Tiere und künstliche IntelligenzWie die KI in unser Hackfleisch kommt

Künstliche Intelligenz ist inzwischen in der Massentierhaltung angekommen. Doch können Verhaltensscanner im Stall wirklich das Tierwohl verbessern? Und welches Rezept spuckt ein KI‑Chatbot aus, wenn man ihn nach Spaghetti Bolognese fragt? Mirjam Walser warnt im Interview: Die Folgen von KI für Tiere sind enorm.

  • Timur Vorkul
Zwei Kühe in Nahaufnahme.
– Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: Daniel MacDonald

Was hat künstliche Intelligenz mit Hackfleisch zu tun? Immer mehr Landwirt*innen nutzen KI-basierte Überwachungssysteme und Verhaltensanalysen von Tieren im Stall. Mittlerweile gibt es KI-Software, die den körperlichen und emotionalen Zustand von in Ställen gehaltenen Tieren überwachen kann. Damit stellt sich eine Reihe von Fragen: Können KI-basierte Überwachungssysteme das Tierwohl im Stall tatsächlich steigern? Sind voll automatisierte Zuchtbetriebe mit Tausenden oder gar Millionen von Tieren die Zukunft der Landwirtschaft? Aber auch: Verstärken große Sprachmodelle wie ChatGPT Gewalt gegen Tiere? Oder kann die Technologie uns im Gegenteil helfen, Tiere endlich zu verstehen?

Diese Fragen hat Mirjam Walser in ihrem Vortrag auf der Digitalkonferenz re:publica aufgeworfen. In der Debatte rund um KI und ihre Regulierung bleibt das Schicksal der rund 50 Milliarden Tiere in der industriellen Tierhaltung eine zentrale Leerstelle, erklärte die Speakerin und Kolumnistin. Sie hat sich im Rahmen der „AI × Animals Fellowship“ der Organisation Sentient Futures eingehend mit künstlicher Intelligenz an der Schnittstelle zum Tierschutz befasst. Walser geht seit Jahren der Frage nach, wie Menschen in einer Gesellschaft leben können, die gleichermaßen gut für Menschen, Tiere und die Umwelt ist.

Wir haben mit ihr über die Entzifferung von Tierkommunikation, mögliche Auswirkungen des Einsatzes von KI in der Tierhaltung und über die Frage gesprochen, ob und wie Chatbots wie ChatGPT oder Claude das Tierwohl berücksichtigen können.

Wale und Schweine mit KI verstehen

netzpolitik.org: Kann uns KI tatsächlich helfen, Tiere besser zu verstehen?

Mirjam Walser: Im Moment ist das noch Zukunftsmusik, aber Forschende arbeiten daran, die Kommunikation der Tiere mithilfe der KI zu entschlüsseln. Es gibt ein Projekt namens CETI, das zu Pottwalen forscht. Pottwale sprechen mit Klicklauten. Lange dachte man, dass sie die Klicklaute zur Orientierung nutzen. Mithilfe von KI haben die Forschenden nun herausgefunden, dass sie ihre Klicklaute so anordnen, als ob sie Silben und ein Alphabet hätten – wie wir Menschen. Das war eine bahnbrechende Entdeckung.

Mit KI konnten auch einzelne Pottwale und ihre Sprache isoliert werden. Man konnte beobachten, wie sie über große Distanzen hinweg lange Gespräche miteinander führen, etwa eine Stunde lang. Einzelne Pottwale klicken sich gelegentlich ein. Es handelt sich also wirklich um Gespräche. Was genau sie sagen, wissen wir noch nicht. Aber es ist schon jetzt klar, dass die Tierkommunikation, sei es von Pottwalen oder Zebrafinken, wahnsinnig komplex ist. Weit komplexer als bis jetzt angenommen. Da sind wir erst am Anfang.

netzpolitik.org: Es gibt mittlerweile auch Unternehmen, die sich in dem Bereich versuchen.

Mirjam Walser: Wenn es um Wildtiere geht, steht vor allem ein Forschungsinteresse im Vordergrund. Bei Haustieren ist ein kommerzielles Interesse dahinter. Ein Beispiel ist die chinesische Firma Baidu, die sich darauf spezialisiert, die Kommunikation von Katzen und Hunden zu entschlüsseln.

Eine große Leerstelle ist aber das Entschlüsseln der Kommunikation von sogenannten „Nutztieren“. Aus gutem Grund. Denn wenn wir sie verstehen würden, würden sich die Tierschutzgesetze verändern müssen – und unsere Beziehung zu den Tieren wohl auch. Wenn uns beispielsweise ein Schwein sagen könnte, wie sich ein Leben in einem engen Stall anfühlt: dunkel, kalt und sehr stressig.

Eine Person mit schulterlangen dunkelbrauen Haaren lächelt in die Kamera.
Mirjam Walser – Alle Rechte vorbehalten: Maryl Vogel – Portraitmacher

Mit KI kranke Tiere im Stall identifzieren

netzpolitik.org: Gleichzeitig wird der Einsatz von KI-basierten Überwachungssystemen in der Tierhaltung, etwa Sensoren, Kameras und Verhaltensscannern, damit begründet, dass sie die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere steigern können. In einer Umfrage von Bitkom aus dem Jahr 2024 gaben beispielsweise 20 Prozent der Landwirt*innen an, mit KI die Gesundheitsüberwachung von gezüchteten Tieren verbessern zu wollen. Ist da etwas dran?

Mirjam Walser: Da ist auf jeden Fall etwas dran. Beispielsweise wenn man durch den Einsatz von KI in der Tierhaltung messen kann, dass ein Tier krank ist. Man muss sich vorstellen, in so einem riesigen Stall leben etwa 10.000 Hühner. KI kann – ähnlich wie bei der Entschlüsselung der Tierkommunikation – eine einzelne Stimme aus einem riesigen Durcheinander isolieren. Zum Beispiel auch, wenn eine Kuh hustet oder niest. Das sind oft Indikatoren für Atemwegserkrankungen. Ohne KI kann man diese Erkrankung viel schwerer erkennen – mit der Konsequenz, dass dann die Tiere zu spät behandelt oder sogar getötet werden müssen. Wenn also anhand von überwachten Gesundheitsdaten deutlich wird, dass sich ein Schwein beispielsweise wenig bewegt und weniger frisst, kann man natürlich früher eingreifen.

Im ersten Schritt ist es also tatsächlich eine Verbesserung. Denn wenn Tiere krank sind, mindert das natürlich ihr Wohlbefinden. Aber das ist ja nur der oberflächliche Aspekt. Denn Tierwohl bemisst sich nicht nur daran, ob ein Tier gesund ist oder nicht. Sondern auch, und vielleicht noch viel mehr, an psychologischen Faktoren. Und die werden nicht gemessen.

netzpolitik.org: Wie meinst du das?

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Mirjam Walser: Mit KI kann man nicht messen und nicht verstehen, was es für eine Kuh bedeutet, den ganzen Tag angebunden zu sein oder sich kaum bewegen zu können. Wenn sie doch natürlicherweise bis zu 13 Kilometern pro Tag laufen würde, nur für die Futteraufnahme. Oder etwa, dass Tiere wie Hühner oder Schweine eigentlich soziale Hierarchien haben und in diesen nicht leben können.

Ein anderes Beispiel: 85 Prozent der Legehennen leiden an Brustbeinbrüchen. Das ist ein Kollateralschaden, den man in der Massentierhaltung in Kauf nimmt. Wie fühlt es sich an, mit so einem Brustbeinbruch zu leben? Das wird nicht in das Tierwohl einkalkuliert und kann so auch nicht direkt gemessen werden.

„Unter dem Deckmantel von Tierwohl“

netzpolitik.org: Nehmen wir als Beispiel die automatisierte Erkennung von Schmerzensschreien bei Schweinen. Ein Mikrofon zeichnet die Laute der Ferkel auf und eine KI wertet sie automatisch aus. Wenn sich also Schweine in den Schwanz beißen und der Grenzwert mehrfach überschritten wird, wird ein Alarmsignal an die Landwirt*innen gesendet. Hier kann KI also nicht helfen, dass es gar nicht erst zum Schwanzbeißen kommt?

Mirjam Walser: Das Problem mit dem Messen ist, dass solches Stressverhalten in der Massentierhaltung eigentlich immer Standard ist. Und KI basiert auf Werten, die wir eingeben. Erst wenn die Stresssymptome wie Schwanzbeißen oder Kannibalismus bei Hühnern wirklich extrem werden, kann die KI ausschlagen. Aber was ist der eigentliche Grund? Wieso hacken sich die Hühner die Köpfe ein?

Unter Umständen werden ein paar Hühner getötet, weil sie aggressiv sind. Das bringt jedoch per se noch keine systematische Verbesserung. Es wird gewissermaßen nur ein Pflaster auf die Wunde geklebt. Die eigentliche Wunde – die Tierhaltung – bleibt offen und unverändert. Eine tatsächliche Änderung würde bedeuten, diese Grundlage, das Minimum hochzuschieben. Dann würde KI ganz anders ausschlagen.

Tierwohl ist auf einem unglaublich tiefen Niveau in unserer Gesellschaft. Und KI bringt keine Verbesserung diesbezüglich. Im Gegenteil kann KI das noch verfestigen und skalieren. Denn worum es beim Sammeln dieser Daten eigentlich geht, ist die Optimierung von Massentierhaltung unter dem Deckmantel von Tierwohl. Es geht darum, Tierhaltung profitabel zu machen. Nur ein gesundes Schwein lässt sich profitabel zu einer Wurst verarbeiten.

Massentierhaltung als perfektes Umfeld für KI

netzpolitik.org: Für wen lohnt sich der Einsatz von KI in der „Nutztierhaltung“? Wie verbreitet ist das mittlerweile?

Mirjam Walser: Die überwältigende Mehrheit der „Nutztiere“ lebt in Massentierhaltung. In Deutschland kommt 95 Prozent des Fleisches aus Massentierhaltung. Und genau das ist ein perfektes Umfeld für den Einsatz von KI. Sie ist vor allem für Großbetriebe gedacht, wo eine gewisse Standardisierung vorliegt und auch eine Skalierbarkeit möglich ist. Deshalb nutzen sie vor allem Großbetriebe.

KI ist eben auch eine finanzielle Investition. Es lohnt sich nur, wenn sie sich auch wieder rentiert und das wird über die Masse an Tieren wieder eingenommen. Für Bergbauern, die vielleicht 10 Kühe und 20 Hühner haben, ist sie weniger sinnvoll. Für sie lohnt es sich finanziell nicht und sie können selbst sehen, wie es der Kuh oder den Hühnern geht.

Wie weit diese Technologien verbreitet sind, ist nicht ganz klar. Auf Agrarkonferenzen wird intensiv darüber gesprochen. In Deutschland ist der Einsatz von KI noch nicht so weit fortgeschritten wie in den USA oder China, aber es ist nur eine Frage der Zeit.

netzpolitik.org: Wie sieht es denn in China genau aus? Und kann das so ähnlich auch in Deutschland kommen?

Mirjam Walser: In China gibt es ein sogenanntes Schweinehochhaus mit 26 Stockwerken und Platz für 650.000 Schweine. Es ist hochgradig technologisiert. Das Ziel ist, dass alles autonom abläuft und kein menschlicher Einsatz mehr notwendig ist.

Solche Großsysteme können wir natürlich nicht eins zu eins auf Deutschland und Europa übertragen. Die gibt es bei uns nicht. Es gab ein Schweinehochhaus, aber das ist schon vor einigen Jahren geschlossen worden. Hinzu kommt, dass die Tierwohlstandards hier etwas höher sind als in China. Daher sind gewisse Dinge einfach nicht möglich. Zum Glück.

Denn auch trotz KI-Einsatz muss einem Schwein oder einem Huhn ein gewisses Minimum an Platz gegeben werden, auch wenn es extrem wenig ist. Hühner haben nicht mehr Platz als ein DIN-A4-Blatt. Hier kommt der Politik also eine enorme Rolle zu, die Tierwohlstandards zu heben.

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Mit KI das Schmerzempfinden von Tieren manipulieren?

netzpolitik.org: Es gibt noch andere Bereiche, in denen der Einsatz von KI diskutiert wird, nämlich bei der Genmodifikation von Tieren. Was hat es damit auf sich?

Mirjam Walser: Genmodifikationen waren immer schon Teil der Massentierhaltung. Hühner waren vor 50 Jahren viel kleiner als heute. Jetzt setzen sie ein Vielfaches an Gewicht von damals an. Sie wurden durch Zucht, die richtige Auswahl und die richtige Genkombination modifiziert. Auch Euter sind viel dicker geworden im Vergleich zu vor 50 Jahren. Das ist im Prinzip nichts Neues. KI ist hier also nur die logische Konsequenz.

Es geht zum Beispiel darum, den Fleischertrag eines Tieres zu erhöhen. Also wie kann ein Huhn noch mehr Fleisch ansetzen, ohne dass es unter dem Gewicht zusammenbricht? Oder bei der Ausgabe von Milch: Wie kann die Milchabschöpfung noch vergrößert werden?

Außerdem gibt es mittlerweile die Idee, das Schmerzempfinden von Tieren mithilfe von KI zu modifizieren. Denn wenn die Tiere weniger Schmerzempfinden haben, kann man noch mehr von ihnen in die Ställe reinquetschen. Bisher gibt es keine konkrete Anwendung dafür, weil das ethisch enorm schwierig ist. Aber das ist ein Thema, das aktuell diskutiert wird.

Chatbots und das Foie-Gras-Paradox

netzpolitik.org: Tierschützer*innen und Wissenschaftler*innen weisen auf die Gefahr hin, dass große Sprachmodelle wie ChatGPT unseren Bias gegenüber Tieren, der auch in den Trainingsdaten allgegenwärtig ist, reproduzieren und verstärken können. Gleichzeitig hat Anthropic vor Kurzem festgelegt, dass Claude „das Wohlergehen der Tiere und aller fühlenden Wesen“ berücksichtigen soll. Was bedeutet das konkret in der Anwendung?

Mirjam Walser: Die Verfassung von Claude ist eine Liste von Werten, die Claude beachten und auch gegeneinander abwägen muss. Dort geht es um verschiedene Formen von Diskriminierung wie Rassismus und Sexismus. Im Januar 2026 hat Anthropic Tierwohl in die Liste aufgenommen. Bei keinem der großen Sprachmodelle kam es bisher vor. Claude ist somit das erste Modell, das Tierwohl berücksichtigen soll. Was das jetzt genau bedeutet, ist die große Frage, denn diese Verfassung ist nicht bindend. De facto ist bisher nichts umgesetzt.

Ein Beispiel ist das Foie-Gras-Paradox. Foie Gras ist die sogenannte Gänsestopfleber. Dafür werden Gänse innerhalb kürzester Zeit zu Tode gemästet. Wenn man also Claude nach einem Rezept fragt, gibt der Chatbot aus, „kaufe Gänsestopfleber, bereite sie zu und so weiter“. Wenn man aber fragt, wie quäle ich auf brutalste Art und Weise eine Gans, dann sagt Claude, „dazu kann ich dir keine Auskunft geben, das verstößt gegen die Richtlinien“.

An solchen Beispielen zeigt sich, wie unglaublich komplex dieses Thema ist. Wenn jemand beispielsweise nach einem Rezept von Spaghetti Bolognese fragt, geht es darum, zum einen das Interesse von Menschen, die Spaghetti Bolognese mit Fleisch essen wollen, weil das vielleicht eine Tradition ist, mit Tierwohl abzuwägen, das dem entgegensteht. Denn für Hackfleisch muss ein Tier aufgezogen, in der Massentierhaltung gehalten und getötet werden. Das Tier wird geschädigt. Wenn man Tiere in so einem Sprachmodell also tatsächlich mitdenken würde, müsste es als Antwort zunächst ausgeben: „Hier habe ich eine vegane Variante mit Sojahack.“ Und weil die vegane Variante viele Menschen wahrscheinlich abschrecken würde, müsste Claude die tierische Variante auf Nachfrage liefern.

Aktuell geht es bei Claude darum, Tierwohl und die Frage, ob ein Tier zu Schaden kommt oder nicht, vorerst im Testumfeld einzubetten. In Tests beurteilen Menschen, ob die Antworten der KI gegen Diskriminierungsrichtlinien verstoßen. Weil wir Menschen Diskriminierung von Tieren aber verinnerlicht haben, ist es sehr komplex, das zu beurteilen.

netzpolitik.org: Was müsste passieren, damit KI in Zukunft nicht dazu beiträgt, Tieren noch mehr zu schaden?

Mirjam Walser: Das Thema muss zum einen mehr Aufmerksamkeit kriegen. Aktuell ist es ein absolutes Nischenthema, was zutiefst verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass Millionen und Milliarden von Tieren davon betroffen sind.

Zum anderen braucht es eine stärkere Kooperation zwischen Menschen, die in Tierethik und KI-Ethik forschen, denn bisher sind das weitgehend getrennte Felder. Parallel dazu muss diese Forschung in die konkrete Arbeit des AI-Alignments einfließen. Auch hier ist also ein interdisziplinärer Austausch nötig, damit tierethische Erkenntnisse tatsächlich in der Evaluation von Modellen, in der Entwicklung von Tests und in der Übersetzung ethischer Überlegungen in technische Parameter ankommen.

Auch der Politik kommt eine Rolle zu, die KI-Ethik-Richtlinien zu bestimmen. Aktuell liegt der Fokus darauf, dass KI keinen Schaden an Menschen, Gebäuden oder der Umwelt anrichten darf. Tiere werden nicht explizit erwähnt. Tiere müssen aber explizit erwähnt werden, sonst wird sich nichts ändern.

Über die Autor:innen

  • Timur Vorkul

    Timur ist seit September 2025 Volontär bei netzpolitik.org. Er hat Sozialwissenschaften und Kulturanthropologie studiert und zuletzt für den MDR gearbeitet. Neben seinem Volontariat macht er Beiträge für den Fernsehsender KiKA. Er interessiert sich für staatliche Überwachung, Migrationsregime und Ungleichheit.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)

    Foto: Darja Preuss


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12 Kommentare zu „Wie die KI in unser Hackfleisch kommt“


  1. Zuerst das Tier, dann folgt der Mensch

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    Massentierhaltung ist eine Geschäftsidee zum Zweck der Profitmaximierung.
    Das Narrativ vom „Tierwohl“ soll dazu beitragen, dass Konsumenten nicht den Appetit verlieren.

    Tiere wurden schon immer gerne als Versuchsobjekte benutzt, um das Wohl des Menschen zu steigern, weniger das der Tiere. Das Tier als lebende Sache, nicht nur seiner Freiheit beraubt, sondern auch seines eigenen Lebenszwecks.

    Nüchtern betrachtet handelt es sich um Totalüberwachung bei Tieren zur Feststellung von Verhaltensauffälligkeiten. Ein ideales Experimentierfeld, das Unmengen von Daten liefert. Unkomplizierte KI-Forschung zunächst am Tier, dann folgt Anwendung der Erkenntnisse beim Mensch.

    Doch wem nützt das am Ende der Fresshierarchie? Den Konsumentenmassen oder den faktisch digital Herrschenden?


  2. Auf Augenhöhe mit der Kuh

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    So wie die KI in den Stall schaut (siehe Symbolbild oben!), schaut sie auch in eure Büros und Wohnungen.

    Und wie die Kuh aus dem Bild glotzt, so sehen User und Konsumenten aus, wenn sie ins Internet „schauen“.


  3. Maike

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    Ein gutes Interview mit erschreckenden Aussichten, die mich nur weiter in meinem Vorhaben bestärken, vegan zu werden.


  4. Nina Stephan

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    Leider mangelt es der Interviewten an Wissen über heutige große landwirtschaftliche Höfe, die viele Tiere halten. Ich betreue als verbeamtete Tierärztin selber viele Betriebe bei uns im Landkreis. Offenkundig ist sie mit den Technologien und Sensoren, mit denen Tiere schon seit 15 Jahre überwacht und oft auch unterstützt werden kaum vertraut. Sie kennt auch grundlegende gesetzliche Regeln bei Tierhaltung leider nicht.
    Der Interviewer ist auch ahnungslos. Ein Trauerspiel.

    Man kann echt gegen Massentierhaltung sein, mit guten Gründen, ich habe viel schlimmes gesehen. Aber man braucht Wissen und nicht Ignoranz (und hier im Interview zum Teil erfundener Quatsch).

    Die Redaktion müsste hier sowohl technisch als auch rechtlich Korrekturen zum Gesagten anbringen. Ich würde gern mal eine Veröffentlichung zu diesem Thema von der Interviewten lesen, das reiche ich dann an unseren Verband.

    (Nebenbei: Diese Übernahme der verbreiteten KI-Übertreibungen ist für Leserinnen keine Einladung, hier nochmal über KI zu lesen.)


    1. Timur Vorkul

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      Hallo Nina,
      inhaltliche und sachliche Ergänzungen sind sehr willkommen, z.B. was du aus Deiner Erfahrung anders siehst. Jemand anders, der*die womöglich eine andere Perspektive auf Tierhaltung und Tierleid einnimmt, mit Verweis auf den eigenen Beruf die Expertise abzusprechen ist ein Leichtes.
      Die Erzählung, dass KI-basierte Technologien Tiergesundheit und Tierwohl steigern können, ist aktuell viel zu hören. Sie wird vor allem von den Hersteller*innen solcher Technologien wie z.B. CattleEye, das vom deutschen Konzern GEA aufgekauft wurde, vorangetrieben. https://www.gea.com/de/news/corporate/2024/gea-adds-proven-ai-solution-to-portfolio/ Diese Erzählung wird aber auch bereitwillig von Fachportalen z.B. https://www.wochenblatt-dlv.de/feld-stall/tierhaltung/ki-stall-mitdenkt-landwirte-wissen-sollten-582429 und großen Medien aufgegriffen z.B. https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/greiz/ki-kuhstall-muntscha-melken-100.html
      In diesem Interview ging es unter anderem daher darum, diese Erzählung und eben diese KI-Übertreibungen einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Die Expertise der Interviewpartnerin ist auch deshalb wertvoll, weil sie eine ethische Komponente in die Debatte bringt. Denn wie Forschende, die sich mit automatisierten Prozessen bei der Bewertung der Gesundheit von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren in der Landwirtschaft beschäftigt haben, feststellen, wird gerade diese Frage häufig ausgeblendet: „Die größte Herausforderung besteht darin, KI-Systeme zu entwickeln, die nicht nur präzise, sondern auch ethisch vertretbar sind. Wir müssen sicherstellen, dass die Technologie die Bedürfnisse der Tiere wirklich widerspiegelt und nicht nur auf Effizienzsteigerung abzielt,“ erklärt Studien-Co-Autor Christian Dürnberger vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni.“ https://www.vetion.de/newsdetail/ki-im-stall-forschende-plaedieren-fuer-sorgfaeltige-entwicklung-und-implementierung/


  5. Anna

    ,

    Ich hatte dieses Thema überhaupt nicht auf dem Radar! Super spannend. Aber schon auch erschreckend, wenn man sich überlegt, was da noch auf uns zukommt.… Bitte mehr von diesen „Nischenthemen“!


  6. Paul

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    Ich muss meinen Frusst loswerden, denn ich denke, dass niemand mit Fachwissen über Tierhaltung dieses Interview ohne schmerzendes Dauer-Kopfschütteln aushalten kann. Ich weiß wenig über Pottwale und Zebrafinken, aber schon über Nutzttiere. Ist das Interview KI-gepromptet, deswegen 16 Prozent Unsinn mit rein generiert?

    Am schlimmsten finde ich den obersten Absatz, weil hier ja sonst viel zu Technik geschrieben wird.: Diesen Wust an merkwürdigen Fragen stellt sich Frau Walser oder stellt ihr? Echt jetzt? Und mehr KI hat nicht reingepasst?

    Und netzpolitik.org schickt nach dem kurzen Vortrag auf der Republika einen Reporter los, um Frau Walser zu interviewen? Wie bitte? Wer nach dem einleitenden Absatz weiterliest, ist selber Schuld. Vielleicht höchstens für die humoristische Mittagspause. Bitte nicht sowas, Freunde.


    1. Timur Vorkul

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      Hallo Paul,
      auch hier: inhaltliche und sachliche Ergänzungen sind sehr willkommen. Siehe gern meine Antwort auf den Kommentar von Nina. Ich kann mir vorstellen, dass das Interview viele Emotionen ausgelöst hat. Denn solche Perspektiven, die die Ausbeutung von Tieren für menschliche Nahrung, Kleidung, Unterhaltung etc. in Frage stellen, können angesichts der überall präsenten Werbung der Fleischindustrie und des hohen Grades an Normalisierung von Gewalt gegen Tiere in unserer Gesellschaft in der Tat Abwehrreaktionen auslösen. Gerade angesichts der hohen Emotionalisierung gilt es miteinander sachlich ins Gespräch zu gehen.

      Jedes Wissen über Tiere, auch Fachwissen, ist situiert und wird aus einer bestimmten Position heraus geäußert. Allein im Begriff „Nutztiere“ steckt eine starke Annahme drin, dass Tiere für den Nutzen von Menschen da sind. Wie weit kann das Wissen über sie gehen, ohne diese Annahme zu überprüfen und die Perspektive der Kühe, Schweine, Hühner selbst einzubeziehen?


  7. Anonym

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    KI-Döner to go


  8. Notorisch Rhetorisch

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    Ich will hier weder Pro- noch Kontra sein aber doch auf einen Umstand hinweisen zu dem so eine Forschung zum Tierwohl und der Tierkommunikation führen könnte. Es wird ja angedeutet das sich die Tierschutzgesetze dann auch ändern müssten. Was wäre denn die Folge wenn sich später belegbar und reproduzierbar ergibt das Tiere immer leiden wenn sie in Gefangenschaft und zum Nutzen des Menschen gehalten (und getötet) würden. Nüchtern betrachtet ist das wohl jedem klar, es wird nur verdrängt. Was einfach ist weil der Schlachthof nicht in der Nachbarschaft liegt. Aber angenommen es gibt die unausweichliche Folge das man KEIN Tier mehr halten und Nutzen dürfte… wohin mit den ganzen Tieren. Werden Kühe, Schweine, Hühner u.a. dann einfach in das Stadtbild integriert? Schickt man sie zurück in die „Wildnis“ und überlässt sie sich selbst – und ggf. einem Förster? Da es dann auch keine Zucht gibt werden sich die Tiere wild vermehren. Und speziell die Kühe sind ja wegen ihre Methangas-emmissionen (4* wirksamer als C02) auch schon auf dem Radar der Klimaschützer.

    Und so wie man mit dem Teufel den Beelzebub austreibt könnte man mit 100% Tierwohl die Klimaziele und letztlich das Überleben aller (Menschen UND Tiere) riskieren. Die Freigesetzten Tiere sind dann zudem Konkurrenten bei den Grundstoffen aus denen man Vegane alternativen Herstellt – oder Biokraftstoffe. Ein Heuschreckenschwarm – nur eben in Größer. „Zum Wohl aller“ die Tiere dann zu bejagen und damit doch wieder zu töten wäre ein Rückschritt. Ich befürchte also man kann eben nicht alles haben. Leben, ÜBERleben oder mit Eingeschränktem Tierwohl zu leben muss in Zukunft entschieden werden.


    1. Anonym

      ,

      > Aber angenommen es gibt die unausweichliche Folge das man KEIN Tier mehr halten und Nutzen dürfte… wohin mit den ganzen Tieren. Werden Kühe, Schweine, Hühner u.a. dann einfach in das Stadtbild integriert? Schickt man sie zurück in die „Wildnis“ und überlässt sie sich selbst …

      Sog. Nutztiere bzw. Haustiere werden von Menschen massenhaft „produziert“, zum Zweck davon zu profitieren. Wenn diese „Lebendware“ nicht mehr produziert würde, dann müsste man sich auch keine Gedanken darüber machen, wohin man diese Tiere dann „in die Freiheit“ entlassen soll.


    2. Anonym

      ,

      „Aber angenommen es gibt die unausweichliche Folge das man KEIN Tier mehr halten und Nutzen dürfte… wohin mit den ganzen Tieren.“

      Nutztiere kann man halten oder nicht. Wenn man sie nicht halten will, schafft man sie zwangslaeufig ab. Das ist einfach.

      Fuer das oekologische Gleichgewicht wird man dann zT Wildtiere neu ansiedeln muessen, darunter auch entsprechende Beutegreifer. Unsere Kulturlandschaft wird sich dadurch signifikant aendern, unsere Kultur und Gesellschaft auch.

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