BigBrotherAwardsDatenschutz-Negativpreise für Doctolib, Google und Proctorio

Was die „Goldene Himbeere“ im Filmbereich, sind die BigBrotherAwards im Bereich Datenschutz. Wer hier einen Preis gewinnt, hat in der Regel ziemlich viel falsch gemacht. Das sind die Preisträger des Jahres 2021.

Windrad
Seit mehr als 20 Jahren vergibt der BigBrotherAwards die „Oscars für Überwachung“. CC-BY-SA 4.0 Matthias Hornung

Bei den BigBrotherAwards 2021, den alljährlichen Oscars für Überwachung, wurden gleich mehrere Unternehmen ausgezeichnet. Der Award wird seit mehr als 20 Jahren vergeben und wird auch live übertragen

In der Kategorie „Gesundheit“ trifft es dieses Jahr das Terminvermittlungsportal Doctolib, das vielen Menschen von Buchungen bei Arztterminen und bei den Berliner Impfzentren bekannt sein dürfte. Laut der Jury würden die Patientendaten „unter Missachtung der Vertraulichkeitsverpflichtung verarbeitet und laut Datenschutzvereinbarung auch im Rahmen kommerzieller Marketingzwecke genutzt.“ Dafür nutzt Doctolib laut BigBrotherAwards den im Arztinformationssystem gespeicherten Patientenstammdatensatz und gleicht die Termine des Arztes aus dessen System ab. Dabei würden Daten auch von Patienten ausgetauscht, die nicht über Doctolib buchen.

In der Kategorie „Verkehr“ wird die  Europäische Kommission ausgezeichnet. Sie erhält den BigBrotherAward 2021 in der Kategorie Verkehr für die Einführung des Verfahrens „On-Board Fuel Consumption Meter“ (OBFCM). Es würden dabei „erhebliche Mengen an technischen Informationen eines Autos“ aufgezeichnet und an den Hersteller übermittelt. Dabei soll auch die Fahrgestellnummer übertragen werden, die Bundesregierung hatte sich dagegen ausgesprochen. Das OBFCM ist seit Anfang 2021 für Neuwagen verpflichtend, es soll die realen Verbrauchsdaten von Fahrzeugen erfassen.

In der Kategorie „Bildung“ erhält die Proctorio GmbH aus Unterföhring einen Award. Sie erhält den BigBrotherAward 2021 für den angebotenen „vollautomatischen Prüfungsaufsichtsservice“, der eine Totalkontrolle von Studierenden bei Online-Prüfungen ermöglichen soll. Während der Prüfung soll die KI-basierte Software insbesondere Blicke von Prüflingen erkennen, die auf einen Täuschungsversuch hindeuten, und dann automatisch Alarm schlagen. Netzpolitik.org berichtete, wie das System funktioniert.

In der Kategorie „Was mich richtig wütend macht“ erhält Google einen Preis „für jüngst offenbar gewordene massive Manipulation des Internet-Werbemarktes, Aushungern von Kreativen und Medien sowie Enteignung unserer digitalen Persönlichkeiten.“

In der neuen Kategorie „Public Intellectual“ erhält Julian Nida-Rümelin, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, einen BigBrotherAward. Nida-Rümelin wird ausgezeichnet „für seine öffentlich mehrfach geäußerte unhaltbare Behauptung, dass Datenschutz die Bekämpfung von Corona erschwert und Tausende von Toten zu verantworten habe“.

Die BigBrotherAwards gibt es in zahlreichen Ländern. In Deutschland wird er von Digitalcourage verliehen, Mitveranstalter sind unter anderem die Deutsche Vereinigung für Datenschutz, die Internationale Liga für Menschenrechte und der Chaos Computer Club.

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