ABC der Offenheit

Was ist Open Data?

Open Data soll dabei helfen, Daten für viele Personen zugänglich zu machen. Dadurch erhoffen sich die Befürworter die Transparenz öffentlicher und privater Stellen zu erhöhen.

Was versteckt sich im Nebel? Open Data schafft Abhilfe Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Anthony Aird

„Wissen ist offen, wenn jede:r darauf frei zugreifen, es nutzen, verändern und teilen kann – eingeschränkt höchstens durch Maßnahmen, die Ursprung und Offenheit des Wissens bewahren.“

Die Open Knowledge Foundation (OKF) und Wikimedia haben eine Broschüre mit dem Titel „ABC der Offenheit“ herausgegeben. Sie steht unter der Lizenz CC BY-SA 4.0. In den nächsten Wochen werden wir jeden Montag einen Ausschnitt daraus veröffentlichen – unter anderem dazu, was es heißt, „offen“ zu arbeiten, wie „offene“ Herangehensweisen in verschiedenen Bereichen aussehen und welche Vorteile sie bringen.

Offene Daten sind Daten, auf die alle Personen frei zugreifen können und die von allen genutzt, verändert und geteilt werden können. Sie werden in vielen Anwendungen erzeugt und gesammelt, beispielsweise in amtlichen Messungen, wissenschaftlichen Experimenten oder durch Online-Tracking. Jedoch werden diese nur selten anderen oder der Gesellschaft insgesamt offen zur Verfügung gestellt. Das führt zu einer unnötigen Vervielfachung von Arbeit, aber auch zu fehlender Transparenz. Daten sind offen, wenn sie durch freie Lizenzen für jegliche [auch kommerzielle] Anwendung nutzbar gemacht werden. Offene Daten sollten maschinenlesbar , nicht personenbezogen und nicht Teil von kritischen Infrastrukturen sein. Sie sollten auch möglichst aktuell, d. h. zeitnah zur Verfügung gestellt werden und vollständig sein. Des Weiteren sollten sie möglichst von der Primärquelle stammen [die sie selbst erhoben hat], leicht zugänglich [in freien Formaten vorliegen] und dauerhaft verfügbar sein. Open-Data-Portale bieten einerseits die Möglichkeit, Daten unter freien Lizenzen bereitzustellen. Andererseits ermöglichen sie es, zur Weiterverwendung bereits vorhandene offene Daten in individuellen Projekten oder Geschäftsideen zu finden und herunterzuladen. Die Projekte Open Street Map 86 und Wikidata 87 tragen riesige Mengen offener Daten zusammen. Eine umfassende Übersicht zu den Prinzipien offener Daten findet man bei Open Data Österreich.

Vorteile

Offene Daten erhöhen die Transparenz öffentlicher und privater Stellen, was für öffentliche Stellen besonders relevant ist angesichts ihrer allgemeinen Rechenschaftspflicht. Außerdem bieten sie eine Basis für Innovationen und sind die Grundlage für neue Geschäftsmodelle. Veröffentlichte Daten lassen sich beispielsweise in Apps und Visualisierungen nutzen und mit anderen Daten kombinieren , wodurch neues Wissen entsteht. So können etwa Standort und Angebotsdaten mit Geodaten in einer App für Smartphones zusammengeführt und auf einer Karte dargestellt werden. Zudem werden offene Daten für wissenschaftliche Zwecke genutzt. Zahlreiche Beispiele für Anwendungen mit Open Data sind unter der Sammlung „Daten wirken“ zu finden.

Was ist zu beachten?

Nutzung von freien Lizenzen

Offene Daten können vor allem unter den zwei Lizenzen Creative Commons Namensnennung [CC BY] und Creative Commons Zero [CC 0] veröffentlicht werden. Die geeignete Creative-Commons-Lizenz kann man mit Hilfe des Licence Choosers von Creative Commons ermitteln. Das Open-Data-Portal GovData der Bundesländer verwendet die offene Datenlizenz Deutschland, von der es ebenfalls eine Version mit Namensnennung und Zero gibt.

Publikation in offenen Formaten

Die ideale Form für Open Data sind strukturierte Daten, zum Beispiel Tabellen. Damit sind Daten für Menschen nicht auf den ersten Blick verständlich. Maschinen können sie aber in dieser Form direkt verarbeiten. Das ist vor allem bei großen Datensätzen wichtig. Sind Daten in nicht maschinenlesbaren Formaten abgespeichert, können sie z. B. in automatischen Abfragen nicht erfasst werden.

Metadaten in guter Qualität

Um mit strukturierten Daten möglichst einfach arbeiten zu können, ist es notwendig, diese zu beschreiben. Werden beispielsweise Filialstandorte in Tabellen angegeben, erklären die Metadaten , um welchen Datensatz es sich handelt und wo im Datensatz die Daten zu „Postleitzahl“, „Straße“, „Hausnummer“, „Telefonnummer“ oder „Öffnungszeiten“ zu finden sind.

Beispiel

FragDenStaat.de

Seit 2011 gibt es mit FragDenStaat.de eine Plattform der Open Knowledge Foundation, mit der jeder Mensch Anfragen nach den deutschen Informationsfreiheitsgesetzen an Behörden stellen kann. Dabei werden sowohl die Anfragen als auch die übermittelten Informationen transparent auf der Seite dokumentiert und so jedem zugänglich gemacht. Im Rahmen von FragDenStaat sind in den vergangenen Jahren auch die Kampagnen FragDenBundestag94 und Gläserne Gesetze entstanden: Bei FragDenBundestag fragten Nutzerinnen und Nutzer des Portals innerhalb von zwei Wochen mehr als 2000 Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages an. Im Zuge dieser Anfragen fiel im Ältestenrat die Entscheidung, dass der Bundestag die Gutachten zukünftig selbst veröffentlichen werde, um die Anfragen nicht beantworten zu müssen. Nach dem selben Prinzip stellten Personen über die Plattform tausende Anfragen nach Gesetzentwürfen der Bundesministerien und Stellungnahmen von Interessenvertreterinnen und -vertretern dazu. Dies führte dazu, dass die Bundesregierung beschloss, die Dokumente von sich aus zu veröffentlichen.

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