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ReportMozilla kritisiert TikTok für intransparente politische Werbung

Die Mozilla Foundation bezeichnet fehlende Transparenz bei der Kennzeichnung von bezahlter politischer Werbung auf der Videoplattform im Hinblick auf die Bundestagswahl als „beunruhigend“. Sie fordert neue Mechanismen und eine Datenbank, in der diese Form der Werbung aufgelistet wird.

  • Markus Reuter
Frau hält Smartphone vor Gesicht
Ob oder von wem eine politische Botschaft auf TikTok bezahlt wurde, lässt sich kaum feststellen. (Symbolbild) – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: Laura Chouette

Schlupflöcher und eine laxe Aufsicht machen TikTok anfällig für irreführende politische Werbung, stellt die Mozilla Foundation in einem Report fest. Offiziell verbietet TikTok bezahlte politische Werbung. Die Standards seien entgegen den Beteuerungen des Unternehmens jedoch niedriger als bei Facebook oder Google.

In ihrem Report (PDF) identifiziert die Mozilla Foundation politische Werbung über Influencer:innen als das Problem bei TikTok. Die durchgeführten Untersuchungen legten nahe, dass TikTok-Influencer:innen in den USA von politischen Organisationen unterstützt werden, um Inhalte zu posten, die deren Ansichten vertreten. Trotz der Tatsache, dass TikTok politische Werbung offiziell verbiete, nutzten Content-Creators die Plattformen regelmäßig, um gegen Bezahlung politische Botschaften und Standpunkte zu verbreiten. Dabei legten sie ihre bezahlten Partnerschaften nicht immer offen.

Keine Transparenz

Bei TikTok reicht es, dass bezahlte Inhalte mit dem Hashtag #ad oder #sponsored bezeichnet werden. Über eine Prüfung der Schnittstelle von TikTok stellte Mozilla fest, dass solchermaßen gekennzeichnete Inhalte vom System nicht als Werbung identifiziert werden. Andere Plattformen wie Instagram verlangen ausführlichere Angaben, bevor ein werbliches Posting überhaupt online gehen kann, und bieten Möglichkeiten, dass andere Nutzer:innen Schleichwerbung melden können.

Als Lösung für das Problem fordert die Mozilla Foundation unter anderem, dass TikTok Mechanismen einführt, mit denen Creators bezahlte Partnerschaften offenlegen können. Eine weitere Maßnahme sei die Einführung einer Datenbank, in der bezahlte politische Werbung aufgelistet wird.

Mozilla betont, dass auch Facebook und Google in Sachen Werbetransparenz einen schlechten Job machen würden. „Dass TikTok nicht einmal mit ihnen mithalten kann, ist im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl und die Beliebtheit von TikTok in Deutschland eine beunruhigende Tatsache“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Mozilla Foundation ist eine amerikanische Nichtregierungsorganisation, die eng mit dem Open-Source-Browser Mozilla Firefox verbunden ist. Sie finanziert sich unter anderem darüber, dass sie von Suchmaschinen-Firmen Geld dafür annimmt, dass deren Suchmaschine als Standard im Browser eingestellt ist.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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