabel investiert werden um der wachsenden Datenflut Herr zu werden? [...]

  11. [...] Denn die Nachfrage nach Bandbreite steigt schneller, als die Netze ausgebaut werden. Mehr Contra [...]

  12. [...] In den USA müssten bis zum Jahre 2010 angeblich 55 Mrd Dollar in neue Breitbandkabel investiert werden, damit das Netz die wachsende Datenflut in den Griff bekommt. Alleine Youtube würde 27 Petabyte pro Monat verbrauchen. Schuld sind die Nutzer, die Videos hoch- und runterladen und eigene Inhalte ins Netz stellen. Und wenn jetzt nichts an den politischen Rahmenbedingungen geändert wird, bricht das Internet in drei Jahren zusammen… Wirklich? [...]

  13. [...] deutlich wie instabil die infrastruktur des internets ist. erschreckend ist auch das damit diese meldung oder diese, wo es heißt das das internet spätestens 2010 zusammenbrechen wird weil die [...]

  14. [...] 2010 soll das Internet am “Ende” sein Über den Internet-Geist [...]

  15. [...] PS: Die Anderen berichten auch darüber: Netzpolitik [...]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeige
Die von uns verfassten Inhalte stehen unter der Lizenz CC BY-NC-SA.
Netzpolitik.org nutzt Wordpress. Das Design ist ein Thematic-Kind von Linus Neumann.