Am Donnerstag mündete eine große und friedliche Schüler- & Studenten-Demonstration gegen gestiegene Studiengebühren in London in einigen spontanen Aktionen des zivilen Ungehorsams. Dazu gehörte auch das Stürmen der Parteizentrale der konservativen Partei. Dies wiederum führte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten, die mit dem Wurf eines Feuerlöschers vom Dach des Hauses einen unschönen Höhepunkt – Anklagepunkt: Versuchter Mord – fanden. Insgesamt wurden 54 Personen verhaftet, ein Bruchteil der ursprünglich 50.000 Demonstranten.
Viele andere gingen also mit einem schlechten Gewissen und Furcht vor nachträglichen polizeilichen Schwierigkeiten nach Hause. Denn natürlich entstanden im kameraüberwachten London viele Bilder, und diese wurden auch veröffentlicht – woraufhin beim Telegraph und in mehreren Blogs zur Denunzierung aufgerufen wurde. An die nun von Sorge getriebenen Demonstranten wandte sich das Blog Fitwatch. Dort wurden in einem Artikel nicht besonders einfallsreiche Tips gegeben, wie
Werde die Klamotten los, die du bei der Demo getragen hast.
Vielleicht ist es Zeit für ein neues Styling.
Geh mal zum Friseur, färb dir vielleicht die Haare, lass dir einen Bart wachsen und trag mal wieder deine Brille. Das garantiert für nichts, aber vielleicht hilft es der Polizei, deine Spur zu verlieren.
Geh mal eine Zeit nicht auf Demos.
Lösche verräterische Bilder aus deinem Telefon.
Lass dich nicht davon unter Druck setzen, dass sie ein Bild von dir haben. Sie müssen dich erst noch finden.
Ganz so schlecht können die Tips aber nicht gewesen sein, wenige Stunden später meldete sich die „e‑crime unit“ beim Provider JustHost.com, dass das Blog den „Gang der Gerechtigkeit zu pervertieren“ versuche, in dem es Kriminellen Rat gebe.
Ach so, übrigens:
Ich bitte Sie hiermit, die Website für ein Minimum von 12 Monaten offline zu schalten.
Dies geschah. Im Guardian ist klar von Schließung angeordnet / erzwungen die Rede, eine richterliche Anordnung gibt es aber definitiv nicht – die Anordnung kam von einem Polizisten. In den Kommentaren werden aber Argumentationslinien wie „Wenn ein Polizist eine Straftat in Aktion sieht, muss er sie unterbinden.“ ausgebreitet. Höchst interessant.
Fitwatch entstand übrigens 2007 als Reaktion auf das massive polizeiliche Filmen von Demoteilnehmern durch „forward intelligence teams“ (FITs). Als Gegenwehr wurden auf der Website Namen, Dienstnummern und Fotos von Polizisten gesammelt. Diese Polizisten sind jetzt sicherlich nicht enttäuscht, dass sie vorerst nicht mehr im Internet sind (bis irgendwer irgendwo seinen Mirror hochlädt).
Hinweis von Jens Best