Nachdem sie im November schon eine erste Rangliste der besten und schlimmsten Staaten in Bezug auf Überwachung und Datenschutz veröffentlicht hatten, haben die Kollegen von Privacy International (PI) sich mal die großen Internet-Unternehmen genauer angeschaut. Der jetzt veröffentlichte Bericht „A race to the bottom“ gilt noch als vorläufig. PI bittet die nächsten zwei Monate um Kommentare und sachdienliche Hinweise, um daraus dann in ein paar Monaten den vollständigen Bericht erstellen zu können.
Zwischenfazit: Google ist die schlimmste Datenkrake, dicht gefolgt von AOL, Apple, Facebook, Hi5, Reunion, Windows Live Space und Yahoo. Ganz gut da stehen die BBC, eBay, Last.FM, Livejournal und Wikipedia. Perfekt („privacy-friendly and privacy enhancing“) benimmt sich keine der 23 untersuchten Firmen. Die kommen übrigens verständlicherweise (PI sitzt in London) alle aus dem englischsprachigen Raum. PI hat aber die Methodologie mit veröffentlicht, man könnte / müsste also auch mal eine Bewertung der deutschen Internet-Größen machen.
PI läd nun alle untersuchten Firmen und weitere Internet-Größen im Juli nach San Francisco zu einem Treffen ein, um eine Verbesserung ihrer Datenpraktiken zu diskutieren und die Arbeit an einem transnationalen Abkommen zu beginnen. Ich bin sicher, dass auch deutsche Unternehmen dort willkommen sind. Wer ernsthaftes Interesse hat: Ich kann gern einen direkten Kontakt herstellen.
Kleinkrieg am Rande: Google hat offenbar versucht, die Ergebnisse gegenüber der Presse zu delegitimieren, weil ein Microsoft-Mitarbeiter im Advisory Board von PI sitzt. Es handelt sich um Caspar Bowden, der seit Jahren mit PI zusammenarbeitet, vor seinem Job bei Microsoft (als „Chief Privacy Advisor“ für Europa, Afrika und Nahost) die Foundation for Information Policy Research (FIPR) geleitet hat und der einer der besten und glaubwürdigsten Datenschützer ist, die ich kenne. PI-Chef Simon Davies fordert nun in einem offenen Brief eine öffentliche Entschuldigung von Google, stellt aber gleichzeitig klar:
„We reiterate our previous position that the portrayal of Google as the sole privacy offender is incorrect and misguided. Such an interpretation misses our key finding that the Internet is awash with companies that demonstrate poor privacy practice.“