Der Messenger Threema will in den kommenden Monaten den Quellcode offenlegen. Das kündigte das Unternehmen in einer Pressemitteilung an.
Threema ist vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitet. Der kostenpflichtige Messenger konnte damals beim Verkauf von WhatsApp an Facebook an Nutzer:innen zulegen, die dem Datenkonzern Facebook nicht vertrauen.
Threema braucht keine Telefonnummer
Im Vergleich zum Messenger Signal hatte Threema immer den Vorteil, dass die ID nicht an einen sogenannten eindeutigen Bezeichner wie die Telefonnummer geknüpft sein muss. Das erlaubt auch eine pseudonyme Nutzung des Messengers ohne Offenlegung der Telefonnummer.
Im Gegensatz zu Signal gab es dagegen bei Threema immer Bedenken, weil der Code nicht eingesehen werden konnte. Threema versuchte dies in der Vergangenheit mit Audits seines Codes zu kontern. Nun geht der Messenger auf den Hauptkritikpunkt ein, indem er seinen Code offenlegen will.
Investmentfirma steigt bei Threema ein
Zugleich kündigte Threema jedoch auch den Einstieg der deutsch-schweizerischen Investmentfirma Afinum Management AG an. Die ursprünglichen Gründer Manuel Kasper, Silvan Engeler und Martin Blatter halten weiterhin Anteile und werden das Unternehmen auch weiter führen.
Erst kürzlich hatte Threema auch Videotelefonie eingeführt. Diese Funktionalität haben andere Messenger schon länger im Programm, Threema hinkte hier etwas hinterher. Threema bietet mit Threema Web auch eine Desktop-Version an.
Facebook-Konzern dominiert Messengerdienste
Laut einer Studie der Bundesnetzagentur (PDF) nutzen 83 Prozent der Deutschen regelmäßig einen Messenger. Der Markt wird hierbei vom Facebook-Konzern mit seinen Produkten WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram bestimmt. 96 Prozent der Messenger-Nutzer haben WhatsApp, viele nutzen jedoch mehrere unterschiedliche Messenger-Apps.
Die für ihre Privatsphäre bekannten und vermarkteten Messenger sind eher in der Nische anzutreffen. In Deutschland nutzten Ende 2019 nur 4 Prozent Threema und ebensoviele Signal, wobei nur gut 1,5 Prozent angaben, dass sie diese Messenger hauptsächlich nutzten.
Für die Erhebung wurden Ende 2019 mehr als 2200 Menschen befragt. Die Nutzung von Messengern, vor allem auch beruflich, dürfte durch die Corona-Krise noch einmal deutlich zugelegt haben. Die berufliche Nutzung lag Ende 2019 noch bei nur knapp 50 Prozent.
Update, 4. September 2020:
Threema wird laut der Ankündigung nur den Code des Clients offenlegen. Die Einsehbarkeit des Codes heißt auch nicht, dass dieser unter eine freie Lizenz gestellt wird.
Update, 22. Dezember 2020:
Threema hat die Ankündigung nun die Tat umgesetzt und den Code des Clients unter der offenen GNU Affero General Public Licencse veröffentlicht. Mehr Infos: https://threema.ch/de/open-source
