Wie sind die US-Botschaftsdepeschen an die Öffentlichkeit geleakt? Die Realität ist nochmal viel bizarrer als die Verschwörungstheorien zum Thema.
Vergangene Woche berichtete der Freitag, dass man eine Datei mit den Depeschen im Netz finden könnte, die zwar verschlüsselt ist, aber das Passwort wäre irgendwo publiziert. Daraufhin suchten und rätselten viele, wo man die Datei denn finden könnte. Heute Nacht gab es die Auflösung.
Julian Assange hatte seinerzeit die Depeschen auf den Wikileaks-Server in einem versteckten Unterordner gepackt, damit der Guardian diese herunterladen und bearbeiten konnte. Das Passwort dafür wurde dem Guardian auf einen Zettel geschrieben, laut Guardian sollte das Passwort aber nur wenige Stunden halten und die Datei da auch nicht für immer draufliegen. Assange hat die Datei aber auf dem Server vergessen, zusammen mit den vielen Wikileaks-Solidaritäts-Mirrors wurde die Datei großräumig verteilt und der Guardian-Journalist hat das Passwort in seinem Wikileaks-Buch publiziert. Eine Verkettung unglücklicher Zufälle.
Das ist nun alles aufgeklärt und um die ganze Sache noch skurriler zu machen, geht Wikileaks jetzt gegen den Guardian-Journalisten (und eine Person in Deutschland vor, mir ist gerade unklar, ob damit der Freitag-Journalist oder Daniel Domscheit-Berg gemeint ist) mit einem Anwalt vor und lässt gleichzeitig auf Twitter abstimmen, ob sie jetzt die ganzen Depeschen ohne Quellenschutz veröffentlichen sollen, die eh schon zuviele Menschen und Behörden haben dürften.
Ein klassischer Fall von Datengau durch Verpeilung.
Christian Stöcker hat bei Spiegel-Online das „Depeschen-Desaster in sechs Akten“ beschrieben.