Das linke Internet- und Technik-Kollektiv „Capulcu“ veröffentlichte kürzlich zwei Broschüren, die sich zum einen mit dem Schutz eigener Daten vor dem Zugriff Dritter und zum anderen mit der politischen Dimension des Angriffs auf unsere Privatsphären auseinandersetzen.
Dabei soll der erste Band „Anleitung zur Nutzung des Tails Live-Betriebssystems für sichere Kommunikation, Recherche, Bearbeitung und Veröffentlichung sensibler Dokumente“, wie der Titel schon verrät, einen Leitfaden dazu liefern, um sich vor Angriffen der Geheimdienste zu schützen, etwa dann, wenn man sensible Dokumente bearbeitet oder sich mit vertraulichen Quellen austauschen möchte. Um nicht in die Fänge des automatisierten Spionageprogramms Turbine zu geraten, empfiehlt das Kollektiv das Live-Betriebssystem Tails. Die Anleitung erhebt den Anspruch, auch für Computer-Laien verständlich und hilfreich zu sein.
Der zweite Band geht mehr auf die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der Angriffe auf unsere Privatsphäre ein. Im Band finden sich Diskussionsbeiträge und Ideen, die letztendlich zu einer fundierten Analyse aktueller Zustände führen sollen. So würde die Gesellschaft diesen Angriff auf uns selbst als eine vermeintlich neutrale technische Entwicklung verkennen. Capulcu möchte dem entgegentreten. Das erklärte Ziel lautet:
Unser Ziel ist die Zurückweisung des smarten Griffs nach unserer Sozialität, Kreativität, Autonomie – unserem Leben. Wir suchen nach Wegen der Selbstbehauptung.
Capulcu ist ein Begriff, der durch den damaligen Ministerpräsidenten und jetzigen Präsidenten der Türkei Recep Tayyip Erdoğan im Zuge der Gezi-Park-Proteste 2013 geprägt wurde. Das türkische Wort lässt sich etwa mit Nichtsnutz, Räuber oder Wegelagerer übersetzen und war eine Bezeichnung für die Demonstrierenden auf dem Taksim bzw. im Gezi-Park. Schnell entwickelte das Wort ein Identifikationspotential unter den Protestierenden.
