Free-Software-Pionier Richard Stallman ist von seiner Position beim Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) zurückgetreten. Auch sein Amt als Präsident der Free Software Foundation legt der einflussreiche Wissenschaftler und Aktivist nieder. Hintergrund des Rücktritts sind Äußerungen von Stallman in der Epstein-Affäre, die das MIT gerade erschüttert.
Auf seiner Webseite schreibt Stallman:
Ich trete mit sofortiger Wirkung von meiner Position bei CSAIL am MIT zurück. Ich tue dies aufgrund des Drucks auf das MIT und mich wegen einer Reihe von Missverständnissen und Fehleinschätzungen. [Eigene Übersetzung]
Stallman war zuletzt massiv in die Kritik geraten, weil er seinen ehemaligen Kollegen Marvin Minsky in Schutz genommen hatte. Dem 2016 verstorbenen Minsky wird vorgeworfen, er habe die damals 17-jährige Virginia G. vergewaltigt. Vor einem US-Gericht hatte Virginia G. ausgesagt, dass eine Vertraute des Milliardärs Jeffrey Epstein sie zum Sex mit dem KI-Forscher gezwungen habe.
Stallman hatte in einer E‑Mail an einen großen CSAIL-Verteiler geschrieben, dass das wahrscheinlichste Szenario gewesen sei, dass Virginia G. sich Minsky als „willig“ gezeigt habe, weil sie dazu gezwungen wurde. Stallman schrieb in dieser E‑Mail weiter, er halte es für moralisch absurd, „Vergewaltigung“ so zu definieren, dass es von kleinen Details abhänge, beispielsweise ob das Opfer 18 Jahre oder 17 Jahre alt war.
Der Finanzier Jeffrey Epstein war wegen Sexhandels und Missbrauchs minderjähriger Mädchen in den USA angeklagt und nahm sich in der Untersuchungshaft das Leben. Epstein unterstützte das MIT mit Spenden und erhielt im Gegenzug Zugang zu Veranstaltungen und zum Netzwerk des Instituts. Nach öffentlichem Druck war deshalb auch MIT-Direktor Joi Ito zurückgetreten.
