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Argumente in der Debatte um Überwachungstechnologien

Zu den Debattentricks in der Wirkungsforschung zu Überwachungstechnologien: Im Streit um Überwachungstechnologien sind vermeintlich gesicherte Zahlen und Fakten dankbar genutzte Argumentationshilfen. Ob es um Videoüberwachung oder um biometrische Identifikationssysteme geht: Mit dem Nachweis, dass die Technik tatsächlich funktioniert, ist oftmals die politische Diskussion vorerst beendet – Punktsieg für die Überwachungsbefürworter. Dass die Befürworter oft methodisch…

  • Ralf Bendrath

Zu den Debattentricks in der Wirkungsforschung zu Überwachungstechnologien:

Im Streit um Überwachungstechnologien sind vermeintlich gesicherte Zahlen und Fakten dankbar genutzte Argumentationshilfen. Ob es um Videoüberwachung oder um biometrische Identifikationssysteme geht: Mit dem Nachweis, dass die Technik tatsächlich funktioniert, ist oftmals die politische Diskussion vorerst beendet – Punktsieg für die Überwachungsbefürworter.

Dass die Befürworter oft methodisch unsauber arbeiten, hat der kanadische Kriminologe Kevin Haggerty kürzlich in Berlin vorgetragen, und Telepolis fasst seine Kritik lesenswert zusammen.

In diesem Kontext ist mir ein Dilemma der Überwachungskritiker aufgefallen: Oft geht man davon aus, dass Überwachungstechnologien wirklich repressiv wirken und Menschen dazu bringen, sich konform zu verhalten – man nimmt also Benthams Postulat zum Panoptikum als wahr an (das machen viele Liberale Privacy-Theoretiker wie z.B. Beate Rössler). Dann kann man aber nicht mehr wirklich sagen, dass es kaum Erfolge in der Kriminalitätsbekämpfung durch solche Systeme geben wird. Oder man glaubt einfach nicht an die repressive Wirkung bzw. verweigert sich ihr einfach, was einem auch wieder Freiräume eröffnet („bange machen gilt nicht“). Dann kann man aber die Systeme nicht gleichzeitig als Umsetzung von Orwell in der Realität bezeichnen. Auf dem CCC-Kongress gab es in dieser Richtung offenbar eine rege Diskussion bei einem Vortrag, den ich leider verpasst habe. Christian Heller hat aber recht ausführlich drüber gebloggt.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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2 Kommentare zu „Argumente in der Debatte um Überwachungstechnologien“


  1. Hi,
    der Vortrag ist mittlerweile auf Google Video zu finden:
    http://video.google.de/videoplay?docid=3756608418195862371&q=23c3


  2. richtig. dieses dilemma kam auch bei dem vortrag von quintessenz ein bisschen durch. die beiden argumente „überwachen bringt nix“ und „durch überwacheng verhält sich jeder konform“ passen nicht wirklich zueinander.

    ich habe auch keine killerargumente warum ich überwachung scheisse finde. ich werde eben nicht gerne beobachtet und ich denke mir immer es geht die leute doch nix an was ich mache. ausserdem weis ja keiner was mit den aufzeichnungen dann so alles passiert. da braucht man nur mal am frühen abend das unterschichtenfernsehn anzugucken. da gibts ja auch „lustige“ überwachungsvideos zu sehen. ich frage mich ob der typ, der sich da gerade total blamiert wohl damit einverstanden ist das des video gesendet wird. selbes gilt für youtube und konsorten.

    ansonsten gibts natürlich das gute alte 1984 slippery slope argument…

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