CoronaCCC-Kongress in Leipzig fällt zum zweiten Mal aus

Die Hackerkonferenz Chaos Communication Congress findet auch im Jahr 2021 nicht in Präsenz statt. Der Chaos Computer Club fürchtet, dass die notwendigen Schutzmaßnahmen und Einschränkungen den Geist der Veranstaltung bis zur Unkenntlichkeit verzerren würden.

Leipzig CCC Kongress
Auch in diesem Jahr wird es kein internationales Hacker:innen-Treffen in Leipzig geben. CC-BY-NC-SA 2.0 Gerald Grote

Der Chaos Computer Club hat angekündigt, dass es wegen der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr keinen Chaos Communication Congress in Leipzig geben wird. Schon im letzten Jahr war die Veranstaltung wegen Corona ausgefallen und hatte unter anderem Namen ausschließlich im Netz stattgefunden.

In einer ein Mitteilung auf dem Event-Blog des CCC heißt es:

In den vergangenen Wochen haben wir ausführlich die Möglichkeiten für einen Chaos Communication Congress 2021 in Leipzig geprüft. Im gemeinsamen Gespräch der vielen verschiedenen an der Organisation beteiligten Teams haben wir festgestellt: Die notwendigen Schutzmaßnahmen und Einschränkungen würden den Geist der Veranstaltung bis zur Unkenntlichkeit verzerren.

Aus diesem Grund habe der CCC entschieden, in diesem Jahr auf ein Präsenz-Event in Leipzig zu verzichten. Man wisse, dass viele sich sehr auf ein mögliches Treffen gefreut und dafür durchaus auch einige Einschränkungen, Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen akzeptiert hätten. An einem gewissen Punkt stelle sich aber die Frage, wie viel Congress-Feeling dann noch übrig bleibe.

Der CCC-Kongress hatte zuletzt etwa 17.000 Teilnehmer:innen. Veranstaltungen in dieser Größenordnung müssen derzeit mit starken Beschränkungen rechnen. Im Sommer haben einige Musikfestivals mit mehr als 5.000 Menschen in Deutschland stattgefunden, unter ihnen Planet:C auf dem Fusiongelände in Lärz. Die Veranstaltungen konnten mit einem Konzept stattfinden, das auf PCR-Tests für alle Teilnehmenden aufbaute. Im Unterschied zum CCC-Kongress fanden diese Veranstaltungen aber fast ausschließlich unter freiem Himmel statt. 

Hohe Hürden für Durchführung

Für Corona-konforme Massenveranstaltungen gibt es strikte Auflagen, etwa die namentliche Erfassung aller Teilnehmenden und eine teilweise Weitergabe dieser Daten an das Gesundheitsamt. Dies könnte ein Grund sein, dass der CCC einer Durchführung unter solchen Anforderungen kritisch gegenüber steht.

Hinzu kommt, dass der Kongress im Winter stattfindet und die Teilnehmenden nicht alle auf einem umzäunten Festivalgelände campen. Die Errichtung einer durch PCR-Tests sichergestellten coronafreien „Green Zone“ ist unter diesen Umständen deutlich schwerer zu organisieren. Weil PCR-Tests nur eine Aussagekraft über 72 Stunden haben, wäre zudem bei einem viertägigen Event mehrfaches Testen nötig gewesen.

Ausgehend von der Situation, dass der CCC den Kongress immer mit eigener Infrastruktur und fast komplett mit freiwilligen Helfer:innen durchführt, wären alleine für das Abstreichen und Testen hunderte Personen nötig gewesen. Nach den Erfahrungen bei der Planet:C ist selbst bei schnell arbeitenden Labors vor Ort mindestens mit einer Wartezeit von etwa vier Stunden zwischen Abstrich und Testergebnis zu rechnen. Viel Kongresszeit hätten die Besucher:innen also mit Warten verbracht.

Nächster Congress im Winter 2022

Sprecher:innen des Chaos Computer Clubs wollten sich auf Anfrage von netzpolitik.org nicht über die Blog-Meldung hinaus zu den Umständen der Absage äußern. In der Meldung des CCC heißt es abschließend:

Der Congress lebt von Spontaneität, internationalem Austausch und vor allem viel Chaos. Das alles wollen wir wieder im Winter 2022 gemeinsam und ungezwungen erleben.

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