Was vom Tage übrig blieb: Copyright-Mobs, Windows-Zwang und zwielichtige Datenbroker

Die EU-Kommission beschimpft Gegner der Urheberrechtsreform, Facebook hat eine eigene Spionage-Abteilung, ein auf KI basierender Textgenerator ist zu gefährlich und der MDR fühlt Datenbrokern auf den Zahn. Die interessantesten Reste des Tages.

Wenn das so weiter geht, dann drehen wir hier bald ein Remake von Hitchcocks „Die Vögel“. CC-BY 4.0 netzpolitik.org

The Copyright Directive: how the mob was told to save the dragon and slay the knight
Kurze Durchsage der EU-Kommission: Der „Mob“ (Ja, sie schreiben Mob!), der behauptet, dass die EU-Urheberrechtsreform zu Uploadfiltern führe, ist entweder zu blöd zum Lesen oder von Facebook/Google gekauft. In Verschwörungstheorie-Manier fragt der Text tatsächlich noch „Cui Bono?“ Man kann über die Uploadfilter ja unterschiedlicher Meinung sein, einer EU-Kommission ist eine solche Argumentation nach einer solchen zugespitzten Auseinandersetzung aber unwürdig.

Facebook uses its apps to track users it thinks could threaten employees and offices (CNBC)
Wenn Facebook einen User für eine Gefahr für die eigene Sicherheit hält, meldet der Konzern das nicht nur den Behörden, sondern bespitzelt solche Nutzer auch über die eigene Plattform – bis hin zu Standortdaten. Das berichtet der US-Sender CNBC unter Berufung auf Ex-Mitarbeiter. Wer etwa Facebook droht, landet auf einer Liste des konzerninternen Sicherheitsteams. Auch gefeuerte Ex-Angestellte werden demnach überwacht. Scary.

Windows-Zwangsmigration: Strafanzeige gegen niedersächsische Landesregierung (Heise Online)
Die Große Koalition in Niedersachsen will die Finanzverwaltung des Landes von Linux auf Microsoft Windows umstellen – ohne eine konkrete Notwendigkeit anzuführen oder auch nur eine Risiko- und Kostenschätzung vorgenommen zu haben. Unter Berufung auf Untersuchungen von Datenschutzbehörden klagt jetzt ein Privatmann gegen die Zwangsmigration der 12.000 Rechner in den Finanzbehörden.

New AI fake text generator may be too dangerous to release, say creators (Guardian)
Das von Elon Musk unterstützte Projekt OpenAI will den neu entwickelten Text-Generator GPT2 entgegen früherer Praxis nicht offen ins Netz stellen. GPT2 sei zu gut und das Risiko des Missbrauchs zu hoch. Die Software wurde mit mehr als 10 Millionen Artikeln gefüttert und ist in der Lage anhand einer kurzen Textpassage in einem ähnlichen Stil weiter zu schreiben. Der Guardian präsentiert die Fähigkeit anhand eines Beispiels.

Datenhändler auf dem Prüfstand (MDR exakt)
Der MDR liefert ein Follow-Up zu einer sehenswerten Recherche über das Unwesen der Databroker aus dem Jahr 2018: Journalist:innen begleiten eine Frau, deren psychologisches Profil sie damals gekauft hatten, bei dem Versuch, Auskunft von Datenhändler AZ Direct zu erhalten. Dabei werden auch die Grenzen des Datenschutzsystems deutlich: Der Databroker behauptet schlicht, er hätte nur Name und Adresse der Frau gespeichert. In einem ausführlichen Begleitartikel legt Redakteurin Sabine Zygan außerdem dar, wie schlecht es um die Ausstattung und damit die Kontrollfähigkeit der Datenschutzaufsichtsbehörden bestellt ist.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links & kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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