Die Initiative „Stop Dirty Data Centres“ fordert ein sofortiges Moratorium für große Rechenzentren in Europa. Sie plant diesen Freitag und Samstag Proteste und Aktionen vor Ort. Diese finden gleichzeitig in mindestens neun Hauptstädten in Europa statt, auch in Berlin.
Hinter den Protesten steht eine neue Initiative: „Stop Dirty Data Centres“. Mehr als 100 Gruppen aus ganz Europa machen mit. Zum ersten Mal gibt es überall in Europa gleichzeitig Aktionen gegen Rechenzentren.
Die EU will dreimal so viele Rechenzentren
Die Proteste finden zu einer Zeit statt, in der die Europäische Union darauf drängt, ihre digitale Infrastruktur auszubauen. Im April 2025 hat die EU-Kommission dafür einen AI Continent Action Plan vorgestellt. Das Ziel: In fünf bis sieben Jahren soll es in der EU mindestens dreimal so viel Rechenzentrumskapazitäten geben wie heute.
Zivilgesellschaftliche Gruppen und Menschen vor Ort zeigen sich zunehmend besorgt über Pläne, diese Projekte im Eilverfahren voranzutreiben. In den letzten Monaten haben sich in der Nähe der geplanten Standorte für Rechenzentren in ganz Europa lokale und nationale Initiativen gebildet. Sie fragen: Was für digitale Technik brauchen wir? Wo soll sie stehen? Und was bedeutet das für die Umwelt?
Inspiriert von anderen Ländern
„Stop Dirty Data Centres“ fordert ein Moratorium für große Rechenzentren, weil diese Schäden anrichten würden. „Rechenzentren machen das Leben für Menschen in ganz Europa noch teurer. Sie machen uns abhängig von großen US-Tech-Firmen und von Öl, Gas und Kohle. Dafür opfern wir die Demokratie und unsere Klimaziele“, sagt Michelle Thorne. Sie ist Strategie-Direktorin bei der Green Web Foundation und organisiert den Protest in Berlin mit.
Ein Moratorium ist eine gesetzlich genehmigte vorübergehende Unterbrechung, Aussetzung oder Verzögerung einer bestimmten Tätigkeit. Zum Beispiel: Für eine gewisse Zeit werden keine neuen Rechenzentren genehmigt. Oder erst dann wieder, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden. So hat beispielweise Singapur 2019 ein Moratorium für neuen Rechenzentren erlassen. Erst 2022 hat das Land die Pause beendet, seitdem gibt es strengere Regeln für neue Projekte.
Der Protest gegen Rechenzentren hat sich in den letzten Jahren zu einem weltweiten Phänomen entwickelt, von Indien bis Chile.
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Auch in den USA wehren sich Menschen gegen Rechenzentren, mit Erfolg. Seit Anfang 2025 haben lokale Gruppen dort viele Projekte gestoppt oder verzögert. Zusammen waren sie mehr als 300 Milliarden Dollar wert (268 Milliarden Euro). Das zeigen Zahlen von Data Center Watch, einem Projekt der US-Firma 10a Labs.
Aktionen in Berlin
In Berlin planen Aktivisten am Freitag um 13:00 Uhr eine Demo im Stadtteil Mariendorf gegen ein dort geplantes Rechenzentrum. Treffpunkt ist an der Lankwitzstraße 45 in 12107 Berlin.
Am Samstag gibt es unter dem Namen “Widerstand vernetzen – Rechenzentren verhindern!” eine bundesweite Konferenz in Berlin. Dahinter stehen die Umweltgruppe Grüne Liga und die Initiative „Nodes of Resistance“.
Auch die Organisation AlgorithmWatch ist aktiv. Sie hat eine E‑Mail-Aktion gestartet, die ebenfalls Teil des Protest-Programms ist. AlgorithmWatch sagt: Der Hype um Künstliche Intelligenz schadet dem Klima. Der Grund für die Aktion: Der Bundestag soll bald über ein neues Energieeffizienzgesetz mit gelockerten Regeln für Rechenzentren abstimmen.
Über den Sommer hatte AlgorithmWatch mehr als 160.000 Unterschriften gegen diese Pläne gesammelt. Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken hatten die Petition entgegengenommen. Die CDU/CSU wollte sie nicht annehmen.
Inzwischen sollen laut AlgorithmWatch und Umweltinstitut München schon mehr als 20.000 Menschen eine E‑Mail an Abgeordnete von SPD und CDU/CSU geschrieben haben. Julian Bothe von AlgorithmWatch sagt: „Insbesondere die Unionsfraktion möchte die Nachhaltigkeitsregeln für Rechenzentren abschwächen – sogar noch mehr, als es der schon schlechte Gesetzesentwurf der Bundesregierung vorsieht.“

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