Wandern und RadfahrenFrei und dezentral ins Grüne

Viele Navigations- und Wanderapps setzen auf Premium-Abos oder sammeln viele persönliche Daten. Aber es gibt Alternativen.

  • Anna Biselli
Frau mit Rucksack von hinten fotografiert wandert durch ein grünes Tal.
Zum Wandern in der Natur gehört heute für viele auch eine digitale Navigation. CC-BY-SA 4.0: Trail: Toebs, Tal: Holly Mandarich, Bearbeitung: netzpolitik.org

Die Bäume haben ihre Blätter ausgerollt, Löwenzahn tupft die Wiese gelb und dazwischen summt es immer lauter: Der Frühling ist da und bei steigenden Temperaturen holen viele die Räder aus dem Keller und putzen die Wanderstiefel für den Wochenendausflug.

Aber wohin soll es gehen? Wo finden wir die schönste Strecke für die Radtour am Fluss entlang und welcher Wanderweg bietet eine gute Aussicht? Wie können wir unsere Lieblingsstrecken aufzeichnen und vielleicht noch unsere Wegzeit von Anfang des Jahres mit unserem fitten Zukunfts-Ich vergleichen?

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Schnell landet man bei der Suche nach digitalen Helferlein bei Apps mit zahlungspflichtigen Bonus-Funktionen, ohne die eine Orientierung im Funkloch flachfällt. Oder bei Anwendungen, bei denen wir unsere sensiblen Standortdaten mit unbekannten Dritten teilen müssen. Doch es gibt einige Alternativen zu den datenhungrigen Apps, die ihr Geschäftsmodell auf Premium-Abos und Werbung aufbauen. Eine garantiert unvollständige Auswahl findet ihr hier.

Wanderer

Screenshot einer Wander-App mit einer Route namens 'The Petroglyphs – Beechey Head Runde von East Sooke', einer Karte mit eingezeichneter Wanderstrecke und einem Foto eines Mannes, der eine Informationstafel liest
Fotos, Strecken, Social-Funktionen gibt es mit wanderer.

Mit und bei wanderer kann man Routen finden, teilen und austauschen.

Für wen? Alle auf der Suche nach Empfehlungen für Touren und alle, die gern ihre Lieblingsstrecken teilen.

Plattformen? Web

Was kann Wanderer? Die Strecken-Datenbank-Anwendung wanderer ist dezentral und basiert auf ActivityPub. Damit ist wanderer eine Fediverse-Version für den Austausch und das Teilen von Routen- und Streckenempfehlungen.

Nutzer:innen können Routen über gpx-Tracks hochladen und speichern, Beschreibungen und Fotos ergänzen und mit anderen teilen. Außerdem lässt sich über Suchfunktionen erkunden, welche Routen andere genommen haben. Man kann Profilen folgen und Strecken favorisieren.

Routen lassen sich auch von anderen Plattformen importieren, für Komoot und Strava gibt es direkte Import-Funktionalitäten.

Was trübt das Vergnügen? Auf den verschiedenen Wanderer-Instanzen ist teilweise noch nicht so viel los. Daher gibt es weniger Routen als auf den proprietären Plattformen.

OsmAnd

OsmAnd beinhaltet viele Einstellungsmöglichkeiten, manchmal sind sie schwer zu finden.

OsmAnd bietet eine datenschutzfreundliche Offline-Navigation, die so ziemlich alles kann – wenn man es findet.

Für wen? Wanderer, Radfahrerinnen und alle anderen, die von A nach B über C wollen.

Plattformen? Android, iOS, Web

Was kann OsmAnd? Die auf OpenStreetMap basierende Navigationsanwendung OsmAnd macht fast alles, was man sich vorstellen kann. Und funktioniert auch – wenn man die benötigte Karte vorher heruntergeladen hat – ganz ohne Netz. OsmAnd kann Rad- und Wanderwege highlighten, alle Supermärkte markieren oder Trinkwasserstellen anzeigen. Geplante Routen lassen sich im- und exportieren und ungeliebte Straßen bei der Navigation vermeiden.

Wer mag, kann mit einem Plugin auch gelaufene oder gefahrene Strecken aufzeichnen, um danach zum Beispiel die eigenen Geschwindigkeiten zu analysieren.

Wer mehr als sieben Regionenkarten offline nutzen will, muss dafür wahlweise einmal oder monatlich etwas zahlen. Gegen Geld gibt es auch Offline-Wikipedia-Artikel zu Orten und besonderen Punkten.

Was trübt das Vergnügen? Gerade am Anfang kann OsmAnd durch die vielen Konfigurationsmöglichkeiten vielleicht schnell überfordern. Und manchmal funktioniert die Suche nach Adressen nicht optimal, wenn man nicht die exakte Schreibweise gefunden hat – oder OsmAnd eine „Hauptstr“ nicht gleich mit einer „Hauptstraße“ matcht.

CoMaps und OrganicMaps

Screenshots von OrganicMaps
Leichte Bedienung, reduzierte Features.

CoMaps und OrganicMaps bieten datenschutzfreundliche Offline-Navigation mit intuitiver Bedienung.

Für wen? Wanderer, Radfahrerinnen und alle, die einfach einen Weg finden wollen.

Plattformen? Android, iOS, Web

Was können CoMaps und OrganicMaps? Wie OsmAnd basieren CoMaps und OrganicMaps auf der OpenStreetMap. Das Wichtigste, was man für den Ausflug braucht, bringen die Apps mit: Routen von A nach B festlegen, Zwischenstopps definieren, Supermärkte oder Sehenswürdigkeiten highlighten, Strecken importieren und exportieren. All das macht keine Probleme und ist schnell und intuitiv bedienbar.

Auch hier müssen Karten für die Offline-Navigation heruntergeladen werden. Die Anzahl der Karten-Downloads ist unbegrenzt.

CoMaps und OrganicMaps ähneln sich sehr: Vor rund einem Jahr entstand CoMaps als Abspaltung von OrganicMaps, da es Kontroversen in der Entwickler:innen-Gemeinschaft zu Führungsstil und Transparenz gab.

Was trübt das Vergnügen? Die leichtere Bedienbarkeit von CoMaps und OrganicMaps gegenüber OsmAnd liegt auch daran, dass die Anwendungen weniger Einstellmöglichkeiten haben. Wem es wichtig ist, etwa genau zu definieren, welche Untergründe vermieden werden sollen, oder wer einen extra Modus für Ski- oder Bootstouren braucht, wird sich über OsmAnd freuen.

BRouter

Screenshot von BRouter-Web mit Höhenlinien.
Navigation für verschiedene Fahrradtypen

BRouter bietet Routenplanung, vor allem fürs Radfahren.

Für wen? Radler:innen, die nicht nur von A nach B wollen, sondern schöne und sichere Wege suchen.

Plattformen? Integration in andere Anwendungen, mehrere Web-Optionen

Was kann BRouter? BRouter ist eine Routing-Engine, die speziell fürs Radfahren entwickelt wurde. Sie berücksichtigt etwa Höhenmeter und offiziell deklarierte Radwege. Es lassen sich verschiedene Profile wählen und selbst konfigurieren. Damit lassen sich Präferenzen steuern, etwa speziell für die Fahrt mit einem Mountainbike oder einem Rennrad. Es gibt auch eines fürs Wandern zu Fuß, das gut funktioniert.

BRouter lässt sich als Routing-Engine unter anderem in OsmAnd nutzen. Aber es gibt auch mehrere Web-Interfaces, die auf BRouter setzen. Eines davon ist BRouter-Web.

Was trübt das Vergnügen? Wer seine Strecke mit BRouter-Web planen will, sollte das am besten am Desktop tun, dort fällt die Bedienung leichter. Die geplante Strecke lässt sich dann exportieren und in Navigations-Apps oder auf den Rad-Computer laden.

Über die Autor:innen

  • Anna Biselli
    Darja Preuss

    Anna ist Co-Chefredakteurin bei netzpolitik.org. Sie interessiert sich vor allem für staatliche Überwachung und Dinge rund um digitalisierte Migrationskontrolle.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Telefon: +49-30-5771482-42 (Montag bis Freitag jeweils 8 bis 18 Uhr).


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13 Kommentare zu „Frei und dezentral ins Grüne“


  1. Bei OsmAnd empfiehlt es sich, zusätzlich zu den jeweiligen Regionskarten die Kartenerweiterungen „Konturlinie“ (Höhenlinien) sowie „Relief“ herunterzuladen (im Winter zusätzlich „Hangneigung“), ansonsten sind die Karten aus meiner Sicht zum Wandern/Bergsteigen eher ungeeignet, da Höhenunterschiede, bzw. Erhebungen praktisch nicht erkennbar sind.


  2. Tobias Sekan

    ,

    Ihr hab leider nicht „Trail Sense“ nicht, erwähnt das sollte für die Navigation in der Wildnis für den Notfall immer dabei sein

    https://f‑droid.org/de/packages/com.kylecorry.trail_sense/


  3. Anonym

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    Zur Planung von Touren auf markierten Rad- oder Wanderwegen sollte man evtl. auch mal einen Blick auf waymarkedtrails.org werfen. Die Seite bietet insbesondere auch den Download der Daten markierter Rad- / Wanderwege als GPX-Tracks. N.B. das „.org“ ist wichtig, mit „.com“ wird man auf eine kommerzielle Seite umgeleitet.


    1. Anonym

      ,

      Benutze ich auch gerne zum Planen, weil man dann bei der Wanderung eigentlich gar kein Navi mehr braucht, sind ja markierte Wege.
      Kann man auch in Osmand als Overlay einstellen.


    2. kerstin

      ,

      Nutze APP: „Karten“ basierend auf Osmand+, kostenlos, viel genauer mit Hausnummern als zB Google Maps, Navigation offline nach Kartendownload funktioniert topp egal ob mit Auto, Rad oder zu Fuss. Wobei Hauptstraße nicht Hauptstrasse ist…stimmt


  4. NeuLand

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    Hallo Anna, danke für diesen sehr hilfreichen Artikel!


  5. Anonym

    ,

    Danke für den Artikel. Unterm Artikel wird bei Autor:innen das Bild von Darja Preuss neben der Angabe Anna Biselli als Autorin gezeigt – da stimmt vermutlich was nicht. Viele Grüße und dankeschön nochmal!


    1. Anna Biselli

      ,

      Danke und ja, das ist die Erstellerin des Fotos. Eine klarere Kennzeichnung ist schon bei den Techniker:innen vorgemerkt!


  6. Manchmal ist es ganz nützlich Satellitenbilder zum wandern zu haben. Gibt es hier mittlerweile etwas? Die meisten Apps basieren of Openstreetmaps das leider keine Satellitendaten anbietet.


    1. Anonym

      ,

      Bei Osmand kannst du auch Online-Kartenquellen einstellen, insbesondere Satellitenbilder, z.B. Microsoft Earth oder Bavaria Orthophoto. Wenn Privatsphäre deine oberste Priorität ist, sind Online-Quellen vielleicht suboptimal (wobei man auch hier kleinere Kartenausschnitte vorab runterladen kann).


  7. sonne

    ,

    Danke für den interesannten Artikel.

    Als Ergänzung:
    Ähnlich wie Brouter ist https://gpx.studio auch ein interessantes Projekt


  8. Christian

    ,

    Es gibt noch weitere Wege zur unlimiterte OsmAnd-Nutzung: Lädt man es z.B. direkt aus dem freien und datenschutzfreundlichen f‑droid Store statt über google, dann entfallen die Einschränkungen! Man sollte diesen Weg m.E. immer parallel bewerben – gerade wenn man für Unabhängigkeit der Tech-Konzerne steht.
    Auch honoriert das Projekt den eigenen Beitrag zu OSM, auch dann ist mehr nutzbar. Leider wird die App zunehmend hungriger, so dass z.B. Comaps auch auf älteren Geräten deutlich stabiler und schneller läuft.
    Auch wenn man so alle Features nutzen kann, sollte man natürlich trotzdem die Entwicklung oder Datenquellen unterstützen – sonst gibt es diese tollen Lösungen irgendwann nicht mehr.


  9. Christoph

    ,

    Was ich an bikerouter.de auch schätze, ist die Navigation über Wasser. Bei der Planung meiner letzten Kanutour habe ich lange nach einem Tool gesucht, was mir Wege auf Flüssen und Seen berechnen kann. Man glaubt es beim Namen nicht, aber bikerouter.de kann das.

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